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Veröffentlicht am 08.07.2023

Sprachlich wie inhaltlich ein Genuss

Das Haus am Meeresufer
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Mit „Das Haus am Meeresufer“ hat Joséphine Nicolas nicht nur eine Biografie über die irische Architektin und Designerin Eileen Gray geschrieben, sondern auch ein Porträt der künstlerischen Szene im Paris ...

Mit „Das Haus am Meeresufer“ hat Joséphine Nicolas nicht nur eine Biografie über die irische Architektin und Designerin Eileen Gray geschrieben, sondern auch ein Porträt der künstlerischen Szene im Paris der zwanziger Jahre geschaffen.

Als sie mit ihrer Mutter im Rahmen der Weltausstellung das erste Mal Paris besucht, verliebt sich Eileen sofort in diese Stadt. Nach vielen Jahren als Designerin in Paris, fasst sie den Entschluss, ein eigenes Haus zu bauen und errichtet die berühmte Villa E. 1027. Der Roman erzählt von Grays unermüdlichem kreativen Schaffen, lässt den Leser aber auch teilhaben an ihren Ängsten und Selbstzweifeln. Immer wieder hat sie mit Widrigkeiten zu kämpfen, die selbstständigen Frauen zu dieser Zeit oftmals entgegenschlugen. Unterstützung bekommt sie jedoch von ihrem deutlich jüngeren Lebensgefährten Jean Badovici, einem bekannten Architekturkritiker.

Die Geschichte strotzt nur so vor Kreativität, Lebenshunger und Frauenpower.
Mit ihrer poetischen Erzählweise zieht die Autorin einen mit in diesen Rausch, der Paris in den Zwanzigern erfasst hat; lässt den Leser teilhaben an der kraftvollen, weiblichen Energie, die sich dort entfaltet. Viele andere bekannte Namen werden erwähnt wie die Schriftstellerin und Verlegerin Gertrude Stein, und die französische Sängerin Damia, mit der Gray einige Zeit zusammenlebte.
Immer wieder habe ich das Buch kurz zur Seite gelegt, um etwas nachzulesen über die ein oder andere Person, und konnte dadurch nur noch tiefer in die Geschichte eintauchen.

Fazit:
Eine ganz klare Leseempfehlung von mir; man muss kein Architekturliebhaber sein, um dieses Buch zu lieben.

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Veröffentlicht am 05.07.2023

Großartiger Roman, der anhand einer Familie die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts erzählt

Das Licht zwischen den Schatten
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Michaela Beck erzählt in ihrem Roman über das Leben von Konrad, Brigitte und André. Immer abwechselnd, auf unterschiedlichen Zeitebenen, sodass nie Verwirrung entsteht und man lange das Gefühl hat, drei ...

Michaela Beck erzählt in ihrem Roman über das Leben von Konrad, Brigitte und André. Immer abwechselnd, auf unterschiedlichen Zeitebenen, sodass nie Verwirrung entsteht und man lange das Gefühl hat, drei verschiedene Geschichten zu lesen.

Kaum ein Thema, das Deutschland im letzten Jahrhundert bewegt hat wird ausgespart. Es reicht von den Folgen des ersten Weltkrieges über Extremismus und zweiten Weltkrieg, Stasibespitzelung und RAF bis zur Öffnung der Grenzen 1989.

Die Recherchearbeit, die die Autorin dafür geleistet hat, muss enorm gewesen sein.



Ich habe dieses Buch schon nach den ersten Kapiteln geliebt und die über 800 Seiten in wenigen Tagen verschlungen. Völlig ergriffen vom Schicksal der drei Hauptcharaktere und der Frage, wie denn alles schlussendlich zusammenhängt, konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Alle drei Hauptfiguren durchlaufen eine Entwicklung, die mich als Leser auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt hat - mal hab ich mitgelitten, mal mitgefiebert und mit der ein oder anderen Entscheidung gehadert. Es ist unmöglich zu sagen, wessen Geschichte ich am liebsten verfolgt habe.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich nicht von der Dicke des Buches abschrecken zu lassen. Die Seiten fliegen nur so dahin und ehe man sich‘s versieht ist die Hälfte schon gelesen.

Es gibt Bücher, bei denen man denkt, sie wären auch mit weniger Seiten ausgekommen. Doch für diese Geschichte braucht es jedes einzelne Kapitel.



Fazit

Ein beeindruckendes, berührendes Buch, das ich unbedingt weiterempfehle.

Pures Lesevergnügen auf 800 Seiten.

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Veröffentlicht am 05.07.2023

Perfekt für alle Regionalkrimi-Liebhaber

Mords-Partie
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Minnie ist gerade ziemlich damit beschäftigt, den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Toni zu organisieren und einen neuen Töpferauftrag fertigzustellen. Da kommt ein kleiner Wochenendausflug in die ...

Minnie ist gerade ziemlich damit beschäftigt, den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Toni zu organisieren und einen neuen Töpferauftrag fertigzustellen. Da kommt ein kleiner Wochenendausflug in die Berge gerade recht. Doch auch hier bleibt Minnie keine Zeit zum Entspannen. Ausgerechnet sie findet die Ehefrau ihres Gastgebers tot in deren Bett auf. Was bleibt Minnie da anderes übrig als sofort die Ermittlungen aufzunehmen.



