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Venatrix

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Veröffentlicht am 05.08.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Die Kälte der Mur
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In ihrem zweiten historischen Krimi mit Ida Fichte und Wilhelm Koweindl nimmt uns Autorin Gudrun Wieser in die Umgebung von Graz des Jahres 1882 mit. Nach den Vorkommnissen im Mädchenpensionat am Annaberg ...

In ihrem zweiten historischen Krimi mit Ida Fichte und Wilhelm Koweindl nimmt uns Autorin Gudrun Wieser in die Umgebung von Graz des Jahres 1882 mit. Nach den Vorkommnissen im Mädchenpensionat am Annaberg ist dieses geschlossen und Ida Fichte hat eine neue Anstellung als Hauslehrerin von Theodor, dem ängstlichen Sohn des Zoologen Prof. Lahothny und seiner Frau. Die neue Aufgabe nimmt sie ziemlich in Anspruch, zumal auch die Gnädige Frau an manchen Tagen Idas Zuspruch zu benötigen scheint, sodass sie auf die ein wenig hölzern verfassten Briefe des Landgendarmen Wilhelm Koweindl nicht antwortet.

Dabei bräuchte er den scharfen analytischen Verstand von Ida mehr denn je. Seit einigen Wochen werden Körperteile am Ufer der Mur angespült. Sie müssen, wie der Gerichtsmediziner trocken feststellt, von mehreren Frauenspersonen, stammen. Er sei sich ziemlich sicher, dass es sich um Dienstmädchen handelt. Doch niemand scheint sein(e) Dienstmädchen zu vermissen. Koweindl und sein neuer Mitarbeiter, der Probegendarm Leopold Leitner, stehen vor einem Rätsel.

Nun, Koweindl fasst sich ein Herz und taucht unangemeldet und zu unpassender Zeit im Haus Lahothny auf. Dass er damit Ida in Schwierigkeiten bringt, nimmt er gar nicht wahr. Er ist nur über ihre Zurückhaltung und ihre Weigerung, ihn überhaupt anzuhören, erstaunt. Man scheidet beiderseits verstimmt.

Doch dann verschwindet, wie so viele Dienstboten vor ihr, die Zugehfrau Leni und wenig später auch die Gnädige Frau. Zurück bleiben der ohnehin traumatisierte Sohn Theodor, sein Vater und sein Onkel, der sich ebenfalls ein wenig seltsam verhält. Ida beginnt auf Wunsch des Hausherrn zu recherchieren und findet einiges heraus, was die Gnädige Frau nicht in allzu gutem Licht erscheinen lässt.

Meine Meinung:

Auch der zweite Fall für Ida Fichte und Wilhelm Koweindl hat mir sehr gut gefallen. Der Krimi ist sehr gut recherchiert und zeichnet ein ziemlich authentisches Bild der damaligen Lebenswelt. Hier die begüterten Bürger oder Adeligen dort die Dienstboten, die nichts gelten. Die Leser merken deutlich, dass in der ausschließlich männlich besetzten Kriminalpolizei, das Wissen um Dienstboten fehlt, denn erst spät kommen Koweindl und sein Probegendarm Leopold Leitner auf die Idee, nach dem Dienstbotenbuch der verschwundenen Dienstboten zu suchen.

Auch dass Soldaten, die in Verbrechen verwickelt sind, sei es als Täter oder Opfer, nicht der zivilen Gerichtsbarkeit, sondern der militärischen unterstehen, ist richtig beschrieben.

Der Schreibstil gefällt mir und ich finde die Charaktere sehr gut herausgearbeitet. Ob Koweindl das Angebot des Militärs annehmen wird? Und wie entwickelt sich die Beziehung zu Ida weiter? Ich bin das sehr gespannt auf einen weiteren Fall. Außerdem bin ich neugierig, ob sich in einer späteren Fortsetzung Koweindls Wege mit dem wohl berühmten Grazer Kriminologen Dr. Hans Gross kreuzen werden, der 1893 sein „Handbuch für Untersuchungsrichter“ veröffentlicht hat.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.08.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Akte Nordsee - Der Teufelshof
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Der Klappentext verrät ja schon einiges. Die Polizei schießt sich auf die bereits einmal geschiedene und nun neu vermählte Anna als Täterin ein, die noch dazu aus Estland stammt. Wer die eingefleischten ...

Der Klappentext verrät ja schon einiges. Die Polizei schießt sich auf die bereits einmal geschiedene und nun neu vermählte Anna als Täterin ein, die noch dazu aus Estland stammt. Wer die eingefleischten Dorfbewohner eine Nordseeinsel kennt, weiß, dass man mindesten 50 Generationen dort ansässig sein muss, um als Einheimischer gelten zu dürfen. Man hat es ja schon immer gewusst, dass die da sich nur einen guten deutschen Mann angeln will. Und außerdem, der Tatort ist ja als Teufelshof bekannt - da kann es ja nur Mord und Totschlag geben.

Das macht das Ermitteln für Fentje und den Journalisten Niklas nicht einfacher.

