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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2023

Überzeugend anders

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Während mich andere Neuerzählungen eher enttäuscht haben, konnte mich Stone Blind sehr begeistern. Eine der Szenen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist diese hier:

»Und wer bist du, zu ...

Während mich andere Neuerzählungen eher enttäuscht haben, konnte mich Stone Blind sehr begeistern. Eine der Szenen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist diese hier:

»Und wer bist du, zu entscheiden, wer ein Monster ist?« […] »Sie haben Schlangen als Haare!« »Schlangen sind keine Monster« »Und Stoßzähne.« »Wildschweine sind auch keine Monster.« »Und Flügel.« »Ich bin sicher, nicht einmal du glaubst, dass Vögel Monster sind.«

Allerdings gab es anfangs eine gewisse Lücke zwischen dem von mir erwarteten Inhalt und der tatsächlichen Geschichte. Ich dachte nicht, dass es um das große Ganze mit neuen Perspektiven geht, sondern eher um Medusas Sicht und ihre Gedanken sowie Gefühle. Letztendlich hat es mir in der Form aber vielleicht sogar besser gefallen. Mich haben nicht nur die Schicksale der beteiligten Frauen gepackt, sondern auch die vielen verschiedenen Handlungen, die einander überlappen und ergänzen. Medusas Schicksal wird so ein Zusammenspiel aus vielen kleineren Teilen und das Ergebnis unterschiedlicher Entscheidungen und Handlungen – kaum eine ist allerdings von ihr. Fest damit verbunden sind Themen wie Macht & Machtlosigkeit, Opferbereitschaft & Zusammenhalt sowie – zumindest für mich als Leserin – eine Portion Wut.

Wenn ihr in griechischer Mythologie nicht so fit seid, ist das hier übrigens überhaupt kein Problem! Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der oft weniger blumige Schreibstil für einige gewöhnungsbedürftig sein könnte – ich habe die Art des Erzählens aber als passend empfunden. Auch die Darstellung der Göttinnen und Götter kam mir authentisch vor.

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Veröffentlicht am 26.05.2023

Nach dem Abenteuer ist vor dem Abenteuer

Panda Kingdom - Düsterer Drachenberg
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"Auch wenn er weder ganz in die Berge noch ganz in den Südwald gehörte, wusste er endlich, wer er war. Geist Winterjunges, halb Panda, halb Leopard und hundertprozentig er selbst."

Entscheidung auf dem ...

"Auch wenn er weder ganz in die Berge noch ganz in den Südwald gehörte, wusste er endlich, wer er war. Geist Winterjunges, halb Panda, halb Leopard und hundertprozentig er selbst."

Entscheidung auf dem Drachenberg: Der dritte Band schließt nahtlos an die letzten Ereignisse an. Regen wird weiterhin gefangen gehalten und Blättchen sucht verzweifelt nach ihr, während Geist hinter die Intrigen blickt und keinen Ausweg sieht. Zusätzlich lauern unerkannte Gefahren in nächster Nähe, die das Blatt nicht nur zugunsten der Geschwister wenden könnten. Werden sie es schaffen den Drachenberg gemeinsam zu besteigen, um das Geheimnis der Bambuswelt zu offenbaren?

Wie zuvor wird die Geschichte aus den Perspektiven der Drillinge erzählt: Blümchen, die die höchsten Äste erklimmt, Regen, die zwischen den Welten schwimmt und Geist, der mit den Jägern zieht. Mir sind alle drei Pandas ans Herz gewachsen, wobei mich Geist am stärksten bewegt hat – aufgezogen von Schneeleopaden und damit lange im Ungewissen, warum er anders ist. Der Wunsch nach Zugehörigkeit, die Verzweiflung aufgrund des „Andersseins“, das Eingestehen von Fehlern, die Erfahrung vorsichtig mit dem Schenken von Vertrauen zu sein und die Schuld in verschiedenen Facetten waren sehr emotional.

Besonders gut hat mir diesmal die Darstellung von aktivem und passivem Widerstand gefallen. Unterstützung und Hilfe zeigt sich in ganz unterschiedlichen Formen.

Insgesamt ist der dritte Band mit deutlich mehr Gefahren und Kämpfen gespickt. Zum Teil waren die Auseinandersetzung – für ein Kinderbuch – durchaus brutal, spannend war es allemal!

