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Veröffentlicht am 04.09.2023

Selektiver Mutismus und Analphabetismus in einer schönen Geschichte für Kinder leicht erklärt.

Nenn mich Löwe
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Wie passen die Themen Selektiver Mutismus (kurz: SM) und Lese-Rechtschreib-Störung (kurz: LRS) in einem Buch zusammen? Das fragte ich mich, als ich beim Magellan Verlag das Buch "Nenn mich Löwe" von Camilla ...

Wie passen die Themen Selektiver Mutismus (kurz: SM) und Lese-Rechtschreib-Störung (kurz: LRS) in einem Buch zusammen? Das fragte ich mich, als ich beim Magellan Verlag das Buch "Nenn mich Löwe" von Camilla Chester entdeckte. Wer meinem Blog schon eine Weile folgt, der weiß, dass genau diese beiden Themen mich ganz besonders umtreiben und ich habe auch schon einige Bücher dazu vorgestellt. Dabei war aber keines, welches beide Themen behandelt und schon gar nicht in Romanform. Die meisten Bücher waren Bilderbücher, bis auf "Hey, Milla!" Ich war ehrlich gesagt etwas skeptisch, wie Mutismus und LRS zu einem Paket werden können. Ich kann euch aber schon mal so viel sagen: Es funktioniert und es macht absolut Sinn! Und ich wünsche mir, dass dieses Buch in viele Kinderzimmer einziehen wird.

Zitat: "Viele Leute wollen die Stille ganz schnell mit Worten füllen, aber ich mag sie. Die Stille hat etwas Sanftes, es ist, als ob die Luft mich tragen würde" Camilla Chester: Nenn mich Löwe (Seite 105)

Die Autorin, die Illustratorin und die Übersetzeri:

Camilla Chester lebt mit ihrer Familie in England ganz in der Nähe von Luton, wo ihr Kinderbuchdebüt Nenn mich Löwe spielt. Sie hat schon immer gerne geschrieben, aber sie hat auch eine Leidenschaft für Tiere. Über ihren eigenen Hund schreibt sie sogar ein Online-Tagebuch.
Irina Avgustinovich ist eine Illustratorin. Sie stammt aus Weißrussland, lebt inzwischen aber in Portugal. Sie machte ihren Bachelor-Abschluss in klassischer Malerei und Keramik, nun ist sie aber hauptsächlich Kinderbuchillustratorin. Ihr 6-jähriger Sohn ist ihr dabei eine große Inspiration. Die Kraft der Fantasie ist ihr besonders wichtig und so arbeitet sie mit ganz unterschiedlichen Texturen. Bisher sind schon circa 50 Bücher mit ihren Illustrationen erschienen.
Pia Jüngert (geboren 1972) lebt mit ihrer Familie in Karlsruhe. Bereits in der Grundschule entdeckte sie ihre Liebe zu Büchern, machte sie so auch später zum Beruf. Zunächst einmal war sie aber einige Jahre als Logopädin tätig, bevor sie Sprach- und Kulturwissenschaften studierte. Außerdem machte sie ein Übersetzer-Diplom und ein Lektoratsvolontariat. Inzwischen arbeitet sie als freie Übersetzerin und Lektorin für verschiedene Verlage.

Inhalt:

„Leo wünscht sich nichts mehr als einen richtigen Freund. Jeden Tag hüpft er auf seinem Trampolin, ohne dass etwas Aufregendes passiert. Aber als ein Mädchen auf der anderen Seite des Gartenzauns auftaucht und redet wie ein Wasserfall, staunt Leo nicht schlecht. Zu seiner Überraschung stört es Richa überhaupt nicht, dass er auf keine ihrer Fragen antwortet. Als sich Leo schließlich ein Herz fasst und in einem Brief erklärt, warum er nicht mit ihr sprechen kann, reagiert Richa ganz anders als erwartet. Allmählich begreift Leo, dass seine Freundin ein großes Geheimnis hütet …
Eine einfühlsame Freundschaftsgeschichte darüber, dass Verständnis keine Worte braucht.“
(Klappentext)

Kritik und Fazit:

Das Cover strahlt nur so vor hellen und sonnigen Farben, Die beiden Hauptprotagonisten Leo und Richa sind zu sehen, wie sie fröhlich auf einem Hügel aufeinander zulaufen. An den Seiten sind ihre jeweiligen Häuser zu sehen. Der gelb-grüne Himmel mit seinen Wellen scheint vor lauter Energie ganz aufgeladen zu sein. Hier kann man deutlich die Kraft der Fantasie erkennen, die der Illustratorin besonders wichtig ist.

