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malins_dagbok

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2023

Berührend

Die spürst du nicht
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Die spürst du nicht ist ein Roman über die Familie Strobl-Marinek, deren Tochter Sophie-Luise unbedingt ihre Freundin, ein Flüchtlingskind aus Somalia, mit in den Sommerurlaub nehmen will. Ein Unfall verändert ...

Die spürst du nicht ist ein Roman über die Familie Strobl-Marinek, deren Tochter Sophie-Luise unbedingt ihre Freundin, ein Flüchtlingskind aus Somalia, mit in den Sommerurlaub nehmen will. Ein Unfall verändert nach diesem Urlaub das Leben der Familie.
Der Roman greift so einige aktuelle und schwierige Themen auf. Neben dem Schwierigen Stand, den einige geflüchtete Familien auch nach einem Asylverfahren noch haben, geht es auch darum, was diese teilweise durchleben mussten, bevor sie nach Österreich gekommen sind. Während das Schicksal der Familie fast ein bisschen zu grausam war, zeigt es doch exemplarisch, das wir uns solche grausamen Ereignisse kaum vorstellen können. Weitere große Themen sind Schuld - wer trägt eine Schuld, wie geht man damit um - und Moral - was ist das richtig und aus welchen Motiven. Auch Drogenkonsum, Verlust, Trauer und Entfremdung spielen eine Rolle. Man wird emotional schon ordentlich durchgeschüttelt, besonders am Ende des Buches. Auch die Spaltung der Gesellschaft wird aufgegriffen und die Darstellung der teilweise absolut niveaulosen Bemerkungen Einzelner über die Geschehnisse im Buch waren so authentisch, dass man diese genauso auch auf Social Media hätte lesen können. Hier geht der Autor noch weiter und zeigt den Einfluss auf, den die mediale Berichterstattung zusätzlich zum Unfall auf die Familie hat.
Ein Buch, was spannend ist und berührt und zum Nachdenken anregt.
Da es insgesamt fast zu viel Tragik war, gebe ich 4.5 Sterne.

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Veröffentlicht am 30.03.2023

Ein leiser Roman, der berührt

22 Bahnen
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ilda studiert Mathematik, kümmert sich nebenbei um ihre kleine Schwester Ida, arbeitet im Supermarkt und schwimmt jeden Tag 22 Bahnen. Ihr Tag ist streng durchgetaktet und da ihre Mutter Alkoholikerin ...

ilda studiert Mathematik, kümmert sich nebenbei um ihre kleine Schwester Ida, arbeitet im Supermarkt und schwimmt jeden Tag 22 Bahnen. Ihr Tag ist streng durchgetaktet und da ihre Mutter Alkoholikerin ist, hat sie ständig Angst Ida vor dieser beschützen zu müssen und entwickelt einen Plan, wie Ida selbstbewusster wird. Mitten drin trifft sie auf Viktor, den sie schon aus der Schule kennt und der seine eigenen Schatten mit sich herumträgt. Das Buch hat mir wirklich gut gefallen. Der Schreibstil ist nüchtern und schnörkellos, hat aber einige wirklich schöne Sätze.
„..., dass nichts sicher und beständig ist, dass aber Bücher trotz allem bleiben, dass mir niemand diese Geschichten, diese Welten wegnehmen kann,...“(S.105-106).
Auch werden viele kleine Details eingebaut, die ans Herz gehen, bspw, dass die Schwestern sich auf dem Weg zur Schule Märchen ausdenken, in denen das, was passiert, verarbeitet wird. Tilda ist ein sehr interessanter Charakter, ebenso wie Viktor und die kleine Ida. Die Interaktion zwischen den Hauptpersonen ist wirklich niedlich, besonders zwischen den beiden Schwestern. Auch wenn alle drei eigentlich sehr traurige Hintergründe haben, ist das Lesen nicht bedrückend. Es ist auch nicht wirklich spannend, trotzdem wollte ich konstant weiterlesen und wissen, wie sich die Dynamiken weiter entwickeln. Ich finde es toll, wie Tilda versucht immer das beste aus der Situation zu machen und trotzdem an ihren eigenen Träumen festhält. Eine kleine Schwäche war für mich, dass der Erzählstrang über Tildas beste Freundin sich mitten im Buch etwas verloren hat, es hat aber die Geschichte nicht wirklich gestört. Insgesamt ist 22 Bahnen ein leises Buch, das tiefgründige Themen behandelt und berührt. Absolut Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.03.2024

Ein Frauenduo ermittelt mit viel Humor

Orkantief
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Auf einer Fähre lernen Wanda und Telse den Mann Morton kennen, der ihnen von seinem Neffen Kalli erzählt, der vor 3 Jahren verschwunden ist. Auch Kallis Mutter Anne ist seit drei Jahren untergetaucht. ...

