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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2023

Eine Naturgewalt

So weit der Fluss uns trägt
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Iola 1940 :  Die 17-jährige Victoria Nash lebt und arbeitet gemeinsam mit ihrem Vater, Bruder Seth und der kriegsversehrte Onkel Og auf der familieneigenen Pfirsichfarm in Colorado. Der Rassismus ist hier ...

Iola 1940 :  Die 17-jährige Victoria Nash lebt und arbeitet gemeinsam mit ihrem Vater, Bruder Seth und der kriegsversehrte Onkel Og auf der familieneigenen Pfirsichfarm in Colorado. Der Rassismus ist hier noch allgegenwärtig und auch Menschen, die aus dem gewohnten gesellschaftlichen Raster fallen, werden von der Bevölkerung mehrheitlich gemieden. 
Nun trifft Victoria ausgerechnet auf einen Fremden, Wilson Moon, der sich als Abkömmling der Ute-indianer entpuppt. Vom ersten Moment an besteht zwischen beiden eine tiefe Faszination füreinander, die ihr Gefühlswelt aus den Angeln hebt. Von unbändigem Hass und schwerwiegenden Vorurteilen bedroht, wird diese Liebe, schmerzhafte und tragische Folgen für alle Beteiligten haben. Victoria muss in die Wildnis flüchten und ist dort zusammen mit ihrem ungeborenen Kind auf sich allein gestellt. Der Wintereinbruch und Hunger zwingt sie zum Äußersten. So zart sie zunächst auch scheint, verbirgt sich ein starker Charakter und unbändiger Wille hinter dieser jungen Frau. So wie sie nicht aufgibt, hofft man als Lesende auch von Anfang bis Ende tapfer mit ihr mit.
Die Geschichte entpuppt sich dabei so sog artig wie der Gunnison River, wo sie spielt. Wie eine unerwartete Naturgewalt, die einen packt und mitreißt. Es ist unmöglich sich dieser bilderhaften Erzählweise der Autorin und der Atmosphäre im Buch zu entziehen.
Shelley Read trifft mit ihrer Geschichte und der Thematik jedenfalls einen empfindlichen Nerv. Das Unrecht und die Schicksale, welche die einzelnen Protagonisten ereilt, sind so realistisch dargestellt, dass es kaum zu ertragen ist.
Für mich war es eine emotionale Achterbahnfahrt, ein starkes Debüt und definitiv ein Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 19.06.2023

Wenn nur das Cover nicht wäre…

Morgen mach ich bessere Fehler
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Elli, eine etwas chaotische Alleinerziehende, engagiert sich zusammen mit ihren WG-Mitbewohnern als Garten-Guerilla und bringt so heimlich etwas blühendes Leben in Hamburgs Schottervorgärten. Bei einer ...

Elli, eine etwas chaotische Alleinerziehende, engagiert sich zusammen mit ihren WG-Mitbewohnern als Garten-Guerilla und bringt so heimlich etwas blühendes Leben in Hamburgs Schottervorgärten. Bei einer nächtlichen Aktion auf einem Industriegelände wird sie allerdings erwischt und macht dabei die unliebsame Bekanntschaft mit einem ziemlich arroganten Firmenanwalt.
Kurz danach steht eine Familienfeier im entfernten Allgäu an und ehe sich Elli versieht, sitzt neben ihrer Tochter und dem miesepeterigen Onkel Heinz, auch noch der unausstehliche Anwalt Cano mit im Auto.
Die außergewöhnliche Kombination an Charakteren, will auf den ersten Blick kein bisschen zusammenpassen und sorgt erstmal für reichlich Zündstoff. Vor allem Stinkstiefel Heinz möchte man am liebsten höchstpersönlich an der nächsten Raststätte aussetzen, der süßen Paula den ollen roten Fahrradhelm abnehmen und den schnöseligen Rechtsverdreher Cano für seine Unverschämtheiten, die Fahrt über einfach aufs Autodach binden. Wäre Elli nur nicht so dringend auf die 500€ von ihm angewiesen. Zumal das Auto seine besten Tage definitiv hinter sich hat und schon bald die erste unangenehme Überraschung für die ungewöhnliche Reisegruppe bereithält.

