Profilbild von Botte05

Botte05

Lesejury Star
offline

Botte05 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Botte05 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2025

Wer hat hier das Sagen?

Riccardino
1

Commissario Montalbano ist müde. Er hadert mit seinem literarischen Zwilling, welcher im Fernsehen eine bessere Figur macht, er lehnt sich gegen den Autor auf, der sich mehr und mehr in die Ermittlungsarbeit ...

Commissario Montalbano ist müde. Er hadert mit seinem literarischen Zwilling, welcher im Fernsehen eine bessere Figur macht, er lehnt sich gegen den Autor auf, der sich mehr und mehr in die Ermittlungsarbeit einmischt. Alles ärgerlich und ungehörig.

Und dann geschieht ein Mord. Statt mit seinen engen Freunden wandern zu gehen, ist Riccardino nun Opfer eines Mordes durch Erschießen. Es gibt Augenzeugen, aber keiner scheint wirklich etwas von Nutzen gesehen zu haben. Erst als Montalbano die Freunde gegeneinander ausspielt, kommt etwas Schwung in die Ermittlungen. Aber wer treibt des Nachts sein Unwesen auf der Müllkippe? Gibt es einen Zusammenhang?

Dies ist mein zweites Buch aus der Feder des Autors mit seinem Protagonisten Montalbano. Von diesem Band bin ich leider enttäuscht worden. Es gibt zwar einen Mord, Ermittlungsarbeit, einen Nebenstrang, welcher ebenfalls der Aufmerksamkeit des Commissario bedarf, “besondere” Protagonisten, aber irgendwie nimmt die Geschichte nicht wirklich an Fahrt auf, vermag die Handlung mich gar nicht zu fesseln.

Anfangs habe ich es als besonderen Kniff empfunden, dass der Autor mit seinem erdachten Commissario spricht, den Fall diskutiert. Aber diese Passagen nehmen mir letztlich zu viel Raum ein und sind schlussendlich dem Fortgang der Handlung nicht dienlich. Die Lösung des Falls verschwindet im Geschwafel und der Commissario radiert sich aus.

Der Leser des Hörbuches Hans Jürgen Stockerl macht eine sehr gute Arbeit. Durch seine Sprachfarbe und stimmlichen Gestaltungsfähigkeit gelingt es ihm, dass ich das Buch bis zum Schluss höre. Hätte ich dieses Buch gelesen, wäre es lediglich zu einem Querlesen verkümmert, um es irgendwie abzuschließen. Insofern gebührt dem Sprecher ein besonderes Lob!



Andrea Camilleri, Riccardino, Kriminalroman, Hörbuch, Lübbe Audio, 309 Minuten in der gekürzten Lesung, 304 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungsdatum 27.06.2025

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Sprecher
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 26.11.2023

Nicht Hygge, nicht fesselnd

Der Schlüssel zum Mord
0

Anne-Maj Mortensen kümmert sich um den Nachlass ihres verstorbenen Ex-Mannes Per Gunnarsen, um ihre Tochter Iben als Erbin zu entlasten. Dabei stolpert sie unversehens in eine äußerst unangenehme Situation, ...

Anne-Maj Mortensen kümmert sich um den Nachlass ihres verstorbenen Ex-Mannes Per Gunnarsen, um ihre Tochter Iben als Erbin zu entlasten. Dabei stolpert sie unversehens in eine äußerst unangenehme Situation, welche jedoch ihre Antennen als Hobby-Detektivin aktivieren, was dazu führt, dass sie nicht nur polizeiliche Ermittlungen anzustoßen sucht, sondern sich im weiteren Verlauf zudem in unangemessener Art in die Arbeit der örtlichen Polizei einmischt. Für diese ist sie allerdings keine Unbekannte; es ist immerhin der dritte Fall, in dem Frau Mortensen ermittelt.

Die Buchbeschreibung und der erste Lese-Eindruck wecken große Erwartungen an den Witz und das Hygge-Gefühl bei diesem Krimi. Leider ist dieser Eindruck rasant verschwunden. Das Buch beginnt sehr langatmig und wenig interessant. Dieser Eindruck relativiert sich ein wenig im weiteren Verlauf. Im dritten Viertel kommt ein wenig Spannung auf, welche leider nicht bis zum Ende des Buches aufrechterhalten wird. Die Lösung erfolgt jedoch auch eher mitten im letzten Abschnitt. Ob es das Weitere noch gebraucht hätte? Für mich nicht.

Das Buch bleibt leider weit hinter seinen geweckten Möglichkeiten zurück. Immerhin tituliert es sich selbst als Hygge-Krimi, was ja nun ein gewisses Wohlgefühl beim Lesen und eine angenehme Unterhaltung suggeriert. Beides hat sich bei mir nicht eingestellt. Die Protagonisten sind zwar irgendwie „nett“, erreichen mich jedoch gar nicht und die angeblichen Fähigkeiten und Leistungen von Frau Mortensen erscheinen exorbitant überzogen.

