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Veröffentlicht am 02.10.2023

Eine äußerst berührende Geschichte über einen autistischen Jungen!

Levi blüht auf
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Heute habe ich mal wieder ein Bilderbuch mit einer besonderen Thematik für euch dabei. Es handelt sich um "Levi blüht auf" von Stéphanie Deslauriers und Geneviève Deprés, die erklären, was Autismus eigentlich ...

Heute habe ich mal wieder ein Bilderbuch mit einer besonderen Thematik für euch dabei. Es handelt sich um "Levi blüht auf" von Stéphanie Deslauriers und Geneviève Deprés, die erklären, was Autismus eigentlich genau ist. Dabei folgen wir Leser dem Grundschüler Levi, der durch seine besondere Art hin und wieder aneckt und von seinen Mitschülern nicht richtig verstanden wird. Doch als er – ganz in seinem Element – seine Klassenkameraden im botanischen Garten mit seiner Passion seine Welt näher bringen kann, ändert sich das. Ein tolles Buch, welches auch die Kleinsten für das Thema Autismus sensibilisiert und damit eine Brücke baut.

Die Autorin, die Illustratorin und die Übersetzerin:

Stéphanie Deslauriers ist Sozialpädagogin und Autismusexpertin. Das Bilderbuch "Levi blüht auf" ist ihr erstes Kinderbuch.
Geneviève Deprés ist Kinderbuchillustratorin. Ihre Zeichnungen sind von zarten Linien geprägt und sehr einfühlsam.
Antje Riley übersetzt Literatur aus dem Französischen, Englischen und Spanischen.

Inhalt:

„Levi liebt Pflanzen. Ihre botanischen Namen und speziellen Eigenschaften kennt er ganz genau. In den Schulpausen sitzt er gern allein unter einer herrlichen Trauerweide und sieht den anderen Kindern beim Spielen zu. Er liebt es, Dinge zu zählen, und er hasst es, wenn Brokkoli die Kartoffeln berührt. Seine Mitschüler sind oft von ihm genervt und verstehen ihn nicht. Bis zu dem Tag, an dem seine Klasse einen Ausflug in den Botanischen Garten macht – und Levi den anderen seine Welt zeigen kann!
Eine poetische Antwort auf die Frage, was Autismus eigentlich ist.“
(Klappentext)

Kritik und Fazit:

Zwischen wahnsinnig großen Blumen erhaschen wir den Blick auf den Jungen Levi, der uns seine Welt in diesem Buch näher bringt. Das Cover zeigt ihn ganz in seinem Element, mit seiner Forschermütze auf dem Kopf und inmitten der Natur. Es ist ein äußerst liebevoll gezeichnetes Cover, welches eine harmonische und positive Atmosphäre erschafft,

In der Geschichte werden wir in Levis Alltag mitgenommen. Wie er die Schule und seinen Tag erlebt. Levi ist Autist und sieht die Welt ein wenig anders, als die Mehrheit der Gesellschaft. Damit eckt er an, was er teilweise gar nicht verstehen kann. Es hat immerhin seine Gründe, warum er tut, was er eben tut. Warum er im Unterricht, die Antworten einfach hineinruft. Oder warum er in der Pause alleine unter einem Baum sitzt. Besonders gut an diesem Buch hat mit gefallen, dass Levi farbig dargestellt wird, während die anderen Kinder und Erwachsenen eher farblos in schwarz weiß zu Papier gebracht wurden. Für mich erweckte das den Anschein, das Levi etwas ganz Besonderes und Herausragendes ist. Die Farben machen Levis Andersartigkeit zu etwas Positiven. Ganz so, wie es auch sein sollte. Jeder ist in seiner Einzigartigkeit etwas Besonderes. Eine schöne These, die durch die farbliche Gestaltung der Bilder super transportiert wird.

Levi hat eine Passion für Natur sowie Pflanzen und kennt sich dort sehr gut aus. Das ist seine bunte Welt und so ist im Buch diese Welt auch farbenfroh und liebevoll gezeichnet. Auch die Orte, an denen sich Levi geborgen fühlt – wie die alte Weide auf dem Schulhof, das Büro der Sozialarbeiterin und die Küche zu Hause – sind farbenfroh und voller Leben dargestellt.
Nachdem Levi im Botanischen Garten die Chance bekommt, seinen Mitschülern seine Welt zu zeigen, versteht auch seine Freundin Margerite endlich, warum Levi sie bei ihrem lateinischen Namen nennt und erkennt, das große Kompliment, welches dies innehat. Indem sie ihn nun besser versteht, können die beiden näher zusammenfinden.

