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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2023

Eine gelungene Biografie

Willy Brandt
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Das Bild vom knienden Willy Brandt vor der Gedenkstätte des Warschauer Ghettos am 7. Dezember 1970 geht um die Welt. Der Name Willy Brandt steht für den moralischen Fortschritt der BRD im Umgang mit der ...

Das Bild vom knienden Willy Brandt vor der Gedenkstätte des Warschauer Ghettos am 7. Dezember 1970 geht um die Welt. Der Name Willy Brandt steht für den moralischen Fortschritt der BRD im Umgang mit der eigenen Vergangenheit.

Das ist auch der Grundtenor dieser Biografie, die nicht nur den außergewöhnlichen Politiker, sondern auch den Menschen beschreibt. Einen Menschen, der nicht ohne Fehler ist, der als Herbert Frahm geboren, in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist und die Jahre des Nazi-Terrors im Exil verbracht hat.

Gunter Hofmann hat bereits mehrere Biografien deutscher Politiker geschrieben, die sich dadurch auszeichnen, dass nicht nur Persönlichkeiten porträtiert werden, sondern auch die Nachkriegsgeschichte erzählen. Das Buch liest sich aufgrund der zahlreichen Anekdoten flüssig. Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen das Buch.

Fazit:

Eine gelungene Biografie, die ich bestimmt nochmals zur Hand nehmen werde. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.09.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Der böse Vater
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Nachdem eine Intrige Hardy Engel 1924 unschuldig hinter Gitter gebracht hat, holen ihn ähnliche Machenschaften fünf Jahre später wieder aus dem Kittchen heraus. Diesmal steckt niemand geringerer als Filmmogul ...

Nachdem eine Intrige Hardy Engel 1924 unschuldig hinter Gitter gebracht hat, holen ihn ähnliche Machenschaften fünf Jahre später wieder aus dem Kittchen heraus. Diesmal steckt niemand geringerer als Filmmogul Randolph William Hearst dahinter.

Hardy Engel soll eine Erpressung, der Hearst ausgesetzt ist aufklären. Dabei geht es um einen unklaren Todesfall auf Hearsts Jacht vor einigen Jahren. Blöderweise wurde die Leiche eingeäschert, die damals Anwesenden bestochen und die Polizeiprotokolle ver- wenn nicht gar gefälscht. Niemand scheint die Wahrheit zu sagen, und wenn nicht direkt gelogen wird, enthält man Hardy die Wahrheit vor.

Als er dann noch von Filmproduzenten Julius Laemmle den Auftrag erhält, auch für ihn zu arbeiten, wird es kompliziert und Hardy findet sich in Hollywoods Intrigensumpf, was er ja eigentlich unbedingt vermeiden wollte, wieder. Daneben sucht er noch nach seiner früheren Freundin Polly, die damals von ihm schwanger war.

Meine Meinung:

Auch der vierte Krimi rund um den Privatdetektiv Hardy Engel führt uns tief in den Moloch Hollywood, in dem intrigiert, bestochen und gemordet wird. Dabei spielen zahlreiche Hollywood-Größen eine mehr oder weniger undurchsichtige Rolle. Die Zeit um 1929 ist eine höchst instabile. Alles ist in Bewegung und der Börsencrash steht unmittelbar bevor. So verdrängt der neuartige Tonfilm die Stars der Stummfilmära aus dem Rennen um Profit und Gunst des Publikums. Filmstudios stehen am Rand der Pleite, werden aufgekauft, manchmal auch unter Zuhilfenahme von unlauteren Mitteln.

Geschickt werden Fakten mit Fiktion verknüpft. So dürfen wir bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern begegnen, deren Liebesleben oft recht komplex ist. Ungewollte Schwangerschaften, verheimlichte Kinder, falsche Mütter und böse Väter.

