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Veröffentlicht am 03.09.2023

ich will mehr

Tinte und Knochen – Die Magische Bibliothek
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„Du bist klug, Jess, aber Dad liegt in einer Sache falsch: Du hast nicht nur Tinte im Blut. Sie steckt dir in den Knochen. Dein Skelett ist schwarz davon.“ (S. 51)

Wie könnte eine Welt aussehen, die von ...

„Du bist klug, Jess, aber Dad liegt in einer Sache falsch: Du hast nicht nur Tinte im Blut. Sie steckt dir in den Knochen. Dein Skelett ist schwarz davon.“ (S. 51)

Wie könnte eine Welt aussehen, die von der glorreichen Bibliothek in Alexandria regiert wird, welche das Wissen mit allen teilt und Bücher als höchstes Gut sieht. Höher sogar als ein Menschenleben?
Zumindest die Brandschatzer, die sich gegen das Monopol der Bibliothek auflehnen, sind der Meinung: Vita hominis plus libro valet. Ein Leben ist mehr wert als ein Buch.

„Jess war zum Schmuggler erzogen worden, hatte gelernt, dass Bücher wertvolle Handelsgüter waren und seine Familie ein grundsätzliches menschliches Bedürfnis stillte.“ (S. 202) Schon als Kind hat Jess Brightwell Bücher quer durch London geschmuggelt und im Alter von 10 Jahren ein grauenhafte Erlebnis gehabt: er hat einen Tintenlutscher bei seiner Aufnahme beobachtet, was ihn nachhaltig beeinflusst hat.
Sechs Jahre später vergräbt Jess sich am liebsten in Originalbücher, denn dem Kodex der Bibliothek fehlt es an Papier und Tinte. Es fühlt sich einfach ganz anders an, ein echtes Buch zu lesen. Seinem Vater geht das Verhalten seines mittleren Sohnes gegen den Strich, doch er hat in seine Bildung investiert und möchte die Früchte früher oder später ernten. Deswegen muß Jess an dem Aufnahmetest für eine Ausbildung in der Bibliothek teilnehmen, und möglichst auch bestehen. „Einen Sohn im Bibliotheksdienst zu wissen, könnte dem Clan von immensem Nutzen sein. […] Ich will, dass du unser Ass im Ärmel bist … und vielleicht unser Fürsprecher für den Fall aller Fälle, sollten die Brightwells einmal einen brauchen. Die Bibliothek regiert die Welt, mein Sohn.“ (S. 44-45) Es beginnt ein Abenteuer, daß nicht nur Jess’ Leben verändert.

Tinte und Knochen ist nicht nur voll mit Liebe zu Büchern, sondern auch mit Freundschaften, Feinden, einem strengen Gelehrten in einer schwarzen Robe, Krieg, Intrigen und vielen Gefahren. Man lernt die Postulanten, wie die Schüler genannt werden, kennen und lieben, erlebt Abenteuer mit ihnen und verfolgte ihre Entwicklungen. Nebenbei erfährt man durch geheime Schriften, wie die Bibliothek funktioniert, welche Hintergründe einige Entscheidungen haben und daß nichts so ist, wie es scheint. Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven, denn es werden Bücher und Menschen in Brand gesteckt, Herzen gebrochen und Verlust erfahren. Aber es lohnt sich.

„Gib nach. Gib auf.
Überlebe.“ (S. 458)

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Veröffentlicht am 25.07.2023

Was für ein Schatz, mal was anderes

Die Kristallelemente (Band 1)
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„Ein Mensch definiert sich nicht immer über das, was er getan hat, sondern über das, was er bereit ist zu geben, um andere zu schützen.“ (S. 168)

Warum hat mich niemand darauf hingewiesen, was für ein ...

„Ein Mensch definiert sich nicht immer über das, was er getan hat, sondern über das, was er bereit ist zu geben, um andere zu schützen.“ (S. 168)

Warum hat mich niemand darauf hingewiesen, was für ein Schatz auf meinem SuB lagert? Ich bin froh, ihn endlich gehoben zu haben und will mehr!

Amara trägt hübsche Kleider, weil ihre Mutter das will, und plant ihre Flucht, weil ihr Vater sie mit einem gewalttätigen Earl verheiraten will. Einzig ihre Großmutter wußte um ihre Gabe und Sehnsucht, und wurde als Hexe verbrannt.
Der nahende Sturm verkündet Amara, daß er die gefürchteten schwarzen Piraten mitbringt, die regelmäßig Dörfer plündern und Frauen entführen. Sie werden ihr nicht nur die Ablenkung geben, die sie braucht, um von ihrer Familie zu fliehen, sondern auch den Grund, warum nicht nach ihr gesucht wird. Denn die entführten Mädchen kehren nie zurück, und Amaras Verschwinden wird für eine weitere Entführung gehalten werden. Bis eins dieser schwarzen Monster mit Seetanghaaren plötzlich vor ihr steht und ihren Plan von einem freien Leben voller Abenteuer zunichte macht.