Levi nimmt, wie bereits oben erwähnt, seine Welt anders wahr, er will sein Wissen teilen und übertrumpft im Unterricht dadurch hin und wieder seine Mitschüler, die das gar nicht gut finden. Obwohl er es nur gut meint, macht er sich seine Mitschüler damit nicht gerade zu Freunden. Auch andere Kinder reden in der Schule darüber, dass Levi beispielsweise in den Pausen alleine unter einem Baum sitzt. Für sie ist es seltsam, dass er seine Freizeit lieber alleine verbringt, als mit anderen Kindern. Dabei genießt Levi dort einfach die Ruhe und tankt Kraft für den Rest des Tage. Was Autismus ist, und wie er sich äußerst, wird an diesen kleinen Episoden sehr anschaulich erklärt.

"Levi blüht auf" ist ein tolles Bilderbuch, welches Autismus sowohl Kindern und Erwachsenen gleichermaßen näher bringt. Es zeigt, was hinter den Handlungen von Autisten stecken kann und gibt ein positives Bild auf eine Gesellschaft voller Individuen, denn ist Levi erstmal in seinem Element, kann er seine Mitschüler begeistern. Er kommt aus sich heraus, spricht über seine Interessen und blüht im wahrsten Sinne des Wortes auf. Mich hat der Handlungshergang so berührt, dass am Ende sogar eine Träne kullerte. Sollten wir nicht einfach jeden so nehmen, wie er ist, auch wenn er sich von der Masse vielleicht unterscheidet?

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Veröffentlicht am 22.09.2023

Was für eine spannende und wohldurchdachte Dystopie!

Legend - Berstende Sterne
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Ich bin so froh, auf Instagram über die drei "Legend" Bücher von Marie Lu gestolpert zu sein. Sie sind nun ja schon eine ganze Weile auf dem Markt und irritierender Weise hatte ich zuvor noch nicht etwas ...

Ich bin so froh, auf Instagram über die drei "Legend" Bücher von Marie Lu gestolpert zu sein. Sie sind nun ja schon eine ganze Weile auf dem Markt und irritierender Weise hatte ich zuvor noch nicht etwas über die dramatischen Geschichte der Protagonisten Day und June gehört. Einmal mit dieser Reihe begonnen, kann man gar nicht mehr aufhören und die Geschichte wird mir mit Sicherheit noch lange nachhängen. Die Trilogie zählt nun definitiv zu meinen Lieblingsbuchreihe. Fans der "Vortex" -Trilogie sollte auch Legend unbedingt lesen!

Die Autorin:

Marie Lu (geboren 1984) wurde in Shanghai geboren und lebte für einige Zeit in Texas. Ihr Studium absolvierte sie dann aber an der University of Southern California. Bevor sie mit dem Schreiben begann, arbeitete sie bei den Disney Interactive Studios. Inzwischen ist sie Bestsellerautorin und lebt mit ihrem Mann und ihren Hunden in Santa Monica. In ihrer Freizeit liest sowie zeichnet sie und spielt Assassin´s Creed.

Inhalt:

„Day und June haben so viel geopfert für die Republik und füreinander. Nun scheint das Land endlich vor einem Neubeginn zu stehen. June arbeitet mit dem Elektor und führenden Politikern zusammen, während Day einen hohen Rang beim Militär bekleidet. Keiner der beiden hätte die Umstände vorhersehen können, unter denen sie wieder zusammenfinden. Gerade als ein Friedensabkommen unmittelbar bevorsteht, drohen Anschuldigungen einen erneuten Krieg heraufzubeschwören. Um das Leben Tausender Menschen zu retten, soll June nun Day darum bitten, das zu opfern, was ihm am meisten bedeutet …“
(Klappentext)

Kritik und Fazit:
Die Hardcover Aufmachung der Reihe hat mir ganz besonders gut gefallen. Leider gibt es sie nicht mehr über den Buchhandel zu kaufen, man kann Second Hand aber durchaus noch Glück haben und sie für ein paar Euro erstehen. Obwohl die Welt in Legend ziemlich düster ist, sind die Cover sehr hell gestaltet. Dennoch werden sie von Band eins bis drei immer dunkler. Die Lilatöne haben aber gleichzeitig etwas mädchenhaftes oder symbolisieren die Liebe zwischen Day und June. Auf jedem Cover prangt in der Mitte ein goldenes Symbol, welche in der Geschichte ihren Ursprung hat und zum jeweiligen Handlungsstrang passt. Durch die Goldfolie wirkt alles außerdem sehr edel.

