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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Die Welt der Ultrareichen

Yacht oder nicht Yacht
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Das Buch enthält eine Zusammenstellung von Reportagen, die der Autor in den Jahren 2017-2024 für den „New Yorker” geschrieben hat. Sie handeln von der Welt der Multimillionäre und Milliardäre vor allem ...

Das Buch enthält eine Zusammenstellung von Reportagen, die der Autor in den Jahren 2017-2024 für den „New Yorker” geschrieben hat. Sie handeln von der Welt der Multimillionäre und Milliardäre vor allem in den USA. Osnos gibt Einblick in die Denkwelt von Menschen, die einerseits so viel Geld haben, dass sie nicht genau zu wissen scheinen, was sie damit anfangen sollen (gerade im Trend zum Beispiel Megayachten kaufen und sich Privatkonzerte von Weltstars gönnen), und die andererseits in ständiger Angst vor Vermögensverlust leben (hier en vogue sich Bunker einzurichten, und sich, mit mehr oder weniger Eigeninteresse, philanthropisch zu engagieren).
Der Autor beschreibt unter anderem exemplarisch die Entwicklung von Greenwich, dem Ort, aus dem er stammt. Greenwich gilt traditionell als Wohnort der Reichen, darunter vor allem Hedgefonds-Manager. Er beschreibt den Wandel des politischen Klimas und der Moralvorstellungen im republikanischen Umfeld. Er interviewt Marc Zuckerberg und zeigt dessen Visionen für eine veränderte Gesellschaft, unterhält sich aber auch mit Dienstleistenden, die sich auf die Bedürfnisse von Milliardären eingestellt haben. Zudem beschäftigt er sich mit Betrügern und Profiteuren, die das Finanz- und das politische System ausnutzen und aushöhlen.
Wie es bei Artikelsammlungen nun einmal so ist, sind manche Artikel interessanter und manche weniger interessant. Die Reportagen wurden für ein US-amerikanisches Publikum geschrieben, sodass einiges an Wissen vorausgesetzt wird. Da ich mich nicht tiefgreifend mit der Politik in den USA beschäftige, hatte ich manchmal Schwierigkeiten, den Überblick zwischen all den Namen zu behalten und die Verflechtungen zu verstehen. Einige Artikel sind auch etwas älter, manche Fakten schon aus anderen Zusammenhängen bekannt. Zwar findet sich am Ende der Texte immer ein kurzer Abriss zu neuen Entwicklungen, ich hätte mir jedoch einen zusammenfassenden Text am Ende gewünscht. So fehlte mir mitunter der rote Faden.
Trotz dieser kleinen Kritikpunkte ist es ein lesenswerter Einblick in eine Welt, die dem Normalbürger eigentlich verschlossen bleibt.

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Veröffentlicht am 09.05.2025

Ein Versuch der Selbstfindung als Frau

Urlaub vom Patriarchat
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Friederike Oertel fühlt sich nicht wohl mit ihrer Rolle als weiblich gelesene Person in der Gesellschaft und hadert mit ihren und fremden Ansprüchen. Sind es die patriarchalen Strukturen, die sie so verunsichern ...

Friederike Oertel fühlt sich nicht wohl mit ihrer Rolle als weiblich gelesene Person in der Gesellschaft und hadert mit ihren und fremden Ansprüchen. Sind es die patriarchalen Strukturen, die sie so verunsichern und einschränken? Sie beschließt es herauszufinden und reist in die mexikanische Stadt Juchitán, in der es eines der wenigen noch existierenden Matriarchate der Welt gibt. Kann sie hier etwas Neues lernen und sich von Beschränkungen befreien?
Sehr schnell stellt sie fest, dass es nicht so einfach ist. Es ist schwer zu definieren, was überhaupt ein Matriarchat ausmacht. So erbt zwar beispielsweise in Juchitán die Tochter und nicht der Sohn, aber die politischen Entscheidungsträger sind trotzdem in großer Mehrheit Männer und Femizide an der Tagesordnung.
Der Text wechselt zwischen Reisebericht, Sachbuch, Essay und autobiografischer Selbstreflexion. Das macht es etwas anstrengend zu folgen und man muss sich auf die Mischung einstellen. Viele allgemeinere Zahlen und Fakten kannte ich schon und hätte mir etwas mehr Eingehen auf die Region Mexiko im Speziellen gewünscht.
Am spannendsten fand ich Gespräche mit den Menschen in Juchitán, hiervon hatte ich mir mehr erhofft. Insofern gab es mehr Selbstreflexion als ich vermutet hatte. Die Mischung aus Zahlen und Fakten und Autobiographischem fand ich nicht immer gelungen, aber das ist Geschmackssache. Dennoch ein interessantes Buch.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Wem gehören Märchen?