Auch in ihrem zweiten Krimi mit Fentje Jacobsen versteht es Eva Almstädt Spannung aufzubauen und sie auch bis zur letzten Seite zu halten. Selbst ich als alte Krimi-Tante habe den Täter lange nicht auf dem Radar gehabt.
Die Autorin Eva Almstädt schreibt in gewohnter Form - leicht und flüssig. Das Lokalkolorit der Halbinsel Eiderstädt spielt auch eine große Rolle.

Bin schon neugierig wie sich die Beziehung zwischen Fentja und Niklas, die sich ja derzeit nur beruflich annähern, weiterentwickelt. Es scheint ja hier doch ein wenig zu knistern.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 29.07.2023

Ein gelungener hist. Krimi

Potsdamer Ganoven
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Dieser Krimi ist im Potsdam und Berlin der 1920er-Jahre angesiedelt. Von den Goldenen Zwanziger-Jahren ist (noch) nichts zu spüren.

Im Mittelpunkt stehen der Postbote Theodor Berwalt und das Schreibfräulein ...

Dieser Krimi ist im Potsdam und Berlin der 1920er-Jahre angesiedelt. Von den Goldenen Zwanziger-Jahren ist (noch) nichts zu spüren.

Im Mittelpunkt stehen der Postbote Theodor Berwalt und das Schreibfräulein bei der Kriminalpolizei Gisela Fink. Theodor findet beim Austragen der Post einen Mann tot in seiner Wohnung und wird ausgerechnet von seinem Bruder Walter, dem Kriminalbeamten, verdächtigt, das Päckchen, das er überbringen sollte, unterschlagen zu haben. Dora Pagel identifiziert den Toten als ihren Mann und die Polizei stellt auf Befehl von oben die Ermittlungen ein. Selbstmord - und basta! Obwohl eine Selbsttötung ziemlich unwahrscheinlich ist, denn es ist offensichtlich, dass der Mann von einem Linkshänder erschossen worden ist.

Heimlich wird weiter ermittelt, denn Walter Berwalt ist bei den Kollegen nicht wirklich beliebt und angesehen. So mancher möchte ihn entlassen sehen. Doch ihren Arbeitsplatz müssen zu jener Zeit zahlreiche Frauen räumen, um den aus dem Krieg zurückgekehrten Männer Arbeit zu verschaffen. Mit dem Verlust der Arbeit droht Walter auch Gisela. Überhaupt ist zwischen den Brüdern einiges faul. So scheint Walter ein gewaltiges Früchtchen zu sein, denn selbst die Mutter der beiden, hat Angst vor ihm. Und welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Verschwinden von Agnes, der Schwester von Walter und Theo?

Meine Meinung:

Mit hat dieser Krimi sehr gut gefallen. Zum einem, weil die Epoche der Weimarer Republik mit den politischen Querelen sehr gut recherchiert und dargestellt ist, und zum anderen sind die Charaktere fein herausgearbeitet. Geschickt ist auch die historische Figur von Ernst Gennat in die Handlung eingeflochten.

Während der Polizist Walter Berwalt mehr Dreck am Stecken hat als so mancher Gelegenheitsganove, fühlt sich Theo in seiner Arbeit als Postbote nicht ganz ausgelastet. Sein sehnlichster Wunsch ist, bei Gennats Kriminalpolizei arbeiten zu dürfen.

Die Andeutungen über das Schicksal von Agnes und der Phobie Theos, über Brücken gehen zu müssen, lassen darauf schließen, dass es eine Fortsetzung geben wird, was mich sehr freuen würde.

Fazit:

Ein gelungener Krimi aus der Weimarer Republik, in der vieles im Umbruch war. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.07.2023

Wenn Zufall und Willkür über Leben oder Tod entscheiden

Die Postkarte
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Wenn Zufall und Willkür über Tod oder Leben entscheiden.
Dieser Roman ist eine gleichsam berührende wie fesselnde Spurensuche nach den eigenen Wurzeln.

Anne Berest erzählt in vier unterschiedlichen Abschnitten ...

Wenn Zufall und Willkür über Tod oder Leben entscheiden.
Dieser Roman ist eine gleichsam berührende wie fesselnde Spurensuche nach den eigenen Wurzeln.

Anne Berest erzählt in vier unterschiedlichen Abschnitten über die Herkunft ihrer Familie. Da ist zum einem die Gegenwart, in der ihre kleine Tochter Clara in der Schule von einem Mitschüler hören muss, dass sie Jüdin ist und diese nicht gemocht werden. Diese Episode ist Anlass für Anne sich mit ihrer jüdischen Herkunft zu befassen. Das geschieht unter anderen mit Hilfe ihrer Mutter Lélia, die eine alte Postkarte erhalten hat, auf der die vier Namen von Familienmitgliedern angeführt sind, die in Auschwitz ermordet worden sind: Ephraïm, Emma, Noémi und Jacques. Wie Lélia erklärt sind Ephraïm und Emma Annes Urgroßeltern, Noémi und Jacques sind Großtante und Großonkel. Ein Name fehlt, nämlich der von ihrer Großmutter: Myriam. Sie ist die Einzige, die den Holocaust überlebte, heiratete und Tochter Lélia bekam.

