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Buchliese

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2017

Die wachsende Wüste

Der Sandmaler
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„Die Engländer hatten ihre koloniale Arbeit gut gemacht. Sie hatten ein Land an Afrikas Westküste in hoffnungsloser Armut und Misere hinterlassen. … Die koloniale Unterdrückung hatte keine Rücksicht ...

„Die Engländer hatten ihre koloniale Arbeit gut gemacht. Sie hatten ein Land an Afrikas Westküste in hoffnungsloser Armut und Misere hinterlassen. … Die koloniale Unterdrückung hatte keine Rücksicht auf die Menschen genommen, durch deren Arbeit die Engländer ihren Reichtum vermehrten. Man hatte die Rohstoffe des Landes geplündert, die billigen Arbeitskräfte ausgebeutet, und dabei in Sicherheit gelebt, weil man Bildung und Wissen unterband.“ Henning Mankell reist 1971 das erste Mal nach Afrika und schreibt kurze Zeit darauf seinen Roman „Der Sandmaler“.
Elisabeth und Stefan haben gerade die Schule beendet und sich beide noch nicht für ihren weiteren Weg entschieden. Er ist ein Kind reicher Eltern und jobbt im Betrieb des Vaters. Sie lebt in ärmlicheren Verhältnissen mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester, die wegen einer Behinderung ständiger Pflege bedarf und ist sozial engagiert. Zufällig treffen sich die beiden, die eine kurze Affäre während Schulzeit verband, auf dem Flughafen auf der Reise nach Afrika. Schnell wird klar: Sie kommen nicht nur aus unterschiedlichen sozialen Schichten, sie könnten auch ungleicher nicht sein. Stefan ist oberflächlich, herablassend und stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Elisabeth zurückhaltend, beinahe ängstlich, mitfühlend und hat immer ihre Umwelt im Blick. Und so wundert es auch nicht, dass Stefan während des Aufenthalts in Afrika nur schwer für das Land zu begeistern ist, sondern sich dem Alkohol und der Jagd nach den weiblichen Bewohnern des Landes widmet, während Elisabeth sich vorsichtig auf die Spuren Afrikas hinter der Touristenkulisse begibt. Ein Afrika, das sie überrascht und aufrüttelt.
Für mich war es der erste Roman von Mankell und ich bin ganz angetan. Seine Worte fließen zu einer Erzählung, seine Figuren sind sorgsam gezeichnet und reiben sich vorsichtig aneinander. Eingeflochten über eine Nebenfigur sind im Roman Details über die Entwicklung Afrikas, die die Geschichte nicht einfach nur dahinplätschern lassen. Beeindruckend war für mich auch der kleine Afrikaner Ndou, der Elisabeth sein Afrika gezeigt hat, das abseits von allen mitteleuropäischen Vorstellungen liegt. Ein kleiner, feiner Roman, den ich gern empfehle.

Veröffentlicht am 27.08.2017

Großartiges Debüt!

Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
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Wir schreiben das Jahr 2018. Auch Tschechien möchte endlich große Geschichte schreiben. Die Amerikaner und die Sowjets haben es vorgemacht: Ein Flug ins Weltall soll endlich die 10 Millionen ...

Wir schreiben das Jahr 2018. Auch Tschechien möchte endlich große Geschichte schreiben. Die Amerikaner und die Sowjets haben es vorgemacht: Ein Flug ins Weltall soll endlich die 10 Millionen Einwohner in den Fokus der Welt rücken. Jakub Procházka ist erwählt, seinem Land Ruhm und Ehre zu bringen. Auf seinem Flug ins All soll er direkt in die violette Wolke Chopra fliegen und Partikelproben nehmen. Und so beginnt eine einsame Reise ins vermeintlich unendliche Weltall.
Einsamkeit schafft viel Raum für Gedanken. Und so lässt Jakub den Leser an seinem Leben teilhaben. An seiner Kindheit, seiner Jugend, seiner Ehe mit Lenka. Als Sohn systemgetreuer Eltern geboren, wuchs er ab seinem zehnten Lebensjahr bei seinen Großeltern auf. Ein Autounfall hatte ihn zum Waisen gemacht. Während gerade in Berlin die Mauer fiel und Europa im Umbruch war, verschlug es Jaroslav von Prag in ein tschechisches Dorf. Hier war er nicht nur der unbeliebte Junge aus der Stadt, sondern auch Spross ehemaliger Staatsdiener und somit geächtet. Später seine Heirat und der unerfüllte Kinderwunsch. Doch die Fahrt ins All verläuft nicht ohne Komplikationen ab. Als Jakub die Wolke Chopra erreicht, nimmt die Mission eine dramatische Wendung.
Jakub war mir ein sehr sympathischer Protagonist. Wohl schon der bestqualifizierte Wissenschaftler für diese Aufgabe, ist er im Herzen doch ein großer Junge geblieben. Um die Geschichte nicht zu eintönig werden zu lassen, hat der Autor Jakub Hanuš zur Seite gegeben. Ein dicker Körper, acht Beine, rote Lippen, gelbe Zähne und ein Schwäche für Schokoaufstrich von den Erdlingen. (Unterstützt durch Produktplatzierung? ) So bekommen ernste Betrachtungen über das Leben die Leichtigkeit, die das Buch zu einem Lesevergnügen machten. Warum streben wir nach immer weiteren Zielen, nach höheren materiellen Werten? Ist das, das wir als das Beste für unser Gegenüber wollen, nicht eher das, das uns am dienlichsten ist? Kein Buch für zwischendurch und ein tolles Debüt!

