Platzhalter für Profilbild

sveso

Lesejury Star
offline

sveso ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sveso über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2023

Intensiv und tief berührend

Warum wir noch hier sind
0

Etty ist nur vierzehn Jahre alt geworden und wurde vor der Haustür vergewaltigt und brutal ermordet, was ihrer Mutter Heide den Boden unter den Füßen wegreißt. Marlen Pelny lässt in "Warum wir noch hier ...

Etty ist nur vierzehn Jahre alt geworden und wurde vor der Haustür vergewaltigt und brutal ermordet, was ihrer Mutter Heide den Boden unter den Füßen wegreißt. Marlen Pelny lässt in "Warum wir noch hier sind" ausschließlich die Erzählerin zu Wort kommen, die eine enge Freundin von Heide ist und ihr in den Wochen nach Ettys Tod nicht von der Seite weicht. Doch sie muss sich nicht nur mit dem Tod der geliebten Etty und dem eigenen sowie Heides Trauerprozess auseinandersetzen, sondern kümmert sich auch um ihre Großmutter, deren Krankheit immer weiter fortschreitet und für die sich die Erzählerin verantwortlich fühlt.

Marlen Pelny erzählt sehr eindringlich und berührend, weil sie die einzelnen Szenen, Gefühle und Gedanken so intensiv und nachfühlbar darstellt und ausführt. In diesem Fall ist die Art des Todes (Femizid) natürlich besonders brutal, weil Etty noch so jung war und niemand mit ihrem Tod rechnen konnte. Die Erzählerin zeigt die verschiedenen Phasen und Dynamiken von Trauer auf, stellt die Frage in den Raum, weshalb junge Mädchen und Frauen so brutal durch Femizide ihr Leben verlieren, wie mit dem Täter umgegangen werden kann und wie sie überhaupt noch weiterleben können, ohne an der Trauer und dem großen Verlust zu zerbrechen. Keine Figur kann verstehen, was passiert ist und wie sie damit umgehen sollen, doch der Zusammenhalt, die Bedeutung von Freundschaft und die fehlende Kontrolle über die Geschehnissen werden deutlich.

Mich hat Marlen Pelny sehr mit diesem Buch berührt. Gerade der Ton wird mir noch lange in Erinnerung bleiben und "Warum wir noch hier sind" gehört zu meinen Lesehighlights in diesem Jahr und generell zu den Buch-Highlights, die Tod und Trauer thematisieren.

Veröffentlicht am 01.10.2023

Perfekte Urlaubslektüre

Heartbreak
0

Ich mag Tarkan Bagci als Podcaster und Moderator sehr gern und habe bereits seine anderen beiden Bücher gelesen, die mir mit seinem humorvollen und leichtfüßigen Schreibstil sehr gefallen haben.
Daher ...

Ich mag Tarkan Bagci als Podcaster und Moderator sehr gern und habe bereits seine anderen beiden Bücher gelesen, die mir mit seinem humorvollen und leichtfüßigen Schreibstil sehr gefallen haben.
Daher war ich nun sehr auf "Heartbreak" gespannt.

Maries Welt ändert sich von heute auf morgen, als ihr Freund Emil sich plötzlich nicht mehr bei ihr meldet und nicht mehr auf Anrufe oder Nachrichten reagiert. Gerade hatten sie noch ihren Jahrestag und in Maries Augen waren sie ein perfektes Paar. Daher muss sie unbedingt der Frage nachgehen, was mit Emil passiert ist und nutzt dafür ihre restlichen Urlaubstage.

Tom ist gerade offenbar auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als Musiker hat er großen Erfolg und wurde nun für einen Kinofilm angefragt. In den Augen seines Managers ist das der nächste große Schritt für seine Karriere, doch ein Zwischenfall bringt alles ins Wanken.

Tom und Marie, beide auf die eigene Art irgendwie verlassen und allein, lernen sich in der Toskana kennen und schmieden einen Plan für ihre weitere Leben, der eventuell in einer Katastrophe enden könnte.

