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Veröffentlicht am 06.05.2019

Auf in den Kampf... oder auch nicht.

Meine Königin
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Es ist 1965. Sommer. Der 12-jährige Shell lebt mit seiner Familie in einem recht abgelegenen Ort in der Provence. Das nächste Dorf liegt etwa 10km entfernt. Sie betreiben eine Tankstelle, die aufgrund ...

Es ist 1965. Sommer. Der 12-jährige Shell lebt mit seiner Familie in einem recht abgelegenen Ort in der Provence. Das nächste Dorf liegt etwa 10km entfernt. Sie betreiben eine Tankstelle, die aufgrund der Distanz zum Dorf nicht so häufig von den Einheimischen angefahren wird, aber zum Leben reicht es scheinbar. Shell ist ein Sonderling. Er hat keine Freunde, geht nicht mehr zu Schule, zündet gern Insekten an und erfreut sich daran die Zapfsäulen zu polieren und Autos vollzutanken. Doch er will endlich ein Mann sein. Er probiert eine Zigarette und steckt damit beinahe die Tankstelle in Brand. Und als ihn dann noch seine Eltern zurück auf eine Sonderschule schicken wollen, reißt er sich zusammen und geht über Nacht. Er fühlt sich erwachsen. Shell will in den Krieg ziehen. In einen, wie er ihn aus dem Fernsehen kennt, und es allen beweisen, dass er ein echter, furchtloser Kerl ist. Sein Weg führt ihn über ein nahegelegenes Plateau, wo er auf ein Mädchen namens Viviane trifft. Sie verstehen sich auf Anhieb, reden, spielen. Shell lebt nun auf dem Hochplateau.

Gar täglich bekommt er nun Besuch von seiner Königin. Zumindest erzählt sie ihm, dass sie eine sei und auf einem Schloss in der Nähe wohnt. Mit ihr scheint er die große Schlacht der Männlichkeit vergessen zu haben und bleibt. Als Untertan. Als Held. Nur zurück kann er eben nicht. Als dann alle nach ihm suchen, hilft sie ihm sich versteckt zu halten und versorgt ihn mit Sandwiches. Doch eines Tages, als die Polizei vor seiner Hütte auftaucht und er flieht, ist sie dann plötzlich auch verschwunden...

"Ich wollte nicht als Feigling gelten, wenn ich zurückkam. Aber ich hatte eine Königin und ich wusste schon jetzt, dass ich für sie alles tun würde, nicht weil ich es geschworen hatte, sondern weil ich Lust hatte."

Dieser Roman ist für mich ein sehr feiner, poetischer, gar niedlicher Ausflug mit einigen Längen. Shell und Viviane sind so wunderbar kohärente Charaktere, die jeweils sehr viel Raum für sich beanspruchen und auf ihre Art total liebenswert sind. Und so ist dieser Roman dann auch von den Charakteren bestimmt und weniger von der Handlung als solches. Leider kann Andrea das Niveau nicht durchgängig halten, zumindest hat sich der Mittelteil etwas gestreckt und ich verlor dadurch auch leider kurzzeitig meine Begeisterung. So habe ich dann an diesen gerade einmal 152 Seiten vergleichsweise auch recht lange gelesen. Das ist allerdings auch nicht sonderlich schlimm, denn das Ende hat alles wieder ausgeglichen. Jean-Baptiste Andrea liefert hier nämlich keine abgeschlossene, bis ins Detail ausformulierte Geschichte. Es bleibt noch ganz viel Spielraum für Fantasie übrig und gerade diese Möglichkeit macht's dann auch aus. Man sieht die beiden Hauptcharaktere vor dem inneren Auge und nimmt ihnen jedes Gefühl, jede Regung, Begeisterung... einfach ab. Meine Königin ist eine wirklich tolle Geschichte für alle, die noch das Kind in sich besitzen und vielleicht auch hin und wieder über ihren eigenen Schatten springen wollen.

