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Veröffentlicht am 09.06.2024

Vier Autoren. Viele Geheimnisse. Ein Mord.

Deine dunkle Seite
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„Deine dunkle Seite“ ist der erste Roman, der US-Autorin Jaime Lynn Hendricks, der ins Deutsche übersetzt wurde. Sie entführt uns in die Schattenseiten der Welt der Schriftsteller, die manchmal für Erfolge ...

„Deine dunkle Seite“ ist der erste Roman, der US-Autorin Jaime Lynn Hendricks, der ins Deutsche übersetzt wurde. Sie entführt uns in die Schattenseiten der Welt der Schriftsteller, die manchmal für Erfolge über Leichen gehen.

Um was geht es?
Wir befinden uns auf der alljährlich stattfindenden New Yorker Thriller Convention Murderpalooza, auf der der bekannte M-TOTY-Preis für den Thriller-of-the-Year vergeben wird. Doch noch bevor die Convention richtig los geht, wird die Bestsellerautorin Kristin Bailey ermordet in ihrem Hotelzimmer aufgefunden. Direkt danach versendet ein anonymer twitter-account Droh-Nachrichten an vier Autoren: Mike Brooks, dessen beste Tage als Autor schon einige Zeit her sind; Davis Walton, der upcoming star der Szene, Vicky Overton, die einen erfolgreichen Debütroman hatte und nun für ihren Nachfolger händeringend einen Verlag sucht; Suzanne Shih, Nachwuchsautorin mit fragwürdigen Fan-Allüren. Und schon befinden wir uns in einem perfiden Spiel, bei dem es um Mord, Betrug und dunkle Geheimnisse geht.

In diesem Buch haben wir gleich vier Protagonisten, aus deren Sicht wechselweise die Kapitel geschrieben sind. Dies ermöglicht dem Leser einen tiefen Einblick in die Innenwelt der vier Hauptpersonen, in ihre Vermutungen und warum sie handeln wie sie handeln. Mike Brooks, der ehemalige Bestsellerautor, der schon lange keine Erfolge mehr gefeiert hat und von Selbstzweifeln geplagt, aber auch erfüllt von Hoffnung auf einen neuen großen Coup an der Convention teilnimmt. Vicky Overton, die verzweifelt Anschluss an ihren erfolgreichen Debütroman sucht. Davis Walton, der als aufstrebender Stern am Verlagshimmel, arrogant auftritt und meint sich alles herausnehmen zu können. Und zuletzt Suzanne Shih, kurz vor dem Durchbruch, aber auch mit psychischen Problemen behaftet. Diese Gruppe, die unterschiedlicher kaum sein könnte, wird nun durch die Drohungen des anonymen twitter-accounts in eine Zweckgemeinschaft gezwungen, um die dunkelsten Geheimnisse miteinander zu teilen. Da sind Konflikte und gegenseitiges Misstrauen vorprogrammiert.

Durch die vielen kurzen Kapitel aus Sicht der vier Autoren, baut die Geschichte schnell Dynamik auf. Als Leser ist man sofort mitten im Geschehen und spekuliert mit, was hinter allem stecken könnte. Die Spannungskurve steigt sehr schnell an, was zumindest im ersten Drittel den Leser förmlich am Buch kleben lässt. Leider kann die Autorin dieses Spannungsniveau nicht über das komplette Buch aufrechterhalten. Gerade das letzte Drittel des Buches liest sich zwar immer noch flüssig, hat mich persönlich aber nicht mehr so richtig gefesselt. Ich hätte mir auch insgesamt mehr „Thriller-Vibes“ gewünscht. Das Ende selbst war zwar schlüssig, aber doch in meinen Augen sehr konstruiert und hat mich als Leser unbefriedigt zurückgelassen. Vielleicht wäre ein abschließender Epilog, der noch einmal die Konsequenzen aus allem darstellt, gut gewesen.


