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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2023

Dies ist mal wieder so ein Buch, das Männer lesen sollten, Frauen um ihretwillen lesen müssen!

"Wir sind doch alle längst gleichberechtigt!"
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Zieht euch warm an: Alexandra Zykunov lässt die Klischeehölle zufrieren!
In diesem Buch zerlegt sie 25 absolute Bullshit-Sätze, die sich Frauen (vor allem: Mütter) ständig anhören dürfen, um weiter an ...

Zieht euch warm an: Alexandra Zykunov lässt die Klischeehölle zufrieren!
In diesem Buch zerlegt sie 25 absolute Bullshit-Sätze, die sich Frauen (vor allem: Mütter) ständig anhören dürfen, um weiter an einer Geschlechterungerechtigkeit festhalten zu können. In ihren pointierten Analysen zeigt sie auf, dass von dem patriarchalen Bild, das wir heute noch immer leben, vor allem der Kapitalismus profitiert. Sie entlarvt vermeintliche Argumente, warum Mütter so häufig in Teilzeit arbeiten, Frauen den Haushalt so viel besser im Griff haben, Frauen bei Gehaltsverhandlungen zu lasch sind usw. und legt trotz aller gebührenden Ernsthaftigkeit der veranschlagten Themen einen polemischen Sarkasmus an den Tag.
Das Gelesene wird euch wütend machen, es wird euch aber auch eine Menge Denkanstöße geben. Dies ist mal wieder so ein Buch, das Männer lesen sollten, Frauen um ihretwillen lesen müssen!

Veröffentlicht am 06.08.2023

In der orthodoxen Welt der Traditionen und Rituale

Die Hochzeit der Chani Kaufman
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Im Stadtteil Golder’s Green in London gibt es eine große jüdische Gemeinde. In dieser Religionsgemeinschaft wächst auch Chani Kaufman in bescheidenen aber frommen Verhältnissen als eines von acht Kindern ...

Im Stadtteil Golder’s Green in London gibt es eine große jüdische Gemeinde. In dieser Religionsgemeinschaft wächst auch Chani Kaufman in bescheidenen aber frommen Verhältnissen als eines von acht Kindern auf. Für sie bahnt sich nun die Ehe an, denn ein junger Mann aus der wohlhabenden Familie Levy zeigt Interesse an ihr. Ein Treffen mit Chani wird arrangiert und auch eines zwischen den Eltern der jungen Leute, um zu entscheiden, ob eine Heirat angemessen ist. Die Eheanbahnung Chanis wird parallel erzählt zu anderen Schicksalen um eine Liebe, die nicht sein darf, und einem tiefgreifenden Verlust, der in doppelter Hinsicht schwer wiegt.

Eine (Lese-)Reise in eine ganz andere Welt von Traditionen und Ritualen. Parallelen zu “Unorthodox” von Deborah Feldman drängen sich mir geradezu auf zwischen den Seiten. Eve Harris erzählt ihre Geschichte jedoch mit einer solchen Innigkeit, dass diese Bücher nur oberflächlich miteinander zu vergleichen sind.
Es war ein ausnehmend schönes und gemütliches Vergnügen, das ich mit diesem Buch hatte!

Veröffentlicht am 06.08.2023

Yôkai, Kitsune und andere mystische Wesen

Japanische Geister und Naturwesen
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Ein wenig dünner als der Vorgängerband "Geistergeschichten aus Japan", aber nicht weniger interessant die Geschichten und faszinierend die Illustrationen! Die Halbleinen-Ausgabe macht sich schon von außen ...

Ein wenig dünner als der Vorgängerband "Geistergeschichten aus Japan", aber nicht weniger interessant die Geschichten und faszinierend die Illustrationen! Die Halbleinen-Ausgabe macht sich schon von außen schon einiges her, entfaltet seine ganze Schönheit aber erst mit jeder Geschichte. Es erwarten die Leser:innen wieder traditionelle Geschichten und Mythen, die Lafcadio Hearn im späten 19 Jahrhundert zusammengetragen hat, und die von Benjamin Lacombe szenisch interpretiert wurden. Diesmal stehen Geschichten mit Naturgeistern und Gestaltwandlern im Mittelpunkt. Diese sind viel verhafteter im Alltag(sglauben) der Japaner und kommen auch ohne jeglichen Horrorcharakter aus, da nicht alle Geister böse sind.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Auf der Suche nach der verschwundenen Schwester

Luca
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Nachdem Luca im Arm ihrer Mutter den Abend auf der Veranda verbracht hat, bei dem ihre Schwester die ganze Zeit nur traurig in den Sternenhimmel hinauf geblickt hat, ist diese am nächsten Morgen verschwunden. ...

Nachdem Luca im Arm ihrer Mutter den Abend auf der Veranda verbracht hat, bei dem ihre Schwester die ganze Zeit nur traurig in den Sternenhimmel hinauf geblickt hat, ist diese am nächsten Morgen verschwunden. Das geliebte grüne Amulett der Schwester hat sie ihr hinterlassen. Auf der Suche nach der geliebten Schwester wandert Luca durch eine leere Stadt, die der Regen beweint. Das Amulett ihrer Schwester führt sie zu einem Brunnen, in den Luca hinabstürzt und in einer wundersamen Welt der Düsternis landet. Luca ahnt, dass wenn es einen Ort auf der Welt gibt, an dem ihre Schwester ist, es vermutlich der dunkle Grund des Brunnens ist.

Ich habe dieses Buch in einer Verlagsvorschau von Jacoby & Stuart gesehen und beim Anblick des Covers sofort vorbestellt. Als es dann endlich geliefert wurde, war ich direkt fasziniert von den kraftvollen Illustrationen. Es ist eine kurze aber intensive Geschichte, die an „Alice im Wunderland“ erinnert. Bereichert wird die Story um die Entstehungsgeschichte des Buches, die auch Anhänge für Hilfesuchende von Depressionen beinhaltet, denn aus einer solchen ist laut der Autorin die Idee für dieses Buch entstanden.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Ein mürrischer alter Protagonist mit viel verstecktem Charme

Ein Mann namens Ove
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Ein Mann namens Ove, das ist nicht so einer, der erzählt, was andere tun oder im Wohngebiet Auto fährt. Ein Mann namens Ove, das ist einer, der Saab fährt und für den Recht auch Recht bleiben muss.
Jeden ...

Ein Mann namens Ove, das ist nicht so einer, der erzählt, was andere tun oder im Wohngebiet Auto fährt. Ein Mann namens Ove, das ist einer, der Saab fährt und für den Recht auch Recht bleiben muss.
Jeden Morgen steht Ove auf und dreht eine Runde durch die Wohnsiedlung. Überprüft, ob auch keine fremden Autos auf dem Parkplatz parken, ob die Garage verschlossen ist und keiner irgendeinen Unsinn veranstaltet. Da Ove aber seiner Meinung nach der Einzige ist, der keinen Mumpitz macht, dauert es auch nicht lange, bis der Unfug Einzug hält in der Wohnsiedlung – in Form der schwangeren Pavaneh, zwei Kindern und dem Trottel, der das Schild nicht lesen kann, welches das Autofahren im Wohngebiet verdammt nochmal verbietet. Und die bringen das Leben des ständig unzufrieden wirkenden Ove ganz arg durcheinander!

Über dieses ganz Buch darf man eigentlich nicht zu viel verraten. Man muss es unweigerlich selbst entdecken und den versteckten Charme in der Zugeknöpftheit der mürrischen Hauptfigur zutage fördern.

Immer wieder erfährt man in Rückblenden über Oves früheres Leben, bis die Romanhandlung wieder ins Jetzt schwingt und dabei Menschen in Oves Leben schwemmt, die alles ganz arg falsch machen und unweigerlich Hilfe brauchen, die der alte Zausel ihnen aber gar nicht geben will. Es ist urkomisch, traurig und stellenweise tragisch.


Mir wurde das Buch von einer Kollegin empfohlen, nachdem ich davon erzählt habe, dass ich Alina Bronskys „Barbara stirbt nicht“ gelesen habe und es zwischendurch mal ganz amüsant finde über verschrobene alte Männer zu lesen. Meine Kollegin tat gut daran mir einen Mann namens Ove vorzustellen, und ich muss sagen, es war eine ganz wundervolle Begegnung!