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Veröffentlicht am 21.05.2023

https://wasliestdu.de/rezension/auftakt-einer-hamburg-krimireihe-mit-viel-sozialkritik-und-origineller-mordmethode

Der Bojenmann
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"Der Bojenmann" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, die in Hamburg spielt. Hauptfiguren sind das LKA Team um Thies Knudsen und Dörte Eichhorn sowie Knudsens Freund Oke "La Lotse" Andersen. Im ersten ...

"Der Bojenmann" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, die in Hamburg spielt. Hauptfiguren sind das LKA Team um Thies Knudsen und Dörte Eichhorn sowie Knudsens Freund Oke "La Lotse" Andersen. Im ersten Fall wird der real existierende Bojenmann des Künstlers Balkenhol mitten auf der Elbe gegen einen ebenso kunstvoll plastinierten Leichnam ausgetauscht. Doch das ist nur der Auftakt, weitere professionell präparierte Leichen à la Hagens Körperwelten folgen.

Anders als in vielen Hamburg-Krimis lassen die beiden Autoren die Handlung tatsächlich unverkennbar an real existierenden Schauplätzen spielen. Zu Beginn werden vor allem die ermittelnden Personen vorgestellt. Außerdem werden insbesondere in Gesprächen zwischen Oke und Thies sehr ausführlich Themen wie Globalisierung, Klimawandel und modernes Sklaventum in der Schifffahrt behandelt. Leser*innen erfahren auch viel über das Verfahren der Plastinierung.

Kester Schlenz und Jan Jepsen haben einen sehr gut lesbaren, informativen Krimi geschrieben. Die vorgestellten Charaktere sind gut beschrieben und besonders Oke als Sympathieträger geeignet. Leider sprengen die Vielzahl an durchaus interessanten Themen mit sozialkritischem Bezug aber den Krimi - Rahmen und bremsen die Spannung etwas aus.

Das Ende lässt einige Fragen unbeantwortet. Aber das wird vermutlich in den Nachfolgebänden passieren.

Trotz der ungewöhnlichen Mordmethode ist der Bojenmann kein blutiger oder übermäßig spannender Krimi mit Suchtpotential. Gut recherchiert und gut geschrieben, aber etwas fehlt. Daher nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.05.2023

Die zerstörerische Macht unausgesprochener Gefühle

Männer sterben bei uns nicht
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Anlässlich der Beerdigung ihrer Großmutter trifft Luise auf die weiblichen Mitglieder ihrer Familie. Anders als erwartet und der Stellung der Großmutter
angemessen, ist die Beisetzung mehr als schlicht ...

Anlässlich der Beerdigung ihrer Großmutter trifft Luise auf die weiblichen Mitglieder ihrer Familie. Anders als erwartet und der Stellung der Großmutter
angemessen, ist die Beisetzung mehr als schlicht und findet ohne weitereTrauergäste statt.

In Rückblenden wird aus Luises Sicht das Verhältnnis der Frauen zueinander dargestellt. Luise ist aufgewachsen auf einem großen Anwesen am See, bestehend aus fünf Häusern. In dem größten Haus lebte die Großmutter, in drei kleineren Häusern die anderen Frauen der Familie. Nur das fünfte Haus durfte nicht betreten werden. Unumstrittene Herrscherin war die Großmutter, Männer spielten in dieser Konstellation keine Rolle. Luise war der Liebling der Großmutter, allerdings auch nur deshalb, weil sie erwünschtes Verhalten zeigte. Die anderen Familienmitglieder konnten den Anforderungen nicht gerecht werden. Doch anstatt sich zu solidarisieren, begegnen sie einander mit Misgunst und Ablehnung.

Mich hat der Roman sowohl sprachlich als auch inhaltlich beeindruckt. Diese Frauen, die materiell anscheinend nichts vermissen, leben in einer Atmosphäre der Kälte und der Angst, ohne darüber sprechen zu können, geschweige denn sich dagegen zu wehren. Erst spät wird deutlich, welch tiefsitzende Traumata nie bearbeitet wurden.

Das Stilleben mit der angeschlagenen Schale auf dem Cover passt perfekt, weil es für mich sinnbildlich für diese beschädigte Familie steht.

Ein empfehlenswertes Buch für Leser*innen, die eher ruhige und nachdenklich stimmende Literatur mögen.

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Veröffentlicht am 21.02.2023

Mäßig spannender, trotzdem unterhaltsamer Auftakt einer neuen Krimireihe

Verschwiegen
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Im ersten Band der „Mörderisches Island“-Reihe um die Polizistin Elma kehrt diese nach einem traumatischen Beziehungsende in ihren Geburtsort Akranes zurück. Nachdem sie sich in ihrer neuen Dienststelle ...

Im ersten Band der „Mörderisches Island“-Reihe um die Polizistin Elma kehrt diese nach einem traumatischen Beziehungsende in ihren Geburtsort Akranes zurück. Nachdem sie sich in ihrer neuen Dienststelle langsam eingewöhnt hat, wird in der beschaulichen Kleinstadt die Leiche einer unbekannten Toten aufgefunden, die offensichtlich ermordet wurde.

