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Veröffentlicht am 20.09.2023

Wer ist hier eigentlich das Monster

Frankenstein
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Die Geschichte von Frankenstein und seinem Monster zählt schon zu den Klassikern, die in diversen Adaptionen aufgegriffen, modernisiert und verzerrt wurde. Vom Coppenrath Verlag ist nun diese wunderschöne ...

Die Geschichte von Frankenstein und seinem Monster zählt schon zu den Klassikern, die in diversen Adaptionen aufgegriffen, modernisiert und verzerrt wurde. Vom Coppenrath Verlag ist nun diese wunderschöne Schmuckausgabe erschienen, die der düsteren Geschichte ein neues Gewand gibt. Ich habe den Klassiker nie gelesen, kenne nur die Verfilmung und muss sagen, durch das Buch habe ich einen ganz anderen Zugang zu den Figuren bekommen, der mir sehr gut gefallen hat.



Zum Inhalt: Viktor erleidet schon früh einen herben familiären Rückschlag, als seine Mutter, die das herz der Familie war, verstirbt. Aber die Familienbande sind stark und so geht Viktor nach Ingolstadt, um zu studieren. Die Naturwissenschaften faszinieren ihn, doch nach drei Jahren können ihm seine Lehrer nichts mehr beibringen und Viktor beginnt sich der Medizin und der Frage nach dem Leben zuzuwenden. Und in einer Mischung aus Ehrgeiz und Einsamkeit erschafft Viktor Leben, und realisiert zu spät, welche grausame Tat er da gegangen hat, als seine Schöpfung beginnt ihn heimzusuchen.



Das Buch ist absolut hochwertig gestaltet und mir haben neben den sehr stimmungsvollen Illustrationen besonders die beiliegenden Gimmicks gefallen, die einerseits die Themen rund um Alchemie vertiefen und andererseits die Handlung in Form von Briefen unterstützen. Also allein rein optisch ein absolutes Highlight.



Dafür, dass das Buch ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, ist es absolut angenehm zu lesen. Die Sprache ist gehoben, manchmal fast gestelzt, aber gut verständlich und absolut passend zum Inhalt. Viktors Wissendurst und Drang nach Erkenntnissen waren sehr ansteckend und umso tiefer der Fall, als er mit Bestürzen feststellt, was ihm da gelungen ist. Einerseits sind Viktors Emotionen gut rübergebracht und auch irgendwie nachvollziehbar, andererseits fand ich seine Art mit dem „Problem“ umzugehen, absolut unverständlich.



Besonders spannend war für mich die Geschichte aus Sicht von Frankensteins Monster, die Erlebnisse, die es gemacht hat, sind sehr nahbar beschrieben. Man bekommt ein gutes Gefühl für die geistige und emotionale Entwicklung, die es durchmacht und wieso die Geschichte sich so entwickelt, wie sie es tut.



Ich fand das Buch überraschend packend und auch auf emotionaler Ebene mitreißend. Außerdem werden ein paar interessante moralische Fragen zum Wert des Lebens aufgeworfen. Ein Buch, dass man beim Lesen auf sich wirken lassen und genießen kann.

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Veröffentlicht am 20.09.2023

Carsten Henn bringt mich jedes Mal zum Heulen

Die Butterbrotbriefe
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Bücher von Carsten Henn sind für mich eigentlich immer Volltreffer, sowohl seine literarischen Krimis gefallen mir sehr gut, als auch diese wunderbar berührenden Romane, die er immer schreibt. So auch ...

Bücher von Carsten Henn sind für mich eigentlich immer Volltreffer, sowohl seine literarischen Krimis gefallen mir sehr gut, als auch diese wunderbar berührenden Romane, die er immer schreibt. So auch „Die Butterbrotbriefe“, ein Buch das mitnimmt, betroffen macht und Hoffnung gibt. Ein Buch über eine besondere Freundschaft und neue Anfänge.

Zum Inhalt: Niemand schreibt mehr Briefe. Von Hand verfasste Texte, sorgfältig auf Papier verewigt. Niemand bis auf Kathi. Kathi schreibt auf Butterbrotpapier, das ihr Vater immer für sie gesammelt hat, als sie noch ein Kind war. Sie schreibt traurige Briefe, wütende Briefe, Briefe, die anderen Menschen mal die Meinung sagen sollen und mit denen sie sich die Seele erleichtern will. Und dann trifft sie unerwartet auf Severin und plötzlich ist sie weniger wütend.

Ich mag diese Art der Erzählung, bei den zwei Einzelschicksale zu einem gemeinsamen werden, wo sich Lebenswege kreuzen und besondere Freundschaften entstehen. Genau so ein Buch ist „Die Butterbrotbriefe“. Es ist eine schöne Erzählung darüber, dass das Leben auch mal nicht so gut laufen kann, wir unser Schicksal aber weiter in den Händen haben um das Beste daraus zu machen.