Veröffentlicht am 01.05.2018

Kochen für einen gesunden Darm

Schlank mit Darm Kochbuch
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Passend zur Ratgeberreihe "... mit Darm" von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann (und Regina Rautenberg) erschien nun im südwest-Verlag ein Kochbuch. "Schlank mit Darm Kochbuch" heißt es und bietet an die ...

Passend zur Ratgeberreihe "... mit Darm" von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann (und Regina Rautenberg) erschien nun im südwest-Verlag ein Kochbuch. "Schlank mit Darm Kochbuch" heißt es und bietet an die 100 Rezepte zur Förderung einer gesunden Darmflora - und nein, dieses Buch ist wirklich kein (reiner) Abnehmhelfer.
Der Aufbau ist analog zu den Büchern der Reihe, wobei hier die Einleitung mit Wissenswertes über den Darm und warum eine gesunde Darmflora so wichtig und hilfreich ist, natürlich recht komprimiert ausfällt. Dies macht natürlich Sinn, denn im Vordergrund stehen hier die verschiedensten Rezepte, von einfach bis etwas aufwändiger.

"Da unsere Mikroben von dem leben (müssen), was wir ihnen vorsetzen, breiten sich die Keime aus, die mit den Lebensbedingungen im jeweiligen Darm am besten zurechtkommen."

Da unsere Gesundheit großteils von den ansässigen Darmbakterien abhängig ist, lohnt es sich auch nicht nur unseren Geschmacksknospen, sondern auch unseren Untermietern etwas Gutes zu tun. Eine gesunde Darmflora kann nicht nur Anspannung und den Stresshormonspiegel absenken, er kann einiges mehr. Wie bereits aus anderen Büchern bekannt, hat der Darm einen gewaltigen Einfluss auf die Psyche, das Wohlbefinden und allerhand neuerer Volkskrankheiten oder auch Demenz. In unserem Körper werden unwahrscheinlich viele Stoffe produziert und umgewandelt. Und dass dabei dank unpassender Keime im Darm auch negativ Beeinflussendes entstehen kann, sollte uns allen bewusst sein.
Dieses Kochbuch soll nun Abhilfe schaffen und uns mit Abwechslung und zahlreichen 'guten Stoffen' gesünder, ausdauerfähiger und belastbarer machen. Gut, vielleicht sogar schlank, denn auch dabei sind die Bakterien im Darm nicht ganz unschuldig.

Ansonsten ähnelt dieses Kochbuch anderen Büchern. Es gibt verschiedenste Rezepte von Salat über Fisch, Fleisch und Geflügel bis zu einfachen Gemüsegerichten. So wird auch auf die vegetarische und vegane Ernährung geachtet und ein großes Spektrum für jeden eröffnet. Einzige Kritikpunkte wären in meinem Fall die Angabe der Zutaten, die stets auf 4 Personen ausgelegt ist sowie die Aufnahme von Gerichten für Berufstätige bzw. Gerichte zum Mitnehmen. Diese Idee ist im Grunde toll, doch dass man belegte Brötchen, Kuchen und Muffins oder mal einen Kartoffelsalat mitnehmen kann, ist nicht sonderlich originell oder neu.

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Guten Hunger! Ihr Darm wird es Ihnen danken.

Veröffentlicht am 10.09.2017

Vom Kapitalismus in Afrika

Der Sandmaler
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Zu dem Roman "Der Sandmaler" kann man eigentlich gar nicht so viel sagen, außer dass er so viel Wahrheit über die Zustände Afrikas und den Einfluss des Kapitalismus enthält. So begleiten wir den wohlhabenden ...

Zu dem Roman "Der Sandmaler" kann man eigentlich gar nicht so viel sagen, außer dass er so viel Wahrheit über die Zustände Afrikas und den Einfluss des Kapitalismus enthält. So begleiten wir den wohlhabenden Stefan und die 'normale' Elisabeth im Urlaub auf ihrer Reise in die unbekannte Lebenssituation der Armen der Welt. Es handelt sich hierbei um eine frühere englische Kolonie und Touristenhochburg inmitten von Armenvierteln.

