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Veröffentlicht am 07.09.2023

Zwischen Kind und Karriere

Die Reporterin - Worte der Wahrheit
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Für Malou könnte es kaum besser laufen. Beruflich startet sie weiter richtig durch, hat eine gute Nase für kommende Stars wie z.B. die Rolling Stones oder Jimi Hendrix und interviewt die ganz Großen wie ...

Für Malou könnte es kaum besser laufen. Beruflich startet sie weiter richtig durch, hat eine gute Nase für kommende Stars wie z.B. die Rolling Stones oder Jimi Hendrix und interviewt die ganz Großen wie Romy Schneider oder Heinz Rühmann. Auch privat hat sie ihr Glück gefunden, geheiratet und eine Tochter bekommen, aber ihre Arbeit will sie deswegen nicht aufgeben. Doch ereilt sie ein Schicksalsschlag und stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf.
„Siehst du, Marie, nicht jede Wahrheit macht auch glücklich!“ (S. 30) Außerdem weiß sie endlich, wer ihr leiblicher Vater ist, aber das stürzt die Familie ins nächste Problem – ihr „Erzeuger“ sucht nämlich den Kontakt zu ihrer Mutter und bringt damit deren Ehe in Gefahr.

Genauso spannend und rasant, wie der erste Band geendet hat, geht es in „Worte der Wahrheit“ weiter. Teresa Simon erzählt Malous Schicksal vor dem Hintergrund der bewegten Jahre 1965 bis 1969. Die Welt ist im Wandel, die Bader-Meinhof-Gruppe startet erste Aktionen, Martin Luther King und JFK werden erschossen, der Prager Frühling macht den Menschen in Ost und West Mut auf einen politischen Wandel, die Studentenunruhen in München und Berlin erschüttern Deutschland und in München dreht sich bald alles nur noch um die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen 1972. Malou berichtet über viele dieser Ereignisse aus ihrer (weiblichen) Sicht, so schreibt sie z.B. ein Portrait über Kings Witwe. Sie vertritt ihre Meinung bei den Redaktionskonferenzen sehr direkt und lässt sich auch von neuen Kollegen nicht unterbuttern.
Doch der Spagat zwischen Kind und Job ist nicht einfach und bringt sie oft an ihre Grenzen und zum Zweifeln – ist sie genug für ihre Tochter da? Zum Glück hat sie ein großes Netzwerk, das sie bei deren Erziehung unterstützt. Dazu gehören neben ihrer Mutter u.a. ihre Freundin Roxy, die erste Erfolge als Schlagersängerin feiert, oder der Fotograf Samy, der Pate ihrer Tochter, aber auch ihre Kolleginnen Adrienne und Ella aus der Redaktion.

Malou hat mich wieder beeindruckt. Trotz ihrer privaten Probleme leistet sie in der Redaktion großartige Arbeit und gerät nicht in Versuchung, aus den ihr von den Stars und Sternchen anvertrauten Geheimnissen Kapital zu schlagen. Sie hat ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Interviewpartner und beweist bei ihren Fragen viel Fingerspitzengefühl, stellt niemanden bloß und lässt sich nicht anmerken, wenn sie ihr Gegenüber persönlich mal nicht mag. Außerdem ist sie entgegen ihrer Bedenken eine großartige Mutter.

Mir hat gefallen, wieviel Mitmenschlichkeit, Kameradschaft und Frauenpower Teresa Simon in die Handlung einfließen lässt, ohne dabei kitschig zu werden oder zu überzeichnen. Aber sie übt auch harte Kritik am Nationalsozialismus und den Künstlern, die damals Karriere gemacht und das später verleugnet haben.

Ich habe auch diesen zweiten Band wieder an nur zwei Abenden förmlich inhaliert und mit Malou gebangt und gehofft, denn bei Teresa Simons Büchern gilt: Buch an – Alltag aus.

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Brunngries – ein Ort für Gewinner

Prost, auf die Pfennigfuchser
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Eigentlich will Hauptkommissar Constantin Tischler einen gemütlichen Sonntag mit seiner Freundin Britta verbringen, aber da platzt seine Nachbarin rein, weil deren Freundin sie nicht wie versprochen zur ...