Kathi fand ich anfangs noch irgendwie schwer greifbar, aber durch die Freundschaft mit Severin, findet sie mehr zu sich selbst und wird immer sympathischer. Und Severin selbst ist einfach ein Goldstück, den muss man einfach lieben, auch wenn er natürlich Fehler gemacht hat. Ich mag das beide auf ihre eigene Art besonders sind, Kathi mit ihren Briefen und Severin mit der Art wie er Musik erlebt und spürt.

Die Geschichte ist wunderschön erzählt, sehr emotional und aber an den richtigen Stellen humorvoll und mit einer Leichtigkeit, die das Herz aufgehen lässt. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, gelesen von Steffen Groth, der eine wunderschöne, warme Stimme hat und fast schon samtig weich liest, was wunderbar zum Buch passt.

Wie immer ein sehr besonderes Buch eines Autors, der fürs Herz schreibt.

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Veröffentlicht am 09.09.2023

Zwei Schwestern. Eine Insel. Eine Tragödie.

The Castaways
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Einsame Inseln und Survival-Stories strahlen immer eine gewisse Faszination aus, diese Locked-In Szenarios sind erschreckend und spannend zugleich. Und dann auch noch von einer meiner Lieblings-Autorinnen- ...

Einsame Inseln und Survival-Stories strahlen immer eine gewisse Faszination aus, diese Locked-In Szenarios sind erschreckend und spannend zugleich. Und dann auch noch von einer meiner Lieblings-Autorinnen- ein absolutes Must-Read. Das Buch war weniger dramatisch angelegt, als vermutet, hat mir aber wahnsinnig gut gefallen und war bis zum Ende hin durchweg spannend und gipfelt in ein überraschendes Finale.

Zum Inhalt: Lori und Erin stecken beide mit ihrem Leben in einer Sackgasse, als die beschließen Urlaub auf Fidschi zu machen. Doch nach einem schlimmen Streit, fliegt Lori ohne Erin weiter. Und verschwindet spurlos. Denn das Flugzeug in den sie sitzt stürzt ab und verschwindet vom Radar der Flugaufsicht. Erin hört nie auf nach Lori zu suchen und dann taucht zwei Jahre nach dem Unglück plötzlich der Pilot der Maschine auf.

Das Buch wird abwechseln aus den Perspektiven der beiden Schwestern erzählt, wobei Erins Perspektive in der Gegenwart spielt und Loris am Beginn der Reise startet und sich um die knapp 30 Tage auf der Insel dreht. Dadurch steuert man in Loris Perspektive auf die scheinbar unausweichliche Katastrophe zu, denn das die Ressourcen auf der Insel sind begrenzt und die Stimmung droht zu kippen. Die Atmosphäre wird immer aussichtsloser und bedrohlicher, was für ordentlich Spannung sorgt.

Erin hingegen ermittelt auf eigene Faust, gibt nicht aus und wirkt dadurch sehr unnachgiebig und starrköpfig. Sie ist die Einzige, die nicht hinnehmen will, dass die Flugreisenden alle tot sind. Einerseits wirkt ihr Verhalten bewundernswert, andererseits fast schon wahnhaft. Ihrem ganzen Handeln wohnen eine Verzweiflung und Hilflosigkeit inne, die mich teilweise an ihrer geistigen Verfassung zweifeln ließen.

Beide Perspektiven sind auf ihre ganz eigene Weise spannend und das Buch liest sich wirklich fesselnd. Ich wollte unbedingt wissen was passiert ist, während nach und nach die Geheimnisse der Flugreisenden aufgedeckt werden. Dadurch spitzt sich die Situation auf der Insel weiter zu, was ein guter Kniff ist. Denn plötzlich ist die Natur selbst nicht mehr das einzig Bedrohliche.

Das Buch war unglaubliche packend bis zum Schluss und hat mir richtig gut gefallen.

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Veröffentlicht am 27.08.2023

Flitterwochen wider Willen

The Unhoneymooners – Sie können sich nicht ausstehen und fliegen gemeinsam in die Flitterwochen
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Mit dem erklärten Erzfeind zwei Wochen romantische Flitterwochen verbringen? Unvorstellbar. Aber was, wenn sich dann rausstellt, dass der eigentlich gar nicht so übel ist? Eine herrlich witzige Enemies-to-lovers ...

Mit dem erklärten Erzfeind zwei Wochen romantische Flitterwochen verbringen? Unvorstellbar. Aber was, wenn sich dann rausstellt, dass der eigentlich gar nicht so übel ist? Eine herrlich witzige Enemies-to-lovers Story und eine tolle sommerlich Urlaubslektüre, die ich wärmstens empfehlen kann.

Zum Inhalt: eine Hochzeit sollte ein magisches Ereignis sein. Doch Olive steckt in einen furchtbaren grünen Kleid und ihre Schwester hat ihr eine Liste mit 74 To-Dos aufgehalst. Als plötzlich die ganze Hochzeitsgesellschaft eine Lebensmittelvergiftung bekommt, bleiben nur Olive und Ethan, Bruder des Bräutigams und Olives Erzfeind, um die Hochzeitsreise nach Hawai anzutreten. Aber dazu müssen sie sich als frischvermähltes Paar ausgeben

Die Geschichte folgt ein bisschen dem Prinzip „was schiefgehen kann, geht schief“ was natürlich für reichlich Situationskomik sorgt. Olive ist der festen Überzeugung vom Pech verfolgt zu sein und ein bisschen fühlt sich ihr Leben dadurch wie eine selbsterfüllende Prophezeiung an. Trotzdem finde ich sie und ihre große, laute Familie wahnsinnig sympathisch.

Die kleinen Streitereien und Spitzen zwischen Olive und Ethan sind einfach köstlich und es macht wahnsinnig Spaß die Entwicklung ihrer Beziehung zu beobachten. Natürlich ist die Geschichte ziemlich vorhersehbar, aber das schmälert nicht den Unterhaltungswert der Handlung.

Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, was auch daran lag, wie toll das Buch geschrieben ist. Es ist für mich eine klassische Urlaubslektüre mit dem sommerlichen Setting und der lockeren Liebesgeschichte.

Das Buch hat mir wirklich gut gefallen.

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Veröffentlicht am 24.07.2023

Lass mal ehrlich zu uns selber sein

Nachts erzähle ich dir alles
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„Nacht erzähle ich dir alles“ kommt eigentlich auf den ersten Blick wie ein leichtes Sommerbuch daher mit seinem Setting an der Côte d’Azur und den nächtlichen Gesprächen über Vergangenes und bevorstehendes ...

„Nacht erzähle ich dir alles“ kommt eigentlich auf den ersten Blick wie ein leichtes Sommerbuch daher mit seinem Setting an der Côte d’Azur und den nächtlichen Gesprächen über Vergangenes und bevorstehendes Leben. Doch innerhalb dieser Gespräche erfahren die beiden Protagonisten nicht nur mehr über sich selbst, sondern auch über die Menschen, die ihre Leben berührten. Ein schönes Buch mit feinfühliger Emotionalität über ein Leben in Selbstbestimmung.

Zum Inhalt: Léa flüchtet sich vor ihrem stressigen Alltag in das Familienanwesen in Südfrankreich. Viel zu lange war sie schon nicht mehr dort und weiß eigentlich nicht mal, warum. An ihrem ersten Abend trifft sie auf ein junges Mädchen, das neugierig über das Anwesen streift. Die beiden unterhalten sich und Lea hat das Gefühl dem Mädchen etwas mitgeben zu müssen, ihr eine Freundin sein zu müssen. Am nächsten Tag erfährt sie vom Tod der jungen Frau. Als ihr Bruder auf der Suche nach Antworten bei Léa aufschlägt, verändert sich ihrer beider Leben unweigerlich.

Dieses Buch greift viele Themen auf, die Frauen beschäftigen. Nicht nur kommt Léa gerade aus einer gescheiterten Beziehung und fühlt sich unzulänglich, die fühlt sich auch plötzlich zu einem jüngeren Mann hingezogen, dessen Lebensstil sie eigentlich nichts abgewinnen kann. Und gleichzeitig macht sie ein paar Entdeckungen das Leben ihrer Mutter betreffend. Und auch Emile muss erkennen, dass seine Schwester Geheimnisse hatte, die sie ihm nicht anvertrauen konnte.
Das Buch steckt voller Tragik und Konflikte, über die nicht gesprochen wurde, was letztlich zu der verzwickten Situation geführt hat, in der sich die beiden Protagonisten wiederfinden, einander Halt geben und aus Fremden Vertraute werden.

Die zentralen Themen Beziehung, Elternschaft, unerwiderte Liebe und Partnerschaft sind aktuell und nahbar. Das Buch zeigt auf, dass es in Beziehungen viele Grauschattierungen gibt und die unterschiedlichsten Beziehungsmodelle die Bedürfnisse des einzelnen erfüllen können, dass es dazu aber wichtig ist, zueinander offen zu sein.

Ich mag den Ton den die Geschichte anschlägt, ruhig und besonnen, gleichzeitig aber auch irgendwie durchdrungen von dem Gedanken es schaffen zu müssen, die Erwartungen anderer zu erfüllen, selbst erfüllt zu sein.
Eine Geschichte, die unter die Haut geht, wenn man sie lässt.

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