Der Salon der kühnen Frauen
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Paris/Versailles im 17. Jahrhundert: Es ist die Herrschaftszeit König Ludwigs XIV., der als Sonnenkönig den Adel in Versailles um sich versammelt.
Eine Gruppe adliger Damen gründet einen Literatursalon ...

Paris/Versailles im 17. Jahrhundert: Es ist die Herrschaftszeit König Ludwigs XIV., der als Sonnenkönig den Adel in Versailles um sich versammelt.
Eine Gruppe adliger Damen gründet einen Literatursalon zunächst nur für Frauen. Dort werden Contes de fées erzählt, vordergründig Märchen, die jedoch zwischen den Zeilen so einige pikante oder gar aufrührerische Geheimnisse enthalten.
Auch der berühmte Charles Perrault darf an einem solchen Salon teilnehmen und findet sich bald inmitten von Hofintrigen wieder.

Die Autorin entlarvt mit diebischem Vergnügen und schwarzem Humor die Eitelkeiten ihrer ProtagonistInnen und zeigt auf, wie hilflos diese kühnen Frauen gerade gegenüber der Intrigen von Männern sind.
Viele Märchen und auch Personen kommen einem bekannt vor. Die Märchen sind zwar eingebettet in eine Rahmenhandlung, haben aber eine große Rolle. Das war mir teilweise etwas zu viel des Guten, es reihen sich sehr viele Geschichten aneinander. Die Märchen darf man auch keinesfalls mit Kindergeschichten gleichsetzen, sie sind oft brutal und abgründig.
Die Beschreibung des Lebens am Hof mit verschiedenen Affären ist oft unvermittelt sehr vulgär und man hat das Gefühl unvermittelt in einem expliziten Erotikroman gelandet zu sein.
Das wird nicht jedermanns Geschmack sein, aber es schafft auf jeden Fall eine Atmosphäre in der man sich die Wut der hungernden Bevölkerung auf den Adel, der sich mit sehr luxuriösen Ablenkungen hingebungsvoll langweilt, gut verstehen kann. Außerdem im Grunde genommen ein Blick auf einen sehr alten Urheberschaftsstreit. Denn wem gebührt die Urheberschaft an Geschichten, die seit langer Zeit gerade von nichtpriviligierten Personen, etwa Kinderfrauen erzählt wurden? Wie viel kreative Eigenleistung enthalten die Bearbeitungen und was sagen sie über den Bearbeiter oder die Beabeiterin aus?
Insgesamt in interessanter Einblick in das Leben und Lieben des französischen Adels des 17. Jahrhunderts in Versailles und auch ein Einblick in die Entstehung bzw. Bearbeitung von Märchen.

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Veröffentlicht am 06.11.2023

Blick auf die Entwicklung rassistischer Ideen in den USA

Gebrandmarkt
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2016 kam "Stamped from the Beginning: The Definitive History of Racist Ideas in America" (auf Deutsch „Gebrandmarkt – Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika) von Dr. Ibram X Kendi heraus. Inzwischen ...

2016 kam "Stamped from the Beginning: The Definitive History of Racist Ideas in America" (auf Deutsch „Gebrandmarkt – Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika) von Dr. Ibram X Kendi heraus. Inzwischen gibt es mehrere Versionen, die das Thema zum Beispiel für Eltern oder Jugendliche aufarbeiten. 2023 wurde das Buch auch als Graphic Novel von Joel Christian Gill adaptiert und illustriert. Darin wird die Entwicklung rassistischer Ideen im Laufe der Zeit dargestellt. Fünf Epochen der amerikanischen Geschichte werden am Beispiel von fünf verschiedenen Personen erklärt, nämlich Cotton Mather, Thomas Jefferson, William Lloyd Garrison, W. E. B. Du Bois und Angela Davis.