Der Schreibstil der Autorin ist äußerst mitreißend und ich konnte der Story stets gut folgen. Marie Lu hat sich entschieden, abwechselnd Day und June zu Wort kommen zu lassen, sodass wir einen guten Einblick in die Welt der Reichen und die der Armen sowie Ausgestoßenen bekommen und alle Seiten genau durchleuchten können. Schnell wird klar, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist und die politischen Machenschaften ziemlich verworren sind.

Besonders Day ist ein sehr tragischer Charakter. Gezwungen in Armut aufzuwachsen und dann seinen Tod vorzutäuschen lebt er so weit am Rande der Gesellschaft, wie es überhaupt möglich ist. So beginnt er auch, seinen Unmut gegenüber der Regierung durch größer angelegte Streiche an ihr zur Schau zu tragen. Er wird zu einem der meist gesuchten Verbrecher der Amerikanischen Republik. June hingegen ist im Prinzip äußerst gesetzestreu, dennoch steckt eine kleine Rebellin in ihr, die hier und da in Schwierigkeiten gerät, weil sie so gut wie möglich für die Regierung arbeiten möchte. Als ihr Bruder ermordet wird, verlässt sie die Schule und tritt in die Armee der Regierung ein. Und so ist ein Aufeinandertreffen der beiden unausweichlich.


Wie haben es hier mit einer Dystopie zu tun, das heißt die Geschichte ist in der Zukunft angesiedelt, einer Zukunft nach der großen Überschwemmung, ausgelöst durch den Klimawandel. Die Vereinigten Staaten Amerikas existieren nicht mehr. Es gibt einen wesentlich kleineren Kontinent aufgeteilt in die Amerikanische Republik und in die Kolonien. Beide bekämpfen sich seit Jahren. Und die Rebellen, die in der Republik ihr Unwesen treiben, stehen irgendwo dazwischen. Diese ganze Konstellation sorgt für viele Konflikte und undurchschaubare Verwicklungen, die die Story unheimlich spannend machen.

Zu Beginn der Geschichte sind Day und June etwa 15 oder 16 Jahre alt. Damit hatte ich zunächst ein Problem, da ich sie als zu jung empfunden habe, gemessen daran, was sie bereits alles erlebt haben und wie sie agieren. Das relativierte sich für mich aber im Lauf der Geschichte. Denn immer wieder blitzt doch ihre Unerfahrenheit durch und macht sie so doch authentisch. June hat etwas sehr Analytisches an sich, sie zählt die Zeiten und Entfernungen, nimmt ihre Umgebung sehr detailreich wahr und hat sich als Kind schon an Day gemessen. Ursprünglich natürlich, weil sie den Verbrecher schnappen will. Doch als sich die beiden kennenlernen, muss sie feststellen, dass die Welt nicht so klar ist, wie es ihr immer eingetrichtert wurde.

Der zweite Teil der Reihe beginnt dann etwas langsamer. Die Figuren müssen erst einmal an ihre Positionen gebracht werden. Besonders gut gefallen hat mir auch die Beziehung zwischen Day und June. Die beiden haben es nicht leicht. Durch ihre Vergangenheit werden sie immer wieder an sehr schlimme Dinge erinnert, die es einem unmöglich macht, nur positiv übereinander zu denken. Besonders Day hat daran zu knabbern, hat er doch so viel verloren, weil June zunächst auf Regierungsseite agierte. So muss Day einen inneren Konflikt ausfechten, der nicht nur June betrifft, sondern auch seine langjährige Weggefährtin Tess. Und auch für June ist die Liebe, die sie für Day empfindet nicht so leicht. Es ist sehr authentisch, dass June und Day sich erst weiter kennenlernen müssen, da sie zuvor jahrelang in verschiedenen Welten gelebt haben. Das streift man nicht so leicht ab.

Ich fand es außerdem gut, dass auch die düsteren und egoistischen Gedanken der Protagonisten niedergeschrieben werden. Niemand ist ein Heiliger und besonders in den herrschenden Gegebenheiten ist man doch auch versucht, den einfachen Weg zu nehmen und ein angenehmeres Leben zu führen, welches aber gleichzeitig schmerzhaft sein kann. Die ganzen Konflikte führen auch dazu, dass June kurzzeitig nicht mehr so überlegen wirkt, wie im ersten Band. Mit den Zweifeln am System entstehen auch Zweifel und Unsicherheiten. Sodass June besonders im dritten Teil droht, sich selbst zu verlieren, da sie das tut, was alle anderen von ihr erwarten. Die Protagonisten sind nicht vollkommen, nicht immer fair und auch mal egoistisch. Innere Konflikte und Selbstzweifel sind äußerst authentisch.

