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Veröffentlicht am 30.11.2023

Tragische Familiengeschichte mit überraschendem Ende

Die Stunde der Nebelkinder
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1947 München: Helene, die jüngere Tochter der Vahrenhorsts ist ein Wildfang, der seine Freiheit über alles liebt. Als Kriegskind sind die Trümmerhalden ihr Spielplatz. Zuhause bei der traumatisierten Mutter ...

1947 München: Helene, die jüngere Tochter der Vahrenhorsts ist ein Wildfang, der seine Freiheit über alles liebt. Als Kriegskind sind die Trümmerhalden ihr Spielplatz. Zuhause bei der traumatisierten Mutter und ihrer verantwortungsvollen Schwester Ana hält sie es nicht lange aus. Auch vom Vater, einem Kriegsrückkehrer, lässt sie sich nichts vorschreiben. Noch viele Jahre später strebt Helene immer noch nach Unabhängigkeit. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht so leicht abschütteln. Das bemerkt sie erst, als ihre alte kranke Mutter ihr vom Krieg und ihrem Leben erzählt.

Im zweiten Band der "Nebelkinder" von Stefanie Gregg steht die jüngere Tochter der Vahrenhorsts, Lenchen, im Mittelpunkt der Geschichte. Ihr Freiheitsdrang war schon immer sehr groß. Nichts und niemand konnte ihr etwas anhaben und doch kommt sie mir sehr verletzlich vor. Sie ist ihren eigenen Weg gegangen und eine angesehene Künstlerin geworden.

Die Mutter-Tochter-Beziehung war nie sehr herzlich. Das ändert sich erst, als Käthe im Krankenhaus liegt und Ana Helene zu einem Besuch drängt. Aus einem Besuch werden einige, sogar eine kleine Reise unternehmen die beiden zusammen und finden dabei mehr Parallelen in ihrem Leben, als ihnen lieb ist.

Stefanie Gregg erzählt wieder in verschiedenen Zeitebenen, die sich am Schluss als ein großes Ganzes zusammenfügen. Ohne Beschönigung werden tragische Ereignisse ans Licht gebracht, die sich auf die Leben der Protagonistinnen auswirkten. Von der NS-Zeit, dem Judenhass und den Kriegsgräueln bis in die Münchner Schickeria und deren Umtriebe wird berichtet. Die Charaktere agieren authentisch. Helenes Künstlerleben fand ich spannend, aber auch etwas überdreht. Die Beschreibungen sind detailliert und anschaulich, aber auch sehr aufwühlend. Insgesamt eine tragische Familiengeschichte mit überraschendem Ende. 4 Sterne

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Veröffentlicht am 31.10.2023

Liebesgeschichte mit Herzklopfen und Gefühlschaos

Love Songs in London – Dancing on Sunshine
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Im sommerlichen London treffen wir auf Maggie, eine professionelle Briefschreiberin. Mit viel Gefühl und Empathie verfasst sie für ihre Kundschaft ihre Botschaften. Nachdem sie selbst vor über einem Jahr ...

Im sommerlichen London treffen wir auf Maggie, eine professionelle Briefschreiberin. Mit viel Gefühl und Empathie verfasst sie für ihre Kundschaft ihre Botschaften. Nachdem sie selbst vor über einem Jahr ohne jede Erklärung von ihrem Freund Luke verlassen wurde, hat Maggie die Hoffnung auf eine eigene Liebe verloren. Der Auftrag einer Kundin, die unbedingt mit ihrem Freund Jaden zusammenziehen will, nimmt eine ganz andere Wendung als gewollt. Denn plötzlich steht Jaden vor ihr und möchte Antworten haben. Maggies Gefühlswelt steht Kopf!

Im dritten Band der Reihe Love Songs in London stehen Maggie und Jaden im Mittelpunkt der Erzählung. Wir treffen aber auch auf alte Bekannte. Mit der eher zurückhaltenden Maggie und dem smarten Moderator Jaden hat Tonia Krüger zwei auf ihre Art liebenswerte Charaktere mit viel Herz geschaffen, die sich erst langsam annähern müssen, da beide schlechte Erfahrungen gesammelt haben.

Es war schön, mit ihnen durch London zu spazieren, Eis zu essen, ihre Lieblingsplätze aufzusuchen, ihre Stimmungslagen zu spüren und die Wandlung mitzuerleben. Durch die tollen Nebendarsteller, besonders Maggies Familie und Mr. Bale, gewinnt die Erzählung noch an Leben. Dancing on Sunshine ist eine berührende, emotionale, manchmal traurige, aber oft auch humorvolle Geschichte. Tonia Krüger schreibt fließend und bildhaft. Die London-Kulisse ist bezaubernd.