Auch das Vor- und Nachsatzpapier haben eine wunderschöne Illustration bekommen, in welcher ganz deutlich wird, wie gern die beiden Kinder sich haben. Natürlich darf auch der kleine Hund von Leo nicht fehlen. Im Buch selbst gibt es bis auf der Titelseite, den Kapitelanfängen und einigen kleinen Löwenzahnpflanzen, welche Abschnitte markieren, keine weiteren Illustrationen. Aber diese wenigen reichen vollkommen aus, da der Text sehr gut für sich alleine stehen kann und die Fantasie genug Anregung bekommt, um sich alle Episoden der Geschichte vorstellen zu können.

Wie bereits oben erwähnt, macht es absolut Sinn, die beiden Themen Selektiver Mutismus und LRS in eine Geschichte zu packen. Denn genau die Besonderheiten der beiden Einschränkungen sorgen für den Konflikt in der Geschichte. Wie soll sich ein Junge ausdrücken, der nicht sprechen kann? Natürlich, indem er schreibt! Aber wie soll das Kind, welches einen sehr wichtigen Brief bekommt, selbst aber nicht lesen kann, erfahren was da genau los ist? Wie sollen sie also kommunizieren? Die Autorin hat hier eine ganz moderne Möglichkeit gefunden, doch bis es soweit ist, gibt es natürlich ein paar Hürden – besonders für Leo – zu nehmen.

Zitat: "Niemand kann alles. Niemand ist perfekt." Camilla Chester: Nenn mich Löwe (Seite 97)

Stets an Leos Seite sind seine große Schwester und sein großer Bruder. Sie nehmen in der Geschichte nahezu die Rolle der Eltern an. Und hier ist ein kleiner Kritikpunkt an der Story. Die Eltern sind fast komplett abwesend. Erst am Schluss bekommt die Mutter ihren Auftritt. Wie die Familienkonstellation hier also genau ist, bleibt leider ungeklärt. Meine Kinder und ich hätten uns mehr Details gewünscht, damit ein noch runderes Bild entstehen kann. Ein paar zusätzliche Angaben zu den Familien und deren Rahmenbedingungen wären also das Tüpfelchen auf dem i gewesen.

Besonders gut gefallen hat mir, dass der Begriff Selektiver Mutismus direkt von Leo genannt wird. Bei Interesse kann sich der Leser also über diese Besonderheit im neurodiversen Spektrum näher informieren. Denn Selektiver Mutismus ist leider gar nicht so bekannt, obwohl er doch inzwischen recht häufig auftritt. Aus diesem Grund freue ich mich auch über jedes Buch, welches sich damit auseinandersetzt.

Leo beschreibt im Detail, wieso er nur mit seiner Familie und auch nur im eigenen Zuhause sprechen kann. Was in ihm vor sich geht, wenn er verstummt und wie schwierig es für ihn ist, im Mittelpunkt einer Situation zu stehen. Leo tanzt beispielsweise sehr gerne und möchte irgendwann im König der Löwen Musical auftreten. Dafür übt er jetzt schon fleißig, die Auftritte der Tanzgruppe stellen aber nach wie vor eine zu große Hürde für ihn da. Da Leo schon die ein oder andere schlechte Erfahrung gemacht hat, fällt es ihm immer schwerer, sich zu überwinden. Doch am Schluss kann er eine traumatisierende, schlechte Erfahrung mit einer ganz wundervoll neuen und guten ersetzen. Auch Richas Besonderheit der LRS findet Erklärung und so bekommt man ein gutes Bild über beides.

Zitat: "Noch eine Lüge, die ich nicht aus der Welt räumen kann. Ich bin nicht schüchtern, ich habe Selektiven Mutismus." Camilla Chester: Nenn mich Löwe (Seite 116)

Neben der Aufklärung zu den Themen Mutismus und LRS gibt die Autorin anderen – eventuell ja selbst Betroffenen – außerdem ein paar Strategien an die Hand. Sie beschreibt eine hilfreiche Atemtechnik oder erklärt wie man die störende Stimme im Kopf ausblenden oder sich auf etwas anderes fokussieren kann. Außerdem kann ein erster Schritt aus dem Mutismus sein, mit dem Flüstern zu beginnen. Auch im Bereich LRS gibt es in den Text eingeflochtene Ratschläge, wie beispielsweise ein fesselndes Bilderbuch, dass man auch als größeres Kind oder Erwachsener zum Lesenlernen nutzen kann.

