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lili_an

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Auf Elefantenrücken in die Andamanen-See

Dalee
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Auch in Indien hält die Industrialisierung ihren Einzug und macht mit all den neuartigen Maschinen die Elefanten nach und nach überflüssig. Als Bellinis Vater irgendwann verzweifelt genug ist, lässt er ...

Auch in Indien hält die Industrialisierung ihren Einzug und macht mit all den neuartigen Maschinen die Elefanten nach und nach überflüssig. Als Bellinis Vater irgendwann verzweifelt genug ist, lässt er sich anheuern mit seinem Elefanten und seiner Familie mit einem überfüllten Schiff auf die Andamanen-Inseln 700 Meilen entfernt umzusiedeln. Dort entsteht mitten im Dschungel eine neue Siedlung aus bunt zusammengewürfelten Siedlern aller möglichen Nationen, Religionen und Ansichten. Mithilfe ihrer Arbeitselefanten schlagen sie das Tropenholz, was ein harter Alltag ist. Bellinis Familie hängt ganz von ihrem Elefanten Dalee ab, den sie liebevoll umsorgen und als Teil der Familie betrachten. Aber leider ist Dalee nicht mehr der Jüngste und schließlich fängt sein Gehirn an ihm Streiche zu spielen.

Gastmann erzählt liebevoll von der gemischt-indischen Kultur mit einfühlsamen Details in Religion, Weltsichten, Alltagsleben und Kultur. Durch Bellinis Augen lernt man seine zahlreichen Nachbarn kennen sowie das Leben in Indien und im Andamanischen Dschungel.
Bellinis Leben und das seiner Familie wird durch ihren Elefanten Dalee gelenkt - er bestimmt indirekt wo sie leben und wonach sich ihr Alltag richtet. Allerdings befasst sich haupstächlich Bellinis Vater mit Dalee - Bellini selbst geht ihm dabei zwar zur Hand, sein Fokus in seinem jungen Leben liegt aber eher daruf sich an das neue Dschungel-Leben zu gewöhnen und die Inseln zu entdecken. Erst als er gegen Ende 12 Jahre alt wird, darf er allein mit Dalee losziehen.
Bellini vergöttert Dalee, sieht in ihm nicht nur das praktische Arbeitstier, sondern einen Bruder, einen Freund, engsten Verwandten und Superheld. Doch seine Kraft und Größe wird plötzlich zum Problem, als Dalee durch sein Alter beginnt zu vergessen - nicht nur Befehle und seine umgebung sondern auch die Menschen, die ihn schon sein ganzes Leben umsorgen.

Insgesamt ein sehr gut geschriebenes Buch, indem man durch Bellinis Augen das Leben der gemischt-indischen Dschungelsiedlung auf den Andamanen-Inseln liebevoll kennenlernt.
Mir kam im Hauptteil des Buches nur leider die Verbindung zwischen den Hauptcharakteren Bellini und den Elefanten Dalee etwas zu kurz.
Nichts desto trotz ein empfehlenswertes Buch!

Lieblingszitate:
"Von hier oben waren alle Reisenden gleich. […] Jeder fuhr über dieselbe See zu denselben Inseln, erfüllt von derselben, tröstenden Hoffnung."

"Immer menschlicher kamen mir die Elefanten vor, wenn ich sie betrachtete. Es waren Erwachsene und Kindsköpfe, Heißsporne und Weise, Geschicklichkeitskünstler und Tölpel, die von den reiferen Tieren lernten."

"Seine Augen sind meine, Junge, seine Ohren sind meine. Der Elefant ist ich, und ich bin er. Wir sehen dasselbe, wir hören dasselbe, wir fühlen dasselbe tief in unserem Herzen. Er dient mir, und ich diene ihm. Ein ganzes Leben schon. Glaubst du, ich sehe nicht, was mit ihm geschieht? Junge, er vergisst. […] Es kommt vielleicht der Tag an dem er uns nicht mehr erkennt."