Tarkan Bagci hat mich mit den ersten Seiten, die recht düster daherkommen, überrascht. Doch danach kehren die erwartete Leichtigkeit sowie der humorvolle Unterton zurück und die Figuren werden liebevoll, detailliert und sehr anschaulich ausgearbeitet.
Es handelt sich weder um eine Liebesgeschichte noch um eine klassische Trennungsgeschichte, sondern vielmehr um eine vielschichtige Geschichte über das Leben, in der unter anderem Liebeskummer, psychische Erkrankungen sowie Träume und Erwartungen thematisiert werden.

Ich habe "Heartbreak" im Urlaub gelesen und kann es als mein Lektüre-Sommer-Highlight bezeichnen.

Veröffentlicht am 29.09.2023

Berührender Sommerroman

Sonnenküsse
0

Aline ist von Stuttgart zurück zu ihrer Mutter nach Bochum gezogen, um diese in den letzten zwei Lebensjahren mit ihrer Krebserkrankung zu unterstützen und zu pflegen. Der Tod ihrer Mutter zieht Aline ...

Aline ist von Stuttgart zurück zu ihrer Mutter nach Bochum gezogen, um diese in den letzten zwei Lebensjahren mit ihrer Krebserkrankung zu unterstützen und zu pflegen. Der Tod ihrer Mutter zieht Aline den Boden unter den Füßen weg, noch dazu hat ihre Tante eine Andeutung über ihren Vater gemacht und behauptet, dass Alines Mutter sie diesbezüglich belogen hat, was Aline natürlich noch mehr verletzt. Doch dann findet sie im Nachlass ihrer Mutter alte Briefe, unterzeichnet mit "J" und schnell wird ihr klar, dass es sich dabei um ihren Vater handeln muss. Die Spur führt nach Flensburg, in die Brauerei. Wie passend, dass dort gerade dringend Servicekräfte gesucht werden. So kann Aline sich einschleichen und einen ersten Eindruck des Inhabers und ihres vermutlichen Vaters Jens Martens machen. Doch dieser ist zurzeit gar nicht in Flensburg und sein Geschäftspartner Tom, den Aline sehr sympathisch und attraktiv findet, ertappt sie beim Schnüffeln. So hat sich Aline ihre Zeit in Flensburg natürlich nicht vorgestellt.

Ich kannte die "Küstenliebe"-Reihe von Svenja Lassen noch gar nicht, bin jedoch von der Figurenausarbeitung und dem flüssigen, sehr stimmungsgeladenen Schreibstil begeistert. Aline wurde in Flensburg sehr gut aufgenommen und es lässt sich auf jeden Fall lesen, wie sie dort aufblüht und wieder beginnt, zu leben. Sowohl die Abläufe in der Bar, die Stimmung im Team als auch die Landschaft sind so anschaulich beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst mit Aline dort zu sein.

Svenja Lassen hat mit "Sonnenküsse" einen sehr berührenden Roman über den Tod, Trauer, Freundschaft und Liebe geschrieben, der ohne Plattitüden daherkommt und mich sowohl zum Lachen als auch zu feuchten Augen gebracht hat. Eine schöne Geschichte, die ich sehr gern im Sommer gelesen habe! Die anderen Bände der Reihe werde ich mir sicherlich ebenfalls ansehen.

Veröffentlicht am 13.09.2023

RomCom, die ich in einem Stück gelesen habe

Das Beste kommt zum Kuss
0

Während der erste Kuss für die meisten Menschen vermutlich der Anfang von etwas sind, sieht Amy Daniels gleichzeitig schon das Ende. Denn sie hat die Fähigkeit, immer, wenn sie jemanden zum ersten Mal ...

