Nicht ganz meins
Mord im Christmas ExpressRoz, pensionierte Polizistin, ist kurz vor Weihnachten unterwegs zu ihrer schwangeren Tochter nach Schottland, um ihr bei der bevorstehenden Geburt zur Seite zu stehen. Endlich hat sie so auch die Gelegenheit ...
Roz, pensionierte Polizistin, ist kurz vor Weihnachten unterwegs zu ihrer schwangeren Tochter nach Schottland, um ihr bei der bevorstehenden Geburt zur Seite zu stehen. Endlich hat sie so auch die Gelegenheit sich einen Traum zu erfüllen, die Fahrt im legendären Schlafwagen des Christmas Express, die Karte dafür war ein Geschenk zu ihrem Abschied bei der Polizei. Leider verläuft die Fahrt alles andere als geruhsam, aber die verspätete Abfahrt ist erst der Beginn des Dramas.
Ich war sehr gespannt auf diesen Krimi, nicht zuletzt wegen des tollen Covers und der Kurzbeschreibung, in der es hieß "Ein Weihnachtskrimi, wie Agatha Christie ihn heute schreiben würde...". Als Riesen Fan der Autorin hatte mich der Verlag damit natürlich. Leider wurden meine Erwartungen dann aber nur bedingt erfüllt und der Krimi entwickelte sich nicht unbedingt so, wie ich erwartet hatte.
Hauptfigur ist natürlich Roz, ihr fällt im Verlauf der Geschichte die Rolle der Ermittlerin wider Willen zu und leider merkt man ihr diesen Widerwillen in jedem Wort, in jeder Aktion an. Wahrscheinlich ist dies Absicht und soll ebenso wie Roz Vergangenheit der Figur Tiefe und Substanz bringen, ich fühlte mich davon aber zunehmend genervt. Die Ereignisse in Roz Vergangenheit sind schlimm, ich möchte das auf keinen Fall bagatellisieren, oder respektlos erscheinen, aber wenn es gefühlt auf jeder zweiten Seite erneut zur Sprache kommt, so als ob der Leser es nicht mitbekommen hätte, wir es irgendwann einfach zu viel. Natürlich ist das Thema entscheidend für das Buch und die darin beschriebenen Ereignisse, aber das Handling ist vielleicht etwas unglücklich und steht im Kontrast zum andererseits sehr sensiblen Umgang damit.
Der Aufbau der Geschichte ist schon etwas an Krimis von AC angelegt, das Setting erinnert natürlich an Mord im Orientexpress. Die Figuren wirken wild zusammengewürfelt, sollen wahrscheinlich einen modernen Querschnitt der Gesellschaft darstellen, konnten mich aber allesamt nicht erreichen. Hier war mir einfach auch zu viele Vorurteile und Klischees eingebaut. Da ist die Influencerin, der Likes wichtiger sind als alles Andere, der Lehrer, der natürlich von seiner Schülerin angehimmelt wurde, oder die Mutter, die sich vor ihren Kindern bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt. Einziger Lichtblick in dem ganzen ist eine schlitzohrige alte Dame und ihre recht eigenwillige Katze.
Für mich ist das Buch recht schwierig einzuordnen. Es ist nicht so, dass es mir so gar nicht gefallen hätte, ich finde die angesprochene Thematik unglaublich wichtig, habe aber eben mit der Umsetzung meine Schwierigkeiten. Vielleicht hat die Autorin auch einfach zu viel Botschaft unterbringen wollen. Ich weiß es nicht. Es hätte vielleicht auch eher die Einordnung Drama, statt Krimi verdient und ehrlicherweise muss ich sagen, dass das "heile Weihnachtswelt" Cover so gar nicht zur Thematik passt und einen falschen Eindruck vermittelt. Leser könnten hier eher auf Cosycrime hoffen. Und hier möchte ich eine Warnung aussprechen, den mit cosy hat das Buch nichts zu tun, eher sollte darüber nachgedacht werden, ob man eine Triggerwarnung anbringt, denn das Buch behandelt das Thema MIssbrauch und Gewalt gegen Frauen sehr intensiv.
Ich bin eindeutig mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen und das hat letztlich wahrscheinlich auch meine Eindrücke beeinflusst.