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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2023

Single Shaming - nein danke!

Weiblich, ledig, glücklich - sucht nicht
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Da denkt man, wir leben in einer fortschrittlichen Zeit, und dann zeigt Gunda Windmüller mit ihrem Buch „Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht“ auf, wie rückständig unsere Gesellschaft noch in Bezug ...

Da denkt man, wir leben in einer fortschrittlichen Zeit, und dann zeigt Gunda Windmüller mit ihrem Buch „Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht“ auf, wie rückständig unsere Gesellschaft noch in Bezug auf alleinstehende Frauen ist. Während Männer als begehrenswerte Bachelor gesehen werden, degradiert man weibliche selbstgewählte Singles zu alten Jungfern, die zusehen sollten, dass sie unter die Haube kommen, solange sie noch einen Funken Restschönheit haben, den ein Kerl will. Schlimmer wird es noch, wenn die sich selbst genügende Frau der Beteiligung am Fortbestand der Art entziehen und keine Kinder bekommen will. Althergebrachte Denkmuster und eigens danach ausgerichteter Kapitalismus wollen vermitteln, dass Frau nur in einer Beziehung aufgehen kann, dabei ist klar, dass keine Beziehung besser ist als eine schlechte und Statistiken zeigen, dass Singles nicht weniger glücklich sind als ihre weiblichen Mitmenschen in Beziehungen.

Gunda Windmüllers Erläuterungen erweitert sie durch Querverweise anderer AutorInnen, Erfahrungen aus Freundes- und Bekanntenkreis sowie Filmen und Serien, die immer noch ein bestimmtes Bild zu erzeugen suchen. Gunda Windmüller hat eine lockere Art ihr Thema zu vermitteln. Ein interessantes Buch, das man gut weglesen kann, um über bestimmte Dinge einmal zu reflektieren, auch wenn man bereits zu den weiblichen und glücklichen Singles dieser Welt gehört.

Veröffentlicht am 30.07.2023

Ein Manisch-Depressiver, ein Journalist, ein Fahrrad, Zagreb und die Freuden des Lebens

Radost
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Max Winter hat ein Temperament, an das man sich nur schwer gewöhnen kann. Als der ruhige, von seinem Leben und seinem Beruf gelangweilte Journalist Fabian Jakobi, während einer Sansibar-Reise auf Max in ...

Max Winter hat ein Temperament, an das man sich nur schwer gewöhnen kann. Als der ruhige, von seinem Leben und seinem Beruf gelangweilte Journalist Fabian Jakobi, während einer Sansibar-Reise auf Max in seinem Massai-Gewand trifft, gibt es wenige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden. Sie treffen sich auf der Insel nur noch ein einziges Mal, als Fabian den schwer verletzten Max findet und ihm mit einer Taxifahrt ins Krankenhaus das Leben rettet. Erst Jahre später treffen die beiden durch Zufall wieder aufeinander und lernen sich besser kennen. Fabian erfährt, dass Max an einer manisch-depressiven Störung leidet und während seines Lebens viel Zeit in Psychiatrien verbracht hat. Fabian, der eine Faszination für Max Lebensweg entwickelt, wird von diesem gebeten, dessen Biografie zu schreiben und die Lücken in Max Erinnerung zu schließen. Nach einiger Recherche entscheidet Fabian sich, Max Wege originalgetreu nachzugehen und macht sich mit dem Fahrrad auf nach Zagreb. Radost(-wärts) findet Felix die Art aufregender Freude, von der er nicht wusste, dass sie in seinem Leben fehlt.

Frédéric Zwickers Buch regt durch die klare Benennung und allmähliche Zeichnung eines Krankheitsbildes zum Nachdenken an. Für Max, der zunächst etwas ruppig und rücksichtslos auf den Leser wirkt, entwickelt dieser ganz zwangsweise eine gewisse Sympathie und ein besseres Verständnis im Laufe der Geschichte. Besonders Max Vorliebe für Witze übertrug sich auf mich, und ich war gespannt, was er als nächstes raushaut. Man bekommt mit diesem Buch nicht nur einen Roadtrip geboten, sondern erlebt mit wie die Charaktere sich auf ihre Weise entfalten.
Es ist eine nicht alltägliche Lesereise, und ich habe jede Seite genossen!

Veröffentlicht am 30.07.2023

Women of the world, take this as a warning as to what one day could happen!

Der Report der Magd
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In a dystopian not so faraway future, Offred is a handmaid, one of the last fertile women in this society. As such, she is assigned to one officer to mate, conceive and carry out a child. The officers ...