Womit ich gleich zum Titel komme: Der kann gleich mehrfach interpretiert werden. Zum einem ein leiblicher Vater, der sich um seinen Nachwuchs als „lieber Onkel“ präsentiert, ein, als Onkel eingeführter Schwager der Mutter, der von dem Kind als Vater akzeptiert wird und dann noch das schwierige Vater-Sohn-Verhältnis von Carl und Julius Laemmle. Vater Carl ist, obwohl nach Hollywood ausgewandert, ein der jüdischen Tradition verhafteter Deutscher, der seinen Sohn Julius natürlich mit einer jüdischen Tochter aus guten Haus verheiratet wissen will, und keinesfalls eine „Schickse“ an seiner Seite duldet. Also, böse Väter lauern überall - es ist nur eine Frage der Sichtweise.
Auch Hardy zerbricht sich den Kopf, welcher Vater er seinem Kind mit Polly sein könnte.

Autor Christof Weigold hat wieder viel Herzblut in die Recherche gesteckt und einen höchst komplexen Kriminalfall entwickelt. Manchmal ist nicht klar, ob Hardy aus diesem Interessenkonflikt unbeschadet herauskommt.

Das Einzige, woran ich ein wenig Kritik üben muss, ist das Cover. Der vierte Band fällt mit seinem bunter Cover völlig aus der Reihe. Dieser Stilbruch nach den in dunkelgrau bis schwarzen Farbtönen gehalten drei Vorgängern, ist ziemlich hart. Allerdings passt es zu den Umwälzungen im Filmgeschäft. Der Umstieg von Stumm- auf Tonfilme bedarf einer optischen Neuausrichtung. Allerdings wird noch in Schwarz-Weiß gedreht.

Fazit:

Für Fans von komplexen Krimis, die gekonnt Fakten mit Fiktion verknüpfen ist die Hardy-Engel-Reihe höchst empfehlenswert. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.09.2023

Ein gelungener Abschluss

Das Haus der Perlen – Strahlen der Liebe
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Dieses Buch ist der Abschluss der Trilogie rund um „Das Haus der Perlen“, des heute noch, wenn auch unter anderen Eigentümern, existierenden Juweliers Thomass in München.

Man schreibt das Jahr 1924 und ...

Dieses Buch ist der Abschluss der Trilogie rund um „Das Haus der Perlen“, des heute noch, wenn auch unter anderen Eigentümern, existierenden Juweliers Thomass in München.

Man schreibt das Jahr 1924 und das Ehepaar Henya und Jakob Schmerler führt das traditionsbewusste „Haus der Perlen“. Die Kinder des Paares sind wohlgeraten: Tochter Luise geht nach langem Bitten beim Vater in die Goldschmiedelehre, Sohn Valentin ist Rechtsanwalt in einer angesehenen Kanzlei. Doch als Fritz Thomass, der Eigentümer, Geschäft und Haus beim Glücksspiel ausgerechnet an den ärgsten Feind der Schmerlers verliert, scheint das Ende des Juweliers besiegelt.

Doch mit Ayumi, der Nichte des Perlenzüchters Kokichi Mikimoto, der in Europa mit seinen fast makellosen Zuchtperlen Fuß fassen will, naht die Rettung. Gehört doch Ayumi zur australisch-japanischen Verwandtschaft der Schmerlers.

Dass die Investition in den Juwelier im München von 1924 nicht reibungslos verlaufen wird, versteht sich von selbst. Denn neben zahlreichen Missverständnissen auf persönlicher Ebene stehen der aufkeimende Nationalsozialismus sowie die drohenden wirtschaftlichen Probleme der Weimarer Republik der Rettung des Geschäftes im Weg.

Meine Meinung:

Dem Autorenduo ist es wieder gelungen, die politischen Ereignisse gekonnt in den Roman einzuflechten. Sehr gut ist auch der Fremdenhass beschrieben. Noch weiß niemand, dass Japan Hitlers Verbündeter im Zweiten Weltkrieg sein wird und die „heroische japanische Rasse den Ariern gleichgestellt“ sein wird.

Der Schreibstil ist bildhaft und authentisch. Die aufwendigen Recherchen rund um den Hofjuwelier Thomass haben sich gelohnt. Fakten sind mit Fiktion gekonnt zu einem opulenten historischen Roman verknüpft.

