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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2023

Das unterschätzte Organ

Darm mit Charme
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Der Darm ein verkanntes Organ? In diesem Buch hat sich Giulia Enders mit viel Charme den Themen angenommen, über die man nicht gerne spricht. Von der Sahnetorte bis zum Ausscheidungsprodukt ist ein langer ...

Der Darm ein verkanntes Organ? In diesem Buch hat sich Giulia Enders mit viel Charme den Themen angenommen, über die man nicht gerne spricht. Von der Sahnetorte bis zum Ausscheidungsprodukt ist ein langer und faszinieren Weg, wenn man sich erstmal auf die Reise getraut hat. Wir erfahren nicht nur viel Wissenswertes über die physiologische Funktion des Darms, sondern auch einiges über Dysfunktionen, Übergewicht und sogar, wie die Psyche mit der Darmmicrobiota zusammenhängt. Und dabei haben wir hier keine monotone Fachliteratur vor uns, sondern eine witzig gemachte und charmante Wegbeschreibung durch unseren Bauch. Nette Illustrationen bringen viel Auflockerung in das eher unangenehme Thema. Ich finde es immer ganz wunderbar, wenn uns Fachwissen auf diese sympathische und witzige Weise nähergebracht wird. Obwohl ich viel medizinisches Vorwissen habe, hat mich das Buch an keiner Stelle gelangweilt. Gezuckt habe ich allerdings bei ihrem Seitenhieb gegen die Tierärzteschaft und deren angeblich dubiosen Einsatz von Antibiotika. Zitat: „So verdienen viele Tierärzte ihr Geld mit semilegalem „Antibiotika-Handel“. Da es mittlerweile in der EU starke Regulierungen und Überwachungen des Antibiotikaeinsatzes in der Tiermedizin gibt (übrigens anders als in der Humanmedizin) sollte dieser Abschnitt unbedingt überarbeitet werden.

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Veröffentlicht am 27.09.2023

Alles im Griff?

Mein fremdes Kind
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Lennart bekommt von seinen Eltern zum 11. Geburtstag ein internetfähiges Handy geschenkt. Für die Eltern schon fast Routine, nachdem sie es bei ihren zwei älteren Töchtern bereits auch so gehandhabt hatten. ...

Lennart bekommt von seinen Eltern zum 11. Geburtstag ein internetfähiges Handy geschenkt. Für die Eltern schon fast Routine, nachdem sie es bei ihren zwei älteren Töchtern bereits auch so gehandhabt hatten. Doch mit Lennart ist es anders. Schon nach kurzer Zeit ist er völlig versunken in der Welt von „Brawl Stars“. Am Anfang für die Eltern einfach ein nerviges Hobby, doch nach kurzer Zeit ein echtes Problem. Denn Lennart möchte nichts anderes mehr machen und Verbote umgeht er geschickt. Irgendwann gipfelt es in Aggression, Lug und Trug und allen wird klar, hier liegt eine Computerspielsucht vor. Die Familie wendet sich an einen Therapeuten, der sie in ihrem Weg aus der Abhängigkeit unterstützt. Goldwert für uns Leser ist, dass die Mutter und selbsternannte Suchtmanagerin auch Wissenschaftjournalistin ist. So ist dieser Erfahrungsbericht gespickt mit vielen Rechercheergebnissen, Fakten und Wissenswertem rund um das Thema Kinder, Medien und Computerspielsucht. Und obwohl ich meine Kinder nicht als gefährdet bezeichnen würde, waren doch zahlreiche Informationen für mich dabei die mir wirklich die Augen geöffnet haben. Zum einen wie die Spieleindustrie arbeitet, um User bei der Stange zu halten und uns somit vor dem Bildschirm hält obwohl das Leben bestimmt spannenderes zu bieten hat als Kästchen ineinanderzuschieben. Und zum anderen jedoch auch viel über Kinder und ihr Bezug zu Medien. Schließlich sind sie die erste Generation, die komplett mit freiem Zugang zum Internet aufwächst, während wir auch noch das analoge Leben kennengelernt haben. Für alle Familien kann ich dieses Buch nur ganz ausdrücklich empfehlen. Es ist sehr angenehm und anschaulich geschrieben und man nimmt so viel Wissen mit, dass nur für alle Familienmitglieder von Vorteil sein kann.

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Veröffentlicht am 25.09.2023

Da reimt sich was zusammen

Das Sams 10. Das Sams und der blaue Drache
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Eigentlich hatte Papa Taschenbier dem Sams strengstens verboten die Wunschmaschine zu benutzen. Aber nun ist es Herbst und die Kinder lassen draußen ihre Drachen steigen. Und das Sams würde zu gerne dabei ...

Eigentlich hatte Papa Taschenbier dem Sams strengstens verboten die Wunschmaschine zu benutzen. Aber nun ist es Herbst und die Kinder lassen draußen ihre Drachen steigen. Und das Sams würde zu gerne dabei sein. Aber leider ist der Drachenladen gerade geschlossen und der Besitzer kommt erst in ein paar Tagen wieder. Da unser Sams nicht das Geduldigste ist, geht es natürlich doch an die Wunschmaschine und wünscht sich einen blauen Drachen. Und die Wunschmaschine liefert…einen blauen Drachen. Jedoch keinen starren mit Schnur, sondern einen echten, der feuerspeien und reden kann. Es beginnt ein niedliches und spannendes Versteckspiel zwischen Sams, Drachen und Herrn Taschenbier und Frau Rotkohl.
Schon als Kind habe ich die Bücher vom Sams geliebt. Umso mehr freue ich mich diese jetzt mit meiner Tochter zu lesen. Dieses hier kannte ich selbst noch nicht und war ganz hingerissen von der Geschichte mit dem niedlichen kleinen Drachen und dem ganzen Schabernack, den die zwei anstellen. Das Sams reimt natürlich auch wieder wild und lustig vor sich hin. Frau Rotkohl zetert und erzieht und Herr Taschenbier freut sich durch das Sams so viel Spaß und Abenteuer in seinem tristen Leben zu haben. Begleitet wird diese schöne Geschichte von zauberhaften Illustrationen, die einem das Lesen versüßen. Ein rundum gelungener Sams-Spaß.