Das grundlegende Thema ist durchaus ernst zu nehmen und erst recht in Verbindung mit Mord nicht dazu geeignet, hygge zu sein. Im Finale ergeht sich die Autorin sogar noch in ernsthafter Lektüre, welche sicherlich fundiert recherchiert und kritisch beleuchtet wird, jedoch in dieser Art Buch letztlich fehlplatziert bleibt.

Es ist der dritte Fall der Autorin in der Hygge-Krimi-Reihe, für mich der erste. Grundsätzlich kann das Buch für sich allein stehen.

Wer wirkliche Wohlfühlatmosphäre mit etwas Witz sucht, wird hier leider nicht fündig.


Anna Grue, Der Schlüssel zum Mord, Hygge-Krimi, eBook, Saga Edmond Verlag, 2844 KB, 500 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 10.10.2023

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2023

1942 bricht ins Jetzt hinein

Die letzte Welle
0

Tore Lindahl, pensionierter Polizist, lebt nach einem Schlaganfall im Altenheim Ömheten. Nach wie vor im Besitz einer neugierigen Spürnase beobachtet er Vorgänge im Altenstift, in deren mutmaßlichen Fahrwasser ...

Tore Lindahl, pensionierter Polizist, lebt nach einem Schlaganfall im Altenheim Ömheten. Nach wie vor im Besitz einer neugierigen Spürnase beobachtet er Vorgänge im Altenstift, in deren mutmaßlichen Fahrwasser sein Heimnachbar Viking verstirbt.
Veronika Wiklund macht ein eher unbefriedigendes Praktikum bei der örtlichen Zeitung. Bei einer mäßig interessanten Befragung im Altenheim Ömheten trifft sie auf Tore, der ihre Neugierde weckt, so dass eine eigenständige Ermittlung rund um das Altenheim sowie die kürzlichen Todesfälle beginnt.

Die Handlung wechselt ins Jahr 1942, ebenfalls Grissleham, zu Siri Mattsson. Sie ist Teil eines verschworenen Freundeskreises, der im Untergrund gegen die nationalsozialistische Bedrohung agiert.

Die Autorin entfaltet nach und nach zwei Haupthandlungsstränge, welche erst kurz vor dem Finale ihre Verbindung offenbaren. In der Gegenwart um Tore und Veronika eröffnet Sjögren diverse Nebenschauplätze, wovon einige für mich absolut entbehrlich sind, zumal sie m. E. gar nicht zum Fortgang der Geschichte beitragen, mich im Gegenteil verwirren und mein Lesedurchhaltevermögen unnötig auf die Probe stellen. Das unstete Privatleben von Veronika müsste für mich auch nicht derart seziert werden.
Die kriminalistische und/oder journalistische Arbeit von Tore und Veronika findet leider eher nebenbei statt. Manche Schritte entbehren für mich eines logischen Zusammenhangs. Und doch kommt am Ende etwas Spannung auf, Geheimnisse werden gelüftet, Fälle gelöst.

Die Ereignisse im Jahre 1942 hingegen werden interessant und logisch voranschreitend berichtet. Siri wächst mir ans Herz, ihre Geschichte interessiert mich. Die historischen Gegebenheiten wirken schlüssig, allerdings bleiben die Hintergrundinformationen der damaligen Zeit an der Oberfläche.

„Die letzte Welle“ kommt als Kriminalroman daher. Dies ist das Buch für mich nicht. Ich sehe es eher als eine gute, schlüssige Biografie einer jungen Frau, die in den Wirren des Krieges ihren Weg sucht, welche jedoch erst in der Gegenwart ihre wahre Seite offenbart. Und im Heute wird etwas Räuber und Gendarm gespielt.

Würde dieses über weite Strecken ansprechende Buch etwas zusammengeschrumpft, die Lebensgeschichte von Siri noch etwas ausgeschmückt, dafür das Unnötige weggelassen und eine „rundere“ Detektivgeschichte gesponnen, hätte es das Potential richtig gut zu sein.


Cecilia Sjögren, Die letzte Welle, Taschenbuch, Saga Egmont, 594 Seiten, Erscheinungstermin: 11.09.2023

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.08.2023

Aale in Frankfurt

Die Spur der Aale
0

Greta Vogelsang wird zu einem Fundort einer Leiche am Mainufer gerufen. Ausgerechnet! Hat sie doch „nur“ Bereitschaftsdienst… Bei dem Toten handelt es sich um den Zollfahnder Mathissen, welcher kürzlich ...

Greta Vogelsang wird zu einem Fundort einer Leiche am Mainufer gerufen. Ausgerechnet! Hat sie doch „nur“ Bereitschaftsdienst… Bei dem Toten handelt es sich um den Zollfahnder Mathissen, welcher kürzlich wiederholt versucht hatte, mit Vogelsang in Kontakt zu treten. Sollte er einer großen Sache auf der Spur gewesen sein? Obwohl Vogelsang nichts mit Tötungsdelikten zu tun hat, mischt sie sich immer wieder in die laufende Ermittlung ein.

„Die Spur der Aale“ bildet den Auftakt zu einer neuen Kriminalroman-Reihe um die Staatsanwältin Greta Vogelsang.