Band 3 begann dann wieder äußerst emotional und Days tragischer Charakter wieder einmal mehr ins Zentrum gestellt. Ich möchte nicht zu sehr darauf eingehen, da es zu viel der Geschichte preisgeben würde. Ich war emotional auf jeden Fall unheimlich berührt. Mir blutete regelrecht das Herz und ich fragte mich, wie diese Situation glaubhaft ins Gute gekehrt werden kann. Ich kann euch sagen, die Autorin hat hier eine wirklich gute Lösung gefunden. Zuvor gilt es aber noch einige Irrungen und Wirrungen aufzudröseln und spektakuläre Fluchten zu überleben. Die Lage spitzt sich weiter und weiter zu, die Bedrohungen werden immer intensiver. Wenn man denkt, es könne nicht mehr schlimmer – besonders für Day werden – setzt die Autorin doch immer wieder noch einen drauf. Da ist kaum noch Zeit zum Luftholen.

Die "Legend"-Trilogie hat mich einfach umgehauen. Ich habe länger nicht mehr solch eine tolle Geschichte zu lesen gehabt und so reiht sich die Reihe definitiv unter meine Lieblingsbücher. Als großer Vortex Fan habe ich ein paar Parallelen dazu gefunden (wobei Legend früher erschienen ist) und trotzdem sind die Geschichte so unterschiedlich. Solltet ihr Fans von "Vortex" sein, werdet ihr sicherlich auch Fans von Legend werden. Lest diese Reihe, lasst euch mitreißen, eurer Herz auseinandernehmen und euch am Ende voller Emotionen zurücklassen. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 22.09.2023

Was für eine spannende und wohldurchdachte Dystopie!

Legend - Schwelender Sturm
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Ich bin so froh, auf Instagram über die drei "Legend" Bücher von Marie Lu gestolpert zu sein. Sie sind nun ja schon eine ganze Weile auf dem Markt und irritierender Weise hatte ich zuvor noch nicht etwas ...

Ich bin so froh, auf Instagram über die drei "Legend" Bücher von Marie Lu gestolpert zu sein. Sie sind nun ja schon eine ganze Weile auf dem Markt und irritierender Weise hatte ich zuvor noch nicht etwas über die dramatischen Geschichte der Protagonisten Day und June gehört. Einmal mit dieser Reihe begonnen, kann man gar nicht mehr aufhören und die Geschichte wird mir mit Sicherheit noch lange nachhängen. Die Trilogie zählt nun definitiv zu meinen Lieblingsbuchreihe. Fans der "Vortex" -Trilogie sollte auch Legend unbedingt lesen!

Die Autorin:

Marie Lu (geboren 1984) wurde in Shanghai geboren und lebte für einige Zeit in Texas. Ihr Studium absolvierte sie dann aber an der University of Southern California. Bevor sie mit dem Schreiben begann, arbeitete sie bei den Disney Interactive Studios. Inzwischen ist sie Bestsellerautorin und lebt mit ihrem Mann und ihren Hunden in Santa Monica. In ihrer Freizeit liest sowie zeichnet sie und spielt Assassin´s Creed.

Inhalt:

„Auf der Flucht vor der Republik schließen sich June und Day den Patrioten an, um Days Bruder zu retten und in die Kolonien zu entkommen. Doch die Patrioten fordern eine Gegenleistung: June und Day sollen Anden, den neuen Elektor, töten. Eine Tat, die all dem Unrecht und der brutalen Unterdrückung ein Ende bereiten könnte. Als June jedoch begreift, dass der neue Elektor ganz anders ist als sein Vorgänger, beginnt sie zu zweifeln: Was, wenn Anden einen neuen Anfang darstellt? Was, wenn politische Veränderungen nicht unbedingt Tod, Vergeltung und Gewalt bedeuten muss? Was, wenn die Patrioten falsch liegen?“
(Klappentext)

Kritk und Fazit:

Die Hardcover Aufmachung der Reihe hat mir ganz besonders gut gefallen. Leider gibt es sie nicht mehr über den Buchhandel zu kaufen, man kann Second Hand aber durchaus noch Glück haben und sie für ein paar Euro erstehen. Obwohl die Welt in Legend ziemlich düster ist, sind die Cover sehr hell gestaltet. Dennoch werden sie von Band eins bis drei immer dunkler. Die Lilatöne haben aber gleichzeitig etwas mädchenhaftes oder symbolisieren die Liebe zwischen Day und June. Auf jedem Cover prangt in der Mitte ein goldenes Symbol, welche in der Geschichte ihren Ursprung hat und zum jeweiligen Handlungsstrang passt. Durch die Goldfolie wirkt alles außerdem sehr edel.