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Frauenpower in der Medizin

Die Formel der Hoffnung
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Lynn Cullen nimmt einen mit in die USA der ~1940er Jahre.
Während die Welt im 2ten Weltkrieg gegen Deutschland kämpft, stellt sich Dorothy Hosrtmann mit ihren Forschungkollegen dem weitaus kleineren aber ...

Lynn Cullen nimmt einen mit in die USA der ~1940er Jahre.
Während die Welt im 2ten Weltkrieg gegen Deutschland kämpft, stellt sich Dorothy Hosrtmann mit ihren Forschungkollegen dem weitaus kleineren aber genauso tödlichen Feind: dem Polio-Virus. Keiner weiß, wie es die Kinder infiziert, wie es sich im Körper verbreitet oder was an dagegen unternehmen kann.
Kampflustig wirft sich Dr.Horstmann in den Ring und stößt dabei auf immer weitere Probleme wie den Misogynismus ihrer Zeit, der ihr die Forschung ordentlich erschwert, oder den wissenschaftlichen Wettlauf zwischen Forschungsgruppen um Publikationen und Fördergelder.

Wider Erwarten sind es in dieser männerdominierten Welt die Frauen, die die wichtigen Durchbrüche machen um Polio an den Kragen zu gehen. Als Dorothy endlcih die Gelder bekommt, um aufzudecken wie sich Polio im Körper verteilt, öffnet das der Forschungsgemeinde die Augen um eine wirksame Immunisierung zu entwickeln.

Man fiebert mit Dorothy und der ganzen Welt dem ende des Poliovirus entgegen. Lucy Cullen verbindet gekonnt historische Fakten mit einem gelungenen Schreibstil und lebenidgen Charakteren. Ich bn selbst Wissenschaftlerin und habe das Buch sehr genossen.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass die Storyline des Buches wirklich sehr nah an der Realität der Forschung liegt - im Mitteltelíl des Buches geht es lange kaum noch um Polio an sich sondern hauptsächlich um den Wettlauf zwischen Forschungsgruppen als erstes neue Ergebnisse zu publizieren und Forschungsgelder einzuwerben. Das hat völlig seine Daseinsberechtigung, hat meinenLesefluss allerdings etwas entschleunigt.

Alles in allem würde ich das Buch absolut empfehlen! Eine Erfolgsgeschichte von und für Frauen in der Wissenschaft, die außerdem die Welt von ~1940-1960 facettenreich und lebendig darstellt.

Lieblingszitate:

Du kannst überall Schlechtes finden, wenn du hinschaust, und hinschauen musst du, wenn du es bekämpfen willst. Aber du musst auch auf das Gute schauen, um dich daran zu erinnern, wofür du kämpfst.

Ich mag die tiefe Stimme. Es ist ihr egal, ob die hohe Stimme sich in den Vordergrund drängt. Sie weiß, dass sie stark ist.
Wie er die Beständigkeit der Bassstimme bewundert hatte, die sich bereitwillig hingibt, damit die andere aufsteigen kann. Hatte er ihr daals nicht das Geheimnis des Lebens verraten?

Dabei wusste dorothy besser als sonst irgendjemand, dass nur weil etwas nicht zu sehen war, es nicht bedeutete, dass es nicht existierte. Die stärksten Mächte der Welt waren für das bloße Auge unsichtbar. Wie Viren. Wie Antikörper. Wie Liebe.

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Veröffentlicht am 30.03.2024

Teenagertum, Drogenabhängikeit und andere Challenges

You'd be Home Now
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Während Joey gegen seine Drogensucht ankämpft, kämpft seine Schwester Emmy darum, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Ihre Eltern scheinen sich nur um seine Sucht zu kümmern und darum, wie sich diese auf ...

Während Joey gegen seine Drogensucht ankämpft, kämpft seine Schwester Emmy darum, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Ihre Eltern scheinen sich nur um seine Sucht zu kümmern und darum, wie sich diese auf ihre soziale Stellung auswirkt. Emmy liebt ihren Bruder zutiefst, leidet aber gleichzeitig unter dem gleichen Schmerz, den wohl jeder Teenager durchmacht.