Fazit:
„Deine dunkle Seite“ behandelt ein interessantes Thema in einem Setting bzw. einer Location, die man noch nicht so oft gelesen hat. Wer atemberaubende Thriller-Spannung erwartet, wird hier nur bedingt auf seine Kosten kommen. Zwar baut das Buch schnell enorme Spannung auf, diese flacht aber im Verlauf des Buches zusehends ab und zumindest für mich, war das Ende dann doch etwas konstruiert. Trotz allem hat mich das Buch solide unterhalten. Wer also Thriller ohne düstere psychologische Abgründe, Action oder umfangreicher Ermittlungsarbeit sucht, wird mit „Deine dunkle Seite“ eine gute Lesezeit haben.

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Veröffentlicht am 07.07.2023

Ein Vermisstenfall in der „Stadt der Liebe“ verlangt Aufklärung

Missing in Paris - Wo ist Nina?
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Cis Meijer entführt uns in ihrem Jugendbuch „Missing in Paris – Wo ist Nina?“ in das wunderschöne Paris von heute und lässt uns gemeinsam auf Spurensuche nach einer Vermissten gehen.

Um was geht es?
Lotte ...

Cis Meijer entführt uns in ihrem Jugendbuch „Missing in Paris – Wo ist Nina?“ in das wunderschöne Paris von heute und lässt uns gemeinsam auf Spurensuche nach einer Vermissten gehen.

Um was geht es?
Lotte erhält eine Postkarte von ihrer großen Schwester Nina, die in Paris als internationales Model durchstarten möchte. An sich ist das nichts Schlimmes, wäre da nicht dieser eine Satz: Grüß Mama von mir. Die Mama, die die Familie bereits vor Jahren verlassen und keinen Kontakt mehr hat. Als Lotte auf der Karte noch ein eingeritztes HLP entdeckt, ist sie vollständig alarmiert und überzeugt, dass Nina in Schwierigkeiten steckt. Sie überredet ihren Vater gemeinsam mit ihr nach Paris zu reisen. Dort vor Ort begibt sie sich auf eine gefährliche Spurensuche. Wird sie ihre Schwester finden? Und ist diese wirklich in Gefahr?

Lotte ist die Protagonistin des Buches. Zielstrebig, wie sie es aus dem Sport kennt, macht sie sich auf die Suche nach ihrer Schwester. Dabei geht sie nicht immer diplomatisch vor und schlägt somit den einen oder anderen mit ihrer direkten Art vor den Kopf. Sie lernt eine Vielzahl interessanter Personen kennen, über die man als Leser gerne mehr erfahren würde. Leider sind die Begegnungen immer nur von sehr kurzer Dauer. Und da sind wir auch schon bei einem der größten Probleme der Geschichte. Interessante Charaktere tauchen nur sehr kurz auf oder werden sehr oberflächlich beschrieben. Ebenso die Beziehungen dieser Personen zu Lotte oder Nina, sofern letztere diese gekannt hat. Das ist extrem schade, nimmt es doch der Story in meinen Augen einiges an Tiefe und Spannung. Eigentlich hat man, außer bei Lotte, nicht das Gefühl, jemanden der anderen Haupt- und Nebenpersonen überhaupt kennengelernt zu haben, abgesehen vom Hund Vatan von dem wir fast noch am meisten erfahren.

Das andere Problem ist die Ausarbeitung der Story. Die Idee und das Konzept des Buches sind wirklich toll. Aber die Geschichte an sich wirkt nicht wirklich auserzählt, Szenen, Personen, Gespräche hätten viel mehr beschrieben werden können. So fehlt dem ganzen Buch die Dynamik und Spannung, eines reiht sich ans andere ohne Highlights zu setzen.

