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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2023

Unterhaltsam und kurzweilig

Sterne glitzern auch im Schnee
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Inhalt:
Acht Tage vor Weihnachten bemerkt Anni, dass ihr Partner Thies sich anders benimmt, als sonst. Er verbreitet gar nicht wie gewohnt Weihnachtsstimmung und zieht sich mehr und mehr in sich zurück. ...

Inhalt:
Acht Tage vor Weihnachten bemerkt Anni, dass ihr Partner Thies sich anders benimmt, als sonst. Er verbreitet gar nicht wie gewohnt Weihnachtsstimmung und zieht sich mehr und mehr in sich zurück. Was hat es damit auf sich? Und weshalb steht plötzlich ihre Nichte mitsamt Gitarrenkoffer vor der Tür? Sie beginnt, ihr Leben und einige Lebensentscheide zu hinterfragen und als dann auch noch ein kleiner Vierbeiner vor ihrer Tür auftaucht, ist das Vorweihnachtschaos perfekt.

Meine Meinung:
"Sterne glitzern auch im Schnee" war mein erstes Buch von Meike Werkmeister und es ist wohl eine lose Fortsetzung von "Sterne sieht man nur im Dunkeln", ihrem ersten Roman. Dieser und Werkmeisters weitere Romane sind sofort auf meine Wunschliste gewandert. Nicht nur die wunder-, wunderschöne Aufmachung des Buches hat mir gefallen, auch die Geschichte hat sich in mein Herz geschlichen und mir schöne, kurzweilige Lesestunden beschert. Besonders gut mochte ich Annis Nichte Morlen und die vierbeinige Überraschung, welche mir die wenigen Seiten noch zusätzlich versüsst hat.
Die Irrungen und Wirrungen rund um Anni und Thies wirkten nicht zu konstruiert und auch wenn das Ende eher vorhersehbar ist, gab es dazwischen einige Überraschungen. Ich hätte mir allerdings mehr Seiten gewünscht, die Geschichte ist doch sehr kurz, auch wenn es der Autorin gelingt, viel Handlung und Tiefgang unterzubringen.
Im Anhang findet sich übrigens noch ein Adventskalender, den es für mich nicht unbedingt gebraucht hätte, der aber der gesamten Geschichte noch ein wenig mehr Charme verleiht.

Meine Empfehlung:
Diese romantische und unterhaltsame Weihnachtsgeschichte empfehle ich euch sehr gerne weiter und bin jetzt schon ganz gespannt auf die weiteren Romane von Meike Werkmeister.

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Veröffentlicht am 25.09.2023

Betörend, poetisch, abgründig

Die Vegetarierin
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Inhalt:
In drei grossen Kapiteln erzählt Han Kang die Geschichte von Yeong-Hye, die aufgrund eines Traums von einem Tag auf den anderen beschliesst, keine tierischen Produkte mehr zu sich zu nehmen. Im ...

Inhalt:
In drei grossen Kapiteln erzählt Han Kang die Geschichte von Yeong-Hye, die aufgrund eines Traums von einem Tag auf den anderen beschliesst, keine tierischen Produkte mehr zu sich zu nehmen. Im ersten Kapitel wird aus der Sicht ihres Ehemannes erzählt, im zweiten Kapitel ist der Schwager von Yeong-Hye der Protagonist und im dritten Kapitel kommt ihre Schwester zu Wort.
Nach und nach wird klar, dass es Yeong-Hye gar nicht wirklich darum geht, in Zukunft keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren, sondern dass ganz andere, rätselhafte Beweggründe hinter dieser Entscheidung stehen.
Die heimlichen Leidenschaften ihres Umfelds, die Gewalt ihres Vaters und das Verlangen ihres Schwagers werden aufgedeckt und das Unverständnis der Südkoreanischen Gesellschaft trägt seinen Teil dazu bei, dass Yeong-Hye durch die Maschen eines Systems fällt, das sämtliche Menschen, welche sich von einer sozialen Norm abwenden, ausgrenzt.