Ich habe das bewegende, unterhaltsame Buch mit Vergnügen gelesen und empfehle es gern weiter. Der bunte Blumenkranz auf dem Cover ist passend zur Leichtigkeit des Sommers. 4 Sterne

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Veröffentlicht am 28.09.2023

Unterhaltsamer historischer Kriminalfall aus Baden-Baden

Fräulein vom Amt – Spiel auf Leben und Tod
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Almas Spürsinn hat sich mittlerweile herumgesprochen. Deshalb bittet ihre Kollegin Friederike Alma, den Tod ihrer Cousine Gertrude zu erforschen. Diese wurde erstickt in der Wäschetrommel einer großen ...

Almas Spürsinn hat sich mittlerweile herumgesprochen. Deshalb bittet ihre Kollegin Friederike Alma, den Tod ihrer Cousine Gertrude zu erforschen. Diese wurde erstickt in der Wäschetrommel einer großen Wäscherei gefunden. Die Polizei glaubt an einen Unfall oder Suizid und hat den Fall bereits ad acta gelegt. Damit will sich Friederike jedoch nicht zufrieden geben. Im Laufe ihrer Nachforschungen stößt Alma auf eine Diebesbande, die es auf den Schmuck der illustren Gäste des internationalen Schachturniers in Baden-Baden abgesehen hat. Gibt es da einen Zusammenhang? Wie immer lässt Alma nicht locker, bis der Fall gelöst ist.

Das Autorenpaar Charlotte Blum nimmt die Leserschaft wieder mit ins mondäne Baden-Baden der 1920er Jahre, wo diesmal ein internationales Schachturnier stattfindet, das viele verfolgen wollen. Schach spielt aber hier nicht die Hauptrolle, Alma sieht sich vielmehr nicht nur mit dem Tod der jungen Gertrude konfrontiert, sondern versucht gleichzeitig die Diebstähle von edlem Schmuck aufzuklären. Und Alma wäre nicht Alma, wenn sie sich nicht selbst, ohne Rücksicht auf Verluste, in brenzlige Situationen hineinmanövrieren würde. Zum Glück erhält sie die Hilfe ihrer quirligen Freundin Emmi, ihres Cousins Walter und ihres Freundes Kommissar Ludwig Schiller.

Dieser dritte Band ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe um das Fräulein vom Amt. Die Geschichte ist unterhaltsam, liest sich flüssig und spannend. Das erklärende Hintergrundwissen ist informativ, die Atmosphäre des Kurorts ist beim Lesen spürbar. Die verschiedenen Charaktere sind authentisch und gut herausgearbeitet. Besonders Alma und ihre Freunde sind durchweg sympathisch dargestellt.

Zum Ende bleibt die Frage offen, ob sich Alma für die Liebe entscheidet oder vielleicht beides miteinander verknüpfen kann. Darum hoffe ich auf mindestens einen weiteren Folgeband.

Das Cover ist mit der Goldprägung edel gearbeitet. Dem direkten Blick von Alma bleibt nichts verborgen.

4 Sterne

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Veröffentlicht am 15.08.2023

Schön, aber kommt an die Vorgänger nicht heran

A Place to Shine
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Auf der nächtlichen Heimfahrt nach einem Treffen wird Poppy, die jüngste der McCarty-Schwestern Ersthelferin bei einem Autounfall. Ausgerechnet Trace Bradley, der bekannte Countrysänger, von dem Poppy ...

Auf der nächtlichen Heimfahrt nach einem Treffen wird Poppy, die jüngste der McCarty-Schwestern Ersthelferin bei einem Autounfall. Ausgerechnet Trace Bradley, der bekannte Countrysänger, von dem Poppy einst so enttäuscht wurde, ist der Verletzte. Aus Pflichtgefühl begleitet sie ihn ins Krankenhaus und wird dort für seine Freundin gehalten. Natürlich stürzt sich die Klatschpresse sofort auf die Geschichte. So müssen von Trace' Management alle Register gezogen werden, um den "Schaden" zu begrenzen.