Wie Ihr es sicher schon raus lest: Leider konnte das Buch meine Erwartungshaltung nicht erfüllen. Ich habe schon viele Jugendbücher gelesen, mochte die Leseprobe und die Beschreibung als „nervenaufreibender Thriller mit Sogwirkung“. Leider habe ich das nicht erlebt. Die Charaktere sind farblos geblieben. Die Idee der Story war toll, aber hätte detaillierter ausgearbeitet werden müssen und insgesamt hat mir Spannung und Dynamik gefehlt. Das Buch hat vor sich hingeplätschert, obwohl es wirklich Potenzial zu viel mehr gehabt hätte.

Fazit:
Das Buch war ganz nett zum Zwischendurchlesen. Wer atemberaubende Spannung sucht, ist hier aber auch als Jugendlicher nicht gut aufgehoben. Da würde ich lieber die Finger weglassen und mir etwas anderes suchen. Als leicht zu lesendes Buch im Urlaub am Strand eignet es sich aber durchaus und ist unterhaltend. Insgesamt ein solides Buch, das leider viel Potenzial verschenkt hat.

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Veröffentlicht am 06.05.2023

Warum eine Mutter ihr Kind tötet – verstörende Krimispannung

Mutterliebe
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Das Autorenduo Porath/Prescher legt unter dem Pseudonym Kim Selvig ihren ersten Justiz-Krimi vor – mit einer erschreckenden Mordtat.

Um was geht es?
Sylvia Bentz geht mit ihren Kindern in einen Wald am ...

Das Autorenduo Porath/Prescher legt unter dem Pseudonym Kim Selvig ihren ersten Justiz-Krimi vor – mit einer erschreckenden Mordtat.

Um was geht es?
Sylvia Bentz geht mit ihren Kindern in einen Wald am See, um sie in dieser idyllischen Umgebung zu töten. Ein Kind stirbt. Kiki Holland ist Gerichtsreporterin und wird von ihrem Chef kurzfristig auf den Fall angesetzt. Sie soll der Verhandlung beiwohnen und darüber einen Artikel schreiben. Doch schnell stellt sie fest, dass mehr hinter der grausamen Tat der Mutter stecken muss. Sie beginnt zu recherchieren und findet sich bald in einem Strudel aus sich überschlagender Ereignisse, dem Einfluss reicher mächtiger Männer und dubiosen Geschäften wieder.

Kiki Holland ist eine sympathische Protagonistin, Journalistin aus Leidenschaft, die gerne hinter die Dinge blickt. Die eine oder andere menschliche Schwäche und ihre Tollpatschigkeit macht sie sehr menschlich und liebenswert. Zahlreiche Nebencharakter wie Kikis schwuler bester Freund Torte und ihr Bekannter „Maulwurf“ bringen den einen oder anderen Schmunzel-Moment ins Buch. Die Bösewichte und ihre durchtriebene Art bauen wiederum Spannung auf. Insgesamt eine tolle Mischung an Charakteren.

Das Buch ist flüssig geschrieben und der Leser ist sofort von der Geschichte gefesselt. Die Abwechslung aus Gerichtsverhandlung, Ermittlungsarbeit und Rückblenden macht das Buch kurzweilig und treibt konsequent die Handlung voran. Allerdings handelt es sich für mich bei „Mutterliebe“ nicht um einen Justiz-Krimi. Die Gerichtsverhandlung spielt nur im ersten Drittel des Buches eine Rolle und ist selbst da eher Nebenschauplatz. Später setzt sich die Handlung nur noch aus Ermittlungsarbeit und Rückblenden zusammen, die eigentliche Verhandlung kommt nicht mehr vor. Es bleibt trotzdem sehr spannend, aber aus diesem Grund finde ich die Bezeichnung „Justiz-Krimi“ irreführend und den Begriff „Krimi“ passender.

Eigentlich war das Buch für mich bis kurz vor Schluss ein 4-Sterne-Buch. Allerdings ist den Autoren am Ende in Bezug auf eine Hauptperson ein eklatanter Fehler unterlaufen. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, um nicht zu spoilern. Aber der Fehler ist in meinen Augen enorm und darf bei einem Verlag wie Harper Collins, der sicher auch ein Lektoren-Team hat, nicht passieren. Einen Stern Abzug, da dieser Fehler meinen positiven Leseeindruck empfindlich gestört hat.