Der Schreibstil der Autorin ist äußerst mitreißend und ich konnte der Story stets gut folgen. Marie Lu hat sich entschieden, abwechselnd Day und June zu Wort kommen zu lassen, sodass wir einen guten Einblick in die Welt der Reichen und die der Armen sowie Ausgestoßenen bekommen und alle Seiten genau durchleuchten können. Schnell wird klar, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist und die politischen Machenschaften ziemlich verworren sind.

Besonders Day ist ein sehr tragischer Charakter. Gezwungen in Armut aufzuwachsen und dann seinen Tod vorzutäuschen lebt er so weit am Rande der Gesellschaft, wie es überhaupt möglich ist. So beginnt er auch, seinen Unmut gegenüber der Regierung durch größer angelegte Streiche an ihr zur Schau zu tragen. Er wird zu einem der meist gesuchten Verbrecher der Amerikanischen Republik. June hingegen ist im Prinzip äußerst gesetzestreu, dennoch steckt eine kleine Rebellin in ihr, die hier und da in Schwierigkeiten gerät, weil sie so gut wie möglich für die Regierung arbeiten möchte. Als ihr Bruder ermordet wird, verlässt sie die Schule und tritt in die Armee der Regierung ein. Und so ist ein Aufeinandertreffen der beiden unausweichlich.

Wie haben es hier mit einer Dystopie zu tun, das heißt die Geschichte ist in der Zukunft angesiedelt, einer Zukunft nach der großen Überschwemmung, ausgelöst durch den Klimawandel. Die Vereinigten Staaten Amerikas existieren nicht mehr. Es gibt einen wesentlich kleineren Kontinent aufgeteilt in die Amerikanische Republik und in die Kolonien. Beide bekämpfen sich seit Jahren. Und die Rebellen, die in der Republik ihr Unwesen treiben, stehen irgendwo dazwischen. Diese ganze Konstellation sorgt für viele Konflikte und undurchschaubare Verwicklungen, die die Story unheimlich spannend machen.

Zu Beginn der Geschichte sind Day und June etwa 15 oder 16 Jahre alt. Damit hatte ich zunächst ein Problem, da ich sie als zu jung empfunden habe, gemessen daran, was sie bereits alles erlebt haben und wie sie agieren. Das relativierte sich für mich aber im Lauf der Geschichte. Denn immer wieder blitzt doch ihre Unerfahrenheit durch und macht sie so doch authentisch. June hat etwas sehr Analytisches an sich, sie zählt die Zeiten und Entfernungen, nimmt ihre Umgebung sehr detailreich wahr und hat sich als Kind schon an Day gemessen. Ursprünglich natürlich, weil sie den Verbrecher schnappen will. Doch als sich die beiden kennenlernen, muss sie feststellen, dass die Welt nicht so klar ist, wie es ihr immer eingetrichtert wurde.

Der zweite Teil der Reihe beginnt dann etwas langsamer. Die Figuren müssen erst einmal an ihre Positionen gebracht werden. Besonders gut gefallen hat mir auch die Beziehung zwischen Day und June. Die beiden haben es nicht leicht. Durch ihre Vergangenheit werden sie immer wieder an sehr schlimme Dinge erinnert, die es einem unmöglich macht, nur positiv übereinander zu denken. Besonders Day hat daran zu knabbern, hat er doch so viel verloren, weil June zunächst auf Regierungsseite agierte. So muss Day einen inneren Konflikt ausfechten, der nicht nur June betrifft, sondern auch seine langjährige Weggefährtin Tess. Und auch für June ist die Liebe, die sie für Day empfindet nicht so leicht. Es ist sehr authentisch, dass June und Day sich erst weiter kennenlernen müssen, da sie zuvor jahrelang in verschiedenen Welten gelebt haben. Das streift man nicht so leicht ab.

