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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Mühlviertler Todesspur
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Der Beginn des 6. Krimi rund um Chefinspektor Oskar Stern und sein Team lässt mich ein wenig schmunzeln. Oskar Stern und Mara Grünbrecht werden jeweils zu einem Fahrtechniktraining verdonnert. Er, weil ...

Der Beginn des 6. Krimi rund um Chefinspektor Oskar Stern und sein Team lässt mich ein wenig schmunzeln. Oskar Stern und Mara Grünbrecht werden jeweils zu einem Fahrtechniktraining verdonnert. Er, weil er so langsam fährt wie eine Schnecke, während sie jeden Einsatz fährt, als müsste sie eine Rallye gewinnen. Beide sind natürlich wenig begeistert und fügen sich nur laut murrend. Da kommt ihnen der Anruf, in der Ratgöbluckn, einem der bekannten Erdställe in Perg, liegt eine Tote, gerade recht. Grünbrecht prescht davon und Stern hängt sich, den Fahrinstruktor auf dem Beifahrersitz, an ihre Stoßstange.

Die Tote, eine junge Lehrerin, liegt sorgfältig hergerichtet inmitten von zahllosen Teelichtern. Ein Unglücksfall wird schnell ausgeschlossen und ins Visier der Ermittler geraten der Freund und beste Freundin der Toten, die Oskar Stern blöderweise gerade gemeinsam im Bett überrascht.

Als dann wenig später eine weitere Frauenleiche in ähnlicher Aufmachung gefunden wird, scheint die Idee von einem persönlichen Motiv nicht mehr haltbar zu sein.

Die Einwohner Pergs sind verunsichert und werfen der Polizei Untätigkeit vor, behindern aber gleichzeitig die Ermittlungen. Es gibt zahlreiche Spuren, die alle mehr oder weniger schnell in einer Sackgasse enden. Dann eröffnet sich eine neue und Chefinspektor Oskar Stern tappt nichts ahnend in die Falle des Täters.

Meine Meinung:

Ich kenne die Reihe ja schon vom ersten Fall weg. Mir sind die Protagonisten so richtig ans Herz gewachsen. Oskar Stern, weil er ein integrer Polizist und ein guter Chef ist. Seine einzige Schwäche, das langsame Autofahren, was nicht nur die Grünbrecht an den Rand des Wahnsinns bringt, sollte nun der Vergangenheit angehören. Stern ist ist auch ein liebevoller Vater und Großvater. Es sieht so aus, als ob ihm Autorin Eva Reichl noch ein spätes Liebesglück gönnt.

Oder, Mara Grünbrecht, die nach dem Tod ihres Verlobten im Einsatz (siehe „Mühlviertler Kreuz“) langsam wieder lächeln kann.

Schmunzeln musste ich, als Stern in Socken ermittelt, weil seine Schuhe möglicherweise einen Hinweis auf den Täter geben könnten.

Ich gebe zu, den Täter recht bald entdeckt zu haben. Aber, auf der Couch lässt sich leicht ermitteln, während das Team um Oskar Stern die Laufarbeit umgeben von blöden Sprüchen der Perger und der Presse arbeiten muss.

Die Auflösung ist so tragisch wie stimmig.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 6. Fall für Oskar Stern und sein Team 5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.08.2023

Eine Hommage an eine starke Frau

Paukenschläge aus dem Paradies
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Diese Erinnerungen der Ethel Smyth (1858-1944), die wohl die wenigsten von uns kennen, wirft einen Blick auf unbequeme, außergewöhnlich, unangepasste und rebellische Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ...

Diese Erinnerungen der Ethel Smyth (1858-1944), die wohl die wenigsten von uns kennen, wirft einen Blick auf unbequeme, außergewöhnlich, unangepasste und rebellische Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ohne die es die Fortschritte in der Emanzipation nicht geben würde.

»Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann halt gefälligst den Mund!« Dieser Satz ist einer aus ihrer Kindheit, wie sie schreibt. Mädchen sollen nett und stumm sein und dümmlich vor sich hin lächeln.

Wer ist sie nun, diese Rebellin?

Ethel Smyth wächst mit ihren fünf Schwestern und einem Bruder auf dem elterlichen Landsitz auf. Ethel begehrt schon sehr früh auf. Um sich ihrer geliebten Musik widmen und ordentlichen Unterricht zu erhalten, tritt sie sogar in den Hungerstreik bis die Eltern nachgeben. Mit einer wilder Entschlossenheit, die kaum zu überbieten ist, überwindet sie die zahlreichen gesellschaftlichen Hürden und Fallstricke, die ihr auf dem Weg zur professionellen Komponistin in den Weg gelegt werden. Sie lernt Clara Schumann, Edvard Grieg und Johannes Brahms kennen, bekennt sich zu ihrer Homosexualität und steht auf der Seite der Suffragetten. Mit Emmeline Pankhurst ist sie befreundet und komponiert die Suffragetten-Hymne »The March of the Women«.