Eigentlich will Hauptkommissar Constantin Tischler einen gemütlichen Sonntag mit seiner Freundin Britta verbringen, aber da platzt seine Nachbarin rein, weil deren Freundin sie nicht wie versprochen zur Wanderung des Frauenbundes abgeholt hat. Frau Kneidinger ist überzeugt, dass etwas passiert sein muss, und leider hat sie Recht. Gudrun Zettelwieser, die Filialleiterin einer Privatbank, liegt erschlagen in ihrem Haus.
Die erfolgversprechendste Spur bei ihren Ermittlungen führt Hauptkommissar Tischler und seinen Spezi Polizeiobermeister Fink in die Privatbank, die die Tote geleitet hat. Davon sind aber leider weder Polizeioberrat Schwenk noch der Brunngrieser Bürgermeister begeistert, schließlich gehörten die Herren auch zu Kunden der Verstorbenen und lassen auf die Zettelwieser nichts kommen: „Zerstören Sie das Lebenswerk der Frau nicht. Sie war das Gesicht der Bank und hat diese repräsentiert.“ (S. 214).

„Prost, auf die Pfennigfuchser“ ist schon der 8. Krimi der Reihe und genau spannend und unterhaltsam wie seine Vorgänger. Diesmal haben Tischler und Fink nicht nur ihre Vorgesetzten im Nacken sitzen, sondern auch Tischlers Nachbarin. Die alte Frau Kneidinger ist zwar schon über 80, aber fest davon überzeugt, den Fall allein lösen zu können. Schließlich kennt sie alle Mitglieder des Frauenbundes und andere Freunde oder Feinde hatte die Tote ihrer Meinung nach nicht.

Neben den Mordermittlungen kümmert sich Tischler um zwei weitere Brunngrieser Problemfälle. Der Automechaniker Steiner scheint nicht von seiner Vergangenheit loszukommen, bzw. diese nicht von ihm, und die ehemaligen Feindinnen Nori und Tereza hecken irgendwas etwas zusammen aus. Ob da alles mit rechten Dingen zugeht?!
Außerdem will Britta endlich mit ihm zusammenziehen und legt bei der gemeinsamen Wohnung ihr Augenmerk leider auf ganz andere Dinge als er. Während es ihr nichts ausmachen würde, wenn auf dem Balkon nicht gegrillt werden darf, versteht er nicht, wofür sie eine Frisierkommode braucht. Und eine Wohnung, in der Hunde verboten sind, geht schon mal gar nicht. Schließlich kommt Dackeldame Resi regelmäßig zu Besuch.

Ich mag, wie es in der Reihe menschelt. Tischler und Fink liefern sich herrliche Wortgefechte, wobei Fink bei seinen Repliken immer besser wird. Es macht Spaß, die Entwicklung der Charaktere zu verfolgen und ich hoffe, dass sie noch viele Fälle lösen werden – natürlich mit Resis tatkräftiger Unterstützung.

5 Sterne für diesen kultigen Krimi mit viel Lokalkolorit!

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Stagehand

Inside Underdog
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„Für A. Danke, dass du mich gesehen hast.“ (S. 59)
Sie ist eine von den Unsichtbaren, deren Arbeit lange vor Beginn der Konzerte oder Theateraufführungen beginnt und erst lange danach endet. In Spitzenzeiten ...

„Für A. Danke, dass du mich gesehen hast.“ (S. 59)
Sie ist eine von den Unsichtbaren, deren Arbeit lange vor Beginn der Konzerte oder Theateraufführungen beginnt und erst lange danach endet. In Spitzenzeiten arbeitet bis zu 26 Stunden am Stück, für ein minimales Gehalt, ohne Überstunden- oder Nachtzuschläge, ohne Sozialversicherung.

Sie, die Namenlose, gehört zu den Stagehands (BühnenarbeiterInnen), wird von Lieferanten und Chefs zwar gesehen und oft auch belästigt, aber man merkt sich ihren Namen nicht. Warum auch, die meisten halten eh nicht lange durch.