"You'd be home now" erzählt die Geschichte eines Kampfes gegen die Drogensucht - aber diesmal aus der interessanten Sicht eines "Halb-Außenseiters", der die Kämpfe und Probleme aufzeigt, die dieses Thema für Familie und enge Freunde mit sich bringt.

Es ist zwar keine weltbewegend neue Geschichte, aber dennoch von äußerster Relevanz sowie ein Plädolyer für Akzeptanz für Betroffene und Heranwachsende im Allgemeinen.


Trigger: missbräuchliche Beziehung (sexuell, elterlich), Mobbing/ Meidung, Drogensucht, Tod, Autounfall, Gespräch über sexuellen Missbrauch, Depression, Gespräch über Selbstmord, Obdachlosigkeit, Gespräch über Krebs, Lernbehinderung.

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Veröffentlicht am 22.11.2023

Bürgerkrieg & AfterLife

Die sieben Monde des Maali Almeida
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3.5/ 5 Sterne

Nach seinem Tod "erwacht" Maali im Dazwischen. Zwischen Leben und Tod hat er 7 Monde lang Zeit auf sein Leben zurückzublicken, Frieden zu finden und weiter zu gehen.
Da Maali während dem ...

3.5/ 5 Sterne

Nach seinem Tod "erwacht" Maali im Dazwischen. Zwischen Leben und Tod hat er 7 Monde lang Zeit auf sein Leben zurückzublicken, Frieden zu finden und weiter zu gehen.
Da Maali während dem Bürgerkrieg 89 in Sri Lanka sein Ende gefunden hat und auch schon in den tumultreichen Jahren zuvor als Kriegsfotograph unterwegs war, gibt es einiges worauf er zurückblickt.
Seine Fotographien zeigen die Unmenschlichkeit des Bürgerkrieges, die Untaten die alle beteiligten Seiten einander angetan haben - und könnten einige Politiker ihr Amt Kosten sollten sie gefunden und publiziert werden.
Maali versucht seine engsten Vertrauten zu seinen Fotos und Negativen zu lotsen, um durch diese den Krieg und die Unruhen hoffentlich zu beenden. Dabei kommen ihm immer wieder auch Geister und Erinnerungen aus seinen Lebzeiten in die Quere.

In diesem einzigartigen Werk zeigt Shehan Karunatilaka eindrucksvoll auf, was für unmenschliche Konflikte sich in Sri Lanka 1980-90 abspielten. Ein unfassbar wichtiges und augenöffnendes Werk!
Durch die Kombination der Kriegsgeschichte mit der fiktiven Handlung des "Dazwischen" wird das ganze aufgelockert und die schwere Kost der Historie deutlich zugänglicher. Außerdem lernt man so auch die Mythenwelt kennen, was ich persönlich auch sehr interessant finde.
Mit den Charakteren bin ich leider nicht so ganz warm geworden - die konstante Misskommunikation zwischen jedem und allem und die stellenweise Unreife haben mich hier etwas gestört. Durch die verschiedenen Charaktere wird allerdings auch das Alltagsleben mit seinen Problemen und Vibes in Sri Lanka beleuchtet. Ich finde es bemerkenswert, wie eine handvoll Charaktere die wichtigsten Themen um Politik, Religion, Kolonialismus, finanzielle Ungleichheit und Umgang mit LGBTQ abbilden.
Der Schreibstil ist gut und lebendig, wenn auch für meinen Geschmack stellenweise etwas "artsy".

Das Thema ist keine leichte Kost, jedoch sehr gut verpackt und fesselnd präsentiert. Das Buch wird zwar nicht zu meinen all-time favourites, ist aber absolut empfehlenswert. Vorallem wenn man bislang noch keinen Kontakt mit Sri Lanka undseiner Geschichte hatte ein absolutes must-read.