Ein krönender Abschluss der Bestrebungen der Panda-Drillinge, der gleichzeitig Platz für eine spannende Fortführung macht: Nach dem Epilog muss es weitergehen! Und tatsächlich bleibt es nicht bei einer Trilogie, im Englischen ist Band 4 („The Dark Sun“) für den Herbst angekündigt. Der Große Drache warnt vor neuen Gefahren…

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Wer bestimmt über dein Glück?

Du bist so schön, sogar der Tod erblasst
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„Du bist so schön, sogar der Tod erblasst“ hat mich zwiegespalten zurückgelassen.

Den Schreibstil habe ich als sehr eingängig und leicht empfunden, was sicher dazu beigetragen hat, dass die eingewobenen ...

„Du bist so schön, sogar der Tod erblasst“ hat mich zwiegespalten zurückgelassen.

Den Schreibstil habe ich als sehr eingängig und leicht empfunden, was sicher dazu beigetragen hat, dass die eingewobenen ernsteren Themen wie Trauer und Verlust greifbar, aber nicht zu schmerzlich waren. Auch die angedeuteten Konflikte und Hindernisse beim Gehen des eigenen Weges, z. B. die Erwartungen anderer, fand ich gut platziert. Zusätzlich war die beschriebene Freundschaft schön zu beobachten: Weder Feyi noch ihre Freundin Joy werden flunkern, weil es einfacher ist, aber wenn eine Entscheidung getroffen wurde, dann unterstützen sie einander auch.

Allerdings hätte ich mir an einigen Stellen etwas „mehr“ gewünscht: mehr Beschreibungen, mehr „Unperfekt" und mehr Tiefe. Außerdem bevorzuge ich tendenziell einen etwas weniger umgangssprachlichen Stil. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass der Stil für die Geschichte und die Charaktere, die ebenfalls kein Blatt vor den Mund nehmen, durchaus gepasst hat und die fehlenden Details ein interessanter Anstupser zum Reflektieren sind.

Die Stärke des Buches liegt für mich (neben der eindrücklichen Schilderung von Verlust) darin, dass Liebe tendenziell in verschiedenen Facetten gezeigt wird. Hierzu gehört auch, dass körperliche Nähe nicht zwangsläufig mit emotionaler Nähe einhergehen muss. Zusätzlich ist die Liebesgeschichte vermutlich ein Thema, das man höchst kontrovers diskutieren kann (in der Leserunde war es auf jeden Fall so): Welches Glück zählt mehr? Wie würde man sich selbst entscheiden? Wie würde man als Freundin reagieren? Dass solchen Themen Platz gemacht wird und auf den erhobenen Zeigefinger eher verzichtet wird, finde ich gut. Gleichzeitig würde ich aus dem Bauch heraus nicht sagen, dass die klassische Liebesgeschichte neu erzählt wird, wie der Klappentext suggeriert. Und auch die Werbung als sexy Sommer-Romance scheint für mich nicht ganz passend.

Grundsätzlich war „Du bist so schön, sogar der Tod erblasst“ für mich ein gelungenes Buch, das eher charaktergeleitet ist und sich am besten lesen lässt, wenn man sich von den Werbetexten nicht irritieren lässt. Sonst werden ggf. Erwartungen geschürt, die nicht so recht erfüllt werden.

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Veröffentlicht am 16.04.2023

Eulen, die von Wundern angezogen werden, Pilger:innen, die ihr Glück suchen und Charaktere, die ihren eigenen Platz erkämpfen

Wie Eulen in der Nacht
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Die ersten Seiten haben mich direkt gefangen genommen & dabei ist es auch geblieben. Wie Eulen in der Nacht war ausdrucksstark, atmosphärisch und ganz anders. Ich habe mich ausgesprochen gut unterhalten ...

Die ersten Seiten haben mich direkt gefangen genommen & dabei ist es auch geblieben. Wie Eulen in der Nacht war ausdrucksstark, atmosphärisch und ganz anders. Ich habe mich ausgesprochen gut unterhalten gefühlt!