"Elisabeth bekam den Eindruck, dass alles, was die Menschen hier besaßen, Reste und Abfälle aus jener Welt waren, in der sie selbst lebte. Als würde dieses Land von den reichen Industriestaaten als Müllhalde benutzt."

Es ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass die schwedische Originalausgabe bereits 1974 erschienen ist und sich bis heute eigentlich nichts Grundlegendes verändert hat. Mankell greift in Form dieses Romans unzählige seiner Reiseeindrücke, von der schnellen Nummer/Prostitution und Bettelei bis hin zur eigentlichen Kultur Afrikas auf und setzt sich mit diesen kritisch auseinander.

"Aber weißt du, solche Bräuche werden sehr schnell verschwinden, wenn dieses Land sich nach ausländischen Interessen entwickelt. Man wird dann nur ein paar pittoreske Riten aufrechterhalten, um sie den Touristen vorzuführen. Aber die eigentliche Kultur wird ausgelöscht und durch Coca-Cola und schwedische Popmusik ersetzt werden."

Das Bemerkenswerte, wie ich finde, ist, dass dieser Roman um die Haupthandlung herum so viel Wahrheit enthält. Den reichen und gut situierten Menschen der Welt sind die dort herrschenden Zustände gänzlich egal, Hauptsache es geht ihnen gut und an ihrer eigenen Einstellung wird sich wenig ändern. Elisabeth, die normal Bügerliche - sofern man das so sagen kann - ist diejenige, die durch die Zustände erschüttert wird, sich Gedanken macht, helfen mag und auf so viel Kultur und Menschlichkeit trifft."Der Sandmaler" ist kein mitreißender Roman, es ist ein eindrucksvoller Reise- und Situationsbericht, der der wohlhabenderen Gesellschaft die Wahrheit und das afrikanische Leben vor Augen halten soll.

Veröffentlicht am 30.09.2024

"Kinder sind nicht nur kleine Engel. Ganz im Gegenteil"

Kleine Monster
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Den Roman "Kleine Monster" von Jessica Lind wollte ich unbedingt lesen. Schon Linds Erstling "Mama", eine Art Schauerroman, der die Urgewalt der Mutterschaft thematisiert, sehr roh zwischen Traum und Wirklichkeit ...

Den Roman "Kleine Monster" von Jessica Lind wollte ich unbedingt lesen. Schon Linds Erstling "Mama", eine Art Schauerroman, der die Urgewalt der Mutterschaft thematisiert, sehr roh zwischen Traum und Wirklichkeit jongliert und einen mit einem sehr beklemmenden Gefühl zurücklässt, fand ich wahnsinnig toll. So etwas ähnliches erwartete ich nun auch bei "kleine Monster"; umgemünzt auf das Familienleben, das zwischenmenschliche Gefüge und Ver- bzw. Misstrauen zwischen Eltern und Kind.

Pia und Jakob werden für ein Gespräch in die Schule ihres Kindes bestellt. Es gab ein Vorfall zwischen Luca und einem Mädchen. Sie können es zunächst nicht glauben, wollen es nicht glauben. Ihr guter, sensibler und vernünftiger Junge. Doch der Siebenjährige schweigt, möchte mit ihnen nicht darüber reden. Und gerade das macht Pia fertig. Während Jakob sich noch auf die Seite seines Sohnes stellt - "Wir wissen doch gar nicht, ob es wirklich so passiert ist. Ein Mädchen hat eine Geschichte erzählt und jetzt sind alle in heller Aufregung." - beginnt bei Pia bereits eine Wunde aufzureißen. "Jakob sieht nicht, was ich sehe. Weil er das Dunkle nicht kennt. Aber ich kenne es, und wenn Luca auch so ist, dann ist er es wegen mir. Wegen meiner Familie." Sie wird vorsichtiger, die Bindung zwischen ihr und ihrem Sohn bröckelt und Skepsis macht sich breit. Die Angst davor, dass er eben nicht so lieb und ruhig ist, wie gedacht, nimmt überhand, trübt ihren Blick und sie beginnt ihrem Sohn Dinge zu unterstellen. Bis es dann eines Tages nicht nur bei Unterstellungen und Gedanken bleibt... alles zu kippen droht. "...ich weiß, dass mein Gefühl stimmt, dass da noch mehr ist, dass Luca etwas verschweigt. Jakob liegt falsch, wenn er sagt, dass Schweigen nicht Lügen ist. Schweigen ist noch schlimmer. Ich weiß, wovon ich rede."

