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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2017

Die unfriedliche Re(li)gion

Wildeule
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Gesine Cordes war vor zehn Jahren bei der Kripo - solange, bis ihr kleiner Sohn starb und ihr Leben den Bach runterging. Mittlerweile arbeitet sie als Friedhofsgärtnerin und wird immer mal wieder mit Kriminalfällen ...

Gesine Cordes war vor zehn Jahren bei der Kripo - solange, bis ihr kleiner Sohn starb und ihr Leben den Bach runterging. Mittlerweile arbeitet sie als Friedhofsgärtnerin und wird immer mal wieder mit Kriminalfällen zusammengebracht. Dieses Mal wird es wieder sehr persönlich. Als Gesine auf einer Beerdigung den klassischen falschen Toten im Sarg findet, kommt die Kripo in Form von Marina Olbers und ihrer Praktikantin schnell auf Gesines Freund, den Bestattungsunternehmer Hannes. Und dieser lügt auch noch, als er in dieser Hinsicht befragt wird, und reitet mit seinen Falschaussagen auch Gesine mit rein. Doch dabei bleibt es nicht - es gibt wieder eine Tote, und auch dieses Mal sieht es so aus, als hätte Hannes die Finger im Spiel.

Wieners hat bei mir gute Karten, denn sie hat einen hervorragenden Schreibstil und extrem coole Leute zum Leben erweckt, die Spaß machen zu lesen. Trotzdem schwächelt es dieses Mal. Die Handlung wird ein bisschen an den Haaren herbeigezogen und immer dann, wenn man denkt, dass solche Handlungen bei Jugendlichen, aber sicher nicht bei Erwachsenen zu erwarten wären, passieren sie. Das hat mich dieses Mal ein bisschen (arg) genervt. Wobei es nicht der Täter ist, dessen Handlungen absurd sind, sondern fast durchweg Gesine, Hannes und Marina. Und das tut ein bisschen weh, denn Wieners' Bücher zu lesen ist normalerweise wie Heimkommen aus dem Urlaub - dieses Mal hat's nicht so einen Spaß gemacht, weil irgendjemand nach der Party nicht aufgeräumt hatte und überall angefangene Flaschen und Kippen hat rumliegen lassen. 3,5/5.

Veröffentlicht am 26.08.2017

Bauchgefühl

Kein guter Ort
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Arne Eriksen ist Halbnorweger und Psychologe. Seit einem Vorfall lebt er in Kviteseid, irgendwo auf dem Land und arbeitet als Therapeut. Als sich eine alte Freundin von ihm - Kari Bergland, Kommissarin ...

Arne Eriksen ist Halbnorweger und Psychologe. Seit einem Vorfall lebt er in Kviteseid, irgendwo auf dem Land und arbeitet als Therapeut. Als sich eine alte Freundin von ihm - Kari Bergland, Kommissarin aus Bergen -, bei ihm meldet, rutscht er in einen neuen Fall mit ihr. Die Tochter von Karis Chef, Janne, hat ein massives Drogen- und Aggressionsproblem. Deshalb soll sie bei Arne eine Therapie machen, doch zuerst dreht sie einmal voll am Rad. Dabei stolpert sie über ein altes Gebäude, ein geschlossenes Hotel, in dem vor zehn Jahren ein Doppelmord passierte, der bis heute ungeklärt ist. Janne ist fest entschlossen, das Rätsel zu lösen, doch da ist jemand genauso fest entschlossen, dieses Rätsel für immer ungelöst zu lassen. Arne, Kari und Janne geraten in Lebensgefahr.

Im Großen und Ganzen fand ich das Buch interessant und spannend. Die Schreibweise ist flüssig, es werden auch all die richtigen Themen bedient (Flüchtlinge, norwegische Nazis, Drogen). Ich habe diese Janne, die therapeut werden musste oder sollte, übelst verabscheut - gut, dass ich kein Therapeut bin, ich hätte mich zu allem hinreißen lassen, nur nicht, ihr zu helfen. Aber gut, diese Frau konnte starke Emotionen hervorrufen bei mir, also war es ein gut entwickelter Charakter. Womit ich jedoch gar nicht klar kam, war dieses "überirdische" Element, diese Bewusstseinserweiterung von Arne, mit der der schließlich auf den entscheidenden Lösungsansatz des Falles kam. Ich glaube nicht an Schamanismus oder das berühmte Bauchgefühl, ich glaube eh nur an wenige Dinge, die man nicht sehen/hören/messen/beweisen kann. Wer ähnlich tickt, mag auch ähnliche Probleme mit dem Buch haben, ansonsten gibt es gerade am Schluss sehr viel Action, der bei der Stange hält und zwei Fragen aufwirft: Wie hart sind die Norweger, dass sie solche Sachen überleben können und Wie kommen sie mit all diesen Mordfällen in schon so kleinen Orten klar? ^^ 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 04.03.2026