Sie hatte mal den Traum von einem Mann und Kindern, einer „richtigen“ Arbeit nach ihrem Studium an der Theaterakademie. Jetzt freut sie sich über ein Feierabendbier, auch wenn es 7 Uhr morgens ist, und träumt von einer Sozialwohnung. Sie ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen. „Fünf Minuten reichen ihr, um zu verstehen, dies hier ist ein harter Boden, auf dem sie aufgeschlagen ist.“ (S. 29)

Wer das Nachwort liest erfährt, dass Iris Antonia Kogler in „Inside Underdog“ Szenen aus ihrem eigenen Leben erzählt, dass sie in ihrem Buch Menschen verewigt und ihnen eine Stimme gibt, die sie in einem ihrer unzähligen Jobs kennengelernt hat.

„Inside Underdog“ ist ein Buch, das beeindruckt, nachdenklich macht und aufwühlt. In eindringlichen, kurzen, klaren, sehr lakonischen und oft leidenschaftslosen Sätzen erzählt die Autorin von einem harten, nüchternen Arbeits- und leider auch ähnlich trostlosen Privatleben. Denn nicht nur das Geld, auch die Freizeit ist knapp, wenn Sie an 6 – 7 Tage pro Woche für einen Hungerlohn arbeiten muss. Es macht mich sprachlos, dass Sie sich zusätzlich auch noch gegen sexuelle Anspielungen und Übergriffe wehren muss. Ja, der Messebau ist eine männliche Domäne, das kenne ich aus dem Bauwesen nicht anders, trotzdem sind wir Frauen auch Menschen und keine Objekte ...
Diese autofiktionale Erzählung findet hoffentlich viele Leser und bleibt wegen der erzählten Schicksale im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Das perfekte Buch für Anfänger und Fortgeschrittene

Brot im Topf
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Ich backe unser Brot seit über 15 Jahren selbst und bin immer auf der Suche nach neuen Rezepten. Das besondere bei diesem Buch ist, dass die Brote alle auf Sauerteig basieren, also ohne Hefe auskommen, ...

Ich backe unser Brot seit über 15 Jahren selbst und bin immer auf der Suche nach neuen Rezepten. Das besondere bei diesem Buch ist, dass die Brote alle auf Sauerteig basieren, also ohne Hefe auskommen, und in einem gusseisernen Topf gebacken werden. Durch das Backen im Topf bekommen die Brote eine besonders schöne Krume und Kruste, da die Temperatur stabil und die Feuchtigkeit gleichmäßig bleiben.

Unterstützt durch aussagekräftige Fotos erklärt die Autorin, welche Gerätschaften benötigt werden, wie man Sauerteig selber züchtet, aufbewahrt und auffrischt und den Teig dann letztendlich zubereitet (Sauerteig ansetzen, Autolyse, Kneten, Teigruhe, Wirken und Falten). Dabei ist jeder Schritt sehr genau und verständlich erklärt. Außerdem geht sie auf die verschiedenen Mehl-und Salzsorten und ihre Besonderheiten ein.
Ich höre oft die Kritik, dass man (zu) viele verschiedene Mehle braucht, wenn man nicht immer das gleich Brot backen will. Aber da kann ich Euch beruhigen, man kann durchaus auch mal eins ersetzen, wenn man es nicht vorrätig hat (im Internet findet man passende Tabellen). Mit der Zeit hat man dann im Gefühl, ob man evtl. die Wasser- oder Salzmenge anpassen muss. Also ruhig mutig sein und ausprobieren.

Bei den Rezepten gefällt mir besonders die Abwechslung und Vielfältigkeit. Neben klassischen und Anfängerbroten (ich empfehle da das Weizen-Mais-Brot), gibt es aromatische Brote (Buttermilch-Bier-Brot), Brote mit Gemüse (Karotte mit Kreuzkümmel) und Fantasiebrote (Miso mit Sesam). Ergänzt werden sie durch je zwei „Brotzeit“-Doppelseiten mit passenden Rezepten für Brotbeläge, Aufstriche, Pasten etc.

Ich bin begeistert und finde das Buch wegen der wirklich sehr guten Schritt-für-Schritt-Anleitungen auch für Anfänger perfekt geeignet. Fortgeschrittene Bäcker werden sich über die neuen und ausgefallenen Rezepte freuen.