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Veröffentlicht am 17.09.2023

So fern und doch so nahe

Miss Kim weiß Bescheid
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„Miss Kim weiß Bescheid- Storys“ von Cho Nam-Joo
In diesem Buch erwarten einen acht verschiedene Geschichten koreanischer Frauen. Alle eint die Elegie des Lebens und der stille Protest gegen ihre ihnen ...

„Miss Kim weiß Bescheid- Storys“ von Cho Nam-Joo
In diesem Buch erwarten einen acht verschiedene Geschichten koreanischer Frauen. Alle eint die Elegie des Lebens und der stille Protest gegen ihre ihnen zugedachte Rolle. Gut ausgebildete junge Frauen, die unter der Last der Arbeit und gleichzeitigen Rolle als Mutter, Ehefrau und Haushälterin zusammenbrechen und sich trübsinnig und resigniert dazu entschließen ihre Arbeit zu kündigen. Oder Frauen kurz vor ihrer Pension, die schwer gearbeitet haben und sich nun ihren Lebenstraum erfüllen wollen, von denen jedoch erwartet wird, dass sie sich um ihre Enkelkinder kümmern. Bestürzt hat mich jedoch auch eine Story zur sexuellen Belästigung von Schulmädchen, deren männliche Klassenkammeraden die knappe Schuluniform nutzten, um den Mädchen unter die Röcke zu filmen.
Zwischen Deutschland und Südkorea liegen rund 8100 km und dennoch kamen mir die Erzählungen und Gefühle der Frauen stark bekannt vor. In Deutschland wird händeringend nach Fachkräften gesucht, während viele Mütter verzweifelt nach Betreuungsmöglichkeiten ihrer Kinder suchen, um arbeiten gehen zu können. Die Frauen in Cho Nam-Joos Geschichten protestieren nicht laut, sie leiden eher still und versuchen selbst ihr Leben für sich erträglich zu gestalten. Und die Absurdität dieses Dilemmas wird in der Geschichte mit den sexuell belästigten Mädchen deutlich. Die Mütter der beschuldigten Jungen laufen Sturm und bedrängen die Mutter eines der Mädchen ihre Aussage zu ändern, da sie Nachteile für die Karriere ihrer Söhne vermuten, wenn ein Vermerk in ihrer Schulakte steht. Ketzerisch stellte ich mir die Frage, warum wir Frauen eigentlich immer wieder unglücklich in diese Rollen verfallen, wenn wir es doch eigentlich sind, die die Jungs aufziehen, ihnen Regeln und Werte mitgeben. Sind wir es dann nicht auch die die Macht darüber haben, wie die Gesellschaft einmal aussehen soll? Cho Nam-Joo regt sehr zum Nachdenken an. Nicht, indem sie uns klare Botschaften sendet, sondern indem sie uns Geschichten erzählt, die viele Frauen von uns kennen und so ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt. Großartige Erzählkunst!

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Veröffentlicht am 14.09.2023

Darfs ein bisschen Fantasy sein?

Silber - Das erste Buch der Träume
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Liv und ihre Schwester Mia sind an keinem Ort zu Hause. Ihre Mutter ist Professorin und fast jedes Jahr an einer anderen Uni der Welt angestellt. So müssen auch die zwei immer wieder Abschied nehmen und ...

Liv und ihre Schwester Mia sind an keinem Ort zu Hause. Ihre Mutter ist Professorin und fast jedes Jahr an einer anderen Uni der Welt angestellt. So müssen auch die zwei immer wieder Abschied nehmen und neu beginnen. Deshalb sind sie eigentlich sehr glücklich, dass ihre Mutter nun doch tatsächlich in London sesshaft werden möchte. Eigentlich! Denn der Grund dafür ist Ernest- ein neuer Mann im Leben ihrer Mutter. Widerwillig spielen sie mit und versuchen an der neuen Schule heimisch zu werden. Und dort sind ja schließlich auch ein paar interessante Jungs zu finden. Und eine Gruppe Jungs scheint ein ganz besonderes Geheimnis zu wahren. Als Liv den Jungen in ihrem Traum begegnet wird es spannend.
Kerstin Gier scheibt einfach unglaublich zauberhaft. Der Roman hat viel Esprit und Witz, aber auch die richtige Mischung an Romantik (jedenfalls für einen Jugendroman) und Spannung. Die Vorstellung dieser Traumwelt hat mir richtig gut gefallen. Aber auch die sehr charismatischen Figuren, wie das bayrische Kindermädchen, dass das ganze Jahr über Vanillekipfel backt oder die zerstreute Professor-Mutter fand ich großartig. Auch wenn ich bestimmt nicht mehr der Zielgruppe entspreche, habe ich mich sehr gefreut von Kerstin Gier in diese fantastische Welt entführen zu lassen. Und kann es allen Junggebliebenen nur empfehlen.

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