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Veröffentlicht am 23.07.2023

Krimi mit realem Hintergrund

Weißtannenhöhe
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"Weißtannenhöhe" von Christof Weiglein ist ein Kriminalroman, der durch einen realen Fall aus dem Jahr 1928 inspiriert ist, bei dem zwei Frauen auf der Weißtannenhöhe ermordet wurden. Der echte Fall wurde ...

"Weißtannenhöhe" von Christof Weiglein ist ein Kriminalroman, der durch einen realen Fall aus dem Jahr 1928 inspiriert ist, bei dem zwei Frauen auf der Weißtannenhöhe ermordet wurden. Der echte Fall wurde nie aufgeklärt. Ausgehend von den öffentlich zugänglichen Akten inklusive Vernehmungsprotokollen etc. entwirft Weiglein eine fiktive Geschichte, die hoch spannend ist und auch ein Bild der damaligen gesellschaftlichen und politischen Situation zeigt. Die Niederlage im 1. Weltkrieg ist noch präsent, die Weimarer Republik steht auf wackeligen Füßen, nationalistische Kräfte erstarken und nähren die Dolchstoßlegende, Antisemitismus breitet sich immer weiter aus. Die angespannte, von drohendem Unheil kündende Atmosphäre wird im Buch sehr gut deutlich. Auch die damaligen Ermittlungsmethoden sind interessant und rufen aus heutiger Sicht teilweise Kopfschütteln hervor, so wurden doch damals tatsächlich auch Hellseherinnen zu Rate gezogen! DNA-Abgleiche waren noch in weiter Ferne und die moderne Kriminalistik steckte noch in den Kinderschuhen. Auch das heute undenkbare Lehrerinnenzölibat wird thematisiert. Wie diese zeitgeschichtlichen Aspekte aufgegriffen wurden, fand ich besonders gelungen. Ich konnte richtig in die damalige Zeit eintauchen. Die Charaktere der Ermittler sind interessant, wenn auch bisweilen etwas eindimensional. Die Geschichte bleibt bis zum Schluß spannend und sehr unterhaltsam.

Besonders gut gefiel gefiel mir, dass Weiglein im Nachwort ausführlich auf seine Recherche eingeht und darlegt, welche Anteile des Romans der Realität entsprechen. Sehr praktisch ist, dass im Text des Ebooks die Namen der Figuren mit Links zum Personenregister hinterlegt wurden, so dass man unkompliziert nachschlagen und wieder an die richtige Textstelle zurückspringen kann. Das finde ich besonders lobenswert, da von dieser Möglichkeit noch viel zu wenig Verlage Gebrauch machen.

Insgesamt ein wirklich spannender, sehr kurzweiliger Krimi, der die Weimarer Reublik in Baden lebendig werden lässt. Ich kannte den Autor bisher nicht und werde definitiv noch weitere Bücher von ihm lesen.

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Veröffentlicht am 23.07.2023

Umfassend modernisierte Lyriksammlung

Der ewige Brunnen
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Da ich mich seit meiner Schulzeit für Lyrik interessiere, war ich sehr gespannt auf die Neuausgabe von "Der ewige Brunnen". Die erste Ausgabe erschien 1955, und nach einer ersten Überarbeitung 2005 erfolgte ...

Da ich mich seit meiner Schulzeit für Lyrik interessiere, war ich sehr gespannt auf die Neuausgabe von "Der ewige Brunnen". Die erste Ausgabe erschien 1955, und nach einer ersten Überarbeitung 2005 erfolgte nun durch Dirk von Petersdorff eine grundlegende Neubearbeitung, infolge derer auch einzelne moderne Songtexte und deutlich mehr Gedichte von Frauen aufgenommen wurden.

Mit über 1200 Seiten ist ein stattliches Buch entstanden, das eine einzigartige Sammlung an Lyrik enthält. Die Gedichte sind thematisch geordnet. Im Anhang befinden sich eine alphabetische Liste der Gedichttitel und -anfänge sowie eine Autorinnenliste, sodass ein bestimmtes Gedicht oder alle enthaltenen Gedichte eines Dichters bzw. einer Dichterin schnell gefunden werden können. Das finde ich besonders praktisch. Die Idee, auch einige neuere Liedtexte mit aufzunehmen, etwa von Herbert Grönemeyer, Tocotronic oder Wir sind Helden, gefällt mir sehr gut, denn letztendlich ist der Übergang zur Dichtung fließend, und auch Bob Dylan erhielt vor wenigen Jahren den Nobelpreis für Literatur. Von Petersdorff hat einige weniger bekannte Werke großer Dichterinnen mit aufgenommen, dafür fehlen mir leider manche meiner Lieblingsgedichte wie "Blauer Abend in Berlin" von Loerke, "Fragen eines lesenden Arbeiters" und "Mein Bruder war ein Flieger" von Brecht, "Gorm Grymme" von Theodor Fontane und "Ein grünes Blatt" von Theodor Storm. Aber jeder Sammlung kann nur eine Auswahl sein, und die Neuausgabe von "Der ewige Brunnen" ist eine sehr schöne Lyriksammlung, die in der Gegenwart angekommen ist und in keinem Bücherregal fehlen sollte.

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Veröffentlicht am 23.07.2023

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Paradise Garden
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Bereits nach dem ersten Kapitel wusste ich, dass ich dieses Buch lieben würde. Elena Fischers Art zu schreiben berührte mich auf Anhieb, und Billie, die 14jährige Protagonistin, wurde sofort lebendig. ...