"Nenn mich Löwe" ist eine sehr ruhige Geschichte, was gut zu den tiefgründigen Themen passt. Man sollte hier keine super spannende Geschichte erwarten und dennoch stellt man sich natürlich die Frage, wie der Konflikt gelöst werden kann. Die Autorin zeigt mit ihren Figuren, warum es gut ist, offen und ehrlich miteinander zu sein, denn das macht vieles so viel leichter und man ist dabei weniger allein. Ich wünsche mir, dass dieses Buch auch beispielsweise in Schulen oder bei pädagogischem Personal (Erzieher, Lerher) zum Einsatz kommt, denn über etwaige Einschränkungen Bescheid zu wissen, bedeutet nicht, dass man sie auch versteht und nachvollziehen kann. Denn daran hapert es leider in unserer Gesellschaft immer wieder. Nicht sprechen zu können, heißt nicht, dass man nicht sprechen will. Hier ist noch so viel Aufklärungsarbeit nötig, dieses Buch kann ein guter erster Schritt dafür sein.

Zitat: "Wenn die Leute verstehen, dass ich nicht mit ihnen reden kann, dann erwarten sie es auch nicht mehr von mir. Das bedeutet, dass ich häufig fast unsichtbar werde. Manchmal ist es so, als wäre ich überhaupt nicht da." Camilla Chester: Nenn mich Löwe (Seite 186+187)

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Veröffentlicht am 25.08.2023

Endlich darf Gavin sich zu Wort melden!

Zerbrich uns. Nicht.
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Band drei der "Berühre mich. Nicht."-Reihe habe ich euch vor ein paar Wochen vorgestellt. "Vergiss uns. Nicht." überzeugte mich damals noch nicht zu hundert Prozent, da war definitiv noch Luft nach oben ...

Band drei der "Berühre mich. Nicht."-Reihe habe ich euch vor ein paar Wochen vorgestellt. "Vergiss uns. Nicht." überzeugte mich damals noch nicht zu hundert Prozent, da war definitiv noch Luft nach oben und einiges an Aprils Verhalten erschien mir nicht plausibel. Das änderte sich nun mit der Lektüre von Band vier "Zerbrich uns. Nicht." Denn dadurch, dass Gavin selbst eine Stimme verliehen bekam und somit die Geschichte zum Teil auch aus seiner Sicht geschildert wurde, wurde die gesamte Story runder, weniger einseitig und Aprils Gedankenschleife nicht mehr ganz so anstrengend. Stück für Stück versteht man endlich, wieso April so tickt, wie sie eben tickt. Und Gavin, dieser absolut tragische Charakter schlich sich sehr schnell in mein Herz.

Die Autorin:

Laura Kneidl (geboren 1990 in Erlangen) hatte schon früh Interesse an allem rund ums Schreiben. 2009 begann sie mit der Arbeit an ihrem ersten Roman und wurde dabei von Fantasy-Romanen inspiriert. Seither bestimmen Bücher ihr Leben. Beim Carlsen Verlag erschienen von ihr Kinder- bzw. Jugendbücher, wie zum Beispiel "Light & Darkness". Ihre "Berühre mich. Nicht."-Reihe feierte große Erfolge, sodass vor kurzem sogar eine Sonderedition erschienen ist. Mit "Vergiss uns. Nicht." und "Zerbrich uns. Nicht." kehrt sie nach Melview zurück und erzählt Aprils und Gavins Geschichte.

