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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2017

Teilweise ergreifend, aber zu viel Drumherum

Das Geschenk eines Sommers
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Clara lebt mit der Hoffnung, dass ihr geliebter Martin sich ganz zu ihr bekennen und dafür seine Frau verlassen wird. »Ich bin doch kein Friseurtermin«, beschreibt den Stand ihrer Beziehung am Anfang des ...

Clara lebt mit der Hoffnung, dass ihr geliebter Martin sich ganz zu ihr bekennen und dafür seine Frau verlassen wird. »Ich bin doch kein Friseurtermin«, beschreibt den Stand ihrer Beziehung am Anfang des Buches ziemlich treffend. Plötzlich jedoch verlieren Claras Liebesleben und sogar ihr Job an Bedeutung, denn ihre Mutter Ruth ist schwer erkrankt. Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium, Ruth bleibt nur noch dieser Sommer. Ich fand es unheimlich traurig, die lebenslustige, humorvolle Ruth am Rande des Sterbens sehen zu müssen. Ihr (schwarz-) humoriger Umgang mit der Situation gefiel mir. Ebenso, dass Clara Job und Beziehung hinten anstellt und den Sommer über nur für ihre Mutter da sein will. Interessant der unterschiedliche Umgang Ruths nächster Angehöriger mit der Diagnose. Trauriges Nichtloslassenwollen durch Nähe auf der Seite von Clara, Rückzug, Sprachlosigkeit, Verweigerung, Nichtwahrhabenwollen bei Ruths Ehemann. Beides extreme, aber menschliche Reaktionen.

Die Autorin spricht Vieles an, was den Alltag eines Krebskranken angeht. Sie beschreibt Ruths körperlichen Verfall so detailliert, dass es wehtut, umso mehr, wenn man weiß, dass eigenes Erleben der Anlass für dieses Buch war. Plötzlich verschieben sich Wertigkeiten im Leben, darüber lohnt es sich auch als gesunder Mensch nachzudenken. Bis dahin war ich voll gefangen von Ruths immer wieder Aufbegehren gegen die Krankheit, ihrem »Galgen-«Humor, Claras Schwanken zwischen Dankbarkeit für diese Nähe und Verzweiflung vor dem drohenden Verlust. Dann wurde es mir im Drumherum etwas zu viel des Guten. Der verschwiegene Tod von Ruths Eltern, der Bruder, die ehemals beste Freundin, Philipp, der Mister Perfekt in Weiß ... Für mich wäre Ruths Erkrankung und deren Auswirkung auf die Beziehung zur Tochter und zum Mann genug Stoff für dieses Buch gewesen, dazu Martin als Nebenfigur mit Klärungsbedarf. Ich hätte mich gern auf diese Konstellation konzentriert, den Hauptfiguren über die Schulter geschaut, wie sie diese Herausforderung meistern. Das wäre Drama genug gewesen, und ein Happy End erwartet wohl niemand bei so einer Geschichte.

Fazit: Teilweise ergreifend, aber zu viel Drumherum 3***

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charakter
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Thema
Veröffentlicht am 19.09.2017

Kann man gut wegschmökern

Kontrolle. Macht. Tod.
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Der Autor des Buches war Polizeibeamter, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er weiß also, wovon er schreibt, wenn es um polizeiliche Ermittlungsarbeit geht. Das ist sicher ein Vorteil, wenn man ...

Der Autor des Buches war Polizeibeamter, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er weiß also, wovon er schreibt, wenn es um polizeiliche Ermittlungsarbeit geht. Das ist sicher ein Vorteil, wenn man es mit einem Täter zu tun hat, der Frauen entführt, um sie unter seine Kontrolle zu bringen, wie wir im ersten Kapitel erfahren. Trotzdem ist die Hauptfigur dieses Thrillers kein Polizist, sondern der 54-jährige Privatdetektiv Molden, der das Klischee vom einsamen Schnüffler voll auslebt. Wäre da nicht Greta, die im wahrsten Sinne des Wortes in sein Leben stolpert. Was die junge, schöne Frau an dem wortkargen, fast doppelt so alten, unattraktiven Eigenbrötler findet, habe ich bis zum Schluss des Buches nicht begriffen.

Das Buch ist in einer sehr einfachen, sachlichen, teilweise etwas hölzernen Sprache geschrieben und erinnert ein wenig an Polizeiprotokolle. Viele Dialoge lockern die solide konstruierte Story glücklicherweise auf, wirken aber auch manchmal etwas steif und nicht aus dem Leben gegriffen. Als geübtem Krimileser war mir recht schnell klar, wer hinter den Entführungen und Morden stecken muss, das Motiv war unübersehbar. Verwirrend fand ich die Einteilung der Kapitel in Tag 1, 2 usw., da diese Lücken enthielten und ganze Tage nicht mitgezählt wurden. Alles in allem erweckte das Buch bei mir zu Beginn Erwartungen, die nicht ganz erfüllt wurden. Die Story flachte ab, auch wenn es am Ende noch zum gefährlichen Show Down kam.

