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buecherbelle

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2017

Spannend, glaubwürdig, unbehaglich

Dann schlaf auch du
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„Aber aus welch schwarzem See in welch tiefem Wald schöpft sie diese grausamen Erzählungen, an deren Ende die Guten sterben, nachdem sie die Welt gerettet haben?“ (S. 35)

Zusammenfassung. Ein schreckliches ...

„Aber aus welch schwarzem See in welch tiefem Wald schöpft sie diese grausamen Erzählungen, an deren Ende die Guten sterben, nachdem sie die Welt gerettet haben?“ (S. 35)

Zusammenfassung. Ein schreckliches Unglück stößt den Kindern Mila und Adam zu, und mit ihnen ihrer ganzen Familie. Wie konnte es so weit kommen? Was hat zu der Eskalation geführt, die am Ende der Geschichte steht und mit der dieses Buch gewinnt? Vorsichtig und behutsam nähert sich „Dann schlaf auch du“ dem Grauen an, das im Inneren eines Menschen wohnen kann.

Erster Satz. Das Baby ist tot.

Inhalt. Ich muss zugeben, dass ich zunächst skeptisch war, doch schon das erste Kapitel genügte, um mich zu überzeugen: Dieses Buch ist ziemlich großartig geschrieben. Es ist eine interessante Entscheidung, ein Buch mit seinem Ende beginnen zu lassen, und wahrscheinlich auch nicht in jeder Situation die richtige; hier jedoch kann ich mir kaum einen besseren Aufbau vorstellen.
Man weiß, wie am Ende alles eskalieren wird, und hat 200 Seiten lang Zeit, Situationen zu hinterfragen: Hätte es jemand eher bemerken müssen, was sich dort anbahnt, hinter verschlossenen Türen? Hätten die Eltern andere Prioritäten setzen müssen?
Doch am Ende sind wir die einzigen, die alles wissen und jede Perspektive kennen, am Ende sind wir die einzigen, die vielleicht verzweifelt denken „Nimm dein Gefühl ernst! Unternimm etwas dagegen!“ und die trotzdem dem unaufhaltsamen Lauf nur zuschauen können.

Personen. Durch wechselnde Perspektiven, Sprünge in Vergangenheit und Zukunft, den Fokus auf vielen verschiedenen, mehr oder weniger beteiligten Figuren entsteht vor unserem Auge ein sehr umfassendes Bild einer sozialen Umgebung, die den Charakteren kaum andere Handlungsmöglichkeiten anbietet. Ich verspürte eine unheimliche Verbundenheit mit Louise, die natürlich so oft falsch handelt, dabei aber trotzdem viel Fläche für Mitgefühl lässt; mein Herz brach für Myriam und Paul, die im Grunde nur alles richtig machen wollten, und dann doch vor den Scherben ihrer Existenz stehen.

Lieblingsstellen. „Seit sie geboren sind, hat Myriam Angst vor allem.“ (S. 22)
„Sie werden sie hinausdrängen, und die Nounou wird wiederkommen.“ (S. 173)

Fazit. Es steckt wirklich viel Gutes in diesem Buch: Obwohl das Ende vorweggenommen wird, bleibt eine gewisse Spannung und die irrationale Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut ausgeht; die Figuren sind besonders, ausgereift und glaubwürdig; und trotzdem fehlte mir das Sahnehäubchen, das mich völlig begeistert hätte zurücklassen können.

Veröffentlicht am 21.08.2017

Etwas ziellos, doch wunderbar berührend

Gegen alle Regeln
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„Als ich aus der Mongolei zurückkam, war ich so traurig, dass mir das Atmen schwerfiel.“ (S. 126)

Zusammenfassung. Ariel hat alles, was sie will: Eine liebevolle Ehe, einen guten Job und dann ist sie ...

„Als ich aus der Mongolei zurückkam, war ich so traurig, dass mir das Atmen schwerfiel.“ (S. 126)

Zusammenfassung. Ariel hat alles, was sie will: Eine liebevolle Ehe, einen guten Job und dann ist sie auch noch schwanger. Doch als sie auf ihrer letzten großen Reise das Kind verliert, bricht plötzlich alles über ihr zusammen.