In a dystopian not so faraway future, Offred is a handmaid, one of the last fertile women in this society. As such, she is assigned to one officer to mate, conceive and carry out a child. The officers are often married but since their women cannot reproduce it falls under the duty of the bright-red dressed handmaids to repopulate the civilisation. She is treated well as long as she is able to fulfill her duty but always under the threat to be exiled to the feared and brutal colonies the moment she is no longer useful to society.

Margaret Atwood's „The Handmaid's Tale“ contains the story of the handmaid Offred but also of her memories before the regime took away women's rights and put her in the position she now is in - memories of her husband Luke and her daughter whose name is never revealed. One cannot tell much more as to not to spoiler the story of Offred too much.
Atwood created a dystopia which is a possible reality in the future, for the fight for women's rights is not over yet, and what was already archieved could be taken away again if each and everyone of us is not careful about it. This handmaid's tale should sink deep into every woman young or old and I highly recommend reading this book!

Veröffentlicht am 30.07.2023

A revealing biography of America's first afroamerican First Lady

BECOMING
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Michelle Obama's biography reveals not only her time in the White House as the USA's first afroamerican First Lady but also her life from her early childhood. It is important to know what influeced a person, ...

Michelle Obama's biography reveals not only her time in the White House as the USA's first afroamerican First Lady but also her life from her early childhood. It is important to know what influeced a person, and to understand the motives of Michelle completely and truly it is also important to know her story from her early life on.

Her growing-up in Chicago's South Side seems to be a complicated one, observing how white folks leave the neighborhood in fear of ghettoization which becomes then a selffullfilling prophecy, of course. But she grows up within a loving family which covers not only her devoted mother, her determined father and her beloved brother Craig but a bigger circle of family containing interesting personages. Michelle Obama, back then Michelle Robinson, recounts how she benefited from better education not only during her years at Princeton University but earlier on when she had the opportunity to change to a more endevoured elementary school. After finishing law school she worked at a corporate law firm earning good money but realizing an dissatisfaction at a time when she meets Barack Obama whom she comes closer to and with him and his hopeful demeanor is able to channel her abilities into more satisfying purposes. From there on she recounts how Barack's desire for a better America of real equality disembogue into his communal, then political involvement, serving as Illinois state senator and finally running for election thus becoming the first black President of the United States after 43 white males.
Michelle adresses the difficulties she encounters, not knowing what her place would be as First Lady, since there is no job description for this position. During her time she finds meaningful work for the benefit of the nation. She also descibes the complexity of the upbringing of her two young daughters within the White House with its benefits and disatvantages like Secret Service agents hovering around them all the time outside the premises.

All in all it is such a revealing, honest and rich biography and I enjoyed the journey on which Michelle Obama took me with it in its original English language. I am eager to also read the biography of Barack Obama soon!

Veröffentlicht am 30.07.2023

Emanzipation von der toxischen Männlichkeit

Sei kein Mann
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JJ Bola spricht in seinem Buch „Sei kein Mann“ eine fehlgeleitete Sozialisation von Männern an und nimmt damit das Patriarchat in Theorie auseinander. Anlass dazu gaben ihm Erfahrungen in seiner eigenen ...

JJ Bola spricht in seinem Buch „Sei kein Mann“ eine fehlgeleitete Sozialisation von Männern an und nimmt damit das Patriarchat in Theorie auseinander. Anlass dazu gaben ihm Erfahrungen in seiner eigenen Biografie, aus denen er erzählt. Mit seinen Ansätzen appeliert er an Emanzipation von der eigenen toxischen Männlichkeit und Feminismus. Wenn man sich durch durch sein Buch liest, fragt man sich, warum es diese Geschlechterunterschiede gibt, warum es für Frauen so viel einfacher ist sich zu umarmen und Wangenküsse zu geben und Männer dies untereinander vermeiden, um auch nicht nur den Gedanken schwuler Tendenzen aufkommen zu lassen. Zudem hat mich aus seinem Buch eine These unglaublich erstaunt, weil sie so abstrakt und doch so plausibel ist, nämlich dass für Männer harmlose Raufereien bis gefährliche Schlägereien sind, die fehlende physische Nähe zu kompensieren, die sie nicht in freundschaftlichem Verhältnis mit dem eigenen Geschlecht, sondern nur in intimer Nähe durch das andere Geschlecht erhalten. Damit und mit vielen weiteren Beispielen in seinem Buch beweist er, dass Männer vom Patriarchat nicht per se profitieren, sondern leiden und wie auch Frauen systematisch benachteiligt werden.

Insgesamt versucht JJ Bola zu vermitteln, dass der aktuelle Feminismus die Gleichberechtigung beider Geschlechter zu erwirken versucht und damit nicht nur gut für Frauen sondern eben auch für Männer ist. Es ist so unglaublich positiv und stimmt mich optimistisch, das endlich mal von einem Mann zu lesen! Dieses Buch sollten möglichst viele Menschen lesen!