Zudem hat mir zum Schluss noch ein wenig Aufklärung zum Motiv gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, hier noch ein wenig mehr von Sylvia Bentz Seelenwelt zu erfahren. Sehr schade, Chance vergeben. Auch erschließt sich mir der Titel „Mutterliebe“ nicht. Ich denke, da hätte es bessere Titeloptionen gegeben.

Fazit:
Das Buch wird Krimifans viele schöne Lesestunden bescheren. Allerdings ist das Buch in meinen Augen kein Justiz-Krimi. Fans von geschilderten, spannenden Gerichtsverhandlungen sollten lieber die Finger davonlassen, sonst ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Ein Stern Abzug, aufgrund des eklatanten Fehlers zum Schluss, der mir persönlich den guten Leseeindruck ein wenig zunichte gemacht hat. Trotz allem würde ich mich sehr freuen, wenn es mal wieder einen Kiki-Holland-Krimi gibt und wäre definitiv ein Leser davon.

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Veröffentlicht am 10.02.2024

Politkrimi – leider mit stark abfallender Spannungskurve

Die Spiele
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Der Politkrimi „Die Spiele“ erzählt die fiktive Geschichte rund um den Mord an dem mosambikanischen IOC-Funktionär Charles Murandi, vermischt diese aber mit zahlreichen realen Personen und Fakten.

Um ...

Der Politkrimi „Die Spiele“ erzählt die fiktive Geschichte rund um den Mord an dem mosambikanischen IOC-Funktionär Charles Murandi, vermischt diese aber mit zahlreichen realen Personen und Fakten.

Um was geht es?
Shanghai im Jahr 2021. Die olympischen Sommerspiele 2032 sollen vergeben werden. Unter anderem bewerben sich Deutschland und eine Kooperation dreier afrikanischer Staaten für die Austragung. Mit von der Partie als Vertreter für Afrika ist der mosambikanische IOC-Funktionär Charles Murandi. Am Tag vor der Entscheidung wird er ermordet in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Der deutsche Journalist und Bekannter Murandis, Thomas Gärtner, wird von der chinesischen Polizei verhaftet. Laut Sicherheitskamera hat er als letzter Murandis Hotelzimmer verlassen. Doch Gärtner kann sich an nichts mehr erinnern. Lena Hechfellner, die deutsche Konsularbeamtin und Bekannte Gärtners, versucht Licht ins Dunkel zu bringen und ihm zu helfen. Schon bald finden sich beide in einem nahezu undurchdringlichen Netz aus Lug. Betrug und Verrat wieder, das bis weit in die Vergangenheit zurückreicht – in die ehemalige DDR und nach Mosambik.

Die beiden Protagonisten des Buches könnten kaum unterschiedlicher sein. Zum einen ist da Lena Hechfellner, eine intelligente Konsularbeamtin, die ehrgeizig ihre Ziele verfolgt, auch ihre persönlichen. Und das ohne Rücksicht auf Verluste. Zum anderen gibt es den chinesischen Kommissar Frank Luo, ein smarter Ermittler, der das eine oder andere Problem mit dem „System“ hat und sich gerade so regeltreu verhält, wie es unbedingt erwartet wird. Während er versucht, die Zusammenhänge zu erkennen und das Beziehungsgeflecht rund um Charles Murandi in dessen Gegenwart und Vergangenheit zu entwirren, arbeitet Lena an der Freilassung von Thomas. Dabei prallen Welten aufeinander, die insbesondere durch die Nebenpersonen verdeutlicht werden, wie zum Beispiel Lenas Haushälterin Yaya, die als 2. Kind einer Chinesin offiziell nicht existiert und es doch tut. Oder der undurchschaubare, skrupellose Herr Pan, der mit allen Beteiligten wie mit Marionetten spielt.