Meine Meinung:
Von ganz vielen Menschen habe ich gehört, dass dieses Buch verstörend sei. Ich kann das zwar nachvollziehen, würde die kurze Geschichte aber eher als ungemein betörend bezeichnen. Die Autorin wählt nämlich eine sehr einzigartige, bildhafte Sprache, die stets ein wenig in der Schwebe zwischen Traum und Wirklichkeit belassen wird und einen enormen Sog entwickelt. Nicht nur beschreibt sie den den schrittweisen Zerfall ihrer Protagonistin absolut authentisch und mit einer Schonungslosigkeit, die ihresgleichen sucht. Sie blickt auch tief in menschliche Abgründe und auf versehrte Körper und Seelen.
Was treibt Yeong-Hye an? Leidet sie an einer Essstörung? Oder an Schizophrenie? Ist alles nur ein Traum oder möchte sie wirklich nur sterben? Das Buch lässt viel Interpretationsspielraum, um das Schicksal unserer Protagonistin zu ergründen und bleibt dabei äusserst vage. Es lässt uns Leser*innen die Verlorenheit spüren, welche Yeong-Hye wohl seit dem Auftreten ihres Traums empfindet.
Das Buch blickt auch sehr kritisch auf das Konstrukt der (lieblosen) Ehe und der Familie und zeigt auf, wie schnell sich Menschen fremd werden können. Ich bin immer noch ganz gebannt von dieser atemlos erzählten Geschichte und möchte unbedingt weitere Bücher der koreanischen Autorin lesen.

Meine Empfehlung:
Mich persönlich hat Han Kang mit diesem kurzen Roman in ihren Bann gezogen und wer aussergewöhnliche, nicht ganz aufgelöste Geschichten mag, die einen Hang zum Morbiden und Skurrilen haben, ist mit diesem Buch ebenfalls bestens beraten.

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Veröffentlicht am 30.05.2023

Lesenswerte und erschütternde Kurzgeschichten

Mann im Mond
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Inhalt:
"Mann im Mond" das sind zwölf Kurzgeschichten aus der Welt von Kindern, die nicht immer verstehen, was um sie herum und mit ihnen geschieht, die in schwierigen Situationen hilflos, stark, klug, ...

Inhalt:
"Mann im Mond" das sind zwölf Kurzgeschichten aus der Welt von Kindern, die nicht immer verstehen, was um sie herum und mit ihnen geschieht, die in schwierigen Situationen hilflos, stark, klug, mutig, resolut und/oder wütend handeln und aufgrund von abwesenden oder überforderten Erwachsenen entscheiden (müssen), zwölf Geschichten mit düsterer Grundstimmung, mit verstörenden und zum Nachdenken anregenden Szenen, poetisch, skurril, unterhaltsam und brutal direkt erzählt.

Meine Meinung:
Lana Bastašićs Roman "Fang den Hasen" hat mich vor zwei Jahren begeistert und so war es natürlich klar, dass ich auch weitere Bücher der Autorin lesen möchte. Dass es sich bei "Mann im Mond" um den 2020 unter dem Titel "Mliječni zubi" (Milchzähne) veröffentlichten Erzählband handelte, habe ich aufgrund des anderen Titels zuerst gar nicht realisiert und verstehe immer noch nicht wirklich, weshalb der Originaltitel nicht einfach ins Deutsche übertragen worden ist. Klar, "Mann im Mond" ist auch der Titel einer der zwölf Erzählungen, aber ganz ehrlich: "Milchzähne" hätte als Titel sehr viel besser zum Buch gepasst. In den Kurzgeschichten geht es immer darum, sich zu behaupten, erwachsen zu werden oder schlicht zu überleben. Die Kindheit und negative Erfahrungen werden überwunden, durchlitten oder abgestossen, wie abgetragene Kleidung (oder halt eben, wie Milchzähne).
Die Geschichten und die sehr beklemmende Grundstimmung haben mir sehr gut gefallen und mir einige Male eine Gänsehaut beschert und mich zum Nachdenken angeregt. Da ich eine bosnische Ausgabe des Buches besitze, habe ich ab und zu im Original gestöbert, was auch sehr spannend war und dabei ist mir trotz mangelhaften Bosnischkenntnissen aufgefallen, wie grandios Rebekka Zeinzinger Worte für die poetischen, skurrilen Bilder und Formulierungen gefunden hat, um sie dem deutschsprachigen Publikum so authentisch wie möglich aufzubereiten.

