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Veröffentlicht am 30.07.2023

Im Bann dieses Buches

Stranded - Im Bann des Sees
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Mellie ist eine Wandlerin, an Land hat sie Beine, im Wasser Flossen. Zusammen mit ihrem Partner Rynn gehört sie einer Einheit an, die durch regelmäßige Patroullien sicherstellen, dass die Unterwasserstadt ...

Mellie ist eine Wandlerin, an Land hat sie Beine, im Wasser Flossen. Zusammen mit ihrem Partner Rynn gehört sie einer Einheit an, die durch regelmäßige Patroullien sicherstellen, dass die Unterwasserstadt im See nicht von Menschen entdeckt und angegriffen wird. Wer jedoch nach Sonnenuntergang an Land strandet, kehrt nicht zurück.
Eines Tages passiert es, dass Mellie auf die gefährliche Spezies der Menschen trifft, von denen sie angegriffen wird und es nicht rechtzeitig zurück in den See schafft. Caleb, der sie gerettet hat, nimmt sich ihrer an, doch Mellie misstraut dem Landbewohner zutiefst. Verzweifelt versucht sie einen Weg zu finden wieder nach Hause zurückzukehren. Die Zeit drängt, denn Mellie wird krank und droht zu sterben.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um euch den Lesespaß nicht zu trüben. „Stranded“ von Kate Dylan fand ich richtig toll! Ich glaube, jeder, der Meerjungfrauen mag, wird an dieser Geschichte gefallen finden. Es gibt natürlich noch einige überraschende Wendungen während Mellies Abenteuer. Da es auch schon einen zweiten Band gibt, der die Geschichte um die Wandlerin Mellie zu einem Ende führen soll, muss man auch nicht lange warten, wenn man wissen möchte wie es weitergeht – ich jedenfalls werde schon bald weiterlesen!

Veröffentlicht am 30.07.2023

Eine Geschichte, so kompakt und doch so schwer...

Ein gutes Verbrechen
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Tara ist allein. Die Mutter hat ein gutes Verbrechen begangen. Sie hat ihre Tochter verlassen, da war sie noch eine Jugendliche. Bevor man nämlich keine gute Mutter ist, ist man besser gar keine Mutter. ...

Tara ist allein. Die Mutter hat ein gutes Verbrechen begangen. Sie hat ihre Tochter verlassen, da war sie noch eine Jugendliche. Bevor man nämlich keine gute Mutter ist, ist man besser gar keine Mutter. Aber Geld schickt sie Tara noch, wovon sie leben kann. Der Vater ist auch nicht da, der ist nämlich beim Militär. Kümmern tut der sich um Tara allerdings auch nicht. Tara ist ganz allein und findet auch bei den kurzen Liebschaften kein inneres Zuhause. Lediglich der Milchmann erzeugt in ihr den Hauch von Geborgenheit. Doch der Verlust der Mutter wiegt in einer Schwere, der es nichts entgegenzusetzen gibt.

„Ein gutes Verbrechen“ ist kurz. Gerade 118 Seiten lang. Das Buch könnte man in gut zwei Stunden durchlesen, aber ich wollte es dosieren, auf mich wirken lassen. Magdalena Jagelke hat in ihre Worte eine kaum zu beschreibende Kraft gelegt. Ich könnte wirklich nicht sagen, was mich an ihrem Stil so fasziniert hat, und wenn mein Leben davon abhinge – aber diese Geschichte hat mich Taras Alleinsein, nein, Einsamkeit spüren lassen.

Veröffentlicht am 30.07.2023

Ein mutiges Statement

Ich habe einen Namen
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„Ich habe einen Namen“, mit diesen Worten holt sich Chanel Miller aka. Emily Doe ihre Identität wieder. Es ist eine Identität, die über monatelange Berichterstattung auf eine Opferrolle reduziert wurde, ...

„Ich habe einen Namen“, mit diesen Worten holt sich Chanel Miller aka. Emily Doe ihre Identität wieder. Es ist eine Identität, die über monatelange Berichterstattung auf eine Opferrolle reduziert wurde, eine Frau, die auf einer Party zu viel getrunken hat und vergewaltigt wurde. Ich denke, dieses Buch ist ein großer Teil der Heilung dieser jungen Frau.

Chanel ist 22 Jahre alt, als sie mit ihrer Schwester Tiffany auf eine Party an der Stanford University geht. Sie trinkt Alkohol, bekommt einen Filmriss, und das nächste, woran sie sich erinnert, ist dass sie im Krankenhaus aufwacht. Sie wird untersucht und erhält die Info, sie sei angegriffen worden. Sie befindet sich noch inmitten ihres Schockzustandes, als ihre Schwester sie aus dem Krankenhaus nach Hause bringt. Erst in den nächsten Tagen erhält sie ein genaueres Bild dessen, was mit ihr passiert ist. Sie wurde von dem 19-jährigen Brock Turner hinter einem Müllcontainer fast vollständig ausgezogen, und er führte seine Finger in die bewusstlose Frau ein. Gerettet wurde sie von zwei schwedischen Studenten, die auf Fahrrädern vorbeifuhrend die Tat beobachteten und den Täter festhielten.