Erster Satz. Reden Sie manchmal mit sich selbst?

Cover. Hätte ich mich wegen des Covers für oder gegen dieses Buch entscheiden müssen, dann wäre es sehr wahrscheinlich nichts geworden mit uns. Ich finde, das Cover hat etwas Altmodisches, etwas, das mich denken lässt, dass ich dieses Buch auch im Keller meines Elternhauses hätte finden können, irgendwo unten im Stapel der Bücher meiner Mutter oder meines Vaters. Also nein. Dieses Cover hat mich einfach gar nicht angesprochen.

Inhalt. Im Gegensatz zum Inhalt (zunächst). Es brauchte nur bis Seite sieben, bis zum ersten der gleich folgenden Buchzitate, um mich von der Notwendigkeit zu überzeugen, dieses Buch zu lesen. Die Emotion, die dort sprachlich erzeugt wird, hat mir den Atem geraubt und wäre ich an dem Tag etwas näher am Wasser gebaut gewesen, dann hätte meine Contenance nicht lange gehalten.
Ganz so begeisternd, wie ich die ersten Seiten empfunden habe, ging „Gegen alle Regeln“ dann jedoch leider nicht weiter.
Es änderte sich nichts an der sprachlichen Schönheit, doch ich hatte noch lange das Gefühl, dass alles, was wir hier zu lesen bekommen, irgendwie noch Vorgeplänkel ist. Ist es aber nicht. Natürlich, „Gegen alle Regeln“ ist schon laut Titel ein „Memoir über Liebe und Verlust“ und vielleicht gibt es nichts, was ich sagen könnte, das dieses Buch treffender beschreibt. Und trotzdem hätte ich mir gewünscht, ich hätte zwischendurch das Gefühl gehabt, dass diese Erzählung ein Ziel hat.

Personen. Die Personen sind in meinen Augen ein Pluspunkt dieses Memoirs. Sie sind glaubwürdig in ihrem Gewinnen und Scheitern, in ihren Stärken und Schwächen. Ich konnte der Ich-Erzählerin jede ihrer Emotionen abkaufen und wäre sehr wahrscheinlich bei dem Schicksalsschlag, der sie ihren Sohn verlieren lässt, ein emotionales Wrack gewesen - wenn nicht just in der Umgebung dieser schrecklichen Zeit die Emotionalität zurückgeschraubt schien. Emotion durch bewusste Nicht-Emotion oder schlicht das Unvermögen, sich mit der Unfassbarkeit der Ereignisse gefühlsmäßig näher auseinander zu setzen?
Doch das sind kleine Kritikpunkte. Alles in allem waren die Figuren sehr überzeugend und wirklich gelungen.

Lieblingsstellen. „Immer wieder werde ich von Gefühlen überwältigt, und ich stehe da und muss mich an der Arbeitsplatte in der Küche festhalten, an einer Stange in der U-Bahn oder am Körper eines Freundes, damit ich nicht umfalle.“ (S. 7)
„Sie verbreitete die warme Anständigkeit einer Sonnenblume.“ (S. 46)
„[…] dieses Lächeln, das direkt von der Sonne kommt.“ (S. 152)

Fazit. Eine faszinierende, bewegende Geschichte, der nur leider für mein Empfinden das letzte Fünkchen Großartigkeit fehlt.

Veröffentlicht am 06.08.2017

Schöner philosophischer Roman

Spaceman of Bohemia
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„Wie unwahrscheinlich! Und doch sind wir hier.“ (S. 183)

Zusammenfassung. Jakub begibt sich auf eine ungewisse Reise ins All, fort von seiner Frau und allen anderen Menschen an die physischen und psychischen ...

„Wie unwahrscheinlich! Und doch sind wir hier.“ (S. 183)

Zusammenfassung. Jakub begibt sich auf eine ungewisse Reise ins All, fort von seiner Frau und allen anderen Menschen an die physischen und psychischen Grenzen des menschlichen Fassungsvermögens. Wie wird sich die Welt für ihn verändert, wie wird er sich verändert?

Erster Satz. Mein Name ist Jakub Procházka.