Ich würde das Buch eher ins Genre Krimi einordnen, da er fast ausschließlich von der Ermittlungsarbeit Moldens berichtet - bis auf kurzen Schwenks auf die Entführungen / Morde. Für einen Thriller fehlt mir die psychologische Tiefe.

Sehr positiv fiel mir die optische Gestaltung des Buches auf. Das Cover, der Titel und die roten Schnittkanten der Seiten mit den abgerundeten Ecken - so ein Buch nimmt man gern in die Hand, da hat der Fabulus-Verlag gute Arbeit geleistet. Um so erschrockener war ich, gleich auf der ersten Seite (S. 7) über einen schwerwiegenden Grammatikfehler zu stolpern: "...trug Jeans ... mit einer zu kurz geratener schwarzer Lederjacke darüber." Zum Glück blieb dies der einzige dicke Stolperstein, was die Sprache anging.

Fazit: Ein Krimi, den man gut zwischendurch wegschmökern kann 3***

Veröffentlicht am 05.09.2017

Unglaubwürdigkeit killt Spannung.

Aquila
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Das Buch beginnt mit einer sehr undurchsichtigen Ausgangslage: Nika erwacht in ihrem Bett in der WG in Sienna, sie vermisst Wohnungsschlüssel, Handy, ihren Pass, den Akku vom Notebook und ihre Mitbewohnerin ...

Das Buch beginnt mit einer sehr undurchsichtigen Ausgangslage: Nika erwacht in ihrem Bett in der WG in Sienna, sie vermisst Wohnungsschlüssel, Handy, ihren Pass, den Akku vom Notebook und ihre Mitbewohnerin Jenny. Dafür findet sie in der Wohnung ein blutiges Männer-T-Shirt und in ihrer Hosentasche eine rätselhafte Liste, auf der Notizen stehen wie "Weihnachten voller Angst" oder "Das Blut ist nicht deines".

Ursula Poznanski versteht es, Spannung aufzubauen, den Leser in eine rätselhafte Sitiation mitzunehmen. Am Anfang war ich wie Nika in den Bann dieses Rätsels gezogen, wollte unbedingt weiterlesen. Was war passiert und warum kann sie sich an die letzten zwei Tage nicht mehr erinnern? Doch je mehr sich Nika auf die Suche nach der Lösung machte, um so unglaubwürdiger wurde sie für mich. Warum agiert sie als einsame Heldin, anstatt sich Hilfe zu holen? Dass sie ihre Mutter und den arroganten Stiefvater nicht belästigt, okay, sie gönnt der Mutter die Reise. Aber am Rande wird eine beste Freundin in Deutschland erwähnt, jedoch nicht ein einziges Telefonat mit ihr. Konsulat, Anwalt, selbst der nicht immer nüchterne Vater, das alles wären aus meiner Sicht Anlaufstellen für eine verängstigte 19-Jährige.

Zunehmend gewann ich beim Lesen das Gefühl, die ganze Geschichte wurde um die ominöse Liste herum geschrieben und irgendwie passend gemacht. Mit Nika wurde ich nicht richtig warm, die Nebenfiguren wie Stefano oder der Skorpionmann blieben zwar eine Zeitlang interessant und sorgten für Spannung, aber spätestens bei der »logischen« Auflösung des Ganzen konnte ich nur noch den Kopf schütteln über deren Motive. Dass sich dann zum Schluss auch noch alle liebhatten, wurde es vollends unglaubwürdig. Ohne glaubwürdige Motive und Personen funktioniert eine Geschichte weder als Psychothriller noch als Jugendbuch. Schade, ich habe schon weit bessere Bücher von Ursula Poznanski gelesen.

Fazit: Unglaubwürdigkeit tötet Spannung. 3***

Veröffentlicht am 03.09.2017

Kann besser werden

Der König der Schweine
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Kitty Muhr ist (k)eine Traumfrau. Sie flucht, betrinkt sich in ihrer Lieblingskneipe und wirft ihrem Chef Respektlosigkeiten an den Kopf. Irgendwie scheint sie der Meinung zu sein, auf diese Weise in der ...