Schreibstil und Stimmung:
Die jungen Protagonist*innen der Erzählungen sind oft auf sich alleine gestellt, sind von ihren Eltern oder anderen eigentlich für sie verantwortlichen Erwachsenen verlassen oder blossgestellt worden und müssen in teilweise extremen Situationen der Gewalt, Vernachlässigung oder Scham für sich einstehen. Es geht um einige ziemlich aussergewöhnliche aber auch um mitten aus dem Leben gegriffene Situationen. Eine Situation beginnt oft harmlos und kippt dann ins Bedrohliche um, plötzlich geht es um Entscheidungen über Leben und Tod, um Entscheidungen für den eigenen Körper und gegen das Leben oder Wohlergehen einer übergriffigen Person. Fast skizzenhaft werden die entsprechenden Szenen und das beinhaltete Dilemma geschildert und nachdem die Szene mir rasant aufeinanderfolgenden Sätzen und Steigerungen zum Höhepunkt getrieben worden ist, bleiben eine Anspannung, ein offenes Ende und manchmal eine Leiche zurück.
Immer mal wieder kommt dabei auch ein zynischer Humor zum Vorschein, der für viele weitere Zwischentöne sorgt.

Meine Empfehlung:
"Mann im Mond" wirkt manchmal mitten aus dem Leben gegriffen und manchmal wie eine Traumerzählung. Genau diese schmale Gratwanderung zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Humor und Absurdität, zwischen Dunkelheit und Lichtblick macht diese zwölf Geschichten zu einem fesselnden, bewegenden und manchmal verstörenden Leseerlebnis, das nachhallt. Von mir gibt es eine herzliche Leseempfehlung für alle, welche bereit sind, sich auf diese intensiven Texte einzulassen.

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Veröffentlicht am 15.05.2023

Sehr unterhaltsam, tolle Figuren

Rory Shy, der schüchterne Detektiv - Das Verschwinden der Amanda Kent (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 4)
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Inhalt:
Matilda liebt Amanda Kents Krimis und ist schockiert, als die berühmte Autorin nach einem denkwürdigen Abendessen bei ihrem Verleger verschwindet. Böse Zungen unterstellen ihr, das Verschwinden ...

Inhalt:
Matilda liebt Amanda Kents Krimis und ist schockiert, als die berühmte Autorin nach einem denkwürdigen Abendessen bei ihrem Verleger verschwindet. Böse Zungen unterstellen ihr, das Verschwinden inszeniert zu haben, um auf das Erscheinen ihres neuesten Krimis aufmerksam zu machen. Doch Matilda und Rory Shy glauben nicht an diese Erklärung. Bei ihren Ermittlungen stossen sie nämlich auf viele Lügen und noch mehr Tatmotive.

Meine Meinung:
Die Reihe um Rory Shy und seine Assistentin Matilda - die Die Reihe um Rory Shy und seine Assistentin Matilda - die eigentliche Hauptfigur der Serie - hat es mir seit dem ersten Band angetan und auch beim Lesen des vierten Bandes der Reihe bin ich voll auf meine Kosten gekommen. Das Buch ist wieder aussergewöhnlich leicht und lustig erzählt, die Figuren sind gewohnt und gekonnt überspitzt skizziert und sorgen definitiv für einige Lacher. Auch sehr gut haben mir die Verhöre und Matildas Interaktion mit ihrem Hund Dr. Herkenrath gefallen. Der Fall an sich war in meinen Augen tatsächlich weniger spektakulär als in den Vorgängerbänden und eigentlich dann doch ziemlich schnell aufgeklärt, dafür wurde ich beim Lesen mit äusserst amüsanten "Entwürfen" aus der Feder zweier Tatverdächtiger unterhalten. Diese versuchen sich nämlich im Verlauf des Buches an einem Krimi über einen schüchternen Ermittler.