Auf einer Fähre lernen Wanda und Telse den Mann Morton kennen, der ihnen von seinem Neffen Kalli erzählt, der vor 3 Jahren verschwunden ist. Auch Kallis Mutter Anne ist seit drei Jahren untergetaucht. Als nach einem Sturm eine Nachbarin des Grundstücks, auf dem Anne und Kalli lebten, etwas entdeckt, das das Verschwinden des Jungen aufklärt, beschließen Wanda und Telse weitere Ermittlungen anzustellen, um endlich auch Gewissheit zu erlangen, was mit Anne passiert ist.

Wanda und Telse sind zwei sympathische Frauen, die beide allein aber auf dem gleichen Grundstück leben. Besonders Wanda ist dabei sehr lebhaft und drängt Telse zu der ein oder anderen Aktion, auf die diese keine Lust hat. Telse ist dafür sehr für den Umweltschutz und gelang so beispielsweise in eine Grundstücksbesetzung einiger Klimaaktivisten, die nicht ganz friedlich abläuft. Den Kontakt zu Telses Tochter Julianne fand ich sehr schön, wobei ich mir gewünscht hätte, noch etwas mehr über Julianne zu erfahren. Auch die Freundschaft zwischen Wanda und Telse und der beiden zu den Nachbarn Camilla und Kommissar Olaf ist niedlich, wobei die Damen und der Kommissar schon aneinander geraten können. Da muss dann Ehefrau Camilla schon auch mal ein Machtwort sprechen (eins meiner Highlights des Buches). Auch wenn die Spannung am Anfang eher gering ist und sich erst sukzessive aufbaut, fand ich die Charaktere von Anfang an sehr sympathisch. Das Setting am Meer ist sehr gemütlich und die Autorin schafft es gut, diese durch kleine Details bildlich rüber zu bringen. Durch einige Nebenaspekte der Handlung stand für mich die Ermittlung nicht immer im Fokus, was zu meiner Einordnung des Krimis in das Genre cosy-crime aber gut passt. Auch wenn der Grundfall eines verschwundenen Kindes und dessen Mutter natürlich traurig ist, ist der Grundtenor des Krimis eher gemütlich und lustig. Am Ende war dann auch etwas Spannung vorhanden.

Insgesamt ein unterhaltsamer, gemütlicher Krimi, den ich mir perfekt für den Urlaub vorstellen kann.

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Veröffentlicht am 16.07.2023

Eine Frau, die ihre Visionen verfolgt

Das Haus am Meeresufer
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Die 1920er Jahre in Paris. Eileen Gray fertigt Möbel und Einrichtungsgegenstände mit speziellen Formen. Sie bewegt sich in Kreisen moderner Frauen, so beispielsweise der Sängerin Damia, mit der sie eine ...

Die 1920er Jahre in Paris. Eileen Gray fertigt Möbel und Einrichtungsgegenstände mit speziellen Formen. Sie bewegt sich in Kreisen moderner Frauen, so beispielsweise der Sängerin Damia, mit der sie eine Beziehung hat. Als sie dem 15 Jahre jüngeren Jean Badovici begegnet, führt er sie nach und nach an die Architektur heran. Zwischen den beiden entwickeln sich tiefere Gefühle und Eileen wagt ein großes Projekt, den Bau eines ganzen Hauses.