"Der >Vorfall< schwebt über uns wie eine finstere Wolke, begleitet uns überallhin, wohin wir auch gehen. Ich suche nach einem Zauberspruch oder wie in einem Computerspiel nach der richtigen Abfolge von Handlungen, mit der man den Kampf gegen das Monster schließlich gewinnt."

Doch wer ist hier das Monster? Ihr Sohn? Der Vorfall? Sie selbst?

Ich habe mich lange gefragt, woran es liegt, dass dieses Buch bei mir nicht so 'funktionierte'. Während viele von beklemmender Faszination berichten, hatte ich eher mit Verständnislosigkeit und Wut auf die Protagonistin zu kämpfen. Für mich eine irgendwie neue und krasse Erfahrung - was ein Text mit mir und in mir auslöst, wie ich mich gegen den erzählenden Charakter richte und wie wütend ich da werden kann. Und das war für mich dann auch das Faszinierendste an diesem Roman, denn umso weiter ich las, umso weniger begreifbar und logisch wurde es. Ich habe es nicht verstanden, wie sich das alles so aufbauschen kann, dass weder ihr Partner, noch das Umfeld eingriffen und Pia (ohne nun zu viel verraten zu wollen) ihr persönliches, allem zugrunde liegendes Trauma über das aller stellt, obwohl auch andere, und das noch viel näher, an den damaligen Ereignissen beteiligt waren, mehr gesehen und gelitten haben. Zwar zeigen sich Traumata bei jedem anders und doch war mir das in diesem Fall einfach zu egozentrisch dargestellt. Vielleicht auch zu einfach.
An anderen Stellen war mir der Text hingegen einfach nicht hart genug, die Aufteilung in drei Teile hat für mich keinen Sinn ergeben, außer dass es vielleicht die Steigerung der psychischen Gewalt und das Pias Misstrauen unterstreicht, allerdings hätte es dafür keine 'Szenensprünge' gebraucht, es hätte auch genauso gut als durchgehender Text funktioniert. Und irgendwie hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass dieser Roman sehr glatt gezogen wurde. Alle Ecken und Kanten, die ich an "Mama" so liebte und die dieses Schauergefühlartige hervorriefen waren verschwunden. Dieser Text ist nun so typisch 'publikumsverlagig' und eintönig. Leider ist das nicht das erste Mal, dass Lieblingsautor
innen zu Hanser wechseln und dann eben genau das passiert. Ich freue mich sehr für Lind und dass ihr zweiter Roman nun eine größere Aufmerksamkeit genießt, aber irgendwie hat's mich da auch so ein Stück weit verloren.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Große Erwartungen, ein gewaltiges Thema, zu vorhersehbare Entwicklungen

Wo die Asche blüht
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Oh, wie sehr habe ich dem neuen Roman von Nguyén Phan Qué Mai entgegengefiebert. Schon ihr Erstling "Der Gesang der Berge" [Ü: Claudia Feldmann] hat mich wahnsinnig begeistert. Bildgewaltig und intensiv ...

Oh, wie sehr habe ich dem neuen Roman von Nguyén Phan Qué Mai entgegengefiebert. Schon ihr Erstling "Der Gesang der Berge" [Ü: Claudia Feldmann] hat mich wahnsinnig begeistert. Bildgewaltig und intensiv berichtete sie vom Schicksal eines Volkes, rollte die Geschichte Vietnams auf und fand zwischen all dem Leid Platz für Wärme und Hoffnung innerhalb der geschilderten Familiengeschichte - für mich ein sehr einzigartiger und großer Roman, den ich in meinem Regal nicht missen möchte. So etwas ähnliches, dieses mitreißende Gefühl, eine ergreifende Geschichte und einen weiteren interessanten, wie intensiven Blick auf Vietnam erwartete ich nun auch bei "Wo die Asche blüht" [Ü: Claudia Feldmann], der Klappentext unterstützte das, aber leider wurde ich bei diesem Roman eher enttäuscht, als dass ich Freude daran fand.