Die Autorin lässt den vielen verschiedenen Charakteren sehr viel Raum, sich zu entwickeln. Auch die Handlung wird eher langsam vorangetrieben. Besonders zu Beginn wird nicht immer deutlich, ob die beschriebenen Szenen für den weiteren Verlauf relevant sind. Trotzdem lässt sich der Schreibstil sehr angenehm lesen, wenn man sich auf das langsame Tempo und die Vielzahl an isländischen Namen einlassen mag. Von den Namen einmal abgesehen, hätte der Roman aber auch irgendwo am Meer spielen können, allzu viel Island-Atmosphäre wird nicht verbreitet.
Zeitlich spielt die Handlung auf zwei Ebenen, wobei eine lediglich kurze, aber sehr gelungene Einschübe in der Vergangenheit darstellt. Gerade diese machen den besonderen Reiz des Romans aus. Deutlich früher als die ermittelnden PolizistInnen erahnt man Zusammenhänge, wird aber auch auf falsche Fährten geführt. Gelegentlich gibt es hier ein Zuviel des Guten. Die Auflösung ist leider nicht mehr so überraschend und gibt nicht auf alle Fragen Antworten, weder für die handelnden Personen noch für die Lesenden. Vermutlich klärt die Autorin im Folgeband das eine oder andere Rätsel, aber der Fall selbst scheint abgeschlossen.

Trotz einiger Kritikpunkte ist der Krimi durchaus zu empfehlen. Wer sich auf die isländischen Namen und einen gemächlichen Spannungsaufbau einlassen mag, kommt hier sicher auf seine Kosten. Für mich ist die Fortsetzung kein Muss, aber ausschließen werde ich es auch nicht.

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Veröffentlicht am 13.02.2023

Reizvoller Blick hinter bürgerliche Fassaden

Happy New Year – Zwei Familien, ein Albtraum
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In der Schulzeit waren Nina und Lollo engste Freundinnen. Inzwischen haben sie fast erwachsene Töchter und verbringen mit ihren Familien nur noch bestimmte Feiertage miteinander. Als Lollos Tochter Jennifer ...

In der Schulzeit waren Nina und Lollo engste Freundinnen. Inzwischen haben sie fast erwachsene Töchter und verbringen mit ihren Familien nur noch bestimmte Feiertage miteinander. Als Lollos Tochter Jennifer nach der Silvesternacht spurlos verschwunden ist, stürzen beide Familien in eine tiefe Krise.

Malin Stehn beschreibt sehr ausführlich, welche Gefühle dieses Ereignis bei den einzelnen Personen auslöst. Abwechselnd schildern vor allem Nina, Lollo und Ninas Ehemann Fredrik das Geschehen aus ihrem Blickwinkel. Dabei entsteht wie bei einem Puzzle langsam ein vollständiges Bild, auch wenn einige Teile dann wieder korrigiert werden müssen. Die Charaktere sind durch dieses Stilmittel sehr detailliert beschrieben und auch glaubwürdig entwickelt. Echte Sympathieträger gibt es aber nicht.

Der Roman ist unterhaltsam und angenehm zu lesen, stellenweise aber etwas zu langatmig. Für einen Thriller feht es ein wenig an Spannung, trotzdem hat die Erzählweise einen besonderen Reiz.

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Veröffentlicht am 10.05.2022

Umstrittener Titel für einen Roman mit Tiefgang

Mongo
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Katja ist ungeplant schwanger und verzweifelt. Nicht, weil sie keine Kinder will, sondern weil sie fürchtet, ihr Kind könnte ebenso wie ihr Bruder Markus das Down-Syndrom haben. Harry ist von der Reaktion ...

Katja ist ungeplant schwanger und verzweifelt. Nicht, weil sie keine Kinder will, sondern weil sie fürchtet, ihr Kind könnte ebenso wie ihr Bruder Markus das Down-Syndrom haben. Harry ist von der Reaktion seiner Freundin überfordert und sucht für sich einen sehr rationalen Weg, mit der Situation umzugehen. Er beginnt, eine Art Pro und Contra – Liste zu erstellen, in der er seine persönlichen Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen Revue passieren lässt.

In der Kindheit des Autors gab es wenige Kontakte zu Menschen mit Behinderung, und wenn war das eigene Verhalten gedankenlos oder sogar brutal. Erst durch Katjas Bruder ändert sich das. Unsicher, liebevoll und manchmal auch einfach zu naiv geht Harald Darer mit seinem Schwager um.
Katjas Verhältnis zu ihrem Bruder hingegen ist ambivalent. Einerseits liebt sie ihn und will ihn schützen, andererseits hat Markus Behinderung Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben gehabt, die sie so nicht wollte. Ihre Eltern haben ihr dabei nicht wirklich zur Seite gestanden und viel zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse des "gesunden" Kindes genommen.

Mich hat sehr beeindruckt, wie der Autor die Unsicherheit beschreibt, die die werdenden Eltern angesichts des eigentlich erfreulichen Ereignisses empfinden. Dazu gehören die recht drastischen Erfahrungen mit Ärzten, die pränatale Diagnostik ohne Empathie betreiben.

Der Sprachstil ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig und ich hatte auch Verständnisschwierigkeiten bei einigen österreichischen Begriffen. Trotzdem habe ich diesen Roman gerne gelesen und fand die Mischung aus ernster Thematik mit viel Humor und Situationskomik gelungen. Der Autor lässt keinen Zweifel daran, dass Menschen mit Trisomie 21 das gleiche Recht auf ein glückliches und möglichst selbstbestimmtes Leben haben wie alle anderen auch. Und das das Zusammenleben vielleicht nicht immer einfach ist, aber trotzdem bereichernd sein kann.

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