Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2023

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Bergleuchten
0

Dieser historische Roman entführt uns in das 19. Jahrhundert zum Bau des Gotthardtunnels. Neben der der imposanten Tunnelbaustelle spielen die Schweizer Landschaft sowie die Liebesgeschichte zwischen der ...

Dieser historische Roman entführt uns in das 19. Jahrhundert zum Bau des Gotthardtunnels. Neben der der imposanten Tunnelbaustelle spielen die Schweizer Landschaft sowie die Liebesgeschichte zwischen der Schweizer Fuhrhalterstochter Helene und dem Italienischen Mineur Piero eine große Rolle.

Der historische Roman ist penibel recherchiert und gekonnt erzählt. Wir erfahren von Alteingesessenen, die jeden Fortschritt ablehnen und dafür auch den Riss in der Dorfgemeinschaft hinnehmen. Wieder andere sind die großen Profiteure des acht Jahre langen Bauvorhabens. Daneben erhalten wir Einblick in die gefährliche Arbeit der Tunnelbauer, deren Leben oft aufgrund von technischen und finanziellen Problemen aufs Spiel gesetzt wird. Die Ausbeutung der Arbeiter ist obligat, Sicherheitsvorschriften werden, wenn überhaupt vorhanden, nicht eingehalten bzw. ignoriert. Als dann die vorwiegend italienischen Arbeiter streiken, werden sie niedergeschossen bzw. als Aufwiegler des Landes verwiesen.

Gleichzeitig erleben wir den erhebenden Augenblick des Durchstichs mit, als sich die beiden Tunnelröhren an der richtigen Stelle treffen.

Im Anhang finden sich Zahlen, Daten und Fakten zu diesem Bauwerk.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, der Fakten und Fiktion geschickt verquickt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Das Nordseekind
0

In diesem 4. Fall für Peter Söt und den jungen Anwalt Theodor Storm bekommen sie es mit einer Frau zu tun, die behauptet, sie wäre als Kind entführt worden. Außerdem würden ihr die Besitztümer ihrer Familie ...

In diesem 4. Fall für Peter Söt und den jungen Anwalt Theodor Storm bekommen sie es mit einer Frau zu tun, die behauptet, sie wäre als Kind entführt worden. Außerdem würden ihr die Besitztümer ihrer Familie vorenthalten. Storm und sein Schreiber Söt haben schon in einigen abenteuerlichen Kriminalfällen ermittelt, doch diesmal halten sie die Geschichte für ziemlich abstrus. Obendrein scheint es auch kein Fall zu sein, der sich in klingende Münze verwandeln lässt.

Als dann aber einige Personen ermordet werden, die einen möglichen Zusammenhang mit der geheimnisvollen Frau haben könnten, beginnen Storm und Söt doch noch mit ihren Nachforschungen und stoßen auf eine schier unglaubliche Geschichte.

Meine Meinung:

Autor Tilman Spreckelsen schafft es wieder mühelos, seine Leser in das Husum des 19. Jahrhunderts mitzunehmen.

Die Geschichte wird, so wie bisherigen Fälle, aus der Sicht von Peter Söt, dem Schreiber Theodor Storms, der eine nicht unbedingt lupenreine Vergangenheit hat, wie die Leser wissen. Nebenbei erhalten wir Einblick in die Lebensweise der Menschen dieser Zeit. So ist das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau ganz klar: SIE ist Ehefrau, Mutter und schupft den Haushalt, während ER das bringt Geld nach Hause bringt und dafür gutes Essen, gefegte Stube und eine entspannte Gemahlin vorzufinden wünscht. Der Nachwuchs möge bitte gut erzogen, geschneuzt und gekampelt sein. Dass dem nicht so ist, muss Peter Söt leidvoll feststellen.

Sehr interessant ist, dass diesem historischen Krimi nicht nur eine Sage aus Eiderstedt, sondern auch Storms Novelle „Auf dem Staatshof. Aufstieg und Niedergang einer Familie“ zugrunde liegt. Geschickt verwebt Spreckelsen Sage, Novelle und seine eigene Fantasie zu einem durchaus fesselnden Krimi.