Die Autorin begibt sich in "Wo die Asche blüht" erneut auf Spurensuche in dem kriegsgebeutelten Land. Sie umkreist in diesem Buch die Jahre 1969/70 und verknüpft diese mit der heutigen Zeit bzw. 2016. Wir Leser*innen erfahren dabei von dem Schicksal der Amerasier - den Kindern von vietnamesischen Frauen und amerikanischen Soldaten, die zur Zeit des Vietnamkriegs gezeugt wurden - und lernen den sechsundvierzig jährigen Phong kennen, der in einem Waisenhaus aufwuchs und nun mit seiner Familie ein Visum beantragt um nach Amerika auswandern zu können. Wir begleiten den Veteranen Dan, der sich Jahrzehnte nach seiner Stationierung in Vietnam den "Schatten seiner Vergangenheit" stellen möchte und seine einstige Liebe Kim sucht. Und wir folgen den Schwestern Trang und Quýnh, die ihren verarmten Eltern helfen wollen und vom Dorf in die Stadt Sài Gòn ziehen um dort in der Hollywoodbar als Barmädchen Geld zu verdienen.
Und wie man nun vielleicht schon erahnen kann oder spätestens nach den ersten Kapiteln dieses Romans, hängen ihrer aller Schicksal zusammen. Der Sohn einer Vietnamesin und eines ehemaligen GIs möchte auswandern, ein amerikanischer Veteran zurückkehren, die vietnamesischen Schwestern, die in einer Bar arbeiten und dort Amerikanern Gesellschaft leisten... und wahrscheinlich hat mir dieser logische Zusammenhang der einzelnen Erzählstränge recht schnell das Interesse geraubt. Die weitere Entwicklung ist bis auf ein paar kleinere Wendungen vorhersehbar, das erneute Überkreuzen ihrer Lebenswege unumgänglich. Den Zwischenteil habe ich nur noch überflogen, um bei den letzten 90 Seiten wieder anzusetzen und nicht einmal da hatte ich das Gefühl groß etwas zu verpassen. Ich möchte nun nicht sagen, dass dieser Roman nicht informativ ist, die Auswirkungen des Krieges, die Benachteiligung der Amerasier, dieses stete Nichtdazugehören und 'Ausnutzen' fand ich schon sehr erschreckend, wie auch die Geschichte der beiden Schwestern selbst und doch war es die Art der Erzählung mit diesen verschiedenen Stimmen und Zeitpunkten auf die ich gerne verzichtet hätte. Vielleicht wäre eine chronologische Erzählweise, die sich an das Schicksal der Schwestern klammert und zeitgleich auf die anderen Figuren, die ihr Leben kreuzen, eingeht, etwas, das mir mehr Freude bereitet hätte. So lege ich dieses Buch nun wieder beiseite, fand einige neue Informationen, die mich sicherlich nun weiterhin begleiten werden, aber ein Lieblingsbuch wurde "Wo die Asche blüht" für mich leider nicht.

Auszug aus dem Nachwort:
"Während des Krieges dienten ungefähr 2,7 Millionen Amerikaner in Viêt Nam, außerdem Millionen von süd- und nordvietnamesischen Soldaten; die meisten von ihnen waren junge Männer, und viele von ihnen sind bis heute traumatisiert. Durch die starke Militärpräsenz der Amerikaner entstand eine regelrechte Sexindustrie mit Hunderttauschenden von Sexarbeiterinnen - Großteils junge vietnamesische Frauen, die eigene Formen von Traumata und sozialer Ächtung erlitten. Außerdem gab es eine große Zahl von Barmädchen, die aufgrund von Armut, Vertreibung oder aus anderen Gründen diese Tätigkeit aufnahmen."

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