Das Buch selbst lässt sich zwar gut und flüssig lesen, aber leider wurde meine anfängliche Begeisterung nach der Leseprobe nicht bestätigt. Der Spannungsbogen der Geschichte flacht sehr schnell ab. Wir finden uns schon bald in langwierigen Befragungen, Schilderungen, Dialogen und Rückblenden wieder, in denen Mosambik, die Madgermanes, der Einfluss Chinas in Afrika, sozialpolitische Probleme und Überwachung in China und noch vieles mehr thematisiert wird. Zwar ist das alles interessant, doch erschien mir zeitweise der Mord eher zur Rahmenhandlung zu verkommen. Bei „Die Spiele“ handelt es sich also nicht um einen klassischen Krimi mit Befragungen, spannenden Beweisen oder überraschende Erkenntnisse, die einen weiterbringen. Man kann nicht miträtseln, was hinter allem steckt, da die Zusammenhänge zu undurchschaubar sind und immer wieder neue Aspekte aufkommen. Wer dadurch aber zusätzliche Spannung erwartet, wird enttäuscht. Die Geschichte plätschert vor sich hin.

Zudem war mir persönlich die Geschichte rund um Charles Murandi, Thomas Gärtner und Lena Hechfellner irgendwann auch einfach zu konstruiert und hat mich überhaupt nicht mehr überzeugt, geschweige denn mitgerissen. Leider war auch das Ende des Buches für mich unbefriedigend. Es hat sich für mich wie abgebrochen angefühlt. Eigentlich wissen wir von keiner der Hauptpersonen oder wichtigen Nebencharaktere, was mit ihnen passiert und was aus ihnen geworden ist. Alles ist offen. Frank Luo muss zum Rapport. Ja und jetzt? Wie ging es mit Sascha Daniels weiter? Oder mit Lenas Haushälterin Yaya? Und so weiter.

Fazit:
Auch wenn das Buch als Krimi ausgeschrieben ist, kann ich es keinem Krimileser wirklich empfehlen. Teilweise ist für mich der Mord zur Rahmenhandlung geworden, die sozialkritischen und politischen Themen zur Haupthandlung. Wer allerdings Lust hat, sich mit den Madgermanes, China und politischen „Spielen“ auseinanderzusetzen, wird vermutlich Spaß mit diesem Buch haben. Für mich sind es leider nur zwei von fünf Sternen. Stark begonnen, leider schnell abgebaut und das offene Ende für die meisten Figuren im Buch haben mich zu dieser Bewertung bewogen.

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Veröffentlicht am 15.08.2023

Klimalastiger Medizinthriller mit Längen und zu vielen Nebenschauplätzen

Toxin
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Mit „Toxin“ legt das Autorenduo Kathrin Lange und Susanne Thiele ihren zweiten Medizinthriller vor. Ich habe den Vorgänger „Probe 12“ nicht gelesen, sodass ich mich hier auf meine Eindrücke als „neuer“ ...

Mit „Toxin“ legt das Autorenduo Kathrin Lange und Susanne Thiele ihren zweiten Medizinthriller vor. Ich habe den Vorgänger „Probe 12“ nicht gelesen, sodass ich mich hier auf meine Eindrücke als „neuer“ Leser beschränke.

Um was geht es?
In Alaska gibt es aufgrund des auftauenden Permafrostbodens einen Erdrutsch, bei dem uralte Milzbrandbakterien freigesetzt werden. Zahlreiche Einwohner des Dorfes sterben. Zehn Jahre später sterben zwei Obdachlose in Berlin an Milzbranderregern. Doch woher stammen diese? Etwa aus dem Labor von Gereon Kirchner, der versucht, mit den Alaska-Milzbranderregern eine innovative Krebstherapie zu entwickeln? Doch Gereon ist nicht in Berlin. Er ist in Alaska in einer Forschungsstation im Permafrost und verschwindet auf einmal spurlos. Seine Lebensgefährtin, die Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg bittet ihren Freund Tom Morell, sich auf die Suche nach Gereon zu begeben. Und plötzlich taucht eine Leiche im Eistunnel in Alaska auf.