Poppy ist das Nesthäkchen der Familie McCarty. Entsprechend ist ihre Rolle in diesem Kreis. Mit ihrem Baumhaushotel hat sie noch nicht den gewünschten Erfolg und ist deshalb immer in Geldnot. Nur deshalb lässt sie sich widerwillig auf einen Deal ein. Sie weiß eigentlich, was sie will und hatte Pläne für ihr Leben, die der plötzliche Tod ihres Vaters durcheinander gebracht hat. Umso enttäuschter ist sie von Trace, bei dem sie vor fünf Jahren Trost gesucht hat. Durch seine verletzende Handlungsweise hat er ihr Vertrauen zerstört. Doch Poppy und Trace müssen sich wohl oder übel zusammenraufen. Wir begleiten sie durch alle Höhen und Tiefen ihrer Gefühle.

Keine Frage: Cherry Hill ist ein Wohlfühlort, die Familie authentisch und herzlich, die Story ist plausibel, trotzdem sind bei mir die Gefühle nicht so ganz angekommen. Das mag vielleicht auch an meinem Alter und dem eingerosteten Englischkenntnissen liegen. Dafür kann die Autorin nichts. Das Buch empfehle ich deshalb vor allem auch jungen Leser*innen gerne weiter und gebe gute 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 13.08.2023

Berührende, gut recherchierte Familiengeschichte

Die Zeit zwischen uns
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Marina McCarron, von der ich noch keine Veröffentlichung gelesen habe, teilt ihren aktuellen Roman in drei Abschnitte ein:

Der erste Teil ist zweigleisig geschrieben. 1937 lebt die 12-jährige Elise mit ...

Marina McCarron, von der ich noch keine Veröffentlichung gelesen habe, teilt ihren aktuellen Roman in drei Abschnitte ein:

Der erste Teil ist zweigleisig geschrieben. 1937 lebt die 12-jährige Elise mit Mutter und Bruder in Esperence in der Normandie (F). Seit dem Tod des Vaters ist die Mutter gemütskrank. Elise kümmert sich nicht nur um sie, sondern hilft auch noch in der örtlichen Bäckerei aus. Als ihr Bruder Philippe seinen amerikanischen Freund William mit nach Hause bringt, verliebt sie sich sofort in ihn. Doch er muss zurück in die USA und Elise kann und will ihn nicht begleiten. Den Kontakt verlieren sie jedoch nicht. Sieben Jahre später kehrt William zurück und kommt am D-Day am Omaha-Beach zu Tode. Sein Kamerad Hank hat von ihm den Auftrag, sich um Elise zu kümmern.

2009 Nach dem plötzlichen Tod ihres Großvaters reist die Studentin Lucy aus Boston ohne jede Vorbereitung etwas blauäugig in die Normandie, um die Vergangenheit ihrer unbekannten Großmutter und damit ihre eigene aufzuklären.

Im zweiten Teil des Buches erfährt der Leser mehr über Hank. 1945 zurück in seiner Heimat Rhode Island will er nur den Krieg vergessen. Aus der Ferne kümmert er sich so gut es geht um Elise und auch zu Williams Eltern hält er Kontakt. Später kann er Elise nach Amerika holen und sie heiraten. Trotz aller Liebesmühe ist sie wie einst ihre Mutter traumatisiert und kann William nicht vergessen.

Im dritten Teil schließt sich dann der Kreis um Hank, seinen Sohn Ned und die kleine Enkelin Lucy.

Ausdrucksstark und sehr bildhaft erzählt Marina McCarron die Lebensgeschichte von Elise, William und Hank. Als Leserin bin ich traurig und bestürzt darüber, wie lange und wie schwer sich traumatische Kriegsereignisse, Verluste und Gräuel auf die betroffenen Menschen und ihre Familien auswirken. Das Leben unzähliger Personen hat sich dramatisch geändert. Dabei musste ich an meine eigene Familie denken, denn auch einer meiner Opas ist 1944 in Russland gefallen. Meine Oma musste fünf kleine Kinder alleine großziehen. Der andere Opa war in französischer Kriegsgefangenschaft.

Trotz aller Tragik und Emotionalität in der Geschichte liest sich das Buch flüssig. Die Protagonist*innen werden mit all ihren Stärken und Schwächen skizziert. Die Person Hank hat mir besonders gefallen. Der Roman endet etwas abrupt, ohne Auflösung offener Fragen. Ob es eine Fortsetzung gibt, bleibt offen. Vielleicht möchte die Autorin damit aber auch die Fantasie der Leser anregen. Deshalb vergebe ich gute 4 Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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