Ich fand es außerdem gut, dass auch die düsteren und egoistischen Gedanken der Protagonisten niedergeschrieben werden. Niemand ist ein Heiliger und besonders in den herrschenden Gegebenheiten ist man doch auch versucht, den einfachen Weg zu nehmen und ein angenehmeres Leben zu führen, welches aber gleichzeitig schmerzhaft sein kann. Die ganzen Konflikte führen auch dazu, dass June kurzzeitig nicht mehr so überlegen wirkt, wie im ersten Band. Mit den Zweifeln am System entstehen auch Zweifel und Unsicherheiten. Sodass June besonders im dritten Teil droht, sich selbst zu verlieren, da sie das tut, was alle anderen von ihr erwarten. Die Protagonisten sind nicht vollkommen, nicht immer fair und auch mal egoistisch. Innere Konflikte und Selbstzweifel sind äußerst authentisch.

Die "Legend"-Trilogie hat mich einfach umgehauen. Ich habe länger nicht mehr solch eine tolle Geschichte zu lesen gehabt und so reiht sich die Reihe definitiv unter meine Lieblingsbücher. Als großer Vortex Fan habe ich ein paar Parallelen dazu gefunden (wobei Legend früher erschienen ist) und trotzdem sind die Geschichte so unterschiedlich. Solltet ihr Fans von Vortex sein, werdet ihr sicherlich auch Fans von Legend werden. Lest diese Reihe, lasst euch mitreißen, eurer Herz auseinandernehmen und euch am Ende voller Emotionen zurücklassen. Es lohnt sich!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2023

Was für eine spannende und wohldurchdachte Dystopie!

Legend (Band 1) - Fallender Himmel
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Ich bin so froh, auf Instagram über die drei "Legend" Bücher von Marie Lu gestolpert zu sein. Sie sind nun ja schon eine ganze Weile auf dem Markt und irritierender Weise hatte ich zuvor noch nicht etwas ...

Ich bin so froh, auf Instagram über die drei "Legend" Bücher von Marie Lu gestolpert zu sein. Sie sind nun ja schon eine ganze Weile auf dem Markt und irritierender Weise hatte ich zuvor noch nicht etwas über die dramatischen Geschichte der Protagonisten Day und June gehört. Einmal mit dieser Reihe begonnen, kann man gar nicht mehr aufhören und die Geschichte wird mir mit Sicherheit noch lange nachhängen. Die Trilogie zählt nun definitiv zu meinen Lieblingsbuchreihe. Fans der "Vortex" -Trilogie sollte auch Legend unbedingt lesen!

Die Autorin:

Marie Lu (geboren 1984) wurde in Shanghai geboren und lebte für einige Zeit in Texas. Ihr Studium absolvierte sie dann aber an der University of Southern California. Bevor sie mit dem Schreiben begann, arbeitete sie bei den Disney Interactive Studios. Inzwischen ist sie Bestsellerautorin und lebt mit ihrem Mann und ihren Hunden in Santa Monica. In ihrer Freizeit liest sowie zeichnet sie und spielt Assassin´s Creed.

Inhalt:

„Der unbändige Wunsch nach Rache führt June auf Days Spur. Sie, ausgebildet zum Aufspüren und Töten von Regimegegnern, erschleicht sich sein Vertrauen. Doch Day, der meistgesuchte Verbrecher der Republik, erweist sich als loyal und selbstlos – angetrieben von einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn. June beginnt, die Welt durch seine Augen zu sehen. Ist Day tatsächlich der Mörder ihres Bruders? Fast zu spät erkennt June, dass sie nur eine Spielfigur in einem perfiden, verräterischen Plan ist.“
(Klappentext)

Kritk und Fazit:

Die Hardcover Aufmachung der Reihe hat mir ganz besonders gut gefallen. Leider gibt es sie nicht mehr über den Buchhandel zu kaufen, man kann Second Hand aber durchaus noch Glück haben und sie für ein paar Euro erstehen. Obwohl die Welt in Legend ziemlich düster ist, sind die Cover sehr hell gestaltet. Dennoch werden sie von Band eins bis drei immer dunkler. Die Lilatöne haben aber gleichzeitig etwas mädchenhaftes oder symbolisieren die Liebe zwischen Day und June. Auf jedem Cover prangt in der Mitte ein goldenes Symbol, welche in der Geschichte ihren Ursprung hat und zum jeweiligen Handlungsstrang passt. Durch die Goldfolie wirkt alles außerdem sehr edel.