Mich hat das Buch leider nicht begeistert. Ich fand den Einstieg sehr schwer, da man quasi in einen feucht-fröhlichen Abend mit Champagner hineingeworfen wird und sich nach und nach erst ein Bild von Eileens Person und ihrem Leben ergibt. Zwischen einzelnen Szenen gibt es immer wieder Rückblenden, dennoch konnte bei mir kein Gesamtbild des Werdegangs entstehen und für mich war auch nicht greifbar, was Eileen genau macht. Es tauchten ständig verschiedene Namen und Adressen auf, mir fehlten dabei die Erklärungen, die mir geholfen hätten, die Dinge im Kopf zu ordnen. Die Beschreibungen des Hauses und der Entwürfe waren schön, hier hätten Skizzen und Abbildungen im Buch mir sehr geholfen, eine Idee vom Stil der Künstlerin zu bekommen. Ich habe mir dann mit Google geholfen, wusste jedoch oft nicht, ob ich nun das richtige Bild habe. Auch musste ich zwischendurch einmal ihren Kurz-Lebenslauf nachlesen, weil ich einfach nicht mitgekommen bin.
Ab dem Zeitpunkt, wo die Liebesgeschichte beginnt, änderte sich (zumindest subjektiv für mich) der Stil etwas und das Buch wirkte konsistenter vorwärts erzählt. Hier bin ich wenigstens nicht mehr ständig rausgekommen, richtig mitreißen konnte mich das Buch jedoch immer noch nicht. Jean ist mit Le Corbusier befreundet, einem aufstrebenden Architekten, der sich Eileen gegenüber unmöglich benimmt. Die Spannungen zwischen den beiden machten das Buch ein bisschen dynamischer und interessanter, am Ende war ich allerdings eher fassungslos davon, wie sich die taffe, mutige Frau so unterbuttern lässt. Was den Fluss so erschwert hat, war neben der anfänglichen Szenenauswahl vor allem die poetische, komplexe Sprache. Oft sind kleinere Aufsätze abgedruckt, deren Sinn mir nicht immer klar wurde. Auch allgemein hat mich die Sprache an einigen Stellen rausgebracht, weil es (besonders zu Beginn) wenig Handlung und viele Worte gab. Die Autorin hat sich ausführlich mit der Person und der Zeit beschäftigt, konnte mich jedoch nicht mitreißen. Ich möchte hier transparent dazu sagen, dass ich das Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe und es verspätet eintraf, sodass ich knapp 1 Woche Zeit zum Lesen hatte. Dafür ist das Buch in meinen Augen nicht geeignet. Hätte ich Zeit gehabt die Sprache wirken zu lassen, hätte es mir möglicherweise besser gefallen. Wer poetische Sprache mag und an der Person Eileen Gray oder den 20erJahren und der Architekturszene interessiert ist, könnte an dem Buch Gefallen haben.

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Veröffentlicht am 30.03.2023

Poetischer Schreibstil, eher melancholische Geschichte

Der Inselmann
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Das Buch erzählt Hans Leben von der Ankunft auf der Insel, bis er ein alter Mann ist. Zunächst genießt er das Leben auf der Insel, trotz seiner eher distanzierten und lieblosen Eltern und fühlt sich wohl ...

Das Buch erzählt Hans Leben von der Ankunft auf der Insel, bis er ein alter Mann ist. Zunächst genießt er das Leben auf der Insel, trotz seiner eher distanzierten und lieblosen Eltern und fühlt sich wohl in seinem kleinen Reich. Eines Tages kommt jedoch ein Schulbescheid und danach ist das Leben auf der Insel nicht mehr so, wie es vorher war. Der Rest seines Lebens wird leider nur noch als kurzer Abriss wiedergegeben. Die Erzählung bleibt dabei sehr wage. Generell wurde an einigen Stellen nicht deutlich, was wirklich passiert und was nur eine sprachliche Metapher ist.

Während sich das Buch zum Teil wie eine Anklage an die Gesellschaft liest, die im Prinzip das Leben des Jungen durch die Einmischung zum Negativen verändert, fehlt mir doch die Konsequenz.
Das Buch ist sehr atmosphärisch, aber auch düster und melancholisch.
Auch blieben bei mir einige Fragen am Ende offen. Es wird nicht aufgedeckt, was die Eltern je dazu bewog, auf die Insel zu ziehen, warum Hans in diese Anstalt muss, wie er sein restliches Leben verbringt. Auch wurden einzelne Aspekte nicht mehr aufgegriffen, beispielsweise der Freund Kalle.
Während man Hans durch die Gedankengänge ganz gut versteht, bleiben die Eltern leider sehr blass. Mehr als ihre distanzierte Art, kam bei mir nicht an.

Das Beste an dem Buch ist der sehr poetische Schreibstil. Er passt zum eher stillen Charakter Hans und auch zu der eher wagen Geschichte. Für den Schreibstil lohnt es sich, das Buch zu lesen, die Geschichte konnte mich aber nicht begeistern.
Insgesamt war das Buch leider nicht ganz das, was ich erwartet hatte.

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