Katzen, Kaffee, Kleinstadtfeeling

Werecat Café
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Dorothy Murphy ist ein Drilling, magische Tierärztin und außerdem Hexe. Weil sie noch nie aus ihrem Kleinstadtleben ausgebrochen ist, will sie in Canterbury zum Friseur gehen. Auf dem Weg dorthin findet ...

Dorothy Murphy ist ein Drilling, magische Tierärztin und außerdem Hexe. Weil sie noch nie aus ihrem Kleinstadtleben ausgebrochen ist, will sie in Canterbury zum Friseur gehen. Auf dem Weg dorthin findet sie mitten auf dem Gehweg einen Katzenkorb samt Katze mit einer Adresse: der des in der Nähe befindlichen Katzencafés. Sie bringt die Katze dorthin und trifft dort auf den grummeligen Besitzer Elliot trifft, der prompt von der Katze gebissen wird und dadurch zu einem Werkater wird. Jetzt muss Dorothy nicht nur Elliot von diesem Fluch befreien, sondern ihm auch helfen, sehr viel Geld aufzutreiben, weil das Café durch die Vorbesitzerin hochverschuldet ist. Und von alldem darf der Hexenrat nichts erfahren, weil jegliches Involvieren mit einem Werfluch mit Gefängnis bestraft wird.

Ja, nun. Der Klappentext klang vielversprechend cosy und man bekommt auch richtig hübsche Katzen- und Cafévibes. Allerdings ergeben viele Sachen auch nicht wirklich Sinn. Fängt schon mit ein paar Gedankengängen an. Dorothy marschiert inkognito durch Canterbury, findet den Korb mit Adresse (das Café) und denkt hinterher ernsthaft: Oh, der Werbiss der Katze sollte garantiert meinem Hexenzirkel gelten! Dann gibt es diesen Schurken, der zwar zaubern kann, aber anscheinend zu blöd ist, sein wahres Opfer zu finden. Und Dorothy macht wochenlang nichts, um doch ihrer großen Liebe zu helfen - ich meine, Streit hin oder her, aber ist sie eine Hexe oder was? Da könnte man sich doch was einfallen lassen? Magischer Banküberfall oder gemeinsamer Hexenausflug, um den Schurken zu stellen oder so? Nooo, nicht Dorothy. Die sitzt als Princess Valium zuhause und jammert. Der Schuss ist auch eher unbefriedigend, weil nicht selbst von den ProtagonistInnen gelöst. Zusammengefasst: Wer Katzen, Kaffee und Kleinstadtfeeling mag, dazu eine Romance samt recht unnötiger und irgendwie weirde Spiceszene, und nicht allzu viel Wert auf Logik legt, der ist mit diesem Buch gut bedient. Außerdem gibt es hübsche Zeichnungen, deshalb habe ich meine Bewertung von 2.5 auf 3 Punkte hochgestuft.

Veröffentlicht am 31.01.2026

Piraten und Knechte

Nightweaver
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Vor 600 Jahren sind die Menschen von den Nightweavern besiegt worden. Seitdem dienen sie ihnen entweder an Land als Dienstboten oder sie haben sich aufs Meer zurückgezogen und leben als Piraten. Aster ...

Vor 600 Jahren sind die Menschen von den Nightweavern besiegt worden. Seitdem dienen sie ihnen entweder an Land als Dienstboten oder sie haben sich aufs Meer zurückgezogen und leben als Piraten. Aster und ihre sechs Geschwister leben mit ihrer Mutter, der Kapitänin, und ihrem Vater, dem Smutje, als Piraten auf dem Meer. Als sie eines Tages gegen einen Angreifer kämpfen, geht alles schief. Ihr Bruder Owen stirbt, sie selbst und ihre Familie werden von den Nightweavern gefangen genommen. Doch statt sie zu töten, nimmt der junge Lord Will sie mit auf seinen Landsitz, wo sie in den Dienst seiner Familie genommen werden. Als es dort zu mysteriösen Ereignissen mit den blutrünstigen Unterlingen kommt, muss sich Aster entscheiden, wem sie noch vertrauen kann und ob sie bleibt oder geht.