Jedem Kapitel ist ein Originalzitat von Theodor Storm vorangestellt.

Fazit:

Wer gerne historische Kriminalromane, die durch Kombinationsgabe gelöst werden, lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Wissenswertes über die "Zelle"

Das Lied der Zelle
0

Das Buch ist eine Mischung aus Geschichte und Wissenschaft über die Zelle. Viele Funktionen und Krankheiten werden verständlich dargestellt. Nicht verschwiegen wird, dass es auch Fehlschläge und Nebenwirkungen ...

Das Buch ist eine Mischung aus Geschichte und Wissenschaft über die Zelle. Viele Funktionen und Krankheiten werden verständlich dargestellt. Nicht verschwiegen wird, dass es auch Fehlschläge und Nebenwirkungen bei Medikamenten gibt. Um dieses fesselnde Buch in seinem vollen Umfang verstehen zu können, ist ein wissenschaftliches Grundwissen von Vorteil.

Die 22 Kapitel des Buches sind in 6 Abschnitten zusammengefasst. Im Anhang finden sich zahlreiche Fotografien von Ärzten und Patienten.

Autor Siddhartha Mukherjee ist praktizierender Onkologe am Columbia University Medical Center und weiß somit, worüber er schreibt.

Der abwechslungsreiche Schreibstil spannt den Bogen der Medizin vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, ja er zeigt uns auch einen Ausblick in die Zukunft. Dazu mischt er medizinische Theorie gekonnt mit interessanten Fallbeispielen aus seinem Berufsalltag sowie ergänzt seinen Text mit passenden Abbildungen.

Der Leser spürt, dass Autor Siddhartha Mukherjee für die „Zelle“ lebt.

„Wie wir uns auch drehen und wenden, wir kommen zuletzt auf die Zelle zurück.“ (Rudolf Virchow, 1858)

Fazit:

Diesem umfassenden und sehr informativen Ausflug in die Geschichte der Medizin, bei dem ein rundes Bild der Zelle entsteht, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Ein komplexer Krimi

Die Richterin und das Erbe der Toten
0

In ihrem nunmehr sechsten Fall muss sich die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt gemeinsam mit ihrem polizeilichen Team mit einem tragischen Brand, der vor über zwanzig Jahren vier Tote gefordert ...

In ihrem nunmehr sechsten Fall muss sich die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt gemeinsam mit ihrem polizeilichen Team mit einem tragischen Brand, der vor über zwanzig Jahren vier Tote gefordert hat, auseinandersetzen.

Wie das?

In Nîmes wird ein junger Mann ermordet aufgefunden. Schon bald ist klar, dass es eine Verbindung zur Familie Savigny, die ihren Reichtum der Produktion von Olivenöl verdankt, gibt. Nur, bis auf Valerie sind alle Familienmitglieder bei dem verheerenden Brand ums Leben gekommen. Valerie selbst lebt seit dem Unglück im Wachkoma. Als dann wenig später Valerie stirbt, scheint ihr Tod für die Ärzte nicht allzu überraschend zu sein. Nur Mathilde de Boncourt glaubt nicht an Zufälle. Und siehe da, ihr Bauchgefühl hat sie nicht im Stich gelassen - hier hat jemand nachgeholfen.
Die Frage ist nur, wer?

Je tiefer die Ermittler in die Familiengeschichte eindringen, desto mehr Fragen tauchen auf, die nur teilweise beantwortet werden können. Und welche Rolle spielt das Hausmeisterehepaar, das ausgerechnet am Abend des Brandes nicht anwesend war? Und was ist mit den wertvollen Gemälden passiert, die einst Urgroßvater Eustache Savigny zusammengetragen hat?

Werden Mathilde de Boncourt und ihr Team die Rätsel der Vergangenheit lösen können?