Im Nachwort wird ihre Beziehung zu Virginia Woolf (1882 - 1941) beleuchtet. Stellvertretend für die so verschiedenen, wie doch ähnlichen Frauen sei Virgina Woolfs Beschreibung von Ethel erwähnt:

»Sie ist vom Stamm der Pioniere, der Bahnbrecher. Sie ist vorausgegangen und hat Bäume gefällt und Felsen gesprengt und Brücken gebaut und so den Weg bereitet für die, die nach ihr kommen.«

Interessant zu lesen ist, dass Ethel Smyth durchaus Phasen der Selbstreflexion durchmacht und sich ihrer Schwächen bewusst ist. Sie erkennt, dass mit ein bisschen Diplomatie, der eine oder andere Affront vermieden werden hätte können, was ihrer Karriere als Komponistin durchaus dienlich gewesen wäre. Mit dem Kopf durch die Wand, kommt leider bei den durchwegs männlichen Zeitgenossen nicht so gut an. Auch Ethels Engagement für die Suffragetten ist schädlich für ihr Fortkommen.

»Ich bin tatsächlich berühmt – oder sollte man doch lieber sagen, bekannt? Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich seit über vierzig Jahre sozusagen meinen Job mache, und es ist mir dabei nicht gelungen, auch nur ein winzig kleines Rädchen im englischen Musikapparat zu werden.«

Was bleibt von Ethel Smyth?

Wie im Nachwort der Herausgeberin und Übersetzerin zu lesen ist, wurde am Weltfrauentag 2022 eine Statue, die Ethel Smyth dirigierend und in Lebensgröße zeigt, in ihrem Wohnort Woking enthüllt.

»Ich bin den ganzen Weg gegangen, traurig und glücklich. Denke nicht an die Traurigkeit, das betrifft nur das vergängliche Selbst und existiert daher nicht wirklich.«

Fazit:

Ein interessantes autobiografisches Vermächtnis einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.08.2023

Eine Hommage an die Sardinen in der gelben Dose

Das große Nuri Sardinen Kochbuch
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„30 Handgriffe vom Atlantik in die Dose“

Wer kennt sie nicht? Die gelben Nuri-Fischdosen? Ihnen ist dieses, im Verlag Brandstätter erschienene Buch gewidmet. Die Firma hat 2020 ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Wir ...

„30 Handgriffe vom Atlantik in die Dose“

Wer kennt sie nicht? Die gelben Nuri-Fischdosen? Ihnen ist dieses, im Verlag Brandstätter erschienene Buch gewidmet. Die Firma hat 2020 ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Wir dürfen den Fischereihafen in Matosinhos (Protugal) besuchen, wo die Trawler, die im Atlantik gefangenen Sardinen an Land bringen. Wir erleben eine interessante Fischversteiegerung - nämlich eine degressive, in dem zu Bgeinn der höchste Preis genannt (und auch oft bezahlt) wird. Anschließend machen wir uns in die, nunmehr im Besitz von Jakob Glatz befindlichen Nur-Fabrik. Hier werden die Sardinen zur Gänze in Handarbeit in die Dosen gelegt. Natürlich dürfen je eine Scheibe Salzgurke und Karotte sowie Gewürznelke und Pfefferkörner nicht fehlen. Und, nicht zu vergessen, den kleinen roten, aber scharfen Piri-Piri.

Zahlreiche Fotos vom Schiff bis in Fabrik und Dosen ergänzen den aufschlussreichen Weg der Sardinen. Dabei wird auch nicht verschwiegen, dass von den zahlreichen Fischfabriken in Matosinhos nur noch zwei übrig geblieben sind. Auch das zeitweilige Fangverbot, um der Population der Sardinen eine Regenerationsphase zu bieten, und den Fischern ernste Schwierigkeiten bereitet hat, wird besprochen.

In einem großen Rezeptteil dürfen wir die Nuri-Sardinen anders als typischen Brotaufstrich, die mich seit meiner Kindheit begleiten, kennenlernen.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Hommage an die kleine gelbe Fischdose 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.08.2023

Fesselnder Reihenauftakt

Im Feuer
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Dieser Krimi ist der erste einer Reihe, deren roter Faden dem Vernehmen nach, die vier Element Feuer, Wasser, Luft und Erde sein soll.

Lily Hed, eine erfolgreiche Ermittlerin lässt Stockholm hinter ...

Dieser Krimi ist der erste einer Reihe, deren roter Faden dem Vernehmen nach, die vier Element Feuer, Wasser, Luft und Erde sein soll.

Lily Hed, eine erfolgreiche Ermittlerin lässt Stockholm hinter sich, ja sie flüchtet regelrecht aus der Großstadt, um in Nynäshamn, einem kleinen Ort an der Schärenküste, neu anzufangen. Doch aus einem ruhigen Einstieg, bei dem sie mit Kollegin Katja Streife fährt, wird nichts, denn im knochentrockenen Sommer brennt es sprichwörtlich an allen Ecken und Enden. Kurz vor Lilys Ankunft ist bei einem Brand ein Mann ums Leben gekommen. Man geht zwar von einem Unfall aus, doch Feuerwehrkommandant Jesper hat so seine Bedenken, die er mit Lily teilt. Noch bevor Lily diesem Verdacht nachgehen kann, brennt es an mehreren Stellen des Ortes und die nächsten Toten sind zu beklagen. Die Zeichen auf Brandstiftung mehren sich.