Nach einer längeren Krankheits- und Gesundungsphase meldet sich Petra Hülsmann mit diesem neuen wundervollen Roman zurück. Das lange Warten hat sich auch hier voll und ganz gelohnt! Es gibt wieder reichlich Szenen zum Schmunzeln, wobei insbesondere das Aufeinandertreffen mit der Polizei mein persönliches Highlight ist.
Man stelle sich vor, wie Hauptprotagonistin Elli den Polizisten eine Jugendsünde nach der nächsten beichtet und sich dabei immer mehr um Kopf und Kragen redet.Der erste Moment, wo ich echtes Mitleid mit dem gar nicht so unsympathischen Cano habe, der sich dieses Desaster selbst nur hilflos mitansehen kann. Natürlich hat auch Kult-Protagonist Knut einen kleinen Gastauftritt im Buch und einen wieder wichtigen Rat mit im Gepäck.
Der Schreibstil ist und bleibt einfach unverkennbar und die Story ist trotzdem nie die Version X der immer gleichen Geschichte. Ebenso einzigartig und vielschichtig sind auch die Charaktere. Genau das macht die Romane von Autorin Petra Hülsmann für mich so besonders.
Das einzige, was mich an diesem Buch ausnahmsweise stört, ist das Cover, das ich leider einfach furchtbar finde! Es passt weder zum vorherigen Design noch zu dem der Neuauflage und hat keine Aussagekraft.

Die Story hat mich jedoch wieder vollkommen überzeugt und bekommt daher eine ganz begeisterte LESEEMPFEHLUNG!

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Veröffentlicht am 09.06.2023

Phänomenal!

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Ich gebe zu, anfangs habe ich befürchtet, die Geschichte könnte sich als lahmer Politthriller entpuppen.
Bald schon entwickelt sich der Zusammenhang zwischen einem Leichenfund nahe der Berliner Siegessäule ...

Ich gebe zu, anfangs habe ich befürchtet, die Geschichte könnte sich als lahmer Politthriller entpuppen.
Bald schon entwickelt sich der Zusammenhang zwischen einem Leichenfund nahe der Berliner Siegessäule und dem amtierenden Bundeskanzler Henrik Westphal in eine andere Richtung, als zunächst erwartet. Weil sich die Presse von Beginn an auf den den Fall stürzt, wird auf den Wunsch Westphals hin, ausgerechnet Ermittler Artur (Art) Mayer mit der Aufklärung des Falls betraut. Die Absicht dahinter wird im Verlauf der Geschichte immer klarer. Die Handlung wechselt nämlich immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wobei interessante Details ans Licht kommen, wie auch Arts Verbindung zum Bundeskanzler.
Zur Unterstützung bekommt er die noch unerfahrene, aber ehrgeizige Kommissaranwärterin Nele Tschaikowski an die Hand. Obwohl Art sie bei seiner Spurensuche gelegentlich außen vor lässt und sie sich generell gegenüber den Vorurteilen anderen Kollegen und ihrer Vorgesetzten behaupten muss, gibt nicht auf. Arts angenehmer Charakter sorgt für eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen den beiden. Da sie auch lernen das Privatleben des jeweils anderen zunehmend besser kennen und wobei auch das ein oder andere moralisch verwerfliche Geständnis auf den Tisch kommt.

Was soll ich sagen?! Meine anfängliche Skepsis ist schnell wahrer Begeisterung gewichen. Das Cover und der Farbschnitt sind schon vorab ein Alleinstellungsmerkmal und inhaltlich überrascht das Buch mit smarten Charakteren, die mir direkt sehr sympathisch sind und einem abwechslungsreichen Plot, der für reichlich Spannung sorgt. Auch die falschen Fährten zum Täter sind so tückisch gelegt, dass ich dem Autor mehrfach auf den Leim gehe und von der Auflösung tatsächlich geplättet bin. Trotzdem bleibt Raum für weitere Entwicklungen und eine vielversprechende Fortsetzung, die dann Ende April 2024 erscheinen soll.
Bis dahin lasse ich dieses Thriller-Highlight noch ein wenig nachhallen!

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Veröffentlicht am 30.05.2023

Intensives Leseerlebnis

Lieblingstochter
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In der Familie von Jeanne ist häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Der Vater drangsaliert seine Ehefrau und Töchter, während das Umfeld sämtliche Anzeichen für die Misshandlungen ignoriert und wegschaut. ...