Während der erste Kuss für die meisten Menschen vermutlich der Anfang von etwas sind, sieht Amy Daniels gleichzeitig schon das Ende. Denn sie hat die Fähigkeit, immer, wenn sie jemanden zum ersten Mal küsst, sehen zu können, wie die Beziehung zwischen ihr und besagtem Mann ausgehen wird. Ob nach kurzer Zeit oder nach mehreren Monaten oder Jahren - bis jetzt hatte sie ausschließlich negative Visionen, die sich immer bewahrheitet haben. Daher möchte sie sich Männern und der Liebe eigentlich abwenden und sich gar nicht erst wieder auf lovestories einlassen. Doch auf der Hochzeit ihrer Freundin Charlotte lässt sich Amy von ihrer besten Freundin dazu überreden, einfach draufloszuküssen. Und tatsächlich hat Amy bei einem Mann eine positive Vision und sieht beim Kuss ihr Happy End. Einziges Problem: Sie war so betrunken, dass sie sich gar nicht mehr genau an ihre
Kusspartner erinnern kann. Daher macht sie sich mithilfe ihrer Freundinnen auf die Suche nach besagtem Mann und gerät dabei nicht selten in skurrile Situationen.

Molly James schreibt leicht, flüssig und sehr humorvoll, wobei die Figuren sehr liebevoll und tiefgehend ausgearbeitet sind. So konnte ich mich schnell in Amys Gedanken sowie in ihrem Freund
innenkreis wiederfinden und den Hinweisen und Spuren nach dem perfekten Beziehungspartner für sie folgen. Besonders gefallen hat mir die innige Beziehung zwischen Amy und ihrer Mutter, das hat dem ganzen eher seichteren Plot Tiefe und noch stäreke Emotionen sowie Ernsthaftigkeit verliehen.

Eine schöne RomCom, die ich in einem Rutsch gelesen habe und so für einige Stunden dem Alltag entfliehen und mich ganz von Molly James Geschichte über Amy einnehmen lassen konnte.

Veröffentlicht am 31.08.2023

Außergewöhnlicher Stil, fantastisch erzählt

Die Lügnerin
0

Friedemann Karig lässt Clara Konrad - ihr Name stimmt nicht, aber sie nutzt ihn, weil sie ihn so melodisch findet - in "Die Lügnerin" Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Adressatin dieser Geschichten ...

Friedemann Karig lässt Clara Konrad - ihr Name stimmt nicht, aber sie nutzt ihn, weil sie ihn so melodisch findet - in "Die Lügnerin" Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Adressatin dieser Geschichten ist eine Betreuerin in einer abgeschieden gelegenen Privatklinik, dem Institut. Clara Konrad erzählt, wie sie anderen Menschen erzählt hat, woran diese gern glauben wollten und was sich dann bewahrheitet hätte. Die Betreuerin ist gebannt von ihren Erzählungen und merkt erst spät, dass sie selbst Teil der Geschichten geworden ist.

Friedemann Karigs Stil ist sehr außergewöhnlich, er hat Clara Konrad einen ganz eigenen, sehr zum Inhalt passenden, Ton verliehen. Ausgehend von Sternzeichen, Horoskopen und Sternkonstellationen lernt sie Siri Morgentau kennen und begibt sich mit ihr auf einen Weg hin zum Reichtum. Weshalb genau sie in dem Institut landet, wurde mir aus ihren Geschichten nicht klar. Was mir sehr an "Die Lügnerin" gefallen hat, ist die fast ausschließliche Erzählperspektive aus Clara Konrads Sicht. So haben wir Einblicke in ihre Gedanken, Wahrnehmungen und Erinnerungen, deuten - so wie sie - die Gesprächssituation mit der Beraterin und sind manchmal verwirrt, weil irgendetwas an Ausführungen fehlt. Das Ende und die Deutung all des Geschriebenen bleibt recht offen und lädt so zu eigener Deutung ein, was mir sehr gefällt.

Fantastisch und sehr fesselnd erzählt - ich habe das Buch in einem Stück gelesen und konnte es gar nicht zur Seite legen.