Bereits nach dem ersten Kapitel wusste ich, dass ich dieses Buch lieben würde. Elena Fischers Art zu schreiben berührte mich auf Anhieb, und Billie, die 14jährige Protagonistin, wurde sofort lebendig. Ihr Blick auf die Welt, ihr trockener Humor und ihre teils lakonischen Bemerkungen machten sie mir sehr sympathisch. Obwohl Billie und ihre Mutter Marika in einer trostlosen Hochhaussiedlung leben und trotz zweier Jobs der Mutter das Geld kaum ausreicht, um über die Runden zu kommen, gelingt es ihnen, sich immer wieder Augenblicke des Glücks zu schaffen und kleine Freuden zu genießen. Marika ist eine energiegeladene Frau, die im Moment lebt und eine sehr innige und liebevolle Beziehung zu ihrer Tochter hat. Auch wenn die beiden nicht viel haben, so haben sie sich, und sie sind sich dessen bewusst. Als plötzlich die ungarische Großmutter vor der Tür steht und Marikas und Billies Sommerpläne durchkreuzt, ist bald nichts mehr, wie es einmal war. Und Billie stellt sich mehr denn je die Frage nach ihrer Identität. Sie macht sich allein im Nissan der Mutter auf die Suche nach ihrem unbekannten Vater und entdeckt dadurch sich selbst und ihre Mutter neu.

Billie ist eine mutiges, intelligentes junges Mädchen, und ihr Geschichte, die trotz vieler trauriger Momente nie bitter wird, sondern durch feinsinnigen Humor und eine hoffnungsvolle Grundnote getragen wird, hat mich sehr bewegt. Ich möchte dieses warmherzige Buch unbedingt allen, insbesondere auch jüngeren Lesern ab ca. 14 Jahren, ans Herz legen!

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Veröffentlicht am 18.07.2023

Rundum gelungener Naturführer

Mein großer Naturführer Tiere & Pflanzen
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"Mein großer Naturführer" von Jana Böskens ist ein wirklich tolles Buch für Kinder ab 8 Jahren, in dem auch ältere Kinder und Erwachsene noch viel Wissenswertes entdecken können.

Der Naturführer enthält ...

"Mein großer Naturführer" von Jana Böskens ist ein wirklich tolles Buch für Kinder ab 8 Jahren, in dem auch ältere Kinder und Erwachsene noch viel Wissenswertes entdecken können.

Der Naturführer enthält zunächst eine kurze allgemeine Einführung in die Welt der Tiere, Pflanzen und Pilze. Der Hauptteil des Buches ist in die Lebensräume Wald, Wiesen und Felder, Gewässer, Auen, Feuchtgebiete und Stadt und Dorf untergliedert.

Die einzelnen Kapitel vermitteln fundiertes Wissen, das gut verständlich aufbereitet ist, ohne zu stark zu vereinfachen. Die Texte werden durch zahlreiche detailreiche farbige Illustrationen, Fotografien, übersichtliche Schaubilder und Infoboxen perfekt ergänzt. Besonders lobenswert finde ich, dass giftige Tiere und Pflanzen durch farbige Totenkopfsymbole gekennzeichnet sind (giftige Tiere in lila, leicht giftige Pflanzen in orange, sehr giftige in rot).

Der handliche Naturführer passt für Wanderungen prima in jeden Rucksack, und die etwas dickeren Seiten sind schön robust. Das Buch eignet sich aber auch hervorragend als Nachschlagewerk oder einfach zum Schmökern auf dem Sofa.

Meine Familie und mich hat das Buch rundum begeistert, und es ist der beste Naturführer für Kinder, den in bisher in Händen hatte. Ich möchte ihn unbedingt weiterempfehlen und werde ihn sicher auch noch des öfteren verschenken.

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Veröffentlicht am 16.07.2023

Hoffnungsvoll

Aufrappeln
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Der autobiographisch geprägte Roman "Aufrappeln" von Judith Poznan ist eines der ganz wenigen Bücher, die ich schon aufgrund des Covers lesen wollte, da der Titel in Verbindung mit den hängenden Tulpen ...

Der autobiographisch geprägte Roman "Aufrappeln" von Judith Poznan ist eines der ganz wenigen Bücher, die ich schon aufgrund des Covers lesen wollte, da der Titel in Verbindung mit den hängenden Tulpen eine Art von Humor ausstrahlt, die mir auf Anhieb gefiel.

Den frischen und klaren Schreibstil mochte ich vom ersten Moment an, und ich konnte mich sehr gut in die Figur der Judith, ihre Situation und ihre Gedanken einfühlen. Als Bruno Judith verlässt, muss sie sich mit Mitte dreißig unvermutet noch einmal neu erfinden. Ihre Ansprüche an das Leben und die Liebe treffen auf die Wirklichkeit, und da ist die Erkenntnis, an den eigenen Träumen und Maßstäben vom kleinen Glück gescheitert zu sein. Und dann stehen Bruno und sie auch noch vor der Aufgabe, nach ihrer Trennung als Paar weiterhin gemeinsam Eltern eines Kleinkindes zu bleiben. Die Art und Weise, wie sie dies angehen, fand ich bewundernswert und ermutigend. Wie sich Judith Schritt für Schritt "aufrappelt", sich zaghaft neu orientiert, Freiheiten entdeckt, ihre Vorstellungen reflektiert, sich an ihre erste Jugendliebe erinnert, auch schmerzhafte Momente erlebt, ist ganz behutsam und mit einem Blick für die kleinen Details erzählt, und mit einem wunderbar feinen, klugen Humor hinterlegt, der die Geschichte trägt und ihr eine gewisse Leichtigkeit verleiht.

Ein leiser, ehrlicher, nachdenklicher Roman, der Mut macht und in dem ich mich oft selbst erkannt habe. Einige Passagen habe ich mir sogar markiert, weil ich sie so treffend fand.

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