Das Buch ist einfach zu lesen, die Handlung gut zu verfolgen. Im zweiten Drittel der Geschichte kommt sogar etwas Spannung auf, welche leider verpufft. Grundsätzlich bin ich mit dem Ausgang der Geschichte zufrieden, aber irgendwie bleibt nichts wirklich "hängen". Warum Vogelsang nun die "Hauptdarstellerin" ist, erschließt sich mir nicht. M. E. ermittelt sie nicht wirklich. Ihr Privatleben ist „nur“ schmückendes Beiwerk, trägt für mich zu nichts bei, ist weder interessant oder unterhaltend. Bei einem eher kurzen Buch wäre eine reine Ermittlung zu einem Fall mehr wert gewesen als zig Nebenschauplätze

Zum Ende hin versucht sich der Autor an ein, zwei Cliffhangern, welche für mich zu konstruiert erscheinen. Sie schaffen nicht wirklich einen Anreiz, die Reihe weiter zu verfolgen.

Die Hintergründe des Schmuggels der Glasaale scheinen mir gut recherchiert und insofern gut in die Handlung eingefügt.


Florian Wacker, Die Spur der Aale – Ein Fall für Greta Vogelsang, Kriminalroman, Taschenbuch, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 240 Seiten, Erscheinungstermin: 06.07.2023

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2023

Die Polarnacht bleibt leider still

In der Stille der Polarnacht
0

Virginia Reeve, ihrerseits erfahren in der Führung von Ansiedlertrecks in der Sierra Nevada, wird beauftragt, eine 12 Frauen umfassende Expedition in die Arktis anzuführen. Zielsetzung ist, das Schicksal ...

Virginia Reeve, ihrerseits erfahren in der Führung von Ansiedlertrecks in der Sierra Nevada, wird beauftragt, eine 12 Frauen umfassende Expedition in die Arktis anzuführen. Zielsetzung ist, das Schicksal des verschollenen Polarforschers Sir John Franklin zu ergründen. Ein Unterfangen, an dem „normale“ (Männer-) Expeditionen bereits wiederholt gescheitert sind.
Nach Ablauf der notwendigen Vorbereitungen bricht die bunt zusammengewürfelte „Damenmannschaft“ ins Ungewisse auf.

Nur ein Teil der Frauen kehrt zurück. Die wohlhabenden, einflussreichen Eltern eines verunglückten Expeditionsmitglieds lassen Virginia verhaften und forcieren einen Gerichtsprozess, welcher zweifelsfrei den Tod Virginias zum Ziel haben soll. Hierzu wird von Bestechung, Meineiden und abstruser Stimmungsmache eifrig Gebrauch gemacht.

„In der Stille der Polarnacht“ schildert abwechselnd die Ereignisse vor und während der Expedition sowie des bizarren Gerichtsprozesses. Hierzu ist zu bedenken, zu welcher Zeit die Handlung spielt, welche Rolle einer Frau zugedacht wurde, welche Macht der Männer dem gegenüberstand, was sich gehörte und was nicht, welche Bedeutung Stand und Ansehen hatten usw. Insgesamt wird diesen Rahmenbedingungen seitens der Autorin weitgehend Rechnung getragen, liegen doch dem Plot und seinen Protagonisten ausführliche Recherchen zugrunde.

Der Klappentext des Buches hat in mir eine Vorstellung genährt, was mich zwischen den Buchdeckeln erwarten wird; die hautnahe Begleitung einer Expedition. „Natürlich“ erfolgen auch Schilderungen der Zeitspanne im unerbittlichen Eis der Arktis, für mich jedoch viel zu oberflächlich und nicht berührend. Viel detaillierter wird der Prozess ausgeführt, bis hin zu den Emotionen Virginias. Letztlich finde ich den Prozess interessanter als die Expedition.

Macallister zeichnet Virginias Lebensweg relativ genau nach, bis hin zu einem bislang sorgsam gehüteten Geheimnis. Auch die Biografien der Expeditionsteilnehmerinnen werden mehr oder weniger ausführlich offengelegt, trotzdem entwickle ich keine Beziehung zu einer der Damen. Die Geschichte wird m. E. dadurch überfrachtet, schweift ab und diese Exkurse sind dem Lesevergnügen und der Qualität des Buches nicht zuträglich. Hinzu kommt dann noch das sehr flüchtige Ansprechen diverser – ich nenne es mal so – Quoten-Themen, was m. E. völlig entbehrlich ist. Zudem ist es an mehreren Stellen zu Textverwirrungen und/oder Namensverwechslungen gekommen, zwei Textpassagen habe ich z. B. trotz mehrmaligem Lesen nicht verstanden. Auch das Agieren der Protagonisten fällt gelegentlich aus dem zugrunde liegenden historischen Rahmen.

Für wen ist das Buch geeignet? Vielleicht Leser*Innen, welche eine mittelschwere Kost mit etwas Dramatik vor historischer Kulisse bevorzugen. Wer gerne eine Frauen-Expedition in den Jahren um 1853 begleiten möchte, ist hier falsch.


Greer Macallister, In der Stille der Polarnacht, Roman, Taschenbuch, Insel Verlag, 16,00 €, 472 Seiten, Erscheinungstermin 21.11.2022

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere