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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2023

Reihenauftakt für Erstleser

Drachenmeister Band 1 - Kinderbücher ab 6-8 Jahre (Erstleser Mädchen Jungen)
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Zeit seines Lebens kannte Drake nichts anderes als das Zwiebelfeld seiner Eltern. Eines Tages kommt ein Reiter vorbei im Auftrag König Rolands, der Drake kurzerhand mitnimmt. Der König eröffnet ihm, dass ...

Zeit seines Lebens kannte Drake nichts anderes als das Zwiebelfeld seiner Eltern. Eines Tages kommt ein Reiter vorbei im Auftrag König Rolands, der Drake kurzerhand mitnimmt. Der König eröffnet ihm, dass er ein Drachenmeister ist und zusammen mit anderen Kindern eine geheime Spezialeinheit für den König bilden soll. Dass es überhaupt Drachen gibt, wusste Drake nicht, und ist umso erstaunter, als er Bo, Ana und Rori und ihre Drachen kennenlernt. Der Zauberer Griffith übergibt Drake einen Drachenstein. Mit diesem soll es ihm möglich sein mit seinem eigenen Drachen zu kommunizieren. Als Drake seinen Drachen endlich kennenlernt, freut er sich sehr. Gleichzeitig hegt er Zweifel, ob er es schaffen wird den Erwartungen an sich gerecht zu werden. Doch trotz aller Anforderungen gibt es auch jede Menge Spaß mit den anderen Drachenmeistern zu erleben!

Eine tolle Fantasygeschichte für Leseanfänger für alle Kinder, die Drachen lieben! Die kurzen Kapitel mögen sich für Kinder anfühlen, als hätten sie gut was weggelesen, und die schönen Illustrationen tragen zusätzlich zum Flair der Geschichte bei. Ein richtig schöner Reihenauftakt, finde ich!

Veröffentlicht am 06.08.2023

Begehren, Lust und Manipulation

Große Gefallen
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Die Kernhandlung von Lillian Fishmans “Große Gefallen” dreht sich um Eve, die zwar in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt und ihre Freundin liebt, gleichzeitig jedoch Bestätigung von außen sucht. ...

Die Kernhandlung von Lillian Fishmans “Große Gefallen” dreht sich um Eve, die zwar in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt und ihre Freundin liebt, gleichzeitig jedoch Bestätigung von außen sucht. Diese Bestätigung erhält sie online von Olivia, mit der sie sich auf einen Kaffee trifft. Anders als gedacht, stellt ihr Olivia aber kein Date mit ihr in Aussicht, sondern erzählt Eve, dass sie sich mit einem Mann trifft und annimmt, dass auch Eve Interesse haben könnte. Darauf entspinnt sich eine komplizierte und vor allem sexuelle Dreiecksbeziehung zwischen Eve, Olivia und Nathan.

Ehrlich gesagt bin ich mir unsicher, wie ich dieses Buch bewerten soll. Die Beziehung der zwei Frauen wankt zwischen Verlangen und Scham, wird vor allem aber gespeist durch die Manipulation Nathans, der immer wieder ein Vermittler der beiden Frauen ist, die einander ohne den gemeinsamen Anziehungspunkt nicht gänzlich vertrauen können.
Die ganze Zeit über habe ich auf einen Fehler gelauert, einen Ausrutscher Nathans oder ein Eingeständnis von Eve, etwas in der Art. Einerseits hält Eve sich für eine Feministin, lässt sich aber auf der anderen Seite nicht nur von einem Mann einlullen, sondern von diesem auch noch das Gefühl geben, dass die Manipulation genau das ist, was sie will. Die Protagonistin kommt mir wie ein Stundenglas vor, das von Nathan nach Belieben umgedreht wird, und alle feministischen Prinzipien fallen in die Bedeutungslosigkeit. Mir kommt dieser Roman unvollständig vor. Das soll kein negatives Urteil sein, denn ich mochte vor allem Eves häufig sogar sehr tiefgründige und metaphorische Gedanken zu ihrer eigenen Eitelkeit und wie sie das Verhältnis zu den beiden anderen zu ergründen versucht. Vielleicht ist es ja sogar eine Intention dieses Buches, das es keine Antworten auf Fragen liefert, die sich während des Lesens - bei mir zumindest - aufgetan haben.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Lebensumstände als Idealismusbremse

Die Heldin der Geschichte
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Ein nigerianisches Sprichwort besagt, “um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.” Die alleinerziehende Allie hält sich mit ihrer Arbeit als Ghostwriterin gerade so über Wasser, braucht aber ...

Ein nigerianisches Sprichwort besagt, “um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.” Die alleinerziehende Allie hält sich mit ihrer Arbeit als Ghostwriterin gerade so über Wasser, braucht aber häufig Nebenjobs als Aushilfslehrerin oder Gärtnerin. Das “Dorf”, das auf ihren Sohn Cass aufpasst, besteht aus ihrem Lebensgefährten, Allies Eltern und der manchmal zerstreuten Nachbarin.

Allies Kund:innen sind Personen des öffentlichen Lebens, die sich mit Allies Zusammenarbeit ihre Memoiren schreiben lassen. Ihr letzter Auftrag ist geplatzt, und nun hat Allie die Gelegenheit die Biografie einer Frau zu Papier zu bringen, die ihr und zehntausenden anderen Amerikaner:innen ein feministisches und fortschrittliches Vorbild ist. Dumm nur, dass ihre Auftraggeberin viel zu beschäftigt ist, um viel zum eigenen Buch beizusteuern. Zwischen der Erziehung ihres Sohnes Cass und den Nebenjobs versucht Allie eine Biografie zu schreiben, die den Anforderungen des Verlags entspricht und das Möglichste aus den spärlichen Beigaben ihrer Auftraggeberin rausholt. Die Aufgabe gestaltet sich zunehmend schwieriger, als das soziale Gefüge sich nach und nach auflöst und sie keine Betreuung für Cass mehr hat.