Das Buch hat sich echt gut gelesen und mir gefiel auch die Idee und oft die Umsetzung gut. Womit ich jedoch ernsthaft Probleme hatte, war dieses sofortige Akzeptieren von Asters Familie der neuen Umstände, die sie von freien Menschen zu Knechten degradierte. Einerseits mag es schon schön sein, sich sicher zu fühlen und sie hatten das "Glück", in eine "nette" Familie zu kommen. Aber Leute, die als Piraten ein freies Leben geführt haben, plötzlich als willige Diener zu sehen, hat mir nur wenig getaugt. Auch war mir Aster zwar sympathisch, aber sie entwickelte sich ganz schön in Richtung special snowflake, und es deutet sich stark ein Triangle an. Ein wenig Probleme hatte ich auch mit der zeitlichen Einordnung der Geschichte. Auf der einen Seite leben die Piraten auf einem Schiff, wie es im 17. Jahrhundert üblich war, auch die Landbevölkerung scheint nicht sonderlich weiter zu sein, zumal es auch noch Steinschlosspistolen und ähnliches gab.

Dann wiederum gibt es schon Züge und Autos. So etwas irritiert mich. Genauso, dass die Autorin sich nicht die Mühe gemacht hat, Reiten zu recherchieren. Niemand reißt an den Zügeln oder tritt die Pferde zum Losreiten, ist ja schließlich kein Moped mit Kickstarter. So hat mich das Buch zwar oft fesseln können, aber dann gab es auch wieder ordentliche Dämpfer. Möchte trotzdem wissen, wie es weitergeht.

Veröffentlicht am 22.01.2026

Wolf und Spinne

Das Signal
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Viola wacht im Krankenhaus auf und erfährt, dass sie bei einem Unfall ihr linkes Bein verloren hat. Sie und ihr Mann Adam, ein semiberühmter Statistiker, der gelegentlich im Fernsehen auftritt, haben sich ...

Viola wacht im Krankenhaus auf und erfährt, dass sie bei einem Unfall ihr linkes Bein verloren hat. Sie und ihr Mann Adam, ein semiberühmter Statistiker, der gelegentlich im Fernsehen auftritt, haben sich ein Haus abseits von Wien gekauft und der baufällige Weinkeller ist über ihr zusammengestürzt. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist sie abhängig von der Haushälterin, die Adam für sie eingestellt hat. Adam selbst benimmt sich auch immer merkwürdiger und Vio kommt auf die Idee, seine Bewegungen mit Trackern zu verfolgen. Immer mehr wird ihr bewusst, dass er sie belügt, ständig. Und je mehr ihre Erinnerungen an den Tag des Unfalls zurückkehren, desto mehr wird ihr bewusst, dass ihr von allen Seiten Gefahr droht.

Ich gebe zu, ich habe ein Problem mit Poznanski. Ich liebe ihre Ideen, die Klappentexte machen mich immer total neugierig auf ihre Bücher. Und sie hat auch einen echt guten, schnell zu lesenden Schreibstil. Allerdings nutzt sie Letzteres eher nicht zum Spannungsaufbau. Wir beobachten zwar Vio bei ihren Aktivitäten und ihrem Struggle, sich auf ihr einbeiniges Leben einzulassen, aber das plätschert über Seiten und Seiten einfach so dahin. Das Problem ist auch, dass ich einfach nichts fühle, da kommen keine Emotionen rüber. Mir werden die Dinge eben mitgeteilt, aber mal ein bisschen echtes Innenleben von Vio wäre hilfreich gewesen. Außerdem glaube ich, dass beim Buchsatz oder wo auch immer Mist gebaut wurde, weil zwei oder dreimal völlig zusammenhanglos "amp." mitten im Satz stand. Glaub nicht, dass das irgendwie zum Buch gehört. Alles in allem hat mich das Buch nicht wirklich gelangweilt, aber auch nicht vom Hocker gerissen. Schade.