Dabei wird dargestellt, wie zunächst das Halten von Sklaven und dann die Diskriminierung von Schwarzen gerechtfertigt wurde und wie stark diese Ideen auch heutzutage noch nachwirken. Kendi stellt dar, warum sowohl "Segregationismus" (getrennte Entwicklung), als auch die Forderung nach Assimilation die Situation vieler Schwarzer noch verschärfen und warum es falsch und sogar gefährlich ist zu denken, dass sich im Laufe der Zeit die Verhältnisse von selbst bessern.
Er zieht den Schluss, dass sich die rassistische Strukturen erst dann ändern werden, wenn sich vor allem weiße Politiker davon Vorteile erhoffen.

Der Inhalt der Graphic Novel ist also durchaus sehr interessant, die Lektüre war für mich jedoch anstrengend. Ich habe mich mit amerikanischer Geschichte bisher nicht tiefgreifend beschäftigt und hatte auf einen Einstieg gehofft, der mir einen Überblick gibt. Das Medium Graphic Novel bringt es mit sich, dass es einiges an name-dropping gibt, manches nur kurz angedeutet und viel verdichtet oder überspitzt wird. Das fand ich bei der Komplexität des Themas eher ungünstig. Auch die zur Auflockerung eingebauten Witze kamen nicht komplett bei mir an, irgendwie war das nicht mein Humor.

Auf jeden Fall bin ich motiviert worden, mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Die Serie, die auf der Basis des Buches entstanden ist, ist sicher auch einen Blick wert. Ich würde die Graphic Novel eher Menschen empfehlen, die sich mit dem Thema schon etwas auskennen und gucke selbst auf jeden Fall noch einmal in die Buchfassung rein.

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Veröffentlicht am 24.10.2023

Anstrengend, aber lesenswert

Jenny | Der große Frauen- und Emanzipationsroman von Fanny Lewald | Reclams Klassikerinnen
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Die 16jährige Jenny entstammt einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie. Mit ihrem fröhlichen, offenen Wesen, ihrer Bildung und vor allem ihrer Schönheit, zieht sie bei gesellschaftlichen Anlässen ...

Die 16jährige Jenny entstammt einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie. Mit ihrem fröhlichen, offenen Wesen, ihrer Bildung und vor allem ihrer Schönheit, zieht sie bei gesellschaftlichen Anlässen viel Aufmerksamkeit auf sich. Sie verliebt sich in den bescheiden lebenden Pfarrer Gustav Reinhard und muss zur Ermöglichung einer Hochzeit den christlichen Glauben annehmen. Dies und die starren christlichen Rollenvorstellungen stellen Jenny vor eine große Herausforderung. Und auch Jennys Bruder Eduard ist unglücklich verliebt in die Christin Clara und muss erkennen, wie tief die gesellschaftlichen Gräben zwischen Juden und Christen sind.

Fanny Lewald schöpft aus ihren eigenen Erfahrungen und zeigt sehr deutlich wie tief der Antisemitismus in der Gesellschaft verankert ist und wie starr die gesellschaftlichen Rollen festgelegt waren. Das fand ich aus heutiger Perspektive sehr interessant zu lesen und Lewalds Ansichten erstaunlich modern.

Mir persönlich war es zwischendurch der dramatischen Gefühlsausbrüche etwas zu viel. Glücklicherweise legt sich das in der zweiten Hälfte des Buches bis zu einem dramatischen Ende. Die Aufmachung des Textes finde ich etwas unglücklich gewählt. Es ist recht klein geschrieben und eng gedruckt und die wörtliche Rede ist nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Somit wird der Zugang zu diesem fast 200 Jahre alten Text noch weiter erschwert. Sehr interessante fand ich wiederum das durchaus provokativ geschriebene Nachwort, das noch einmal auf die Stellung der Frau in Christentum und Judentum eingeht.

Insgesamt eine anstrengende, aber lesenswerte Lektüre.

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