Für mich war es das erste Buch, das ich aus dieser Reihe gelesen habe, für Minnie war es immerhin schon der fünfte Fall. Ich hatte keine Probleme, in die Geschichte hineinzufinden, sämtliche Charaktere waren mir nach kurzer Zeit schon vertraut. Und einige von ihnen habe ich schon so liebgewonnen, dass ich hoffe, sie sind in den anderen Büchern auch vertreten.
Das Buch lässt sich sehr schön lesen und wer des Bayerischen nicht mächtig ist, für den gibt es im Anhang ein „Bairisch-Hochdeutsches Glossar“.


Fazit:

Ein Lokalkrimi wie ich ihn liebe - viel Lokalkolorit, ein bisschen Spannung, ein bisschen Humor und miträtseln kann man auch.

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Veröffentlicht am 30.06.2023

Bezaubernde Geschichte über einen ganz besonderen Sommet

Der große Sommer
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Ewald Arenz schreibt in seinem Roman „ Der große Sommer“ über die erste Liebe, tiefe Freundschaft, Familienbande und die unvergleichlichen Eindrücke eines mehr oder weniger unbeschwerten Sommers.

Statt ...

Ewald Arenz schreibt in seinem Roman „ Der große Sommer“ über die erste Liebe, tiefe Freundschaft, Familienbande und die unvergleichlichen Eindrücke eines mehr oder weniger unbeschwerten Sommers.

Statt in den Sommerurlaub geht es für Frieder zu seinen Großeltern, um dort für die Nachprüfungen in Latein und Mathe zu lernen. Ihm graut es vor diesen Wochen unter der Aufsicht seines strengen Großvaters, wie eine große dunkle Wolke sieht er die Sommerferien bedrohlich auf sich zukommen. Doch dann kommt alles anders und zusammen mit seiner Schwester Alma, seinem besten Freund Johann und ganz besonders mit Beate erlebt Frieder einen Sommer, den er niemals vergessen wird.



Wer hat sie nicht, diese Erinnerungen an mindestens einen heißen,aufregenden Sommer in seiner Jugend. Mit seiner wundervollen Schreibweise schafft Ewald Arenz es, genau die Gerüche und Empfindungen einzufangen, die einen beim Lesen wieder in diese Zeit eintauchen lassen. Richtig nostalgische Gefühle kommen auf, wenn Frieder ständig die Telefonzelle belegt oder der Duft von Pommes durch das Freibad weht.

Doch der Roman ist nicht einfach nur eine unterhaltsame Sommerlektüre, sondern erzählt von den Dingen, die das Leben ausmachen: Familie, Freundschaft, Liebe und auch der Tod zählt dazu.

Der Autor hat einfach die Gabe, besondere Charaktere entstehen zu lassen und sie so lebendig darzustellen, dass sie einem nach kurzer Zeit schon vertraut sind.

Fazit:

Wieder einmal ein tolles Buch von Ewald Arenz, feinfühlig und einfach wunderschön geschrieben.

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Veröffentlicht am 30.06.2023

Ich habe es verschlungen

Stay away from Gretchen
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Susanne Abel ist mit „Stay Away From Gretchen“ ein großartiger Roman gelungen, der sehr viele Aspekte des Lebens aufgreift, die nicht nur die Kriegsgeneration betreffen, sondern uns alle. Von Rassismus ...

Susanne Abel ist mit „Stay Away From Gretchen“ ein großartiger Roman gelungen, der sehr viele Aspekte des Lebens aufgreift, die nicht nur die Kriegsgeneration betreffen, sondern uns alle. Von Rassismus und Flüchtlingskrisen damals und heute, über den Umgang mit alternden Eltern bis hin zur Bedeutung der Kindheit für den eigenen Umgang mit Nähe.



Der erfolgreiche und vielbeschäftigte Moderator Tom muss sich der Tatsache stellen, dass seine Mutter Greta immer vergesslicher und damit auch immer hilfsbedürftiger wird.

Was er zunächst einfach nur als anstrengend und nervig empfindet, entwickelt sich zu einer Reise in die Vergangenheit seiner Mutter, die ihn Vieles mit neuen Augen sehen lässt.



Die Geschichte wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt. Der Teil, der Gretas Geschichte in der Zeit während und hauptsächlich nach dem Krieg erzählt, hat mir etwas besser gefallen, als Toms Gegenwartspart. Dort habe ich Gretas direkte, humorvolle Art zwar geliebt, manchmal war es mir aber ein wenig zuviel privates Durcheinander in Toms Leben. Ein paarmal zu oft geflucht hat er mir tatsächlich auch.



Das waren aber auch schon die Kleinigkeiten, die ich bemängeln würde, denn ich habe diesen Roman einfach verschlungen. Zwar habe ich schon einiges aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gelesen, doch die Zeit der Besatzung mit all ihren Konsequenzen ist mir bis jetzt noch nicht so schön nahe gebracht worden wie hier.

Das ganze Buch war für mich ein emotionales Auf und Ab. Mal war ich tief berührt, mal wütend, dann brachte mich ein Satz zum Lachen oder hat mich glücklich gestimmt.

Greta ist so eine starke Persönlichkeit und ich bin sicher, davon gab es einige zu dieser furchtbaren Zeit.



Fazit:

Unbedingt lesenswertes Buch zu einem Thema, das glaube ich nicht ganz so präsent ist

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