In der Familie von Jeanne ist häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Der Vater drangsaliert seine Ehefrau und Töchter, während das Umfeld sämtliche Anzeichen für die Misshandlungen ignoriert und wegschaut.
Jeanne kann Dank eines Stipendiums auf ein Internat und damit der häuslichen Hölle frühzeitig entfliehen. Für die Mutter und ihre Schwester Emma gibt es jedoch kein Entkommen, keine Hilfe. Sie sind weiter den Aggressionen ihres Vaters schutzlos ausgeliefert. Welche privilegierte Stellung Jeanne mit dem Wegzug tatsächlich zuteil wurde, erfährt sie erst viel später.
Trotzdem wirken sich die Erlebnisse auf toxische Weise in ihrem Liebesleben aus, die erst in der Beziehung zu Freundin Marine langsam anzukommen scheint. Dann fühlt sie plötzlich aber auch eine starke Anziehung zu ihrem Kollegen Paul, der sie aber nicht nachgeben kann.

Obwohl die Handlung zahlreiche ungeschönt beschriebene, verstörende Gewaltexzesse beinhaltet, bannt mich die Geschichte von der ersten Seite an. Mich berühren gerade die Schicksale der Frauen sehr, die durch die Augen von Protagonistin Jeanne beinahe sachlich und nüchtern geschildert werden. Genau diese Erzählweise wirkt allerdings um so intensiver auf mich und verursacht von Beginn an eine Gänsehaut, die über das ganze Buch hinweg bestehen bleibt. Realistisch wird das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Opfer und Peiniger beschrieben und wie schnell aus Opfern Täter werden können. Ich bin gefangen zwischen Wut, Mitleid und der vergeblichen Hoffnung auf ein gutes Ende für die Beteiligten.

Sicherlich kein Buch für schwache Gemüter, aber trotzdem ein nachhallendes Highlight für das ich eine Leseempfehlung geben möchte.

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Veröffentlicht am 25.05.2023

Unbedingt lesenswert

Lebendige Nacht
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Nachts sind alle Katzen grau… oder etwa nicht?!
Hand aufs Herz - Wem ist tatsächlich bewusst, wie lebendig die Nacht in Wirklichkeit ist?!
Autorin und Biologin Sophia Kimmig kennt die wahren Hotspots und ...

Nachts sind alle Katzen grau… oder etwa nicht?!
Hand aufs Herz - Wem ist tatsächlich bewusst, wie lebendig die Nacht in Wirklichkeit ist?!
Autorin und Biologin Sophia Kimmig kennt die wahren Hotspots und nimmt uns in ihrem Buch mit auf einen Streifzug durch das tierische Nachtleben.
Die wahren Nachtschwärmer sind nämlich am ehesten in der Tierwelt zu finden. Daher kann es schon mal passieren, dass man sich mitten in der Großstadt an der Bushaltestelle plötzlich neben einer Rotte Wildschweine wiederfindet.
Und auch in Sachen Alkoholkonsum sind einige Tierarten diesem Rauschmittel ähnlich zugetan, wie so mancher Homo sapiens beim abendlichen Kneipenbesuch. Darauf erstmal einen guten Schluck aus den Blütenkelch!
Das ganze Buch steckt voller solcher skurriler, interessanter Fakten, aber auch Informationen, die den ein oder anderen zum Nach- und vielleicht auch Umdenken anregen.
Gerade in Bezug auf die Auswirkungen unserer Müllentsorgung und die Gefahren durch Lichtverschmutzung kann man noch etwas dazulernen.
Mich hat ebenfalls beeindruckt, welche spannenden Specialeffects viele der Tiere und Pflanzen zu bieten haben. Nur soviel sei verraten - Spiderman existiert tatsächlich!
Und auch auf die Frage, warum die Augen von Tieren leuchten, sobald Scheinwerferlicht darauf trifft, habe ich hier eine Antwort gefunden.
Für ein Sachbuch sind die Fakten wohl dosiert, kurzweilig, schön verpackt und weder anspruchslos noch zu fachlich. Ich hätte mir zu den ein oder anderen erwähnten Tierart vielleicht zusätzlich ein paar Bilder gewünscht, die leider ein wenig sparsam ausgefallen sind.

Insgesamt ist es aber ein sehr
unterhaltsames und ungewöhnliches Sachbuch, das mir ausgesprochen gut gefallen hat und ich daher auch wärmstens weiterempfehlen möchte!

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