Platzhalter für Profilbild

Arambol

Lesejury Profi
offline

Arambol ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arambol über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2023

Ein Tüdelbräu geht immer

Leichenblass im Fass
0

"Wer einmal von deinem Tüddelbräu gekostet hat, ist dir für immer verfallen."

Ich habe definitiv eine neue Lieblingskneipe: den Sünnumer Kroog mit seiner Wirtin, der Friesenbrauerin Gesine Felber. Hier ...

"Wer einmal von deinem Tüddelbräu gekostet hat, ist dir für immer verfallen."

Ich habe definitiv eine neue Lieblingskneipe: den Sünnumer Kroog mit seiner Wirtin, der Friesenbrauerin Gesine Felber. Hier wird am Tresen eine friesisch herbe Denkweise und eine heimatverbundene Einstellung gelebt und praktiziert. Die Stammkunden, wie der alte Kapitän Joris, Wattführer Sören, Tischler Hinnerk, der Tierarzt Hauke und der Exil-Bayer Sepp wachsen einem ultraschnell ans Herz.
Alle Protagonisten sind sehr detailreich charakterisiert, dabei tauchen sie sprachlich mitunter gerne mal in tiefsten friesischen Dialekt ab. Das ist abwechslungsreich und sehr unterhaltsam.

Der eigentliche Kriminalfall braucht allerdings ziemlich lange bevor er so recht in Fahrt kommt.
Bis die titelgebende Leiche im Fass gefunden wird, hat man bereits die Hälfte des Buches gelesen. Prickelnde Hochspannung sucht man vergebens, der Krimi entwickelt sich langsam und mit aller ostfriesischer Gelassenheit. Langeweile kommt beim Lesen, trotz des fehlenden Spannungsbogens, jedoch niemals auf.

Wohlfühlkrimi aus einem idyllischen Küstendorf in dem die Zeit stehen geblieben ist. Mit ganz viel ost-friesischem Lebensgefühl; eine herrlich entspannte Lektüre mit einem Schuss Nordseeurlaub.

Na, denn man tau...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2023

Wegbegleiter

Die Erinnerungsfotografen
0


"Ich wollte ihm gerne erklären, was Leben ist, aber ich fand die richtigen Worte nicht."

In seinem Fotostudio irgendwo zwischen Leben und Tod gibt Hirasaki seinen "Besuchern" die Möglichkeit, ihren schönsten ...


"Ich wollte ihm gerne erklären, was Leben ist, aber ich fand die richtigen Worte nicht."

In seinem Fotostudio irgendwo zwischen Leben und Tod gibt Hirasaki seinen "Besuchern" die Möglichkeit, ihren schönsten Moment im Leben nochmals zu erleben, bevor man letztlich endgültig geht.

Mehrfach habe ich mir beim Lesen dieses Buches darüber Gedanken gemacht, zu welchem Tag meines Lebens ich zurückkehren würde, um diesen Moment noch einmal zu erleben. Die Geschichte um Hirasaki ließ mich immer wieder in meine eigene Vergangenheit und zu unzähligen Erinnerungen reisen. Das war unterhaltsam und hat Spaß gemacht.

Die drei Lebensgeschichten sind mit viel Wärme und Liebe zum Detail geschrieben. Viel zu schnell sind die Seiten des Romans vorbeigeflogen.
Man sollte sich im Leben viel mehr Zeit nehmen für die wirklich wichtigen und wesentlichen Dinge. Mal innehalten und ganz bewußt beobachten und sich daran erfreuen, was für tolle Dinge alltäglich um einen herum geschehen:

"Das Leben ist wunderschön. Man muss nur im richtigen Moment hinsehen."

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2023

Realität wird Fiktion

Skorpion
0


"Und nur, dass wir uns auch ja richtig verstanden haben: Dieses Gespräch, es hat nie stattgefunden."

Der Einstieg in diesen Mafia-Thriller ist überaus herausfordernd: temporeich wird zwischen mehreren ...


"Und nur, dass wir uns auch ja richtig verstanden haben: Dieses Gespräch, es hat nie stattgefunden."

Der Einstieg in diesen Mafia-Thriller ist überaus herausfordernd: temporeich wird zwischen mehreren Zeitebenen und zahlreichen Handlungsorten mit vielen unterschiedlichen Personen hin und her gewechselt. Das ist mehr als verwirrend.

Der Mord an einem Franziskanermönch, die Sicherstellung von drei Tonnen Kokain und ein angeblicher Selbstmord.
Drei Handlungsstränge, und immer wieder taucht der Name eines Schweizer Ex-Bankiers auf: Walter Baumann. Deckname: der Skorpion.

Hauptprotagonist David Keller, ein Schweizer Bundesermittler und Mafia-Experte, ist sehr tiefgründig und detailgenau charakterisiert. Seine rasante Jagd nach dem Skorpion ist spannend und sehr abwechslungsreich erzählt.