Inhalt:

„Sie will ihn nicht mehr lieben. Aber ihn zu vergessen ist unmöglich
Nach fünf Jahren ist Gavin plötzlich zurück in Aprils Leben. Damals war er der Junge, an den sie ihr Herz verlor, heute ist er der Mann, dem sie es ein zweites Mal geschenkt hat. April glaubte, mit Gavin endlich die Liebe gefunden zu haben, nach der sie sich sehnte. Doch was so perfekt schien, endete für sie erneut in Liebeskummer. Ihr bleibt keine andere Wahl, als ihre Gefühle für Gavin endgültig zu vergessen. Das ist allerdings gar nicht so leicht, denn unerwartet müssen die beiden für ein Projekt zusammenarbeiten, und Gavins Anblick lässt Aprils verräterisches Herz immer noch viel zu schnell schlagen. Nur wie kann sie ihm verzeihen, wenn sie ihm nicht mehr vertraut?“
(Klappentext)

Kritik und Fazit:

Das Cover ist dem der vorherigen drei Bände sehr ähnlich und man sieht sofort die Reihenzugehörigkeit. Farblich ist es diesmal in einem schwer zu beschreibenden Farbton gehalten und die Blumen, welche hinter den weißen Rauten hervorblicken, verraten nach wie vor nichts über die Story, die sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt. Alles in allem also zwar unspektakulär aber mit einem hohen Wiedererkennungswert.

Ganz besonders habe ich mich schon vor Erscheinen auf Gavins Sicht der Dinge gefreut. Denn Laura Kneidl verriet uns dieses Detail bereits auf dem Booktalk in Berlin. Gavins Blickwinkel macht einiges aus und gestaltet das Lesen zu einem sehr positiven Erlebnis. Die Geschichte nimmt mehr Fahrt auf und wird vielschichtiger. Denn nach dem Ende des dritten Buches war ich noch reichlich skeptisch. Aprils Reaktion erschien mir zu überspitzt und nicht ganz nachvollziehbar, wo sie und Gavin doch eine so lange und enge Geschichte verbindet. Doch Schritt für Schritt macht Aprils Verhalten immer mehr Sinn.

In gewisser Weise finden wir in der Geschichte um Gavin und April so ziemlich das gleiche Schema wieder, welches wir bereits bei Sage und Luca vorfanden. Das erzwungene Zusammenwohnen aus Band eins, die gemeinsame Arbeit nun in Band zwei, sowie die Rolle von Aprils und Lucas Mutter zum Ende der Stories. Das empfand ich zwar etwas schade, aber ich konnte ganz gut darüber hinwegsehen.

Die Geschichte gewinnt vor allem in Hinblick auf Gavin an Dynamik. Er hat es ganz und gar nicht leicht, steht immer wieder vor den Trümmern seines Lebens, versucht aber gleichzeitig alles alleine zu bewältigen. Hin und wieder brauchten meine Nerven eine kurze Pause, ich musste durchatmen und verdauen, was da alles ans Licht kommt. Ansonsten habe ich das Buch in großen Teilen am Stück gelesen.

Laura Kneidl hat mir mit "Zerbrich uns. Nicht." wieder einige schöne Lesestunden beschert. Meine etwas zurückhaltende Freude nach Band drei wurde definitiv mit Gavins Sicht der Dinge versöhnt. Denn Gavin ist ein sympathischer und tragischer Protagonist, der schnell mein Herz eroberte. Auch mit Aprils Verhalten konnte ich nun Frieden schließen. Es macht Sinn, auch wenn es im vorherigen Buch noch sehr anstrengend war. Ein bisschen mehr Varianz zu Lucas und Sages Geschichte in den Rahmenbedingungen hätte ich mir allerdings schon gewünscht. Dennoch haben wir hier eine tragische und emotionale Geschichte vor uns, die mich mitreißen konnte.

Vor kurzem hat die Autorin übrigens verraten, dass es noch einen fünften und damit letzten Band in der Reihe geben wird, in welcher Magan und Cameron ihren großen Auftritt haben werden. Dieser Band soll sich von den anderen vier Büchern aber deutlich unterscheiden, die Geschichte etwas leichter werden. "Verliebe dich. Nicht." soll bereits am 12. Dezember 2023 erscheinen. Ich bin gespannt.

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Veröffentlicht am 21.08.2023

Eine detailreiche und ausgeklügelte Welt!

Dark Sigils – Wie die Dunkelheit befiehlt
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Mit der "Vortex" Reihe gehört Anna Benning zu meinen Lieblingsautoren. In diese Reihe habe ich mich so sehr verliebt. Doch auch ihre Folgereihe "Dark Sigils" hat es in sich, wenn sie mich auch noch nicht ...

Mit der "Vortex" Reihe gehört Anna Benning zu meinen Lieblingsautoren. In diese Reihe habe ich mich so sehr verliebt. Doch auch ihre Folgereihe "Dark Sigils" hat es in sich, wenn sie mich auch noch nicht ganz so sehr mitgerissen hat wie Vortex. Aber das ist natürlich auch immer schwer, wenn man so einen großen Treffer mit seiner Debüt-Trilogie gelandet hat. In "Dark Sigils – Wie die Dunkelheit befiehlt" passiert wieder sehr viel und die Welt ist bis ins kleinste Detail ausgetüftelt. Durch die vielen wichtigen Protagonisten, was ja nicht nur die sieben Sigil-Träger sondern auch die dazugehörigen Freunde, Verwandte und Mitstreiter sind, muss man als Leser ganz schön viel im Kopf behalten und so dauert es wohl einfach noch ein bisschen, bis man in alle Herzen blicken kann und sein eigenes Herz dabei verliert.

Die Autorin:

Anna Benning (geboren 1988) studierte Literaturwissenschaft. Nach ihrer Tätigkeit als Buchrezensentin und Aushilfsbuchhändlerin, begann sie 2013 für einen Verlag zu arbeiten. Nun hat sie ihre eigene Buchreihe zu Papier gebracht. "Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss" ist ihr Debüt und der Auftakt einer Future-Fantasy-Trilogie. Teil 2 "Vortex – Das Mädchen, das die Zeit durchbrach" erschien ebenfalls 2020. Teil 3 "Vortex – Die Liebe, die den Anfang brachte" wurde 2021 veröffentlicht. Am 31.08.2022 erschien der Auftakt ihrer neuen Fantasy-Trilogie: "Dark Sigils – Was die Magie verlangt", 2023 dann "Dark Sigils – Wie die Dunkelheit befiehlt."

Inhalt:

„Die Dark Sigils sind die mächtigsten Artefakte, die je geschmiedet wurden. Doch im Tausch gegen ihre Magie nehmen sie uns alles – die eigene Freiheit und die Chance, lieben zu dürfen, wen wir wollen.
Meine einzige Hoffnung besteht darin, mit den Rebellen zum geheimnisumwitterten achten Dark Sigil zu gelangen. Nur mit seiner Hilfe werde ich mein Leben selbst bestimmen können.
Aber der Weg dorthin ist gefährlich … und ich weiß nicht, ob Adam ihn mich gehen lässt. Denn er kennt die Dunkelheit, die von der Welt Besitz ergreifen wird, wenn die Sigil-Träger sich ihrem Schicksal widersetzen.“
(Klappentext)

Kritik und Fazit:

Das Cover von Max Meinzold ist natürlich wieder grandios. Ich liebe diese ausdrucksstarken Bilder von Protagonisten, die er erschafft und gleichzeitig wimmelt es von vielen kleinen Details, wie man im unteren linken Eck sehen kann, wo die Mirrorwelt mit all ihrer Magie und Kraft dargestellt ist. Die goldenen Elemente machen das Ganze dann so richtig edel und der farbige Schnitt in der Erstauflage fügt sich wunderbar dazu.

Es dauerte etwas, bis ich mit dem Buch loslegen konnte. Ein bisschen war ich gehemmt, da die Autorin mir mit ihren Geschichten immer wahnsinnig unter die Haut geht. Als es dann endlich losgehen konnte, brauchte ich aber tatsächlich eine Weile, um mitgerissen zu werden. Die vielen Protagonisten musste ich mir erst wieder im Detail ins Gedächtnis rufen, wobei mir die von der Autorin illustrierten Charakterkarten im Tarotstil unheimlich gut geholfen haben. Außerdem gibt es immer wieder gute Einschübe, die die Geschehnisse aus dem ersten Band aufgreifen und somit einen super Wiedereinstieg ermöglichen.

Die Story ist zum großen Teil aus Raynes Sicht geschildert. Immer wieder gibt es aber kurze Rückblenden aus Leanore Trembletts Sicht oder die ihres Vaters. So versucht man beim Lesen ständig, sich einen Reim aus all den Bruchstücken zu machen und sie zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Man ist also sofort wieder gedanklich vereinnahmt und die Geschichte kreiste mir auch noch im Kopf herum, als ich das Buch längst zur Seite gelegt hatte.

Die Protagonisten arbeiten mehrere Stationen ab, das nahm der Sache vielleicht ein wenig die Dynamik. Aber es passt gleichzeitig zu Adams Vorgehensweise, „eine Katastrophe nach der anderen“ zu bewältigen. Und wieder schreckt die Autorin vor nichts zurück. Da gibt es Wendungen, mit denen man nicht rechnet, die einem das Herz zerreißen und ungläubig zurücklassen. Schade empfand ich den Fortgang der Story um die Freundschaft mit Lily. Ihr Verhalten enttäuschte mich doch sehr, vor allem nachdem die beiden jungen Frauen so eine intensive, gemeinsame Vergangenheit haben. Ich bin gespannt, was es damit auf sich hat, denn noch wirkt es für mich etwas konstruiert, um Rayne weiter zu isolieren.

Die Handlung in "Dark Sigils – Wie die Dunkelheit befiehlt" hat wieder eine riesige Tragweite, die man nur schwer komplett im Auge behalten kann. Was nur noch mehr unterstreicht, welche Last Adam als Mirrorlord zu Schultern hat, und wie schwer es für Rayne ist, sich in allem zurechtzufinden. Anna Bennings Geschichten sind wie ein Sog. Einmal eingetaucht, kann man nicht mehr auftauchen. Man leidet mit den Protagonisten mit, aber auf eine ganz wundervolle Art und Weise. Noch halte ich allerdings eine gewisse emotionale Distanz zu den Charakteren. Das wird sich aber sicherlich mit dem abschließenden Band der Trilogie dann legen.

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Veröffentlicht am 15.05.2023

Der lange Weg einer kleinen Schildkröte!

Yoshi und das Meer
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Auf der Leipziger Buchmesse hat es uns auch zum Stand des CalmeMara Verlags geführt. Bei diesem Verlag werden wahre Geschichten zu Papier gebracht und für Kinder zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird mit ...

Auf der Leipziger Buchmesse hat es uns auch zum Stand des CalmeMara Verlags geführt. Bei diesem Verlag werden wahre Geschichten zu Papier gebracht und für Kinder zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird mit jedem Buch der Begegnungs- und Gnadenhof „Dorf Sentana“ unterstützt. Wir waren beeindruckt, wie viele Neuerscheinungen seit der letzten Messe nun zu entdecken waren und haben "Yoshi und das Meer – Die unglaubliche Reise einer Meeresschildkröte" von Lindsay Moore mit nach Hause genommen. Hier folgt der Leser einer Meeresschildkröte quer durch die Ozeane bis hin zu ihrer ursprünglichen Heimat.

Die Autorin und Illustratorin:

Lindsay Moore ist Künstlerin und Autorin. Sie stammt aus Michigan, USA und hat Meeresbiologie sowie Kunst studiert. Ihren Master of Science machte sie dann im Bereich Medizinische und Wissenschaftliche Illustration. Lindsay Moore lebt inzwischen mit ihrer Familie im Nordwesten von Ohio.

Inhalt:

„Unglaublich und doch wahr
1997 wurde eine kleine verletzte Meeresschildkröte von einem Fischerboot aufgenommen, auf den Namen Yoshi getauft und zur Erholung ins Two Oceans Aquarium in Kapstadt gebracht. Dort wuchs sie, wurde stärker, schloss Freundschaften und hatte bald zahlreiche Fans. 2017 kehrte Yoshi ins Meer zurück. Forscher brachten einen Peilsender an ihrem Panzer an und verfolgten so ihre unglaubliche Reise: 982 Tage lang schwamm Yoshi über 40.000 km und verschickte 23.167 Funksignale.
Die wahre Geschichte einer Meeresschildkröte – in stimmungsvollen Bildern und poetischer Sprache zu Papier gebracht von Meeresbiologin Lindsay Moore.“
(Klappentext)

Kritik und Fazit:

Das Cover traf sofort meinen Geschmack und das Buch war auch das erste, was mit am Stand ins Auge stach. Eine gezeichnete Meeresschildkröte ist hier großformatig zu sehen, darunter der Titel des Buches. Man erfährt sofort den Namen dieser besonderen Schildkröte und was und hier erwarten wird. Im Innern befinden sich genauso wunderbare und bunte Illustrationen, die den Lebensweg der Meeresschildkröte Yoshi in Szene setzen. Die Vorsatzpapiere stellen zunächst den Beginn ihrer Reise und dann das Ende dar.

Bevor die Geschichte so richtig los geht, wird auf einer Doppelseite beschrieben, wie Yoshi in einem Ei heranwuchs und eines Tages daraus hervorkam, die Böschung hinab krabbelte und sich in das Meer stürzte. Erst dann folgt das Titelblatt, welches auch wieder wundervoll illustriert ist und danach geht es weiter mit der Rettung der Schuldkröte aus dem Meer, wie sie aufgepäppelt wurde, eine Zeit lang im Aquarium lebte und letztendlich ausgewildert und somit wieder freigelassen wurde. Auf ihrem Weg zurück zu ihrer Heimatstätte muss Yoshi einigen Gefahren trotzen.

Der auf ihrem Panzer befestigte Peilsender ermöglichte den Forschern, den Weg der Meeresschildkröte aufzuzeichnen. Und mit diesen Daten hat die Autorin eine wunderbare Geschichte geschrieben, in welcher sie die verschiedenen Instanzen beschreibt und uns so mitnimmt, auf die lange und sicher auch beschwerliche Reise der Schildkröte. Dabei schickt Yoshi immer wieder Grüße an ihre Pfleger, denn mit jedem Auftauchen an die Oberfläche werden per Satellit Daten gesendet, welche wie eine Grußbotschaft für die Forscher waren. Im Anhang befinden sich auf sieben Seiten einige Fakten über Yoshis Reiseroute, Karettschildkröten im Allgemeinen, das Meer als Lebensraum dieser Tiere, sowie die Umweltprobleme wie die Verschmutzung der Meere, welche durch Menschenhand entstanden sind. Hin und wieder stutzte ich hier über die Anordnung der Texte, aber das war nicht allzu dramatisch.

Ein paar kleine Dinge fehlten mir allerdings auch. So wird zum Beispiel nicht näher erläutert, wieso Yoshis Panzer deformiert ist und ob das Probleme mit sich bringt. Außerdem stellte sich mir die Frage, wieso es 20 Jahre gedauert hat, bis Yoshi endlich wieder freigelassen wurde. In der Erzählung heißt es: „Sie ist jetzt gesund. Sie sollte im Meer sein.“ Sicher hat es keine 20 Jahre gedauert, bis die Meeresschildkröte gesund und fit genug war, um in die Freiheit entlassen zu werden. Hier hätte ich mir mehr Details gewünscht.

"Yoshi und das Meer – Die unglaubliche Reise einer Meeresschildkröte" ist eine wunderbar illustrierte Geschichte über den Weg eine kleinen Schildkröte durch die großen Ozeane unserer Erde. Man lernt einiges zu den Tieren an sich, aber auch über die Weltmeere, wie sie funktionieren (Bsp. Strömungen), was sie bedroht (Bsp. Plastikmüll) und wie sie zur Heimat vieler verschiedener Meerestiere werden. Ein gelungenes Buch mit einer sympathischen Protagonistin in Form einer Karettschildkröte, die man einfach lieb haben muss.

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Veröffentlicht am 04.05.2023

Wie weit bist du bereit zu gehen, um jemandem zu helfen?

Luftschlösser sind schwer zu knacken
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Das Jugendbuch "Luftschlösser sind schwer zu knacken" setzt sich mit Themen wie Gewalt, Armut und Reichtum, Zukunftsängste bis hin zu kriminellen Machenschaften auseinander. Dabei ist es der Autorin Antje ...

Das Jugendbuch "Luftschlösser sind schwer zu knacken" setzt sich mit Themen wie Gewalt, Armut und Reichtum, Zukunftsängste bis hin zu kriminellen Machenschaften auseinander. Dabei ist es der Autorin Antje Leser äußerst gut gelungen, den Bogen zwischen Abenteuer und Emotion zu spannen. Die beiden Hauptprotagonisten Jonas und Nika kommen aus völlig verschiedenen Welten und so prallen einige Gegensätze aufeinander. Ich war absolut gebannt von den Geschehnissen die beide durchmachen mussten und litt mit ihnen. Ob es ein Happy End gibt, wird an dieser Stelle aber nicht verraten.

Die Autorin:

Antje Leser studierte Germanistik und Romanistik. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Journalistin, Lektorin und Texterin. Sie lebte eine Zeit lang in den USA, inzwischen aber mit Mann und einigen Tieren in der Nähe von Bonn. Sie schreibt Geschichten für Kinder und Jugendliche, außerdem noch Reportagen und Sachtexte.

Inhalt:

„Es ist nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, als Jonas und Nika aufeinandertreffen. Denn Jonas erwischt Nika, als sie bei ihm einbricht. Nicht, weil sie etwas gegen ihn persönlich hat, sondern weil das ihr Job ist. Nika gehört zu einem Familienclan, der sich auf Wohnungseinbrüche spezialisiert hat. Wenn sie nicht liefert, machen die anderen Druck. Doch Nika und Jonas begegnen sich wieder. Zufällig. Und Jonas zeigt ihr, dass das Leben nicht nur aus Sackgassen besteht. Aber einfach aussteigen ist nicht. Plötzlich schwebt nicht nur Nika, sondern auch Jonas in größter Gefahr.“ (Klappentext)

Kritik und Fazit:

Neben dem Titel gefiel mir auch das Cover unheimlich gut. Nika und Jonas sind hier abgebildet, wie sie vor einem Lichtermeer einer Stadt stehen. Jonas hat den Arm um Nika gelegt und schenkt ihr damit Wärme und Geborgenheit. Der Hintergrund zeigt außerdem einen Nachthimmel mit vielen Sternen und es entsteht eine romantische Atmosphäre.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und der Altersklasse entsprechend. Wir haben hier zwei Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, die abwechselnd die Erlebnisse aus ihren Blickwinkeln erzählen. Jonas scheint aus reichen und wohl-behüteten Verhältnissen zu kommen. Seine Eltern vertrauen ihm, sodass er die Sommerferien alleine im Haus der Familie verbringt. Nika hingegen kommt aus armen Verhältnissen und wird als professionelle Diebin von der eigenen „Familie“ ausgenutzt. Für sie ist es selbstverständlich, sich von den Reichen zu nehmen, was sie braucht bzw. was ihre Onkel als Hehlerware verkaufen wollen. Sie ist so aufgewachsen und kennt es nicht besser. Gleichzeitig nimmt sie die Gewalt um sich herum deutlich wahr und weiß, dass sie das nicht unterstützen will. Als sie auf Jonas trifft, lernt sie zum ersten Mal, wie es ist, wenn sich jemand für sie interessiert und zwar nur für sie als Person. Nicht für sie als sensationell gute Diebin.

Die beiden haben zunächst einen sehr unglücklichen Start, doch wie es die Umstände so wollen, lernen sie sich näher kennen. Doch beide sind sich nicht sicher, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Einerseits will Nika gerne aussteigen und ein normales Leben führen. Andererseits sieht sie keine Möglichkeit, wie ihr das gelingen soll, denn kleinere Versuche scheiterten und bringen sie in noch größere Schwierigkeiten. Aber irgendwann ist für sie ein Punkt erreicht, an dem ihr klar wird, wie gefährlich ihr Leben ist und dass sie keinerlei Einfluss darauf hat, was mit ihr geschieht.
Jonas ist zunächst ebenfalls unsicher, was er tun soll. Er kennt zunächst außerdem nicht die Tragweite all dessen, was Nika durchmacht und in welcher Situation sie sich befindet. Gleichzeitig muss er deshalb schmerzliche Erfahrungen machen und stellt sich natürlich die Frage, ob es für ihn sinnvoll ist, sich für Nika einzusetzen. Doch seine Gefühle und die Worte seines besten Freundes sind stärker und so geraten Nika und Jonas in die Schusslinie.

Der Autorin gelingt es mit dieser Geschichte sehr geschickt, eine Art Anleitung für eventuell selbst betroffene Leser einzuflechten. Was kann man tun, wenn man Probleme mit dem Elternhaus hat? Wo findet ein Kind in Not Hilfe? Welche Probleme können dazukommen, wenn man sich keine Hilfe holt aber auch wenn man sich welche holt? Hier werden in den Gedanken der Protagonisten einige Varianten durchgespielt, die dem Leser einen Eindruck der Situation verschaffen und somit für Aufklärung sorgen.

"Luftschlösser sind schwer zu knacken" ist gleichzeitig spannend wie dramatisch. Die Ereignisse spitzen sich immer mehr zu. Nika ist ein schlaues Mädchen, die in ihrer anerzogenen Unwissenheit gefangen ist und durch Jonas Hilfe bekommt. Besonders das Ende konnte mich dann auch überzeugen, da beiden gestärkt und mit einem Plan in ihr weiteres Leben starten können.

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