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Veröffentlicht am 21.06.2025

netter Jugendkrimi, bei dem man das Hirn nicht sehr anstrengen muss

Tod im Samtmantel
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Durch Zufall findet Grace mit ihrer Freundin Suzy in einem 2nd Hand Shop einen dringend benötigten Mantel. Aus ihrem ist sie eigentlich schon herausgewachsen, aber das Geld für ein neues Kleidungsstück ...

Durch Zufall findet Grace mit ihrer Freundin Suzy in einem 2nd Hand Shop einen dringend benötigten Mantel. Aus ihrem ist sie eigentlich schon herausgewachsen, aber das Geld für ein neues Kleidungsstück hat Grace' Mutter auch nicht mal eben so locker sitzen. Der schöne Samtmantel kostet auch nur wenig, so dass sie direkt zuschlägt.
Kaum trägt sie den Mantel, wird sie von Visionen heimgesucht. Immer wieder taucht dasselbe Mädchen in den Visionen auf, und weder Suzy noch Grace halten das für einen Zufall. Die beiden Mädchen stellen Nachforschungen an und landen bei einem ungelösten Fall aus den 1960ern. Die damals etwa gleichaltrige Liv ist damals plötzlich verschwunden, eine Leiche wurde nie gefunden. Durch die Visionen wissen Suzy und Grace, dass Liv getötet wurde. Sie kommen der Lösung des Mordfalls immer näher, doch der Täter wohnt in der Nähe, und ihm bleibt nicht verborgen, dass die beiden Mädchen sich näher an sein Geheimnis heranschnüffeln...

Ich bin durchs Cover auf das „Tod im Samtmantel“ aufmerksam geworden, weil ich es ansprechend fand. Ein netter Jugendkrimi, bei dem man das Hirn nicht sehr anstrengen muss. Hat auf jeden Fall Unterhaltungswert.
Das einzige, was mir an diesem Buch missfallen hat, ist die Art und Weise, wie Grace' Mutter in diesem Buch agiert. Diese Workaholic Mom glänzt die meiste Zeit eher durch Abwesenheit und wird erst dann aktiv, als ihre Tochter in Gefahr gerät.

Veröffentlicht am 12.10.2025

Nicht zuende gelesen

Zu viele Männer
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Puh, ja, ich hänge mit meinen Rezensionen ja momentan massiv hinterher, und eigentlich wird dies auch gar keine wirkliche Rezension, weil ich das Septemberbuch des feministischen Buchclubs nicht fertig ...

Puh, ja, ich hänge mit meinen Rezensionen ja momentan massiv hinterher, und eigentlich wird dies auch gar keine wirkliche Rezension, weil ich das Septemberbuch des feministischen Buchclubs nicht fertig gelesen habe. Das hing zum einen mit vorangegangenen Terminfindungsschwierigkeiten zusammen, und dann hatte ich zu spät mit dem Lesen begonnen, um noch eine reelle Chance zu haben, es auch zu beenden.
Es ging um Lily Bretts „Zu viele Männer“. Es ist 1989, die Berliner Mauer fällt, die Sowjetunion zerbricht, und die New Yorkerin Ruth möchte zusammen mit ihrem alten Herrn Papa Edek nach Polen, um ihre jüdischen Wurzeln zu erkunden und Antworten auf viele ungelöste Fragen ihres Lebens zu finden.
Ruth und Edek kommen in Polen an, ihr erstes Ziel Lodz, und mit ihrer Ankunft taucht in Ruths Ohr die Stimme eines Fremden auf, der sich als Geist eines Funktionärs aus dem Dritten Reich vorstellt.

Bis ungefähr zu jener Stelle habe ich gelesen, bis unser Buchclubtreffen anstand. Was ich an dem Buch mochte, waren vor allem die Momente, die Ruth mit ihrem Vater Edek in den Speisesälen der Hotels verbracht hat; der Vater, der nie wirklich Hunger hatte und dann doch mehrmals das Büfett aufsuchte; der jeden Teller sorgsam aufgegessen hat und das Essen als „nicht von dieser Welt“ pries. Eigentlich eine schöne Redewendung, „nicht von dieser Welt“. Hat mir so gut gefallen, dass ich sie öfter verwenden möchte.
Die anderen Buchclubteilnehmerinnen (die anders als ich das Buch auch beendet hatten) haben sich noch über weitere Inhalte unterhalten. Ich habe mich allerdings schon entschieden, das Buch nicht zu beenden, mich hat die dahinplätschernde Erzählweise dann doch nicht so eingefangen. Die überwiegende Meinung über das Buch war, dass die Erzählung sehr zum Nachdenken anregt. Wir haben uns darüber unterhalten, ob wir uns mal vorstellen könnten, eine Reise nach Auschwitz zu machen und uns das Lager anzusehen. Keine von uns konnte sich vorstellen, einen so eindringlichen Einblick in unser geschichtliches Erbe auszuschlagen.

Veröffentlicht am 21.06.2025

Das Buch hab ich nicht so gefühlt

Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
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Era lebt mit ihrer Mutter in einer Hütte am Rande des Waldes, der von Tag zu Tag weiter abbrennt. Sie dokumentiert in ihrem Notizbuch das Aussterben der Vögel. Wie ein ablaufender Countdown sammeln sich ...