Ich mag starke Frauen, die eine gewisse Macht besitzen und trotzdem ein liebenswürdiges Herz haben. Was ich nicht mag sind starke Frauen, die aufmüpfig sind um der Aufmüpfigkeit wegen, was leider mittlerweile in vielen Büchern Gang und Gebe ist. Amara provoziert ihren Entführer teilweise nur um des Provozierens willen, sie hört ihm nicht zu und bringt sich dadurch in Gefahr. Selbst wenn man denkt, man wäre nichts als eine Ware, sollte man Warnungen, die den Tod bedeuten, ernst nehmen.
Nichtsdestotrotz hat mich diese Geschichte gefangen. Es geht um Piraten, Magie, Hexen, Monster und eine Reise. Es geht um Wachstum, Freundschaft und Rache. Schon nach dem ersten Kapitel wollte ich Amara nicht mehr von der Seite weichen und war gespannt, was für ein Abenteuer das Meer für sie bereit hält und welche Magie in ihr schlummert. Was mich so gefesselt hat, ist das Neue, das Andere, das Aufregende und brauche Meer!

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Veröffentlicht am 06.07.2023

Sehr spannend

Feindflugblätter des Zweiten Weltkriegs
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Ich bin beim Berliner Bücherfest wegen des Titels auf dieses Buch aufmerksam geworden Gerade weil es nicht nur Flugblätter von einer Seite, sondern von allen Kriegsparteien für den jeweiligen Feind sind, ...

Ich bin beim Berliner Bücherfest wegen des Titels auf dieses Buch aufmerksam geworden Gerade weil es nicht nur Flugblätter von einer Seite, sondern von allen Kriegsparteien für den jeweiligen Feind sind, ist diese Sammlung besonders spannend.
Der Herausgeber des Verlages war merk-würdig, genau wie die Bücher. Die Aufmachung ist einzigartig und speziell. Ich hatte zuerst ein Buch über Sprache in der Hand, mit grellorangen Hervorhebungen und verschiedenen Satzausrichtungen, Schriftgrößen und allerlei Besonderheiten. Und dann kam mir dieses Buch unter, das ich dankenswerter Weise geschenkt bekommen habe. Beim groben Durchblättern fallen natürlich die einzelnen Flugblätter auf, mit ihren Karikaturen, ihrer prominenten Schrift, aber auch ihrem schlechten, aber auch guten Zustand. Was haben diese Flugblätter durchgemacht, um am Ende in diesem Buch zu landen? Bei einem zweiten Blick fallen die Details auf, z.B. steht unten auf der Seite, von wem das Flugblatt geschrieben und an wen es in welchem Jahr und in welchem Land/ Gebiet gerichtet war. Hinzu kommen die Maße; erstaunlicherweise sind die Flutblätter meistens in Originalgröße abgedruck.
Das Buch ist nicht nur eine Sammlung an Flugblättern, sondern erzählt auch die Geschichte dieser in kurzen Texten mit Verweisen auf die zu den Kapiteln passenden Bildern. Als Geschichtsinteressierter wirklich sehr spannend.

Da es nicht nur Blätter der Alliierten in Deutsch gibt, sondern auch welche von den Deutschen an Amerikaner, Briten und Sowjets, gibt es am Ende Übersetzungen der Texte. Und ein Abschlußwort, wie es zu der Sammlung an Flugblättern gekommen ist.

Ich habe Tage mit diesem Buch verbracht, mit Lesen, mit Betrachten, mit Vergleichen. Und am Ende könnte ich direkt von vorn beginne, mein Wissen mit den Flugblättern der ersten Seiten vergleichen und alles Revue passieren lassen. Dieses Buch ist wirklich einzigartig, spannend und hervorragend geeignet, um mehr über Kriegspropaganda zu lernen. Welche (Stil-)Mittel wurden zu welcher Zeit benutzt und mit welchen Intentionen. Die Einleitungen zu den einzelnen Kapiteln sind informativ und kurzweilig. Das einzige, was mich gestört hat, war das Gendern über die Studentenbewegung Die Weiße Rose. Aber das ist wohl persönliche Referenz.

Veröffentlicht am 05.05.2023

Toller Auftakt

Die Gargoyles von Notre Dame
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„Ob der Tag tatsächlich beschissen, wirst du am folgenden Morgen wissen.“ (S. 74)

Während Henri sein Glück noch gar nicht richtig fassen kann, daß er sein Gesellenstück vollendet hat, wird er vom Neid ...