Fazit:
Vielleicht ist dieser Fall ein wenig gar einfach gestrickt, die Wege, die zum Ziel führen, sind aber um so unterhaltsamer und die Figuren in diesem Buch haben mir wohl bisher am besten gefallen. Natürlich empfehle ich euch auch diesen vierten Band der Reihe weiter.

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Veröffentlicht am 10.05.2023

Ein wichtiger, faszinierender Text

Kindheit
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Meine Meinung:
Nachdem die Buchhändlerin und Bookfluencerin Maria-Christina Piwowarski anfangs 2021 unter dem Hashtag #tovelesen die neu übersetzte Kopenhagen-Trilogie ins Bewusstsein der ganzen deutschsprachigen ...

Meine Meinung:
Nachdem die Buchhändlerin und Bookfluencerin Maria-Christina Piwowarski anfangs 2021 unter dem Hashtag #tovelesen die neu übersetzte Kopenhagen-Trilogie ins Bewusstsein der ganzen deutschsprachigen Buchbubble gebracht hat, sind die Bücher mittlerweile aus keinem Instagram-Feed und Buchblog wegzudenken. Endlich habe ich den ersten Band der Trilogie gebraucht kaufen können. Es ist absolut schade, dass diese Bücher nicht viel früher mehr Aufmerksamkeit begonnen haben und ich bin um so glücklicher, die packende, aus dem Leben gegriffene und ungeschönte Erzählsprache der dänischen Autorin entdeckt zu haben.

Spannend: Ditlevsen erzählt autofiktional aus einer/ihrer Kindheit im Kopenhagen der 1920er Jahren. Klingelt das bei jemandem? Erst gerade habe ich "Das Mädchen auf der Himmelsbrücke" von Eeva-Liisa Manner gelesen, das im Finnland der 1920er/1930er spielt. Ich lese immer parallel und normalerweise bringe ich auch noch so ähnliche Geschichten nicht durcheinander. Bei diesen beiden Büchern ist es mir auf den ersten paar Seiten wirklich schwer gefallen, sie auseinanderzuhalten, weil die Zeit, die Lebensumstände der jeweiligen Protagonistin und vor allem auch die Sprache der Autorinnen sich so ähnlich sind. Manner ist viel lyrischer und Ditlevsen erzählt direkter und auch schonungsloser und nach einigen Kapiteln entwickelt sich die Geschichte der jungen Protagonistin ganz anders, aber man bemerkt doch, dass die beiden Geschichten zu einer ähnlichen Zeit spielen

Die Protagonistin will unbedingt schreiben, aber der Vater sagt ihr, dass Mädchen keine Dichter sein können. Um keine negative Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, stellt sie sich unwissend, träumt vor sich hin und geht unbeirrbar ihren Weg. Die Umstände sind schwierig, der Vater ist ohne Arbeit, die Mutter scheint ohne Liebe und der Bruder ist krampfhaft dabei, sich von der Familie abzunabeln.
Ich habe einige Kritik an der Sprache und dem starken autobiographischen Part gelesen und ja, das kann man mögen oder nicht und ja, ich wüsste nichts über Ditlevsens Leben, wenn Piwowarski deren Werk nicht pausenlos in die Kamera gehalten hätte...aber: Ditlevsen konnte schreiben. Ein Text aus weiblicher Feder, der vor etwa siebzig Jahren enstanden ist und so packend erzählt und so viel Freiheitsdrang und Unabhängigkeit ausstrahlt, ist wirklich aussergewöhnlich und mir hat er auch noch sehr gut gefallen.

Meine Empfehlung:
Die ersten paar Seiten haben mich gefordert, weil ich mich auf die Sprache und die Geschichte einlassen musste, aber ich habe diesen Text sehr gerne gelesen und freue mich sehr auf die Folgebände. Und vor allem anerkenne ich, wie aussergewöhnlich und ihrer Zeit voraus Ditlevsen geschrieben und erzählt hat und bin froh, dass die Autorin mehr Aufmerksamkeit bekommt und dass vielleicht dadurch auch generell vermehrt nach weiblichen Texten aus den letzten Jahrhunderten gegriffen wird.

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