Meine Meinung:

Auch dieser 6. Band dieser Reihe ist fesselnd geschrieben. Der Krimi ist komplex. Akribisch wird im Team gearbeitet und der Erfolg gibt Mathilde de Boncourt recht. Die Ermittlungen sind gut beschrieben.

Die Charaktere dürfen sich weiterentwickeln und so sind Mathilde de Boncourt und Rachid nun ein Paar. Natürlich darf das französische savoire vivre nicht fehlen: gute Küche mit lokalen Spezialitäten. Wir dürfen wieder an Mathildes Familienleben, das diesmal dezent in den Hintergrund gerückt ist, teilhaben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi, der eine gelungene Fortsetzung der Reihe ist, allerdings auch einzeln gelesen werden kann, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.06.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Tote am Fastensee
0

Ich habe schon einige Krimis aus der Reihe mit Lena Lorenzen gelesen, die üblicherweise an der Nordsee spielen. Doch diesmal verschlägt es Lena Lorenzen und ihre neue Kollegin Naya Olsen aus dem LKA Kiel ...

Ich habe schon einige Krimis aus der Reihe mit Lena Lorenzen gelesen, die üblicherweise an der Nordsee spielen. Doch diesmal verschlägt es Lena Lorenzen und ihre neue Kollegin Naya Olsen aus dem LKA Kiel nach Fehmarn, das bekanntlich in der Ostsee liegt.

Worum geht’s?

Merle Harmsen, eine Polizistin, die sich gerade im Krankenstand befindet, wird auf Fehmarn erstochen aufgefunden. Ein Motiv für das Verbrechen könnte neben dem geplanten Windpark, von dem auch Merles elterlicher Ferienhof betroffen ist, als auch ihre Ermittlungen zu Korruption innerhalb der eigenen Dienststelle sein. Und was ist dran an den Vorwürfen der sexuellen Belästigung? Davon kann Lena Lorenzen ein Lied singen, denn - wie man aus den Vorgängerfällen weiß, war sie eine Betroffene. Seither gilt sie bei vielen männlichen Kollegen als Nestbeschmutzerin. Dementsprechend mühsam sind die Befragungen.

Als dann ein weiterer Polizist ermordet wird, bekommt der Mord an Merle eine besondere Wende. Es werden mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gefunden. Immer wieder löst sich eine anfangs gut geschmiedet geglaubte Indizienkette mangels echter Beweise auf. Ermittler wie Leser tappen im Dunkeln, bis sich eine überraschende, aber schlüssige Auslösung ergibt.

Meine Meinung:

Dieser Krimi wirft nicht nur den manchmal falsch verstanden Korpsgeist auf, bei Verfehlungen von Kollegen der eigenen Dienststelle um jeden Preis decken zu wollen, sondern auch (wieder einmal) Vorurteile Frauen gegenüber auf sowie rassistische Bemerkungen. Nayla ist gleich zweifach betroffen, stammt doch ihr Großvater aus Grönland und ist ein Betroffener jenes Experimentes der dänischen Regierung, Waisenkinder aus Grönland, durch einen Aufenthalt in Dänemark, zu einer neuen (grönländischen) Elite zu formen. Nayla wird regelmäßig auf ihr grönländisches Aussehen angesprochen. Sie entpuppt sich als tolle Partnerin für Lena.

Anna Johannsen legt zahlreiche Spuren, die in Sackgassen münden und sowohl Ermittler als auch Leser auf den Holzweg führen.

Ein klein bisschen geht mir das hin-und-her Lenas in Privatleben auf die Nerven. Ich verstehe natürlich ihre Bedenken, Beweggründe und auch ihre Liebe zu Job, Mann und Kind. Vielleicht sollten sich Erck und Lena einmal ordentlich zusammensetzen und über ihre Zukunft sprechen. Aber das ist vermutlich Thema des nächsten Krimis.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der bis zur letzten Seite spannend bleibt, 5 Sterne.