Era lebt mit ihrer Mutter in einer Hütte am Rande des Waldes, der von Tag zu Tag weiter abbrennt. Sie dokumentiert in ihrem Notizbuch das Aussterben der Vögel. Wie ein ablaufender Countdown sammeln sich die Namen der verschwundenen Arten. In einem Stream beobachtet sie ihre Mitschülerin Maja und deren Schwester Merle, Töchter von Momfluencerinnen. Im Wald jagen sie Festplatten in die Luft als Ausdruck ihres Wutes. Wut darüber, nicht über ihre eigene Sichtbarkeit entscheiden zu dürfen. Als Era die beiden Schwestern vor Ort beobachtet und von ihnen erwischt wird, schließt sie sich an. Zwischen Maja und Era knistert es.
Die Feuer wüten weiter und nehmen den Mädchen nicht nur den Ort ihres Kennenlernens, sondern auch einen Ort, an dem sie durch ihren Ausdruck ihre Identität definieren konnten.

Das Zusammentreffen von Maja und Era findet in einer nahen Zukunft statt, in der sich die Klimakatastrophe derart weiterentwickelt hat, dass die Menschen sie nicht mehr ignorieren können. Die Mädchen befinden sich in einem Szenario, das uns heute bereits Angst machen sollte. Während Maja mit ihrer Schwester versucht, etwas auszulöschen, ist es Eras Bestreben, zu erhalten. Vögel sind ihre Passion, und es bricht ihr das Herz, dass immer mehr Arten ihren Lebensraum verlieren und für unwiederbringlich verschwinden.
Aus einem Grund, der sich mir nicht erschlossen hat, hat mich das Buch nicht wirklich berührt. Die Wut von Maja sowie die Angst von Era konnte ich nachvollziehen, und dennoch hat mich irgendeine Distanz davon abgehalten, die Geschichte wirklich zu fühlen.

Veröffentlicht am 11.10.2023

Oh man, Passmann

Pick me Girls
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pick-me girl (plural pick-me girls) (slang, derogatory); A woman who asserts that she is unlike (and sometimes better than) most other women, in order to gain attention, approval, or validation from men. ...

pick-me girl (plural pick-me girls) (slang, derogatory); A woman who asserts that she is unlike (and sometimes better than) most other women, in order to gain attention, approval, or validation from men. (Quelle: Wikipedia.org)

Passmann ist immer noch ein pick me girl. Ihr ganzes Buch ist eine Anekdote vom vermeintlichen Anderssein. Und ist sie nicht gerade, weil sie dieses Buch geschrieben hat, weiterhin ein pick me girl? Das einzige pick me girl, das ihre pickigkeit in einem Buch thematisiert und den für sie einzig möglichen Titel draufschreibt?
Ich würde es gern wertfrei sagen, aber das ist ungemein schwer, denn Passmann baut ein ganzes Buch lang mit der eigenen Historie eine Abneigung gegen diese pick me girls auf, so dass ich selbst ein wenig Abneigung gegen diese Person da im Buch entwickle. Dabei attestiert Passmann ihrem Pickmedasein so eine Allgemeingültigkeit. Ich kriege auch ein bisschen das Gefühl, dass dies so eine Art Absolution sein soll. Sorry Feminismus, sorry an die Frauen, die ich stets ausgeklammert habe, here's the reason why. Und ihre große Überraschung, die für andere so überraschend nicht ist: Ihre Probleme, Ängste, Hindernisse sind genau dieselben wie bei anderen Frauen auch. Wow, was für eine Erkenntnis (nicht).

Als Biografie lässt sich das Buch ganz gut weglesen, man kann es allerdings nicht unter dem Anspruch lesen, wirklich einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten. Mehr Worte will ich eigentlich auch nicht investieren, weil ich das Buch als solche Zeit- und Energieverschwendung empfunden habe. Ich habs kurz vor Ende abgebrochen.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Die Höhen und Tiefen einer New Yorker Freundschaft

Best Friends - So wie wir sind
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Bev und Amy sind zwei Freundinnen, die nie so richtig in ihrem Leben als Erwachsene angekommen sind. Amy ist als Bloggerin bei einem Onlinemagazin tätig, wo ihr Fauxpas des früheren Jobs hin nicht gefolgt ...

Bev und Amy sind zwei Freundinnen, die nie so richtig in ihrem Leben als Erwachsene angekommen sind. Amy ist als Bloggerin bei einem Onlinemagazin tätig, wo ihr Fauxpas des früheren Jobs hin nicht gefolgt ist und reizt ihr mäßiges Gehalt zusätzlich mit ihren Kreditkartenlimits aus. Bev hangelt sich in einer Zeitarbeitsfirma von einem schlecht bezahlten Aushilfsjob zum nächsten, um ihre Studienschulden abzubezahlen. Keine von beiden ist im Leben dort, wo sie sein will. Dieses Gefühl verstärkt sich, als Bev durch einen One Night Stand schwanger wird. Während nun die eine Freundin versucht, ihrem Leben eine Wendung zu geben, wird die andere von ihrem Egoismus eingeholt und das Band ihrer Freundschaft zum Zerreißen gespannt.

„Best Friends. So wie wir sind“ war für mich unbefriedigende Lesezeit. Der Titel lässt auf eine tiefe Freundschaft schließen, die nichts erschüttern kann. Für mich ergab sich aus der Geschichte jedoch der Eindruck, als ob diese beiden nur dann beste Freundinnen sind, wenn sie gerade nichts anderes davon abhält, wie ein neuer Mann im Leben oder dergleichen. Häufig war das Buch nicht uninteressant und ich mochte das leichte New-York-Stadtfeeling. Ich hatte durch den Klappentext jedoch eine andere Erwartung an das Buch und fand das letzte Drittel des Buches daher unbefriedigend. In der amerikanischen Originalausgabe trägt das Buch schlicht den Titel „Friendship“, was für mich eher die Höhen und Tiefen dieser Freundschaftsgeschichte umfasst hätte als der harmonieerweckende Titel „Best Friends“.