Cover. Ich mag den Buchtitel und das Blau des Covers sehr gern, und obwohl ich abgesehen davon nicht sagen kann, woran es liegt, hat mich „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ direkt angesprochen. Also kann man wahrscheinlich sagen, dass es gelungen ist.

Inhalt. Die ersten paar Seiten gefielen mir vor allem sprachlich, und auch die Geschichte schien mir ganz spannend zu werden, doch ich war auch skeptisch: Etwas abgedreht schien mir das doch auch zu werden und gerade so knapp in der Zukunft, dass es nicht so richtig Gegenwart war, aber auch noch nicht so richtig ferne Zukunft.
Im weiteren Verlauf lag der Fokus dann jedoch eher auf inhaltlichen, nahezu philosophischen Aspekten und weniger auf wissenschaftlichen, sodass meine Skepsis unbegründet war.
Als es aufs Ende zuging, fand ich es irgendwann sogar richtig spannend, womit ich im Vorfeld in der Form nicht gerechnet hatte, und die Verlorenheit des einen einsamen kleinen Menschen im All wurde sprachlich ziemlich gut eingefangen.
Dabei war mein Highlight die Balance zwischen amüsant geschriebenen Stellen („In der unmittelbaren Zukunft erwarten mich frisch gekochtes Gulasch, Schweinsfüße mit Meerrettich aus dem eigenen Garten und der Kapitalismus.“ (S. 17)), existentiellen Fragen- und Problemen („Die Antimaterie ist uns ausgegangen, und das ewige Spiel ist jetzt ein Tetris-Spiel - wie organisieren wir das Selbst, um nicht zu ersticken?“ (S. 167)) und erschreckenden Erkenntnissen („Die ganze Welt ist seit Anbeginn der Menschheit von Perversen besetzt“ (S. 83)).

Personen. Die Personen waren für mich ein Schwachpunkt der Romans: Es fiel mir schwer, eine Verbindung zu Jakubs Frau Lenka herzustellen, und deswegen auch, emotional in deren Beziehungsgedöns involviert zu sein. Und das nahm dem Buch dann leider doch eine ganze Menge.
Sieht man davon ab, dann waren auch die Personen überzeugend. Sie entwickeln sich, sie denken über das Leben nach und reagieren glaubwürdig und innerhalb ihrer Persönlichkeit. Also voll in Ordnung, die Personen, aber durch die fehlende Bindung zu Lenka nicht völlig überzeugend.

Lieblingsstellen. „Ein Pessimist, der sich als Mann mit Erfahrung tarnt“ (S. 13)
„Damals mussten wir uns das Glück nicht erarbeiten. Es war einfach da.“ (S. 37)
„Eine Halluzination konnte doch nicht voller Gedanken stecken, die mir noch nie gekommen waren, oder?“ (S. 67)
„Ich suchte nach der Taste, die mich augenblicklich zur Erde zurückbefördern würde“ (S. 125)
„Ich war so aufgeregt, dass ich mit ihm geschlafen habe.“ (S. 199-200)
„Man geht durch die Dunkelheit, bis etwas Vertrautes kommt.“ (S. 242)

Fazit. „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ war spannend, anregend philosophisch und vielleicht sogar ein wenig prophetisch. Es hat mich abgeholt und mitgenommen, und trotzdem war ich nicht völlig begeistert, was sicherlich mit der Beziehung zwischen Lenka und Jakub/meiner Nicht-Beziehung zu Lenka zusammenhing. Also insgesamt schon sehr gut, aber nicht gigantisch gut.

Veröffentlicht am 20.05.2017

Vom Leben einer starken Frau

Die zwei Leben der Florence Grace
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„Manche Menschen sind dafür bestimmt, auf der Erde zu gehen, aber du nicht.“ (S. 225)

Zusammenfassung. Florrie Buckley führt ein armes, dennoch größtenteils glückliches Leben, bis ihre Großmutter stirbt ...

„Manche Menschen sind dafür bestimmt, auf der Erde zu gehen, aber du nicht.“ (S. 225)

Zusammenfassung. Florrie Buckley führt ein armes, dennoch größtenteils glückliches Leben, bis ihre Großmutter stirbt und ihr das Wissen um ihre tatsächliche Herkunft hinterlässt. Völlig unvorbereitet wird sie in ein Leben der besseren Gesellschaft Londons geworfen, in dem sie sich nur schwer zurechtfindet. Wird es ihr gelingen, Frieden zu schließen und sich selbst zu finden?