Fazit:

Gerne gebe ich auch dem Abschluss der Trilogie 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.09.2023

nichts für Zartbesaitete

Zerstörung, 1947
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Gleich vorweg, dieser zweite Krimi aus der Reihe „Adler, weibliche Kriminalpolizei, Berlin“ ist nichts für Zartbesaitete. Zahlreiche Verbrechen werden detailliert geschildert.

Man schreibt das Jahr 1947. ...

Gleich vorweg, dieser zweite Krimi aus der Reihe „Adler, weibliche Kriminalpolizei, Berlin“ ist nichts für Zartbesaitete. Zahlreiche Verbrechen werden detailliert geschildert.

Man schreibt das Jahr 1947. Berlin ist in vier Besatzungszonen aufgeteilt, was die Verwaltung und die Jagd nach Nazi-Größen sowie nach anderen Verbrechern nicht wirklich erleichtert. Die Stadt liegt nach wie vor in Trümmern und die Frauen müssen sich den neuen Herausforderungen stellen. Denn neben dem Aufräumen, dem Anstellen um die wenigen Nahrungsmittel, kehren ihre Männer, versehrt an Körper und Geist aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Jede, jeder ist sich selbst die bzw. der Nächste, Mitgefühl ist durch eine allgemeine Verrohung abhandengekommen.

In dieser Nachkriegsgesellschaft wird in den Ruinen des Anhalter Bahnhofs die Leiche einer vorerst unbekannten Frau gefunden: erdrosselt, ohne Papiere und mit Säure übergossen. Sie wird nicht die einzige entstellte Tote bleiben.

Luise Adler von der weiblichen Kriminalpolizei setzt alles daran, den Serienmörder zu stellen. Dabei muss sie nicht nur gegen die Windmühlen der alliierten Besatzungsverwaltungen, sondern auch gegen ihre eigenen Dämonen kämpfen. Was sie noch nicht weiß, die dunklen Schatten der Vergangenheit ihr Leben bedrohen. Nebenbei erhält sie eine neue Polizeikollegin, die manchmal übermotiviert, die diffizilen Ermittlungen unabsichtlich torpediert.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist alles andere als leichte Kost. Hier zeigt sich, dass der Zweite Weltkrieg das Schlechteste in den Menschen hervorgeholt hat, das selbst vor dem eigenen Kind, das das Ergebnis einer Vergewaltigung ist, nicht Halt macht. Die prekäre Lebensmittelsituation, die zahlreiche Menschen dazu zwingt, ihre letzten Habseligkeiten (oder Diebesgut) auf dem Schwarzmarkt zu veräußern, sowie die skrupellosen Geschäftemacher sind ebenso Thema, wie die Prostitution von Frauen und Kindern, die ihre Körper feilbieten, um Überleben zu können. Als krassen Gegensatz hierzu sehen wir die Nazi-Bonzen, die es vorerst geschafft haben, unterzutauchen und, während sie auf eine Fluchtmöglichkeit nach Südamerika suchen, ihre Taten zu verschleiern, und Mitwisser sowie Feinde eliminieren.

Doch es gibt sie noch, die Hilfsbereitschaft, wenn auch als zartes Pflänzchen und ein wenig unter dem Dreck versteckt. So wird ein kleines Mädchen, dessen Mutter einen dieser Säureanschläge überlebt, von Luise Adlers Vater beaufsichtigt.

Stephan Weichert ist mir diesem zweiten Krimi für Luise Adler ein ziemlich realistisches Bild der frühen Nachkriegszeit gelungen. Er rückt den manchmal romantisch verklärten Blick auf die sogenannten Trümmerfrauen und den Schwarzmarkt hier ziemlich abrupt zurecht.

Fazit:

Obwohl ich recht bald eine Idee vom Täter hatte, denn der Autor streut das eine oder andere Indiz geschickt in die Handlung, bleibt dieser Krimi fesselnd bis zur letzten Seite, weshalb er 5 Sterne von mir erhält.