Da die Handlung im Bürgerkrieg stattfindet enthält das Werk naturgemäß einige Trigger: Krieg, Folter, Gewalt, (Massen-)Mord, Kriegsverbrechen, Rassismus/ Tribalismus, Spielsucht, angedeuteter Missbrauch, Homo- (&Trans-)Feindlichkeit, (versuchter) Selbstmord



Lieblingszitate:
Alle Geschichten sind wieder aufgekocht, und alle Geschichten sind unfair. Viele werden mit Glück versorgt und viele mit elend. Viele wachsen in Häusern mit Büchern auf, viele im Sumpf des Krieges. Und am Ende wird alles zu Staub. Bei jeder Geschichte geht am Schluss das Licht aus.

[Du] fragst dich, warum manche Menschen Plakatwände kriegen und andere nichtmal Gräber. In all diesem Wahnsinn gibt es nur ein Wesen, an dessen Existenz du zweifelst. […] Jenes unmöglichste aller Fabelwesen: den ehrlichen Politiker.

Warum ist Sri Lanka denn Nummer eins bei den Selbstmorden? […] Weil wir gerade genug Bildung haben zu verstehen, dass die Welt grausam ist. Und gerade genug Korruption und Ungleichheit, um uns machtlos dagegen zu fühlen.

Du denkst an böse Ziele und an gute. An die Chancen, dass Gewalt Gewalt beendet, nämlich eins zu nichts, eins zu null, eins zu vergiss es.

Hab keine Angst vor Dämonen; die Lebenden sollten wir fürchten. Menschliche Monster übertrumpfen alles, was Hollywood oder das Jenseits zu bieten haben.

Jeder von uns braucht einen aussichtlosen Zweck, für den er leben kann, denn warum sonst überhaupt atmen?

Ich weiß nicht, warum Menschen zerstören, wenn sie auch erschaffen könnten. Solche Verschwendung.

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Veröffentlicht am 12.11.2023

Goldkind

Goldkind
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3.75/5

Dieses Buch ist zwar vergleichsweise kurz, aber keine leichte Kost. Claire Adams erbaut ein moralisches Dilemma über den Wert eines Lebens. Ist der eine Zwilling es Wert gerettet zu werden, auf ...

3.75/5

Dieses Buch ist zwar vergleichsweise kurz, aber keine leichte Kost. Claire Adams erbaut ein moralisches Dilemma über den Wert eines Lebens. Ist der eine Zwilling es Wert gerettet zu werden, auf Kosten der blendenden Zukunft des anderen? Clyde, der Familienvater, sieht sich vor eine schwere Entscheidung gestellt.
Trinidad wird kritisch unter die Lupe gelegt - die Geschichte an sich erzählt von vielen Makeln mit denen das Land zu kämpfen hat. Und dennoch kann man nciht anders, als sich auch in die Natur und Nächstenliebe der Charaktere zu verlieben.


Trigger-Warnungen: Entführung, sexueller Missbrauch, Gewalt, Mord

Lieblingszitate:
Er spricht von den Veränderungen in Trinidad, die er in letzter Zeit beobachtet hat: Immer mehr Leute haben Satellitenschüsseln auf den Dächern, fast alle haben einbruchsichere Gitter vor Fenstern und Türen, gerüchteweise hat er aus verlässlichen Quellen gehört, dass jede Menge gut ausgebildete Ausländer nach Trinidad kommen und dass in Point Lisas, gleich neben dem Industriegebiet, eine ganze Anlage inklusive Swimmingpool für die Ausländer gebaut werden soll.

Wenn er nur jetzt schon arbeiten gehen und sein eigenes Geld verdienen könnte. […] Allein der Gedanke, dass es noch drei Jahre so weitergeht, ist unerträglich – die mitleidigen Blicke der anderen Jungen, die Versuche heimlich bei Peter abzuschreiben, der Zwang, sich weiter abzustrampeln, die gescheiterten Prüfungen, sein ewig wütender Daddy. […] Alles was Peter tut ist perfekt, und alles was er selber tut, ist falsch.

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