Der Schreibstil der Autorin ist äußerst mitreißend und ich konnte der Story stets gut folgen. Marie Lu hat sich entschieden, abwechselnd Day und June zu Wort kommen zu lassen, sodass wir einen guten Einblick in die Welt der Reichen und die der Armen sowie Ausgestoßenen bekommen und alle Seiten genau durchleuchten können. Schnell wird klar, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist und die politischen Machenschaften ziemlich verworren sind.

Besonders Day ist ein sehr tragischer Charakter. Gezwungen in Armut aufzuwachsen und dann seinen Tod vorzutäuschen lebt er so weit am Rande der Gesellschaft, wie es überhaupt möglich ist. So beginnt er auch, seinen Unmut gegenüber der Regierung durch größer angelegte Streiche an ihr zur Schau zu tragen. Er wird zu einem der meist gesuchten Verbrecher der Amerikanischen Republik. June hingegen ist im Prinzip äußerst gesetzestreu, dennoch steckt eine kleine Rebellin in ihr, die hier und da in Schwierigkeiten gerät, weil sie so gut wie möglich für die Regierung arbeiten möchte. Als ihr Bruder ermordet wird, verlässt sie die Schule und tritt in die Armee der Regierung ein. Und so ist ein Aufeinandertreffen der beiden unausweichlich.

Wie haben es hier mit einer Dystopie zu tun, das heißt die Geschichte ist in der Zukunft angesiedelt, einer Zukunft nach der großen Überschwemmung, ausgelöst durch den Klimawandel. Die Vereinigten Staaten Amerikas existieren nicht mehr. Es gibt einen wesentlich kleineren Kontinent aufgeteilt in die Amerikanische Republik und in die Kolonien. Beide bekämpfen sich seit Jahren. Und die Rebellen, die in der Republik ihr Unwesen treiben, stehen irgendwo dazwischen. Diese ganze Konstellation sorgt für viele Konflikte und undurchschaubare Verwicklungen, die die Story unheimlich spannend machen.

Zu Beginn der Geschichte sind Day und June etwa 15 oder 16 Jahre alt. Damit hatte ich zunächst ein Problem, da ich sie als zu jung empfunden habe, gemessen daran, was sie bereits alles erlebt haben und wie sie agieren. Das relativierte sich für mich aber im Lauf der Geschichte. Denn immer wieder blitzt doch ihre Unerfahrenheit durch und macht sie so doch authentisch. June hat etwas sehr Analytisches an sich, sie zählt die Zeiten und Entfernungen, nimmt ihre Umgebung sehr detailreich wahr und hat sich als Kind schon an Day gemessen. Ursprünglich natürlich, weil sie den Verbrecher schnappen will. Doch als sich die beiden kennenlernen, muss sie feststellen, dass die Welt nicht so klar ist, wie es ihr immer eingetrichtert wurde.

Ich fand es außerdem gut, dass auch die düsteren und egoistischen Gedanken der Protagonisten niedergeschrieben werden. Niemand ist ein Heiliger und besonders in den herrschenden Gegebenheiten ist man doch auch versucht, den einfachen Weg zu nehmen und ein angenehmeres Leben zu führen, welches aber gleichzeitig schmerzhaft sein kann. Die ganzen Konflikte führen auch dazu, dass June kurzzeitig nicht mehr so überlegen wirkt, wie im ersten Band. Mit den Zweifeln am System entstehen auch Zweifel und Unsicherheiten. Sodass June besonders im dritten Teil droht, sich selbst zu verlieren, da sie das tut, was alle anderen von ihr erwarten. Die Protagonisten sind nicht vollkommen, nicht immer fair und auch mal egoistisch. Innere Konflikte und Selbstzweifel sind äußerst authentisch.

Die "Legend"-Trilogie hat mich einfach umgehauen. Ich habe länger nicht mehr solch eine tolle Geschichte zu lesen gehabt und so reiht sich die Reihe definitiv unter meine Lieblingsbücher. Als großer "Vortex"-Fan habe ich ein paar Parallelen dazu gefunden (wobei Legend früher erschienen ist) und trotzdem sind die Geschichte so unterschiedlich. Solltet ihr Fans von Vortex sein, werdet ihr sicherlich auch Fans von Legend werden. Lest diese Reihe, lasst euch mitreißen, eurer Herz auseinandernehmen und euch am Ende voller Emotionen zurücklassen. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 12.09.2023

Mit dem Strom schwimmen oder mutig sein?

Benjamin
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In "Benjamin – Ein kleiner Fisch mit großem Mut" geht es darum, nicht blind mit dem Strom zu schwimmen; sich genau anzuschauen, welche Wirkung man auf andere hat und dann gegebenenfalls den Mut zu haben, ...