Veröffentlicht am 27.08.2017

Mehr Schein als Sein in Montana

Finster ist die Nacht
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Der bekannte Radiomoderator Philip Long wurde entführt. Bevor ihm die Flucht gelingt, ruft er bei seiner Frau an, um ein Lebenszeichen zu geben. Das Telefon wird überwacht und Detectiv Macy Greeley ...

Der bekannte Radiomoderator Philip Long wurde entführt. Bevor ihm die Flucht gelingt, ruft er bei seiner Frau an, um ein Lebenszeichen zu geben. Das Telefon wird überwacht und Detectiv Macy Greeley ist eine der Polizisten, die sich sofort auf den Weg macht. Doch plötzlich läuft ihr ein Mann aus der Dunkelheit vor den Wagen. Sie weicht aus, überschlägt sich und muss hilflos mit ansehen, wie ein Motorradfahrer angebraust kommt und den Mann, den geflüchteten Philip Long, mit ihrer Waffe erschießt. Wer ist der Mörder? Warum wurde Philip Long entführt? Macy Greeley macht sich auf Spurensuche.
Der Einstieg in „Finster ist die Nacht“ ist rasant und verspricht Spannung. Macy triff es hart, dass der Täter Philip Long mit ihrer eigenen Dienstwaffe erschossen hat. Eine Tatsache, die mir sehr, sehr weit hergeholt schien. Die Waffe fällt, während sich das Auto überschlägt und auf dem Dach in einem Wassergraben landet, aus dem Handschuhfach so auf die Straße, dass der Täter, der den über eine Obstplantage auf die Straße laufenden Moderator mit einem Geländemotorrad jagd, diese mühelos in nebliger Nacht und Dunkelheit aufheben und zielgerichtet schießen kann. Peng! Und der Mörder fährt davon. Wir sind in dem Städtchen Montana, in dem niemand so recht etwas sagen will, dafür Waffen und Drogen eine Rolle spielen.
Nach dem Auftakt kommt der Krimi, der bereits der dritte Teil um die Ermittlerin Macy Greeley ist, dann aber in ein solides Fahrwasser. Emma Long, die Tochter des Getöteten, gibt Einblicke in das Leben ihres Vaters und bringt Hinweise auf ein mögliches Motiv. Auch wenn relativ viele Personen im Spiel sind, bleibt die ganze Sache übersichtlich und interessant. Macy, alleinerziehende Mutter eines fast dreijährigen Sohnes und beziehungsgestört, hat Karin Salvalaggio genau das Maß an Privatleben mitgegeben, das bei mir noch auf Interesse stößt. Ihr Kind hat sie gemeinsam mit ihrem früheren Vorgesetzten. Der sitzt inzwischen als verurteilter Straftäter für lange Zeit im Gefängnis. Die Hintergründe waren für diesen Fall nicht wichtig und sind leider auch nicht verraten worden. Mich hat es aber neugierig genug gemacht, um nach dem ersten und dem zweiten Teil der Reihe Ausschau zu halten.

Veröffentlicht am 27.08.2017

Vorsicht Gift!

Wildeule
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Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes ist erstaunt. Die pompösen Gestecke und Kränze, das riesige Herz aus Rosen, das auf dem Boden vor dem Sarg ausgebreitet ist. Sie hatte mit einer Beerdigung für ...

Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes ist erstaunt. Die pompösen Gestecke und Kränze, das riesige Herz aus Rosen, das auf dem Boden vor dem Sarg ausgebreitet ist. Sie hatte mit einer Beerdigung für eine prominente Persönlichkeit gerechnet. Viele Menschen, gar den Auftritt der Presse hatte die zurückgezogen lebende ehemalige Kommissarin befürchtet. Doch nur ein einziger Trauernder hatte sich eingefunden. Und der Bruder der Verstorbenen weilt nur widerwillig den Trauerfeierlichkeiten bei. Als der Sarg dann in Richtung Grabstätte geleitet wird, fallen Gesine zunächst die klappernden Scharniere am Sarg auf. Ein Blick in den Sarg bringt Unglaubliches ans Licht: Im Sarg liegt der Bestattungsunternehmer Carsten Schellhorn. Wo ist Madeleine Jablin, die eigentlich beerdigt werden sollte? Ganz schnell gerät Gesines Freund Hannes als einer der Konkurrenten Schellhorns in Verdacht.
Im mittlerweile dritten Fall ermittelt Gesine Cordes. Auch dieser Fall hat natürlich wieder einen unmittelbaren Bezug zum Friedhof, dessen düstere Atmosphäre sehr gut mit dem menschenscheuen Wesen Gesines harmoniert. Die Friedhofsgärtnerin war bis vor zehn Jahren selbst Kommissarin bei der Kriminalpolizei. Dann kam ihr kleiner Sohn ums Leben. Er hatte, kurze Zeit unaufsichtigt, im Garten der Eltern giftige Pflanzen gegessen und jede Hilfe kam zu spät. Für Gesine folgte der Absturz und Jahre später ein Neuanfang als Friedhofsgärtnerin. In diesem Fall beginnt sie sich mehr und mehr zu öffnen, immerhin ist ihr bester Freund Hannes mit schweren Vorwürfen belastet. Das bekommt der Reihe auch sehr gut, die ewig zurückgezogene Friedhofsgärtnerin wäre auf Dauer auch schwer zu ertragen. Auch die aktuelle Ermittlerin Marina Olbert bekommt eine größere Rolle zugeschrieben. Sie bringt einen angenehmen ironischen Ton mit ins Spiel, der eine feine Balance zur dunklen Friedhofsstimmung bringt. Gemeinsam machen sich die beiden Frauen auf Spurensuche. Madeleine Jablin und der Mörder von Carsten Schellhorn wollen gefunden werden und es gibt weitere unliebsame Zwischenfälle. Interessant sind die Einblicke in das Bestattungswesen, einem scheinbar in sich geschlossenen System, in dem sich niemand gern in die Karten schauen lässt. Und natürlich muss noch das Notizbuch über giftige Pflanzen, das Gesine seit dem tragischen Unglück akribisch führt, erwähnt werden. Das macht die Reihe wirklich besonders. In loser Folge finden sich Einträge zwischen den Kapiteln wieder. Von vielen Pflanzen, die ich auf dem Fensterbrett stehen habe oder die direkt hinterm Haus wachsen, wusste ich gar nicht, dass sie giftig sind. Ein solider Krimi, den man in der Reihenfolge oder auch als Einzelband lesen kann.

Veröffentlicht am 02.10.2017

Konnte leider nicht überzeugen

Der gefährlichste Ort der Welt
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Calista Broderick und ihre Freunde leben in Mill Valley, einer Kleinstadt über der Bucht von San Francisco. Reich, verträumt, ein kleines Paradies. Gerade ins Teenageralter gekommen, werden erste zarte ...

Calista Broderick und ihre Freunde leben in Mill Valley, einer Kleinstadt über der Bucht von San Francisco. Reich, verträumt, ein kleines Paradies. Gerade ins Teenageralter gekommen, werden erste zarte zwischenmenschliche Bande geknüpft und natürlich auch über die Stränge geschlagen. Cally hängt mit ihren Freundinnen Abigail und Emma ab, das Leben hält alle Wege für sie offen und dann erhält sie einen Brief. Tristan Bloch, Außenseiter in allen Lebenslagen, gesteht Cally seine Liebe. Als die Zeilen auf Facebook gepostet werden, fühlt sich Tristan verraten, steigt auf sein Fahrrad und radelt auf die Golden Gate Bridge. Fünf Jahre später treffen wir Calista und ihre Freunde wieder.
„Der gefährlichste Ort der Welt“ hat sich leider auch als etwas fad herausgestellt. Nach einem gelungenen und sensibel erzählten Auftakt verlief sich die Geschichte leider im Sande. Die einzelnen Kapitel waren in der Hauptsache einer Person gewidmet und sie glichen sich sehr. Jedes Klischee nicht nur amerikanischer Teenager wurde erfüllt: faul in der Schule, Drogen, Alkohol, mit Papis teurem BMW durch die Straßen heizen. Langweilig? Ja, so würde ich es wohl beschreiben. Der Brief und dessen Folgen hätten dem Roman viel Substanz verleihen können. Hier ist es aber nicht gelungen, eine durchgehende Verbindung zu knüpfen. Schade, denn erzählen kann Lindsey Lee Johnson gut, inhaltlich konnte mich des Buch aber nicht überzeugen.