Während Lily Experten des Themas Brandstiftung zu Rate zieht, um Gemeinsamkeiten bzw. ein Motiv für die Morde zu suchen, nähern sich die Schatten ihrer Vergangenheit wieder.

Meine Meinung:

Pernilla Ericson ist hier ein bis zur letzten Seite fesselnder Krimi gelungen. Neben den aktuellen Ereignissen gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit, in der ein Mann seinem Tagebuch über Mobbing und Quälereien berichtet. Für uns Leser ist klar, das ist das Motiv für die Brand/Mordserie, denn. Doch wer ist der gequälte Mann? Und wer ist der Brandstifter? Denn der ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Er weiß, dass das Feuer Spuren und Beweise vernichtet.

Die Charaktere sind sehr gut beschrieben. Besonders Lily, die vor ihrem gewalttätigen Freund, der ausgerechnet ein bekannter Oberstaatsanwalt ist, flüchtet, wirkt authentisch. Dass ausgerechnet sie, als toughe Polizistin ähnlich wie viele Frauen glaubt, sie wäre schuld am Verhalten des Ex-Partners und keine Anzeige gegen ihn erstattet, ist aus dem Leben gegriffen. So spielt er seine Macht aus und zieht alle Register, sie zu verunglimpfen und spielt damit dem Brandstifter unwissentlich direkt in die Hände.

Die Auflösung ergibt sich erst auf den letzten Seiten und ist schlüssig.

Ich freue mich schon auf den nächsten Krimi, der „Im Sturm“ heißt.

Fazit:

Ein gelungener Reihenauftakt, der bis zur letzten Seite spannend bleibt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.08.2023

Ein komplexer Kunstkrimi

Die Akte Madrid
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Diesmal begibt sich der Kunstsachverständige Lennard Lomberg auf die Suche nach einem Gemälde, das in den Wirren des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs verschwunden ist. Doch damit nicht ...

Diesmal begibt sich der Kunstsachverständige Lennard Lomberg auf die Suche nach einem Gemälde, das in den Wirren des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs verschwunden ist. Doch damit nicht genug ist es, nach Jahren des unbeachteten Daseins, nun erneut abhandengekommen. Und das ausgerechnet aus dem Besitz des deutschen Verteidigungsministers, dem man Ambitionen zu noch höheren Weihen nachsagt, und der nun, ob der Provenienz des Gemäldes, in Erklärungsnotstand geraten könnte, was er mit allen gebotenen Mitteln verhindern will.

Lennard Lombard soll das Bild ohne viel Aufsehen wiederbeschaffen. Dabei wird er von der Kriminalrätin Sina Röhm unterstützt. Doch diesmal wird Lomberg selbst zum Gejagten, denn hinter dem verschollenen Gemälde verbirgt sich ein Geheimnis, das Lombergs Glaubwürdigkeit erschüttert, denn das Gemälde hat seinen Weg schon einmal gekreuzt.

Meine Meinung:

Wie schon in ersten Fall „Das neunte Gemälde“ führt uns Autor Andreas Storm geschickt in mehreren Handlungssträngen aus der Gegenwart von 2016 in Spaniens Vergangenheit von 1936 und 1943. Und auch Lombergs Vater spielt im Jahr 1968 eine Rolle.

Die Ähnlichkeit des Plots mit dem ersten Fall fällt sogar Lennard Lomberg auf, was darauf schließen lässt, dass er es immer wieder mit dem selben Klientel zu tun. Vielleicht sind es nicht dieselben Personen, aber das Vater-Sohn-Erbe, das sowohl ihn als auch seine Kunden in die Untiefen von Beutekunst und Kunstraub hinabsteigen lässt.

Obwohl Andreas Storms Kunstkrimis alle fiktiv sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass der eine oder andere Raub so oder so ähnlich stattgefunden hat. Die Handlung ist anspruchsvoll und so mancher Leser wird ob der Fülle der „Mitspieler“ stöhnen. Hilfreich hier den Überblick zu wahren, ist die Personalliste am Ende des Buches in der die historischen und fiktiven Personen angeführt sind. Das Personenverzeichnis wäre eventuell diesmal besser zu Beginn des Krimis platziert, um die Leser gleich auf die komplexen Handlungsstränge einzustimmen. Um sich auf den wichtigsten Schauplätzen zurechtzufinden, gibt es Stadtpläne von Granada und Bonn auf den Vorsatzseiten.

Fazit:

Ein gut gelungener und höchst komplexer Kunstkrimi, dem ich gerne 5 Sterne gebe.