Kitty Muhr ist (k)eine Traumfrau. Sie flucht, betrinkt sich in ihrer Lieblingskneipe und wirft ihrem Chef Respektlosigkeiten an den Kopf. Irgendwie scheint sie der Meinung zu sein, auf diese Weise in der harten, von Männern dominierten Welt, und im Polizeialltag bestehen zu können. Ihr neuer Kollege Ali, ein kleinwüchsiger Kurde, bekommt Kittys emotionale Unausgeglichenheit immer wieder schmerzhaft zu spüren, während die Beiden gemeinsam eine Mordserie an schwarzen Jugendlichen aufklären sollen.
Ich fand relativ schwer Zugang zu Kitty, sie ist mir einfach zu widersprüchlich. Trotz der oben beschriebenen Schroffheit sucht sie eigentlich nur einen Mann, behandelt aber die Männer in ihrem Umfeld, als wären sie Dreck. Einzig Johnny, der Barkeeper, wird von ihr angeschmachtet. Und über ihre angeblich beste Freundin lästert sie gedanklich nur ab. Kittys Kollege Ali ist für mich die einzige sympathische Figur des Buches. Wie er Kitty erträgt, ihr Paroli bietet, das ist wahre Größe. Hier liegt für mich auf das größte Potential der Kitty Muhr Serie (ich hoffe doch, es folgen weitere Teile!) Mit Ali und Kitty hat Manfred Rebhandl zwei unverwechselbare Figuren geschaffen, zwischen denen eine permanente Spannung herrscht.
Der Autor spielt mit jeder Menge Klischees und Vorurteilen - gegenüber Flüchtlingen, Migranten, kleinen Männern, unterbügelten Frauen ... Dem Leser wird ein Spiegel vorgehalten, denn manche der von den Figuren laut ausgesprochenen abfälligen Bemerkungen hat man zumindest schon selbst gedacht. An vielen Stellen überspitzt Rebhandl so herrlich, dass ich breit grinsen musste. An einer Stelle allerdings blieb mir das Lachen im Halse stecken - als der wahre Grund des Einsatzes der Frauen für die Flüchtlinge ans Licht kam. Das geht meiner Meinung nach zu weit und unterstellt zumindest unterschwellig unzähligen engagierten Frauen niedere Motive.

Humor, Flüchtlinge, ...da war doch noch etwas? Ach ja, das Buch ist ein Krimi. Tatsächlich ermitteln Kitty und Ali auch ein bisschen. Aber die Aufklärung des Mordes scheint eher nebensächlich und dient meiner Meinung nach hauptsächlich als Kulisse, um die lustigen Einfälle des Autors in Szene zu setzen. Das finde ich schade, denn beim Leser weckt das Wort Krimi auf dem Einband Erwartungen, die aus meiner Sicht nur teilweise erfüllt wurden. Auch die auf dem Cover abgebildete tote junge Frau hat nichts mit der Story zu tun. Warum ist sie dann drauf?

Fazit: 3*** und neugieriges Warten auf die hoffentlich folgenden weiteren KRIMIS mit Kitty und Ali.

Veröffentlicht am 03.09.2017

Nette Idee, aber verbesserungswürdig

Friedhof der Badeenten
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Die Idee ist nicht neu. Schon meine Kinder hatten, als sie ganz klein waren, sogenannte "Sabbel-Bücher", die sie mit Hand und Mund erforschen und mit in die Badewanne nehmen durften. Statt Bildern von ...

Die Idee ist nicht neu. Schon meine Kinder hatten, als sie ganz klein waren, sogenannte "Sabbel-Bücher", die sie mit Hand und Mund erforschen und mit in die Badewanne nehmen durften. Statt Bildern von Frosch, Ente und Ball finden wir in diesem Wannenbuch für Erwachsene eng gedruckte Zeilen einer kriminellen Geschichte.
So ein wasserunempfindliches Buch mit in die Wanne zu nehmen, hat schon was. Man muss keine Angst haben, dass die Seiten sich wellen oder das Buch sonst irgendeinen bleibenden Schaden nimmt.
Als witziges Geschenk für jemanden, der gern badet oder sich gerade eine neue Badewanne gegönnt hat, ist das Buch prima geeignet.

Aber: Die Qualität, zumindest meines Büchleins, ist nicht so besonders. Die Seiten liegen nicht glatt aufeinander, das Buch ist in sich verzogen, und stur bleibt es in dieser schiefen Position. Dadurch bedingt bleibt das Büchlein auch nicht stehen, wenn man es hinstellt. Und dabei passt es farblich so hervorragend zu unseren neuen Fliesen und wäre als Bad-Deko bestens geeignet! Das Material ist weicher Kunststoff, der nach dem Auspacken sehr chemisch roch. Was da wohl alles ausdünstet? Das passt nicht wirklich zu einem gesunden Wannenbad mit rein natürlichen Badezusätzen. Die Schrift ist so klein, dass manch einer sich gezwungen sehen wird, die Lesebrille mit in die Badewanne zu nehmen. Will man das? Und schließlich der Krimi. Sehr kurz, was bei 8 Seiten abzüglich Cover und Rückseite = 6 Seiten natürlich zu erwarten war. 15 Minuten braucht man dafür vielleicht, wenn man die Geschichte jemandem langsam und deutlich vorliest, sonst sind weit weniger als 10 Minuten. Bevor es überhaupt spannend werden kann, ist der Krimi schon wieder vorbei. "Friedhof der Badeenten" ist meiner Meinung nach eine Anspielung auf Steven Kings "Friedhof der Kuscheltiere". Klingt gut und irgendwie auch witzig. Warum also nicht ein anderes Genre für so ein Wannenbuch? Etwas Humorvolles vielleicht, z.B. Zungenbrecher, die man in der Wanne üben kann oder witzige Gedichte oder Lieder.

Fazit: Schöne Idee, nettes Geschenk, aber verbesserungswürdig. 3***