Meine Begeisterung fußt vor allem auf der Sprache und den Details der Geschichte. Der Plot als solcher ist nicht besonders spannungsgeladen und durch die Vielzahl an Charakteren lässt sich ggf. nicht zu jeder Figur eine nähere Beziehung aufbauen. Ich war trotzdem gespannt, wie die Geschichte ausgehen wird und habe fleißig die Daumen gedrückt. Außerdem haben mir die Botschaften und vielfältigen Herausforderungen gut gefallen.

"No one wanted to see their darkness made manifest, but the reality was that it could not be fought until you saw its shape."

„Tatsächlich war es nur die Liebe, die verhindert hatte, dass er beim ersten Mal an seinem gebrochenen Herzen starb. Die Liebe versteht es, Löcher im Herzen abzudichten und zugleich neue hineinzuschlagen.“

"Here was a thing she feared: that the prettiest thing about her was her exterior."

„Ich weiß nicht, ob ich meine Schwester liebe, oder ob ich sie lieben muss, weil wir praktisch ein und dieselbe Person sind. Die Leute sagen immer, wie ähnlich wir uns sehen – das ist das Erste, was sie sagen."

Traut euch nach dem Buch zu greifen, auch wenn die Meinungen stark auseinandergehen!

Zusatz: Womit ich mich im Nachgang etwas näher beschäftigt habe, waren Own Voice Reviews zum Buch, da die Autorin Folklore, Religion und Kultur für ihre Geschichte nutzt, der sie nicht angehört. Die Meinungen hierzu gehen auseinander. Insgesamt habe ich für mich mitgenommen, dass stellenweise fehlendes Wissen bemängelt wird und auch vereinzelt Stereotype den Weg ins Buch gefunden haben, woran sich einige mehr und andere gar nicht bis weniger gestört haben. Trotzdem wollte ich diesen Aspekt gerne ergänzen, um Platz für sensibles Lesen zu machen.

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Veröffentlicht am 30.03.2023

Bereit für einen kleinen Spuk?

City of Ghosts - Die Geister, die mich riefen
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Seit Cassidy fast ertrunken wäre, hat sich vor allem eines geändert: Sie kann Geister sehen & die andere Seite betreten. Sonst ist sie genau so wie viele andere – Gryffindor, an Fotografie interessiert ...

Seit Cassidy fast ertrunken wäre, hat sich vor allem eines geändert: Sie kann Geister sehen & die andere Seite betreten. Sonst ist sie genau so wie viele andere – Gryffindor, an Fotografie interessiert und kulinarisch bereit für verrückte Kombinationen. Während sie versucht mehr über ihre Fähigkeit herauszufinden – Jacob, ihr bester Freund und ein Geist, ist wenig auskunftsfreudig – verdienen ihre Eltern ihr Geld mit eigenen Nachforschungen über Geister. Zufälle gibt‘s. Doch während sie Friedhöfe, unterirdische Gewölbe und Edinburgh Castle für eine Fernsehshow erkunden, gerät Cassidy in Gefahr. Denn nicht alle Geister sind freundlich & einer streckt bereits die Hände nach ihr aus…

Ich könnte mir die Geschichte hervorragend für eine Serie vorstellen & werde einige Geistergeschichten unbedingt nachlesen müssen. 📖

Positiv aufgefallen ist mir, dass einzelne Aspekte, die sich ggf. nicht für alle (jüngeren) Leser:innen direkt erschließen, auf eine recht charmante Art erklärt werden: Entweder Cassidy erkundigt sich danach oder aber sie erklärt es beiläufig, z. B. wie sie ihre Fotos entwickelt oder dass sie gerade erst gelesen hat, wie Edinburgh ausgesprochen wird. Zumindest die ein oder andere historische Information hätte ich als Kind sicher stolz beim nächsten Abendessen verkündet.

Obwohl ich mich wirklich gut unterhalten gefühlt habe und die Geradlinigkeit des Plots nicht als störend erlebt habe, hätte ich die Spannungskurve gerne etwas früher ansteigen sehen und mehr über Cassidy und die anderen Figuren erfahren wollen.

Insgesamt ist „Die Geister, die mich riefen“ ein spannender, wenn auch einfach gehaltener, Auftakt & eine angenehme Abwechslung. Ich werde die nächsten beiden Teile in den kommenden Wochen auf jeden Fall unterbringen müssen. Bis dahin: Lasst euch nicht unvorbereitet durch den Schleier ziehen!

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