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Veröffentlicht am 30.08.2023

Schinkenleiche

Sonne über Gudhjem
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„Er würde das beschauliche Leben eines kleines Landpolizisten führen, ohne Stress und Hektik.“ (S. 12) Nach über 20 Jahren im internationalen Einsatz kehrt der Kripo-Beamte Lennart Ipsen in seine alte ...

„Er würde das beschauliche Leben eines kleines Landpolizisten führen, ohne Stress und Hektik.“ (S. 12) Nach über 20 Jahren im internationalen Einsatz kehrt der Kripo-Beamte Lennart Ipsen in seine alte Heimat zurück, die dänische Urlaubs- und Ostseeinsel Bornholm. Er wird der Leiter des polizeilichen Ermittlungsdienstes für personengefährdende Kriminalität im Polizeiposten der Inselhauptstadt Rønne, rechnet aber eher mit Verkehrsdelikten, Schlägereien oder Urlaubern, die sich beim Pilzesammeln verlaufen, als mit echten Kriminalfällen. Wahrscheinlich kann er mit seinen Kolleginnen Britta und Tao eine ruhige Kugel schieben und das Inselleben genießen, endlich mal runterkommen und seinen Burnout verarbeiten.
Doch es kommt anders. Noch bevor er seine Sachen ausgepackt und sämtliche Möbel aufgebaut hat, wird er zum Hof des Schweinebauer Kristensen gerufen, der zusammen mit einigen Schweinehälften heißgeräuchert in der Räucherkammer liegt. Bei ihren Ermittlungen stellen Lennart und sein Team schnell fest, dass der Tote ein echter Choleriker war und viele Feinde hatte, angefangen bei seinen direkten (deutschen) Nachbarn, die sich regelmäßig über den Schweinegeruch aufregten, über seine Ex-Frau, Tochter und Schwester bis hin zu seinen Kunden – er lag mit so ziemlich jedem im Clinch. Aber wer von ihnen würde ihn deswegen umbringen?!

Nachdem ich alle Bücher von Klüpfel und Kobr kenne war ich gespannt, wie sich Michael Kobr solo schlägt und ich muss sagen, er kann auch allein echt tolle Krimis schreiben.

Lennart (man duzt sich in Dänemark) ist bodenständig, frisch geschieden, aber nicht unglücklich, hat zwei Teenagertöchter, die mit ihrer Mutter in Rügen und somit gar nicht so weit weg wohnen, und einen Vater mit Gartentick. Außerdem ist er ein toller Vorgesetzter, der sich um das Arbeitsklima und seelische Gleichgewicht seiner Mitarbeiterinnen sorgt und weiß, wo seine Fehler und Schwächen liegen. Der Neuanfang in Bornholm fällt ihm leicht, dank des Falls arbeitet er sich gleich in die Besonderheiten der Insel und ihrer Bewohner ein. So hat seine Kollegin Britta noch einen Zweitjob, nachdem sie nach Möglichkeit ihre Dienste einteilt, und Tao bleibt lieber auf dem Revier und kümmert sich um den ganzen Technikkram und die Hintergrundrecherche, als zu Tatorten oder Befragungen zu fahren. Schwierigkeiten macht ihm nur sein Vorgänger, der sich nach wie vor in die Ermittlungen einmischt.

Ich mochte Lennart, Britta und Tao sofort und konnte mir Bornholm sehr gut vorstellen. Geschickt lässt Michael Kobr die landestypischen Spezialitäten und Delikatessen, Lennart ist einem guten Essen nie abgeneigt, und handwerklichen Erzeugnisse in die Handlung einfließen. Nur auf Geräuchertes habe ich nach dem, Lesen erst mal keinen Appetit mehr 😉.
Besonders interessant fand ich den historischen Hintergrund der Insel, die als Nato-Gebiet im kalten Krieg eine besondere Rolle spielte und damals wie heute gern von den Russen überflogen wurde, um zu provozieren.

Der Kriminalfall ist spannend und sorgt durch überraschende Wendungen dafür, dass man bis zum Ende miträtseln kann. Auch der typische Humor, den ich bei der Kluftinger-Reihe so mag, findet sich wieder.

Mein Fazit: Ein toller Reihenauftakt, der unbedingt nach weiteren Fällen auf Bornholm verlangt!

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