Einige Jahre später beginnt Anne ihre Familiengeschichte anhand der Postkarte und anderen Dokumente ihrer Mutter akribisch zu recherchieren. Nicht immer gelingt es auf geradem Weg, Erkenntnisse zu erhalten. Immer wieder blockt auch Lélia ab, zu schrecklich sind die überlieferten Ereignisse. Doch Anne lässt sich nicht beirren und erhält mitunter Hilfe von unerwarteter Seite.

Lange bleibt unklar, wie die Postkarte aus der Vergangenheit in den Briefkasten der Gegenwart geraten ist.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman, der die dramatische Geschichte einer Spurensuche nach den eigenen Wurzeln beschreibt, ist nicht mein erstes Buch zu diesem Thema. Was es so besonders bzw. anders macht?

Anne Berests Schreibstil ist eindringlich. Als Leser ist man - so schrecklich es auch ist - mitten im Geschehen. Das liegt zum Großteil an der peniblen Recherche der Autorin. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Für viele Leser wird der französische Anteil an der Ermordung Tausender Juden, die nach Frankreich geflüchtet sind, vielleicht neu und verstörend wirken. Mir ist dies schon lange bekannt, trotzdem habe ich bislang unbekannte Details erfahren. Faszinierend zu lesen ist, wie Zufall und Willkür über Tod oder Leben entscheiden.

Fazit:

Dieser fesselnden wie berührender Spurensuche nach den eigenen Wurzeln gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 29.07.2023

Wer hat die Mona Lisa gestoheln?

Die Erfindung des Lächelns
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„La Jaconde, c’est partie!“

Wer kennst es nicht? Das berühmte Gemälde „La Gioconda“, besser bekannt als „Mona Lisa“ von Leonarda da Vinci? Ihr geheimnisvolles Lächeln bezaubert die Menschen seit dem ...

„La Jaconde, c’est partie!“

Wer kennst es nicht? Das berühmte Gemälde „La Gioconda“, besser bekannt als „Mona Lisa“ von Leonarda da Vinci? Ihr geheimnisvolles Lächeln bezaubert die Menschen seit dem 17. Jahrhundert und die Spekulationen, wer dafür Modell gesessen haben könnte, schraubt ihren Wert in die Höhe. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass das Gemälde, das nur 77 x 53 cm misst, in den Fokus von Kunstdieben gerät.

Und genau davon erzählt dieser historische Roman.

Als der korpulente Museumsaufseher am Morgen des 22. August 1911 den Salon Carré betritt, fehlt das Bild. Zunächst denkt er sich nichts dabei, denn Bilder werden immer wieder zum Restaurieren oder Fotografieren abgehängt. Doch als dann wenig später der leere Rahmen gefunden wird, ist klar: Entsetzlich, das Bild wurde gestohlen - „La Jaconde, c’est partie!“ geht der Aufschrei durch toute Paris.

Commissaire Lenoir wird mit den Ermittlungen beauftragt, was gar nicht so einfach ist. Denn nicht nur, dass der Louvre offen wie ein Vogelhaus ist, gibt es Dutzende Generalschlüssel und Hunderte Handwerker und Künstler, die aus- und eingehen können. Lenoir hat eine Mammutaufgabe vor sich. Unter den zahlreichen Verdächtigen ist auch Pablo Picasso, Künstler, ständig klamm und ein begnadeter Kopist - so passt er - genauso wie seine Freunde sehr gut in das Täterprofil.

Stellenweise liest sich der Roman wie das Who-is-Who der künstlerischen Avantgarde der Stadt Paris von 1911. Neben der Ausdruckstänzerin Isadora Duncan treffen wir auch Literaten, Musiker wie Igor Strawinsky und Claude Debussy sowie Satanisten und andere Scharlatane.

Während die Menschen von Paris in der Kathedrale Notre-Dame um die Rückkehr des Bildes beten, bieten Hellseher und Wahrsager der Polizei ihre Dienste an.

Ob Commissaire Lenoirs Ermittlungen von Erfolg gekrönt sind, verrate ich jetzt nicht.

Meine Meinung:

Der Diebstahl der Mona Lisa hat schon mehrere Autoren und Filmemacher beflügelt, ihre eigene Sicht auf das Geschehen darzulegen. Mir hat dieser Roman, der sich manchmal von eigentlichen Succus der Geschichte ein wenig weit entfernt, sehr gut gefallen. Das Flair der Belle Époche ist sehr gut eingefangen. Es sind nur mehr wenige Jahre bis zum Großen Krieg. Man trifft sich in Straßencafés, trinkt Absinth bis zur Bewusstlosigkeit und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein.

Ich kenne einige von Tom Hillenbrands Krimis rund um den Koch Xaver Kieffer, die nicht ganz so gut gefallen, wie dieses Buch hier rund um La Jaconde.

Fazit:

Gut recherchiert und opulent erzählt, da macht auch das Abschweifen zu Nebenthemen nichts aus. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.