Veröffentlicht am 20.09.2023

Ein gelungenes Debüt

Flammentochter
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„Flammentochter“ ist der Debütroman von Nasila von Staudt, der auf einer wahren Begebenheit beruht und einen Blick auf ihre eigene Familiengeschichte wirft. Worum geht’s also?

Man schreibt das Jahr 1627. ...

„Flammentochter“ ist der Debütroman von Nasila von Staudt, der auf einer wahren Begebenheit beruht und einen Blick auf ihre eigene Familiengeschichte wirft. Worum geht’s also?

Man schreibt das Jahr 1627. Europa wird seit knapp zehn Jahren von Kriegen überzogen, die erst 1648 (also nach dreißig Jahren) mit dem Westfälischen Frieden enden wird. Was als Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten begonnen hat, entwickelt sich zu einem territorialen Krieg, der nicht nur ganz Europa betrifft, sondern auch ungeahnte Folgen hat.

Nach dem Tod ihrer Eltern an der Pest wird die 13-jährige Margaretha Hörber in die Obhut des Müllerehepaares Ursula und Hans Hermann gegeben. Gemeinsam mit einigen anderen Waisenkindern wird sie vor allem von Ursula Hermann als billige Arbeitskraft missbraucht. Schläge und Demütigungen sind ebenso wie Nahrungsentzug für kleinste Vergehen an der Tagesordnung. Zudem ist es der Müllerin ein Dorn im Auge, dass Margaretha, nach dem Willen von Margarethas Bruders, zwei Tage in die Schule gehen darf, damit etwas Bildung erhält.

Um aus diesem gewalttätigen Umfeld zu entkommen und bei ihrem älteren Bruder leben zu dürfen, fasst das Mädchen einen verhängnisvollen Entschluss: Sie bezeichnet sich selbst als Hexe und setzt damit einen Prozess in Gang, dessen Ausgang ungewiss ist.

Margaretha wird aufgrund der Anzeige der Müllerin verhaftet, eingekerkert und vor Gericht gestellt. Ein ungewöhnlich langer Prozess beginnt, in dem das Mädchen um sein Leben bangen muss, zumal ein selbst ernannter Hexenjäger namens Schreckenfuhs (sic!) aus Würzburg den Prozess und das Mädchen in die benachbarte Stadt ziehen will. Dort wird mit Frauen, die der Hexerei beschuldigt werden, kurzer Prozess gemacht und die Scheiterhaufen lodern.

Meine Meinung:

Die Ereignisse um Margaretha Hörber aus Rothenburg ob der Tauber sind historisch belegt. Allerdings, so schreibt die Autorin im Nachwort, sind einige fiktive Charaktere eingeführt. Dieser Debütroman liest sich fesselnd, zumal der Ausgang solcher Hexenprozesse im Allgemeinen bekannt sind.

Sehr interessant finde ich Margarethes Einstellung zu Gott. Sie zweifelt an ihm, dem angeblich gütigen Gott, da er Kriege und Seuchen zulässt, die ihren Eltern das Leben gekostet hat. Die Gespräche, die sie mit dem protestantischen Pastor im Gefängnis führt, wirken sehr reif.

Die Spannung, wie die Schöffen urteilen werden, steigert sich von Seite zu Seite ins schier Unerträgliche. Das Ende kommt dann fast zu schnell.

Die Leser leiden mit Margaretha und ihrem Bruder mit. Wir erhalten Einblick in die Gerichtsbarkeit dieser Zeit, die sehr gut und detailliert beschrieben ist. Dazu verwendet die junge Autorin die Gerichtsakten, die sie in den Archiven von Rothenburg an der Tauber recherchiert hat.

Der Schreibstil ist schnörkellos. Nasila von Staudt nennt auch die unangenehmen Dinge wie Ehrgeiz oder Machtstreben im Kleinen wie im Großen beim Namen.

Fazit:

Ein fesselnder historischer Debütroman, der penibel recherchiert ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.