Erster Satz. Dieses verdammte Pony war wieder durchgegangen.

Inhalt. In diesem Roman begleiten wir das junge Mädchen Florrie auf ihrem Weg, Florence Grace zu werden - mit allen Schwierigkeiten, die das Stadtleben in einem Umfeld, das sich für die „bessere Gesellschaft“ hält, für ein Mädchen vom Land bereithält. All diese Schwierigkeiten machten mich oft genug wütend: Wütend ob der unfairen Behandlung, die dem armen Mädchen zuteil wurde, wütend wegen der widrigen Umstände, die einfach nicht darauf ausgelegt zu sein schienen, irgendjemanden glücklich zu machen. Und trotzdem gelang es Tracy Rees, mich am Ball zu behalten, ohne dass ich frustriert wurde. Immer wieder klarte sich der Himmel über Florence auf, immer wieder zeigte ihr etwas oder jemand, dass es sich lohnt, weiter zu leben.
Und obwohl genug Schweres zwischen den Seiten steckt, vermochte es erst das (und ich hoffe, damit verrate ich nicht zu viel) versöhnliche Ende, mir Tränen zu entlocken.

Personen. In der ich-Perspektive verfasste Bücher machen es mir häufig schwer, mich auf die Geschichte einzulassen; das war hier glücklicherweise nicht der Fall. Naturgemäß jedoch erfahren wir von der Hauptfigur durch diese Gegebenheiten nur aus der Innensicht und durch Handlungen etwas über ihren Charakter, was es leicht macht, Sympathien zu entwickeln.
Doch ich glaube, ich hätte Florrie auch ohne diesen Vorteil gemocht. Sie ist eine starke Figur mit Fehlern, der es in beeindruckender Weise gelingt, sich an äußere Gegebenheiten anzupassen. Und auch die anderen Figuren waren durchweg glaubhaft und in gewisser Weise sympathisch oder doch mindestens mit einer Motivation ausgestattet, die sie mich als Leser nicht vollends hassen ließen.
Mein persönlicher Favorit dabei war übrigens die schöne Calanthe, die mich mit jeder Äußerung etwas mehr an Luna Lovegood aus den Harry-Potter-Büchern erinnerte.

Lieblingsstellen. „Es gibt zu viel Essen und nicht genug Luft.“ (S. 155)
„Das Zusammensein mit ihm kam manchmal einer Freundschaft mit einer Kiste Sprengstoff gleich, die darauf wartete, einen neuen Minenschacht aufzusprengen.“ (S. 174)
„Es waren seltsame Menschen, womöglich nicht einmal gute Menschen, aber sie waren Menschen.“ (S. 252)
„Ich habe in London nicht viele enge Freunde, aber ich denke, dass zwei von eurem Format mehr sind, als viele Menschen haben.“ (S. 293)
„Du gehörst ins Sonnenlicht und in den Wind [...].“ (S. 436)

Fazit. „Die zwei Leben der Florence Grace“ ist ein Roman, der mich an vielen Stellen berührt hat und den ich sehr gern gelesen habe. Er war spannend und fesselnd, insgesamt versöhnlich (in meinen Augen eher eine Spur zu viel als zu wenig) und doch fehlte mir für absolute Begeisterung irgendwie ein kleines Fünkchen.
Was bleibt ist jedoch noch immer ein tolles Buch über eine starke Frau unter widrigen Umständen, und das ist etwas, das ich mir von dem ein oder anderen Buch bisher in diesem Jahr auch gewünscht hätte.

Veröffentlicht am 20.05.2017

Ein Buch, das das Herz berührt

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge
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„Wir können nicht immer gewinnen, und wir können nicht immer glücklich sein. Aber wir können es immer probieren.“ (S. 78)

Zusammenfassung. Ein ganzes Arbeitszimmer voller verlorener Dinge hinterlässt ...