Heidi Pitlors “Die Heldin der Geschichte” spielt während einer brisanten Zeit, als Trump für die Präsidentschaft kandidiert und die Wahl für sich entscheidet. Die Lager Amerikas sind geteilt. Als Allie den lukrativen Auftrag bekommt für die berühmte Feministin zu schreiben, glaubt sie eine Verbündete gefunden zu haben, muss jedoch schnell feststellen, dass die Realitäten der beiden Frauen sich stark unterscheiden. Allie hat Überzeugungen, deren Realisierung an ihrer prekären sozialen Lage scheitern. Sie ist unterhalb der gläsernen Decke, ihre privilegierte Auftraggeberin mit ihrem Wohlstand, einer Nanny und Ambitionen jenseits des nächsten Gehaltsschecks darüber.
Wichtige Themen, verpackt in einer Geschichte, die hautnah an der realen Erlebniswelt vieler (amerikanischer) Mütter ist! Und so zeigt sich, dass jede Feministin ihre eigenen Hürden zu überwinden versucht.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Das weibliche Prinzip

Warum Frauen die Welt retten werden
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„Warum Frauen die Welt retten werden“ erklären Marktforscherin Ines Imdahl und Journalistin Janine Steeger in ihrem gleichnamigen Buch - nämlich mit dem sogenannten weiblichen Prinzip. Frauen fühlen, denken, ...

„Warum Frauen die Welt retten werden“ erklären Marktforscherin Ines Imdahl und Journalistin Janine Steeger in ihrem gleichnamigen Buch - nämlich mit dem sogenannten weiblichen Prinzip. Frauen fühlen, denken, planen und handeln anders als Männer, und diese Andersartigkeit könnte unserer Welt in Sachen Nachhaltigkeit, Fairness und Zufriedenheit weiterbringen.
Beispiel gefällig? - Schottland, Island und Neuseeland machen sich für eine Ökonomie des Wohlergehens stark statt für eine kontinuierliche Steigerung des BIP, d.h. gesteckte Ziele sind Lohngleichstellung, bezahlbarer Wohnraum, Bekämpfung des Klimawandels. Alle drei Länder haben Gesetze zur Realisierung 2018 verabschiedet. Alle drei Länder werden von Frauen geführt.

Das Buch versucht vor allem eins: Eigenschaften, die vorrangig als weiblich gelten und als Schwäche ausgelegt werden, als Stärken zu definieren und Erklärungen zu liefern, warum dies so ist. Beispielsweise kümmern Frauen sich viel. Sie sind überwiegend in Care-Berufen. Frauen, sagt man häufig nach, sind ordnungsliebend, räumen gerne auf und putzen gern. Gleichzeitig sind Frauen nachweislich weniger auf das eigene Ego als auf das Gemeinwohl bedacht. Das weibliche Prinzip sucht nach Zusammenhängen, verbindet alles mit allem. Diese und weitere Beispiele haben das Potential, dass Frauen die Welt neu ordnen können. Denn gerade im Hinblick auf die Klimawende ist es essentiell alte Wege zu verlassen und neue Möglichkeiten, auch für Vereinbarkeit zu finden.
Imdahls und Steegers Buch greift Argumente und Ansätze auf, denen ich in anderen Büchern bereits begegnet bin, trägt aber auch zu neuen Erkenntnissen bei mir bei.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Ein Sommer gräbt Erinnerungen aus

Schallplattensommer
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Mit ihrer Oma lebt die 17-jährige Maserati in einem kleinen Ferienort und betreibt dort einen Imbiss. Die Zurückgezogenheit des Mädchens mit dem ungewöhnlichen Namen wird gehörig durcheinandergeworfen, ...

Mit ihrer Oma lebt die 17-jährige Maserati in einem kleinen Ferienort und betreibt dort einen Imbiss. Die Zurückgezogenheit des Mädchens mit dem ungewöhnlichen Namen wird gehörig durcheinandergeworfen, als in der Villa am Ende der Straße eine Familie mit zwei Jungen in ihrem Alter einzieht. Caspar entwickelt sofort ein Interesse an ihr, das sie eigentlich nicht erwidern will. Sie kennt das schon – als einziges Mädchen weit und breit ist sie es gewohnt diese Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, obwohl sie sich nicht für besonders hübsch hält. Caspars Bruder Theo ist ein sonderbarer Kerl, der häufig für sich alleine ist. Aber auch sein Augenmerk zieht Maserati auf sich, denn er besitzt eine Schallplatte, auf der ihr Gesicht abgebildet ist, und nun stellt er Fragen, auf die Maserati keine Antwort hat und auch lieber keine finden will. Die Anwesenheit der beiden Brüder jedoch bringt sie unweigerlich dazu, sich ihrer eigenen Geschichte stellen zu müssen.

Was ich an Alina Bronsky schätze, ist ihre Art, Charaktere aufs Papier zu schreiben, die sich nicht komplett offenbaren, an denen man auch nach der letzten Seite noch ein wenig sinniert. In “Schallplattensommer” weben sich gleich mehrere komplizierte Beziehungsgeflechte ineinander. Die Umgebung, in die sie ihre Protagonistin setzt, ist einfach herrlich beschrieben. Wenn “Schallplattensommer” ein Geräusch wäre, dann Grillenzirpen im Hochsommer; wenn es ein Geruch wäre, dann der eines Regenschauers auf aufgeheizten Betonplatten.
Für mich war dieses Buch ein belletristischer Ausflug in den kommenden Sommer, den ich innerhalb von kurzer Zeit weggelesen habe!