Erst langsam setzt sich für Chanel ein Bild des Tathergangs zusammen. Sie muss vor Gericht aussagen und diese Momente noch einmal erleben. Im weiteren Verlauf ihres Buches beschreibt sie das, was in ihr vorgeht, und was keine Berichterstattung wiedergibt, denn Chanel bleibt als Emily Doe anonym. Sie beschreibt Panikattacken, Weinkrämpfe und tiefgreifende Enttäuschungen darüber wie sie als Opfer und damit ihr Privatleben auseinandergenommen und ausschließlich bruchstückhaft beleuchtet wird. Ihre Geschichte ist aber auch die Chronik ihrer Gesundung, an deren Ende sie womöglich noch nicht angekommen ist. Aus Emily wurde wieder Chanel, sie hat sich ihren Namen zurückerobert und mit ihm Zuversicht und Selbstbestimmung.

Am Schluss der Geschichte ihres Übergriffs und aller weiterer Folgen ist das Statement abgedruckt, das sie am Ende ihrer Gerichtsverhandlung gelesen hat. Dieses Statement rührt zu Tränen.

Ich kann für dieses Buch gar keine Empfehlung aussprechen, weil jeder selbst wissen muss, ob er sich dieser Geschichte und dieses Themas annehmen will. Ich spreche für mich persönlich, wenn ich sage, dass mich Chanels Geschichte, ihr Durchhaltevermögen und ihr Mut in vieler Hinsicht bereichert hat.

Veröffentlicht am 30.07.2023

Ein Wunsch

Birthday Girl
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Birthday Girl ist eine Kurzgeschichte aus der Feder von Haruki Murakami mit Illustrationen von Kat Menschik. Das Geburtstagskind bleibt namenlos, sie ist eine junge Frau, die an ihrem 20. Geburtstag leider ...

Birthday Girl ist eine Kurzgeschichte aus der Feder von Haruki Murakami mit Illustrationen von Kat Menschik. Das Geburtstagskind bleibt namenlos, sie ist eine junge Frau, die an ihrem 20. Geburtstag leider nicht frei bekommen hat, sondern im Restaurant arbeiten muss. Da ihr Chef akute Bauchschmerzen bekommt und ins Krankenhaus fährt, kann er seine übliche Aufgabe nicht erledigen und trägt ihr auf dem Inhaber des Lokals an seiner Stelle das Abendessen pünktlich wie immer um 20:00 Uhr ans Zimmer zu bringen. Anders als von ihrem Vorgesetzten angekündigt, hinterlässt sie das Dinner nicht nur, sondern wird vom Restaurantinhaber, einem kleinen freundlichen Mann, der in Anzug und Fliege die Tür öffnet, aufs Zimmer gebeten. Auf Nachfrage erzählt sie ihm, dass heute ihr Geburtstag sei, und er will ihr einen Wunsch erfüllen, wenn sie ihn nur äußern will. Er versichert ihr, er würde in Erfüllung gehen, und sie könne ihn nicht zurücknehmen.
Jahre später erinnert sie sich an die Begebenheit und resümiert, wie ihr Leben nun aussieht.

Es ist eine kurze aber auf murakamitypische Art auch wieder eine geheimnisvolle Geschichte, die durch die mehrschichtigen Illustrationen von Kat Menschik komplettiert werden. Eine wirklich schöne Ausgabe, an der man seine Freude hat!

Veröffentlicht am 30.07.2023

Ein kurzer Einblick

Ein menschliches Herz
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92 Seiten, große Schrift, kompakte Geschichte, aber wieder mal viel Herzblut wie man es von Irvin D. Yalom kennt. Der amerikanische Psychotherapeut hält nichts von Distanz, sondern lässt immer auch ein ...

92 Seiten, große Schrift, kompakte Geschichte, aber wieder mal viel Herzblut wie man es von Irvin D. Yalom kennt. Der amerikanische Psychotherapeut hält nichts von Distanz, sondern lässt immer auch ein Stück von sich selbst in seine Erzählungen einfließen. Bei dieser Geschichte geht es auch gar nicht anders, denn sie handelt von der tiefen Freundschaft zwischen Yalom und Berger, einem erfolgreichen Herzchirurgen. Die beiden Männer lernten sich im Medizinstudium kennen, und trotz dessen, dass sich Robert Berger nie dazu hinreißen lässt tief in seine turbulente Jugend als Holocaust-Überlebender hineinblicken zu lassen, werden die beiden innige Freunde. Yalom, der überwiegend behütet aufgewachsen ist, will sich den Schrecken dieser Vergangenheit auch nicht unbedingt stellen, dennoch lässt er über die vielen Jahrzehnte, die sich die beiden kennen, immer wieder seine persönliche Meinung einfließen, warum der Herzchirurg sich so in seine Arbeit vergräbt. Doch Berger will davon nichts hören und nicht über die schlimmen Dinge reden. Yalom und Berger haben beide die mittlere Hälfte ihres 70. Lebensjahrzehnts überschritten, als Robert Berger endlich über das zu sprechen imstande ist, was ihn nachts in seinen Träumen verfolgt.

Mit diesem Buch hat man eine kurze Geschichte, die sich zügig weglesen lässt, in der aber wieder die volle Leidenschaft für Literatur und Psychologie Yaloms zutage kommt.