„Wir können nicht immer gewinnen, und wir können nicht immer glücklich sein. Aber wir können es immer probieren.“ (S. 78)

Zusammenfassung. Ein ganzes Arbeitszimmer voller verlorener Dinge hinterlässt Mr. Peardew der überraschten Laura, und neue Freunde noch mit dazu; doch wie soll sie die Aufgabe erfüllen, bei der er sich völlig auf sie zu verlassen scheint? Wer oder was erschwert Laura ihr neues Leben? Und (wie) kommen die Geschichten von Eunice und Laura am Ende zusammen?

Erster Satz. Charles Bramwell Brockley reiste allein und ohne Fahrkarte in dem Zug um 14.42 Uhr von London Bridge nach Brighton.

Inhalt. Dieser Roman stellt mich bezüglich der Rezension vor eine gar nicht so einfache Aufgabe: Denn ich glaube, ich käme zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen, wenn ich ihn rational und kopfmäßig rezensierte, als wenn ich versuchte, meine Gefühle in Worte zu fassen. Um es mit Sunshines Worten zu sagen: „Ich denke das nicht in meinem Kopf, ich fühle es einfach.“ (S. 112).
Ich werde mit Kritikpunkten beginnen.
Mr Peardews Sammlung der verlorenen Dinge ist auch eine Sammlung zugehöriger Geschichten, die zwischen den zwei Hauptsträngen der Erzählung eingeflochten werden. Zudem springen wir innerhalb der Hauptstränge teils über recht große zeitliche Lücken hinweg, was (mir, beim Lesen) nicht immer klar war. Die Kombination aus beidem sorgt dafür, dass ich persönlich dem Buch ein paar mehr als „nur“ die 313 Seiten, die es hat, gegönnt hätte: Ich hatte das Gefühl, dass so viel mehr darin, dahinter steckt, das wir entdecken könnten, wenn die Autorin nur darauf eingegangen wäre.
Ein weiterer kleinerer Kritikpunkt ist der geisterhaft mysteriös angehauchte Teil der Geschichte, den ich etwas kritisch sehe: Ich könnte mir gut vorstellen, dass der ein oder andere darauf durchaus befremdet reagiert. Meine Assoziation mit der Tante-Dimity-Reihe von Nancy Atherton wurde durch diesen Umstand ebenfalls verstärkt.
Was aber viel wichtiger ist: Ruth Hogan verpackt in diesem Roman eine berührende Geschichte, in der ich mich des Öfteren zwischen Lachen und Weinen wiederfand, zwischen einem Haufen verloren gegangener und gesammelter Alltagsgegenstände. Sie schenkt den Figuren neue Chancen und Menschen, die sie lieben, und sie schildert das alles in einer wirklich schönen Ausdrucksweise, die mich schon auf den ersten Seiten in das Buch verlieben ließ.

Personen. Hogan gelingt es in diesem Buch, verschiedenste Charaktere aufeinandertreffen zu lassen, ohne dass einer von ihnen seine Glaubwürdigkeit oder Sympathiepunkte einbüßt. Man wünscht allen vorkommenden Figuren (naja; sagen wir, fast allen) nur das Beste und trauert mit ihnen um alles, was sie verloren haben. Der ein oder andere mag teils überspitzt erscheinen, im Großen und Ganzen habe ich jedoch jeden in mein Herz geschlossen und bin noch immer begeistert von der Komik und der Wahrheit in den Worten zwischen Freddy, Sunshine und Laura.

Lieblingsstellen. „Wenn man nie traurig ist, woher soll man dann wissen, wie es ist, glücklich zu sein?“ (S. 129)

Fazit. Liest man diesen Roman mit bewusst kritischem Blick, so fällt es vermutlich nicht allzu schwer, eine Reihe unerfreulicher Kleinigkeiten zu finden. Aber wer will das schon? Denn so viel Liebe, wie Anthony Peardew sie den verlorenen Schätzen entgegenbringt, war für mich auch zwischen den Seiten fühlbar.
Ich glaube Ruth Hogan, wenn sie schreibt „Dass ich das hier schreibe, bedeutet, mein Traum ist endlich in Erfüllung gegangen, und ich bin eine richtige Autorin.“ (S. 315)
Alles in allem gehört „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ zu den Büchern, die mir in diesem Jahr bisher am besten gefallen haben.