Wir lernen im Verlauf des Buches sehr viele unterschiedliche Haupt- und Nebenpersonen kennen. Da ich den Vorgänger „Probe 12“ nicht kenne, war es für mich sehr hilfreich, mir selbst ein kleines Personenverzeichnis anzulegen. Die Charaktere sind allesamt gut konstruiert, Nina Falkenberg eine sehr sympathische Protagonistin. Lediglich mit Tom Morell und seiner Tochter Sylvie hatte ich meine Probleme. Sylvie ist aktive Klimaaktivistin, Tom sympathisiert ebenfalls sehr mit Klimathemen. Doch er flieht vor seiner Fast-Exfrau nach Kanada, fliegt als Food-Hunter und Reiseblogger um die ganze Welt, fährt SUVs und findet das anscheinend völlig in Ordnung – ebenso wie seine Tochter. Nicht sehr stimmig für mich. Aber das nur am Rande erwähnt.

Ich habe mir beim Lesen des Buches insgesamt extrem schwergetan. Auf Basis der Leseprobe habe ich einen spannenden Medizinthriller erwartet. Doch im ersten Drittel des Buches ist die Haupthandlung komplett in den Hintergrund gerückt worden. Für mich hat es so gewirkt, als hätten die Autorinnen in dieses Buch alle sozial- und umweltpolitischen Themen unserer Zeit gepackt. Frei nach dem Motto: Wir haben eine Bühne, jetzt sprechen wir mal alles an, ob es zur Handlung des Buches passt oder nicht. Das Ganze dazu in meinen Augen relativ einseitig und mit erhobenem Zeigefinger. Hier ein Auszug der Themen: Klimawandel (sehr ausgiebig und in allen möglichen Facetten), bedingungsloses Grundeinkommen, Hartz IV / Bürgergeld, Rassismus / Zwangsadoptionen in Kanada, Pandemie, Social Media / Meinungsmache, Sensationsjournalismus, Lobbyarbeit und noch vieles mehr. Viele der Themen und auch die dort eingeführten Nebencharaktere haben für die Haupthandlung keinerlei Rolle gespielt. Mich hat das im Verlauf des Buches mit jedem neu angesprochenen Thema immer mehr genervt. Deswegen 1 Stern Abzug.

Einen weiteren Stern Abzug, weil ich aus diesen Gründen das Buch am liebsten auf Seite 60 zu lesen abgebrochen hätte. Ich kann mich in meinem Leben erst an eine Handvoll Bücher erinnern, die ich nicht zu Ende gelesen habe und zwei davon waren Schullektüren 😉 Da ich das Buch im Rahmen einer Leserunde lesen durfte, musste ich mich weiter durchkämpfen. Das zweite Drittel des Buches war dann auch wesentlicher spannender, weil die Haupthandlung wieder in den Fokus gerückt wurde, im letzten Drittel des Buches hatte aber auch die Haupthandlung wieder Längen. Und es kamen neue Themen, die ich jetzt nicht erwähnen will, sonst Spoilergefahr.

Fazit:
Ihr seht schon, das Buch hat mich leider überhaupt nicht gefesselt. Zu viele irrelevante Nebenschauplätze, zu viel erhobener Zeigefinger, Längen in der Haupthandlung. Wer einen spannenden Medizinthriller erwartet, wird enttäuscht werden. Klimathemen sind stark im Fokus, aber es ist auch kein richtiger Klimathriller. Vielleicht ist das auch das Hauptproblem – nicht Fisch, nicht Fleisch. Da ich dem Buch aufgrund all der obengenannte Punkte insgesamt nur zwei Sterne gebe, kann ich es keinem Leser wirklich empfehlen. Wer liest, um vom Alltag abzuschalten, sollte auf jeden Fall die Finger weglassen.

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