„Ob der Tag tatsächlich beschissen, wirst du am folgenden Morgen wissen.“ (S. 74)

Während Henri sein Glück noch gar nicht richtig fassen kann, daß er sein Gesellenstück vollendet hat, wird er vom Neid seines Mitlehrlings Albirich über die Brüstung geschubst. Unverhofft landet er in der purpurnen Gallerie, ein Ort, den niemand seines Standes betreten darf. Schon gar nicht an einem Abend, an dem ein Adliger mit einem Gargoyle verbunden werden soll.
Selbstverständlich hat Henri sofort die Aufmerksamkeit von allen steinernen Wächtern, doch einer ist besonders neugierig. „Bevor Henri eine Antwort auf diese Frage ersinnen konnte, bebte der Boden unter seinen Füßen. Ein kleinerer Gargoyle war in seiner unmittelbaren Nähe gelandet. […] Der Gargoyle betrachtete ihn reglos.“ (S. 41)

Freiin Catia liebt das Land und die Leute um es herum. Ihr Jugendfreund Bastien hat ihr das Herz gestohlen und sie ist bereit, mit ihm durchzubrennen. Doch dann kommen die Steuereintreiber, die Frankreichs einfache Leute in den Ruin treiben und Bastien verrät Catia. Plötzlich steht sie ganz alleine da und hat nichts, außer ihrem Namen. Und den Wunsch im Herzen, es möge alles besser werden.

Frankreich im 18. Jahrhundert ist eine Monarchie; beherrscht von den ersten beiden Ständen (Adel und Kirche), schuftet der dritte Stand für einen Hungerlohn. Doch die Stimmen einiger Freigeister werden immer lauter, und Henri und Catia befinden sich mitten drin.

Greg Walters hat es wieder geschafft, einen historischen Roman mit phantastischen Elementen zu spicken, sodaß man beim Lesen das Gefühl hat, es wäre alles genau so geschehen und Gargoyles sind ein fester Bestandteil der Geschichte.
Henri und Catia sind zwei sehr spannende Charaktere, die für viel Unruhe sorgen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit den beiden in der französischen Revolution weiter geht, vor allem jedoch mit Henri und seinem Gargoyle.

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Veröffentlicht am 06.04.2023

wundervoller Auftakt

Scholomance – Tödliche Lektion
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„Ich machte mir tatsächlich Sorgen, ich könnte durch zu viel Häkeln auf die dunkle Seite gezogen werden.“ (S. 220)

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf dieses Buch gestoßen bin, doch bin ich froh, daß ...

„Ich machte mir tatsächlich Sorgen, ich könnte durch zu viel Häkeln auf die dunkle Seite gezogen werden.“ (S. 220)

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf dieses Buch gestoßen bin, doch bin ich froh, daß es passiert ist. Auch wenn ich leichte Startschwierigkeiten hatte, die nichts mit dem Buch, aber viel mit meiner chronischen Müdigkeit zu tun haben, bin ich am Ende doch total begeistert von der Lektüre.

Galadriel ist Schülerin der elften, und damit vorletzten, Klasse der Scholomance. Das ist eine Magierschule, die mächtige Zauberer in die Leere gebaut haben und praktisch ohne Lehrpersonal funktioniert. Die Schule kümmert sich um vieles, trotzdem ist jeder Tag ein Kampf. Scholomance besteht aus Schlafsälen, einem Speisesaal, Klassenzimmern und Laboren für Alchemie und anderen praktischen Fächern. Außerdem beherbergt sie Maleficaria, böse Wesen, die alles, was Mana besitzt, aussaugen oder fressen wollen. Oder beides. Und gerade junge Zauberer sind voll mit Mana.
Vor allem als Einzelgängerin, wie El eine ist, muß man besonders aufpassen. Gruppen werden seltener angegriffen.
Sie erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive, und spickt sie mit allen nötigen und unnötigen Informationen. Manche Gedankengänge konnte ich nicht ganz nachvollziehen, weil sie zu verworren und kompliziert sind, doch finde ich ihr Wesen und Verhalten durchgehend sympathisch. Ihre Erzählweise ist trocken, gespickt mit dunklem Humor; genau mein Geschmack. „Weißt du, es ist geradezu beeindruckend […]. Du bist fast tot, und du bist immer noch der unhöflichste Mensch, der mir jemals begegnet ist.“ (S. 100)
„Ich ließ mich hart auf die Bank zurückfallen und fühlte mich definitiv wieder wie ich selbst. Mit anderen Worten: furchtbar genervt.“ (S.208-209)

Es ist schwierig, das Leseerlebnis in Worte zu fassen, ohne allzu viel zu verraten. Natürlich geht es auch um einen Jungen, mit dem El auf gar keinen Fall zusammen ist; es geht aber auch um Klassenunterschiede, denn es gibt geschützte Zusammenschlüsse von Magiern, die Enklaven genannt werden, und es gibt die Unabhängigen, die es schwieriger im Leben haben; es geht aber auch um Freundschaft, um das eigene Wesen und eine Prophezeiung, mit der El mehr oder weniger hadert. Dieses Buch ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch ein kleines Erlebnis, und zum Glück der Beginn einer Trilogie.


„Meine Affinität ist die Massenvernichtung, weshalb ich nicht allzu viel Gelegenheit hatte, mich darin zu üben […].“ (S.45)

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