Der "Skorpion" ist ein Thriller, der durch tatsächliche Ereignisse inspiriert und von einem Autorenduo, dem Ex-Mafia-Ermittler M. Basanisi und dem Filmemacher G. Schneider, geschrieben wurde.
Aufgrund der vielen Wechsel in Ort und Zeit ist der "Skorpion" durchaus anspruchsvolle Lesekost, die ein gewisses Maß an Konzentration voraussetzt.

Wer Mafia- und Spionage-Thriller, inklusive weitverzweigter, nur schwer durchschaubarer Verflechtungen mag, wird hier voll auf seine (Lese-) Kosten kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2023

Schöne neue Welt?

Going Zero
0

"Was sie angeht, sie lebt in dieser Welt, in der immer das Schlimmste wahr wird."

Zum Nachweis der einwandfreien Funktionalität einer neuartigen Sicherheits-Software, die ein bislang unerreichtes Level ...

"Was sie angeht, sie lebt in dieser Welt, in der immer das Schlimmste wahr wird."

Zum Nachweis der einwandfreien Funktionalität einer neuartigen Sicherheits-Software, die ein bislang unerreichtes Level an grenzenloser Überwachung bieten soll, werden 10 Kandidaten ausgewählt, deren Aufgabe es ist, sämtliche von ihnen generierten digitalen Spuren auf Null zu reduzieren um 30 Tage unentdeckt zu bleiben.

Es ist durchaus spannend zu lesen, mit welch unterschiedlichen Strategien die einzelnen Kandidaten versuchen, anonym zu bleiben und sich vor einem potentiellen Zugriff zu schützen. Man ist schnell dabei, sich über eine eigene Herangehensweise Gedanken zu machen. Auch die Beschreibung der Aktivitäten der "digitalen Jäger" ist sehr eindrucksvoll und gleichzeitig erschreckend; man fragt sich mehrmals, was wirklich einmal möglich sein könnte. Oder bereits Realität ist?
Ein interessantes Katz- und Maus-Spiel das temporeich in kurzen Kapiteln spannend erzählt wird.

Im letzten Drittel des Romans nimmt die Handlung eine überraschende und unerwartete Wendung. Es wird offensichtlich, dass es einer der Teilnehmerinnen nicht primär um das ausgelobte Preisgeld geht, sondern um etwas sehr viel persönlicheres und wertvolleres. Das führt aber leider zu einem deutlichen Bruch des bis hierher permanent hohen Spannungsbogens. Die Erzählung entwickelt sich ab jetzt in eine gänzlich andere Richtung, weit weg von der anfänglich so faszinierend aufgebauten "Going Zero"-Thematik.
Das ist eigentlich schade, die initiale Suche nach den Zeros konnte mich mehr fesseln.

"Going Zero" hat mich sehr gut unterhalten, aber auch nachdenklich werden lassen. Sind wir wirklich bereit, für mehr Sicherheit auf persönliche Freiheit und ein Mindestmaß an Anonymität zu verzichten?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2023

Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende

Die Spur der Aale
0


"Auf eine unheilvolle Art war die Welt aus den Fugen, mal wieder."

Greta Vogelsang ist eine junge und äußerst ehrgeizige Staatsanwältin vom Dezernat für Umweltverbrechen und Artenschutzdelikten; die ...


"Auf eine unheilvolle Art war die Welt aus den Fugen, mal wieder."

Greta Vogelsang ist eine junge und äußerst ehrgeizige Staatsanwältin vom Dezernat für Umweltverbrechen und Artenschutzdelikten; die "Spur der Aale" ihr erster großer Fall. Nach dem rätselhaften Mord an einem Zollfahnder führen ihre Ermittlungen sie tief in ein international aufgestelltes Schmuggler-Netzwerk.

Florian Wacker beschreibt seine Protagonistin Greta Vogelsang sehr menschlich und detailreich mit all ihren kleineren und größeren (privaten) Alltagsproblemen; eine Identifikation gelingt sehr leicht. Wesentliche Teile ihrer persönlichen, teilweise geheimnissvollen Vergangenheit bleiben aber aktuell noch unerzählt und werden wohl erst in den Folgebänden der Serie thematisiert.

Der Schreibstil des Autors macht es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Sehr bildhaft werden die Handlungsorte in und um Frankfurt beschrieben, das Setting dieses Krimis ist neu und ungewöhnlich; dadurch aber umso interessanter.

Die Handlung ist sehr geradlinig erzählt, flüssig zu lesen und kommt ohne größere Überraschungen oder Storywendungen zu einem vorhersehbaren Ende. Florian Wacker ist es gelungen, einen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Krimi zu einem recht unverbrauchten Thema zu schreiben. Leseempfehlung.

Nach einem klug inszenierten Cliffhanger bin ich gespannt, wie es in den Folgebänden weitergeht und welche dunklen Geheimnisse in Greta's Vergangheit verborgen liegen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere