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Veröffentlicht am 27.08.2023

Brillante und unterhaltsame Aufarbeitung Karl-May-Debatte

Karl May im Kreuzfeuer
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Im Sommer 2022 war es mal wieder soweit: Bis dahin bereits auf eine Fan-Gemeinde und Forschungsprojekte beschränkt, wurde Karl May wieder ins Licht der Öffentlichkeit geholt, nach so vielen Jahren des ...

Im Sommer 2022 war es mal wieder soweit: Bis dahin bereits auf eine Fan-Gemeinde und Forschungsprojekte beschränkt, wurde Karl May wieder ins Licht der Öffentlichkeit geholt, nach so vielen Jahren des Vergessens, hatte plötzlich jeder eine Meinung zu ihm – und selten eine gute. Fachleute kamen zu Wort, die die Vorwürfe von Rassismus und Antisemitismus untermauern sollten. Vorwürfe, die so alt sind wie der Streit um Karl May selbst, der mit den Prozessen gegen ihn begann.

Thomas Kramer legt mit diesem Buch eine fundierte Auseinandersetzung mit der hitzigen Debatte vor und geht einem Vorwurf nach dem anderen detailliert und erfreulich unaufgeregt nach. Das Ergebnis ist eine sachliche, informative und dabei äußerst unterhaltsame Lektüre, die Fans und Gegnern des Autors einen tiefen Einblick in Werk, Text-, Forschungs- und nicht zuletzt Zeitgeschichte gibt.

Dieses Buch ist die perfekte Antwort, auf den gellenden Aufschrei, der 2022 die Medien durchzitterte. Besonders gefiel mir, dass Thomas Kramer den aggressiven Ton aus der Debatte nimmt, sachlich bleibt und jedes Argument ernsthaft auf Stichhaltigkeit untersucht. Man merkt mit jeder Zeile, dass er weiß, wovon er spricht und dass er sich mit Textforschung auskennt – so stützt er sich als seriöser Forscher zum Beispiel auf die historisch-kritische Ausgabe von Karl Mays Werk, wenn es um Belege aus dem Primärtext geht und nicht auf die die gängigen Populär-Publikationen, die unterschiedliche Stadien der Bearbeitung aufweisen (können).

Bei seiner Analyse beschränkt sich Thomas Kramer nicht nur darauf, im Primärtext die Vorwürfe im Einzelnen zu belegen oder zu widerlegen, sondern er zieht den gesamten zeitlichen Kontext heran - von Karl May bis zum 3. Reich. Zeitgenossen, Politik und Kultur werden genau beleuchtet und die Ergebnisse lassen den Leser in vielerlei Hinsicht staunen. Sehr detailliert setzt sich Thomas Kramer mit dem Interview Jürgen Zimmerers auseinander und kommt dabei zu bemerkenswerten Schlüssen.

Nicht zuletzt der humorvolle Ton, der die perfekte Antwort auf die aggressive Pauschalität der Debatte ist, macht dieses Buch zu einem köstlichen Leseerlebnis, das dazu anregt wieder mal zu einem Original-Werk Karl Mays zu greifen und auch einen Blick auf weitere Fachliteratur zu Autor und Werk zu werfen.

Dieses Buch ist für Fans und Gegner des Autors gleichermaßen informativ und unterhaltsam. Wer wissen will, was an den erhobenen Vorwürfen wirklich dran ist, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen.

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Veröffentlicht am 24.05.2023

Wenig bekannte Arthur-Sagen traumhaft präsentiert

Die Legende von König Arthur und den Rittern der Tafelrunde
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Im 15. Jahrhundert trug Thomas Malory die Sagen um König Arthur zusammen zu seinem großen Arthur-Roman, der bis heute fesselt. John Matthews beschäftigt sich schon sein ganzes Leben lang mit dem Stoff ...

Im 15. Jahrhundert trug Thomas Malory die Sagen um König Arthur zusammen zu seinem großen Arthur-Roman, der bis heute fesselt. John Matthews beschäftigt sich schon sein ganzes Leben lang mit dem Stoff und hat dabei viele Sagen aus dem Arthur-Zyklus gefunden, die aus uns unbekannten Gründen nicht von Malory berücksichtigt wurden. Diese Sagen, die auch heute nicht unbedingt einfach zugänglich sind, hat John Matthews in diesem Buch zusammengetragen und im Stil Malorys aufbereitet. Ein namenloser Rahmenerzähler sorgt für einen losen roten Faden, der die Geschichten zusammenhält.

Man muss sich bei diesem Buch ein paar Dinge bewusst sein.
1. Es versteht sich als Ergänzung zu Malorys Roman. Die hier präsentierten Sagen werden in den Kontext eingeordnet, ein paar Eckpunkte werden genannt, aber es wird sonst auf Malory verwiesen, er wird nicht wiederholt.
2. Der Stil der mittelalterlichen Sagen wird hier beibehalten.
3. Es ist kein Fantasy-Roman, sondern ein Sagenbuch und zwar im Stil der alten Sagen. Hier wurde nicht modernisiert und zwar im besten Sinne.

Wer sich darauf einlässt kann sich auf großartige Ritterabenteuer freuen mit großen Namen wie Merlin, Gawain und Lancelot, aber auch unbekannten Rittern der Tafelrunde wie Palomides, Lanval und Meriadoc. Sogar König Arthur ist inkognito als Papageienritter unterwegs. Ein Abenteuer gebiert sich aus dem anderen, Feenwesen und Zauberer, Schicksal und Prophezeiungen, magische Burgen sowie Zauber, die mal witzig, mal grotesk und mal tödlich sind – all das zeigt, dass schon die alten Sagen beste Fantasy geboten haben.

Als besondere Ausstattung ist dieses Buch von John Howe illustriert, der unter anderem an der künstlerischen Konzeption der Herr-der-Ringe-Filme beteiligt war. Seine traumhaften Bilder erwecken die Sagen zum Leben, mal schwarzweiß, mal farbig, mal als kleines Ornament und dann wieder im atemberaubenden Großformat, machen sie das Buch zu einem einzigartigen Leseerlebnis.

Außerdem wurde dieses Buch besonders schön und im Stil der alten Sagenbücher gesetzt: zweifarbig – die Überschrift und eine kurze Einleitung in rot, der Haupttext schwarz – und der Haupttext ist zweispaltig.

Abgerundet wird das Buch mit einem Vorwort von Neil Gaiman, einer Einführung von John Matthews sowie einem Anmerkungs- und Quellenteil, der die Sagen noch mal einordnet und kommentiert. Gerade dieser Abschnitt verlockt zu weiterer Lektüre. Hier hat mir besonders gut gefallen, dass nicht nur auf die englischen Quellen verwiesen wird, die John Matthews natürlicherweise genutzt hat, sondern auch auf deren Verfügbarkeit in deutscher Sprache. Da hier die Titel gerne mal abweichen wäre eine Recherche nicht ganz einfach, zumal nicht alles derzeit verfügbar ist.

Dieses Buch fordert im besten Sinne eines überwältigenden Werkes die Aufmerksamkeit und Zeit des Lesers. Es verlangt danach, sich einzulassen, abzutauchen und die Geschichten auf sich wirken zu lassen. Das Buch liest sich nicht einfach runter, es ist auch kein Roman, der eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Es sind Sagen, die sich als Ergänzung zu Malory verstehen ohne die Kenntnis von Malorys Buch vorauszusetzen.

Ich bin von diesem Buch restlos begeistert. Nicht nur die aufwendige Gestaltung und liebevolle Ausstattung haben mich fasziniert, gerade auch der Inhalt selbst hat mich bezaubert. Ich liebe die mittelalterlichen Heldensagen, den Stil und ihre überraschenden, überbordenden Fantasyelemente, die in ihrer trügerischen Leichtigkeit mit der sie eingebaut wurden, viele Fantasyromane von heute in den Schatten stellen. Malory ist die große Referenz des Buches, aber jeder Abschnitt liest sich als spannendes Abenteuer, für das eine Kenntnis des Originals nicht unbedingt erforderlich ist. Wer sich auf die mittelalterliche Sagenwelt um König Arthur mit den großen Ritterabenteuern, in denen sich alles um Ehre, Schicksal und den Ritterkodex dreht einlassen möchte, ist hier genau richtig. Ein Traum von einem Buch in jeder Hinsicht.

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Veröffentlicht am 19.03.2023

Reise in den Katzenwald

Flüsterwald - Eine neue Bedrohung. Die versteinerten Katzen. (Flüsterwald, Staffel II, Bd. 2)
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Lukas, Ella und ihre Freunde brechen auf, um im Katzenwald nach dem Rechten zu sehen. Dort angekommen stellen sie entsetzt fest, dass alle Katzen versteinert sind. Die böse Zauberin hat bereits zugeschlagen, ...

Lukas, Ella und ihre Freunde brechen auf, um im Katzenwald nach dem Rechten zu sehen. Dort angekommen stellen sie entsetzt fest, dass alle Katzen versteinert sind. Die böse Zauberin hat bereits zugeschlagen, doch was ist ihr Ziel. Während die Freunde noch versuchen herauszufinden, wie sie helfen können wird immer deutlicher, dass sie etwas Wichtiges übersehen – und das könnte ihnen und allen Flüsterwäldern zum Verhängnis werden.

Der zweite Band ist täuschend schmal und enthält sich überschlagende Ereignisse, sodass der Leser aus der Spannung, dem Wundern und den Gänsehaut-Szenen nicht mehr rauskommt. Die Rasanz lässt nicht nur die Charaktere sondern auch den Leser mit dem dumpfen Gefühl zurück, dass einem etwas Entscheidendes entgangen ist.

Die Charaktere werden hier weiter ausgebaut, diesmal mit dem überraschenden Fokus auf Ella, von der man geglaubt hat sie schon gut zu kennen. Der Menok Rani, der mir bisher trotz seiner Niedlichkeit, gehörig auf die Nerven gehen konnte mit seiner Großsprecherei, Unbelehrbarkeit und den Übertreibungen, ist hier erstaunlich zahm und sympathisch – mit der Aussicht, auf turbulente neue Charakterzüge. In der Hauptsache wird hier allerdings die Bedeutung der Katzen für die Flüsterwälder ausgebaut und wieder stellt Andreas Suchanek seine märchenhafte Phantasie unter Beweis.
Wer den Autor kennt ist vom fiesen Cliffhanger am Schluss nicht überrascht und doch bleibt man mit klopfendem Herzen und einem großen Oh nein zurück – denn wider besseren Wissens hatte man gerade aufgeatmet. Das Warten auf den dritten Band der zweiten Flüsterwald-Staffel wird hart.

Bereichert wird auch dieser Band durch die wunderschönen Illustrationen Timo Grubings, die jedes Kapitel einleiten. Zusätzlich schmückt ein toller Farbschnitt die Erstauflage, sodass die Bücher auch im Regal ein absoluter Blickfang sind.

Kurz gesagt: Eine rundum gelungene Fortsetzung. Düsterer als die vorangegangenen Bände, aber eine tolle Mischung aus Spannung und Witz. Auf relativ wenigen Seiten passiert so viel, ohne dass es überladen wirkt oder der Leser den Eindruck hat, dass die Geschichte nicht vorankäme.

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Veröffentlicht am 31.12.2022

Eine magische Weihnachtsgeschichte

Snowflakes All Around Us. A Royal Christmas Romance
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Mit dem Sieg im Konditorenwettbewerb wollte Emelie ihren Eltern ein für alle Mal beweisen, dass ihre Träume weit über die Brotbäckerei ihrer Familie hinausgehen und ihre Fähigkeiten ausreichen sich diese ...

Mit dem Sieg im Konditorenwettbewerb wollte Emelie ihren Eltern ein für alle Mal beweisen, dass ihre Träume weit über die Brotbäckerei ihrer Familie hinausgehen und ihre Fähigkeiten ausreichen sich diese Träume zu erfüllen. Statt des Sieges erhält sie allerdings die Chance in der königlichen Zuckerbäckerei des skandinavischen Königreiches Fjarora ein Praktikum zu machen und den großen Winterball mitzugestalten. Fjarora, das Heimatland ihrer Mutter, dass Emelie nie gesehen hat lockt sie. Außerdem erhält sie so die Möglichkeit ihrem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Schon bald rasselt sie mit Prinz Frederik aneinander, der mit seiner Überheblichkeit erstmal gar nicht bei ihr punkten kann. Er jedoch ist von der Ausländerin, die sich weder von seinem Titel noch seinen Machoallüren beeindrucken lässt, fasziniert.

Eine magische Winter-Weihnachtsgeschichte mit dem Flair Skandinaviens, verträumter Winterabende und dem Reiz eines royalen Settings. Dieses Hörbuch lädt dazu ein sich auf dem Sofa mit einer heißen Schokolade einzukuscheln und sich davon zu träumen. Mit weiblichen Sprechern tue ich mich immer etwas schwer, aber Lisa Müller konnte mich schließlich doch überzeugen. Sie schafft es nicht nur Emelie einen unverwechselbaren Charakter zu geben, sondern auch Frederik und seine Freunde stehen einem sofort vor Augen.

Selbstverständlich spielt die Geschichte mit bekannten Motiven, einiges ist vorhersehbar, ein wenig Kitsch gehört zu Weihnachten sowieso dazu. Mir waren die Charaktere sehr sympathisch und die Geschichte habe ich geliebt! Ganz sicher wird dieses Hörbuch ein fester Bestandteil für meine jährlichen Weihnachtsgeschichten sein. Liebenswert, herzerwärmend und wundervoll winter-weihnachtlich!

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Veröffentlicht am 31.12.2022

Jeder kennt ihre Bücher, doch wer war sie?

Enid Blyton. Geheimnis hinter grünen Hecken
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Ihre Bücher haben Generationen begeistert, zum Lesen gebracht und nicht zuletzt vor Diskussionen gesorgt. Doch wer war die Frau, die die 5 Freunde und Hanni und Nanni erfand? Aufgewachsen bei einer Mutter, ...

Ihre Bücher haben Generationen begeistert, zum Lesen gebracht und nicht zuletzt vor Diskussionen gesorgt. Doch wer war die Frau, die die 5 Freunde und Hanni und Nanni erfand? Aufgewachsen bei einer Mutter, der sie nie etwas recht machen konnte, verlassen vom Vater, der sie als einziger verstanden, aber zugunsten einer neuen Liebe zurückgelassen hat, hat sich Enid aus den Fesseln der Konventionen befreit und ist konsequent ihren eigenen Weg gegangen. Trotz des mütterlichen Widerstandes hat sie sich zu der großen Schriftstellerin entwickelt, die sie immer sein wollte.

Diese Romanbiographie zeichnet episodenhaft den wenig bekannten Lebensweg Enid Blytons nach. Anfang des 20. Jahrhunderts aufgewachsen, mit allen Erwartungen an das weibliche, englische Ideal des gehobenen Bürgertums erlebte sie beide Weltkriege und die vielen gesellschaftlichen Umstürze, die ihr viel ermöglichten. Nicht immer ist das Bild der großen Schriftstellerin positiv, aber ihr Leben war faszinierend. Man erkennt viele Motive aus ihren Büchern wieder, man stellt Zusammenhänge her und nicht zuletzt will man sofort wieder zu ihren Büchern greifen. Bitter und mit viel Wiedererkennungswert wird zum Schluss beleuchtet wie auch ihre Geschichten in den 60ern in die Kritik gerieten wegen der Rollenverteilung, gesellschaftlicher Schichten und daraus resultierender Verbannung aus Bibliotheken. Ernsthaft wird sich hier mit den Vorwürfen auseinandergesetzt und nicht zuletzt im ausführlichen Nachwort der Autorin noch mal aufgegriffen und kritisch beleuchtet.

Eine spannende Romanbiographie zu einer Autorin, die fast völlig hinter ihren Büchern zurückgetreten ist. Jeder kennt ihr Werk, nur wenige wissen etwas zur Autorin selbst, dabei ist auch ihr Leben und ihre Persönlichkeit sehr interessant. Maria Regina Kaiser hat sich dieser Geschichte angenommen und den Lesern zugänglich gemacht. Ein rundum gelungenes Buch!

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