In "Benjamin – Ein kleiner Fisch mit großem Mut" geht es darum, nicht blind mit dem Strom zu schwimmen; sich genau anzuschauen, welche Wirkung man auf andere hat und dann gegebenenfalls den Mut zu haben, sich der Masse zu widersetzen. Genau das tut Benjamin nämlich, als er bemerkt, dass die Bande gar nicht so toll ist, wie er lange gedacht hat.

Die Autorin:

Rocio Bonilla (geboren 1970) ist Illustratorin und Autorin vieler Kinderbücher. Sie studierte Kunst an der Universität Barcelona und arbeitete vor ihrer schriftstellerischen Laufbahn als Malerin, Fotografin und Pädagogin sowie in der Werbebranche. 2010 erschien ihr erstes Kinderbuch, angeregt durch ihre eigene Tochter.

Inhalt:

„Benjamin ist klein und ein bisschen schüchtern. Als ihn eine Bande bei sich aufnimmt, fühlt er sich geschmeichelt. Denn er glaubt, dass sie von allen Fischen bewundert wird. Doch bald muss er feststellen, dass die anderen Angst vor der Bande haben. Benjamin muss eine Entscheidung treffen …
Eine Geschichte über wahre Freundschaft und den Mut, gegen den Strom zu schwimmen.“
(Klappentext)

Kritik und Fazit:

Etwas untypisch für Rocio Bonilla erschien mir das Cover diesmal. Die Farben sind bis auf den kleinen Fisch Benjamin im Zentrum fast schon kühl und eintönig. Nur Benjamin sticht mit dem Rot heraus und zeigt seine Individualität. Dargestellt wird eine Szene unter Wasser, die die Bande um Benjamin zeigt, wie sie mit geschlossenen Augen und zufriedener Mimik durch das Meer gleitet. Doch Benjamin hat die Augen geöffnet und wirkt ein wenig überrascht oder ratlos. Wieso das so ist, das erfahren wir in der zauberhaft illustrierten und mit wenigen Worten treffend geschilderten Geschichte.

Auf den Doppelseiten gibt es großflächige Illustrationen, manchmal sogar Bilderreihen, die die Geschichte super in Szene setzen. In kurzen Sätzen beschreibt Rocio Bonilla, was in der Geschichte geschieht und dabei sind die Bilder mit einigen Details gespickt, die das ganze sehr ausdrucksstark verdeutlichen. Zu Beginn ist Benjamin ein glücklicher und zufriedener Fisch, der mit seinen beiden Freunden eine großartige Zeit hat. Doch dann lässt er sich doch von der Bande verführen und schließt sich ihnen an. Es ist ja so einfach, wenn man einfach mitschwimmt und sich selbst um nichts mehr kümmern muss. Da schließt auch er irgendwann die Augen und schwimmt mit dem Strom. Als aber seine ehemals besten Freunde zum Opfer der Bande werden, erkennt Benjamin die Wahrheit hinter all dem. Er begehrt auf und schafft es so, dass auch die anderen Bandenmitglieder ihre Augen nicht mehr vor dem Unrecht verschließen, dass auch sie eins schon gesehen haben.

Die Bilder zeigen mit viel Empathie Benjamins Geschichte und dabei gibt es viele Details aus dem Meer zu bestaunen. Die Bilder sind zwar farbenfroh, aber dennoch nicht so stark leuchtend, dass es unnatürlich wirken würde. Auch die Umweltverschmutzung ist auf den Zeichnungen zu erkennen und bietet einen weiteren Aspekt, den man sicherlich mit den Kindern gut besprechen kann. Ist die Bande zu Beginn der Geschichte noch eher trist und grau, so wird sie bunt und fröhlich, nachdem die einzelnen Mitglieder die Augen geöffnet und sich für ein positives Miteinander entschieden haben.

"Benjamin – Ein kleiner Fisch mit großem Mut" klärt über das blinde Mitschwimmen in einer Gesellschaft auf. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin nicht mit dem erhobenen Zeigefinger oder gar anklagend daherkommt. Vielmehr schildert sie einfach den Verlauf der Dinge und am Ende wird sogar der ehemals böse Anführer der Bande mit in die bunte Gemeinschaft aufgenommen. Das Buch eignet sich also auch wunderbar, um in Kindergärten oder anderen pädagogischen Einrichtungen eingesetzt zu werden, um auf Fehlverhalten aufmerksam zu machen und ein harmonisches Miteinander zu schaffen.

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