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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.07.2025

Stark angefangen, schwach nachgelassen

Ungebetene Gäste
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Da die Autorin studierte Psychologin ist, wundert es nicht, dass sie ihren neuesten Roman zum Psychodrama macht. Sie stellt Unwahrheiten und Unausgesprochenes, Moral und Schuld in den Mittelpunkt der Geschichte. ...

Da die Autorin studierte Psychologin ist, wundert es nicht, dass sie ihren neuesten Roman zum Psychodrama macht. Sie stellt Unwahrheiten und Unausgesprochenes, Moral und Schuld in den Mittelpunkt der Geschichte. Aufhänger des Ganzen ist, dass eine junge israelische Mutter – Naomi -nur kurz nicht Obacht gibt auf ihren einjährigen Sohn, so dass dieser zum Hammer des auf dem Balkon tätigen arabischen Bauarbeiters greift und hinunter auf die Straße wirft, wo dann ein Halbwüchsiger erschlagen wird. Der Arbeiter wird als vermeintlicher Attentäter verhaftet und verurteilt, denn Naomi bezeugt nicht sogleich das wahre Geschehen. Mit ihrer Familie verzieht sie dann nach Lagos und hat dort Kontakte zu einer als Psychologin arbeitenden Landsmännin, der geheim gehaltenen Jugendfreundin ihres Mannes, und der israelischen Community.
Der erste der insgesamt drei Teile hat mich wirklich gepackt. Er gibt Gelegenheit, Naomis Verhalten als richtig oder falsch zu bewerten, je nach der eigenen Moralvorstellung. Interessant ist auch, wie die israelische Gesellschaft aufgebaut ist, in der die Araber auf einer unteren Stufe stehen und schnell als Sündenböcke herhalten müssen. Als sich das Setting dann aber mit dem zweiten und dritten Teil nach Nigeria verlagerte, ließ die Geschichte sehr stark nach. Alles wirkt nur noch künstlich aufgesetzt. Es werden zu viele Figuren eingeführt, die für das eigentliche Thema keinerlei Bedeutung haben und für die Fortentwicklung der Handlung überflüssig sind. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass jetzt nur noch krampfhaft Seiten geschunden werden sollten. Dass Naomi etwa stante pede Gefallen an einer nigerianischen Staatswissenschaftlerin fand, die dann in gewisser Weise von Naomi erlangtes Wissen kritisch preisgab, oder Naomis Mann nach siebzehn Jahren das sehr kurze Verhältnis mit seiner Jugendfreundin aufnahm, oder ein verwöhnter Zehnjähriger sich gegenüber seiner Mutter und seiner Psychologin als kleiner Tyrann aufspielt, ist einfach nur abgedroschen und trivial und mag von mir eher nicht gelesen werden.
Schade, stark angefangen, schwach nachgelassen.

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Veröffentlicht am 30.09.2021

Ein einziges Lamentieren

Eine Frau am Telefon
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Erst kürzlich habe ich den neuesten Roman der Autorin „Kleine Fluchten“ gelesen, der mich sehr beeindruckt hat. Er war der Grund, zu dem vorliegenden früheren Buch zu greifen. Doch ich war sehr enttäuscht. ...

Erst kürzlich habe ich den neuesten Roman der Autorin „Kleine Fluchten“ gelesen, der mich sehr beeindruckt hat. Er war der Grund, zu dem vorliegenden früheren Buch zu greifen. Doch ich war sehr enttäuscht. In unendlich langen Monologen telefoniert eine Frau um die 60 mit ihrer erwachsenen Tochter bzw. bespricht deren Anrufbeantworter. Sie lamentiert unentwegt über ihren Ex-Ehemann, Krankheiten, Partnersuche auf Datingportalen. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie eine psychische Störung hat, was im Text auch angedeutet wird. Mir fehlt jeglicher Tiefsinn und ich war froh, das kurze Büchlein rasch ausgelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 28.06.2020

Düstere Familiengeschichte

Vaters Wort und Mutters Liebe
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Meine Vorbehalte Romanen nordischer Autoren gegenüber haben sich wieder einmal bestätigt. Zu düster wirkt diese Familiengeschichte auf mich, was ich nach dem Klappentext nicht erwartet hatte. Das fängt ...

Meine Vorbehalte Romanen nordischer Autoren gegenüber haben sich wieder einmal bestätigt. Zu düster wirkt diese Familiengeschichte auf mich, was ich nach dem Klappentext nicht erwartet hatte. Das fängt schon mit der Gegend an, in der die Geschichte im Wesentlichen angesiedelt ist – dem von Wald beherrschten Tornedal im Norden Finnlands. Die vierzehn (!) wichtigsten Romanfiguren setzen dann meinen Eindruck fort. Sie alle gehören zur Großfamilie Toimi und nach und nach lernen wir sie alle kennen. Jeder von ihnen ist auf eine Weise gestört. Da kommen dann schon einmal Dinge zur Sprache, die man in einem Unterhaltungsroman gar nicht so gerne lesen will. Merkwürdigerweise erkenne ich die Eigenschaften von Vater und Mutter, mit denen sie im Klappentext bedacht werden, an beiden nicht wieder – der Vater soll herrisch sein, was sich allenfalls in Andeutungen nachvollziehen lässt; bis auf einen von ihm verfassten längeren Brief tritt er ohnehin nicht selbst in Erscheinung; die Mutter soll sanftmütig sein und ihre Kinder lieben, allerdings macht sie große Abstufungen zwischen den einzelnen Kindern. Immerhin lassen sich alle Personen gut auseinanderhalten, ein beigefügtes Lesezeichen mit prägnanten Personenbeschreibungen tut hier noch ein Übriges. Sehr unrealistisch sehe ich den zeitlichen Ablauf der Geschichte. Sie beginnt – abgesehen von einigen Rückblenden auf die Herkunft der Eltern - kurz vor Weihnachten 1981 und dauert bis etwa Juli 1982. In diesem nur wenige Monate umfassenden Zeitraum überstürzen sich die Ereignisse: Die stets diesbezüglich abgeneigt gewesene Mutter entschließt sich zur Scheidung, die auch stante pedes vollzogen wird, kauft und bezieht ein neues Haus, lernt einen neuen Mann fürs Leben kennen, lässt sich der älteste Sohn den Hof vom Vater verschreiben und baut auf dem Grundstück ein neues Haus und ja, kommt einer aus der Familie ums Leben. Mehr zum letzten Aspekt will ich nicht verraten, allein nur so viel, dass er allein mich dazu gebracht hat, das sehr ausschweifende Buch bis zum Ende zu lesen, weil ich wissen wollte, was passiert ist. Ob es sich dabei wirklich um Mord handelt, wie es bereits im ersten Satz des Prologs heißt, wird jeder am Ende selbst zu beurteilen haben. Ein letzter Kritikpunkt betrifft die Sprache. Warum werden in einem schwedisch/finnischen Roman immer wieder flapsige englischsprachige Ausdrücke eingearbeitet, z.B. up to no good, keep on swimming, access denied)?

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Veröffentlicht am 16.09.2017

Eine Frau zwischen Arbeit und Männern

Durch alle Zeiten
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Die Protagonistin Elisabeth ist 1940 geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen in den österreichischen Bergen auf. Mit 17 verliebt sie sich in den Sohn – Niklas – des wohlhabenden örtlichen Brauereibesitzers. ...

Die Protagonistin Elisabeth ist 1940 geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen in den österreichischen Bergen auf. Mit 17 verliebt sie sich in den Sohn – Niklas – des wohlhabenden örtlichen Brauereibesitzers. Als dieser eine andere Frau heiratet, flieht sie als Kindermädchen nach London. Geschwängert von ihrem Arbeitgeber kehrt Elisabeth in die Heimat zurück und schiebt dem körperbehinderten Martin ihr Kuckuckskind unter. Weitere fünf Jahre später ist Elisabeth schwanger von ihrem Cousin, der auf Druck seiner Eltern nicht zu ihr hält. Schließlich geht Elisabeth eine unglückliche Ehe mit einem gefühlskalten, gewalttätigen Bauern ein, der sie erneut zur Mutter macht. Sie setzt ihre Beziehung zu Niklas fort. Ob sie mit ihm noch ihr Glück findet?
Ein Frauenroman über ein Frauenschicksal vorrangig in den 50er und 60erJahren. Schilderungen aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit wechseln sich ab. Obwohl es sehr beeindruckend ist zu lesen, wie Elisabeth ihr schweres Leben meistert, wird sie einem nicht sympathisch. Das beruht sicherlich darauf, dass sie sich von jungen Jahren an den Männern geradezu an den Hals wirft ohne Rücksicht darauf, ob diese überhaupt frei sind. Von nicht eben charakterlicher Stärke zeugt es auch, den biologischen Vätern ihrer Kinder diese zu verschweigen bzw. dies zu versuchen und sie dann einem nichtsahnenden Ehemann unterzujubeln. Gelungen sind die Darstellungen über das harte und monotone Leben in dem Bergdorf. Empörung macht sich breit, als zu lesen ist, wie Elisabeths Ehemann allein zur Belustigung einen Zoo mit in der Wildnis eingefangenen Tieren aufmacht.
Von mir mit gerade noch vier Sternen bewertet.

Veröffentlicht am 06.02.2025

Nichts Besonderes

Shanghai Story
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Der Roman hat mich enttäuscht zurückgelassen. Auf dem Buchrücken wird er als außergewöhnlicher Debütroman angepriesen und lobend hervorgehoben, dass er einen ungewöhnlichen Kunstgriff wagt, nämlich eine ...

Der Roman hat mich enttäuscht zurückgelassen. Auf dem Buchrücken wird er als außergewöhnlicher Debütroman angepriesen und lobend hervorgehoben, dass er einen ungewöhnlichen Kunstgriff wagt, nämlich eine Geschichte rund um die Familie Yang rückwärts erzählt vom Shanghai des Jahres 2040 bis zum Jahr 2014. Deshalb habe ich erwartet, am Anfang der Geschichte von einem besonderen Ereignis zu lesen, das sich in den Vorjahren aufklärt. Tatsächlich aber war jedes Kapitel eine kurze Abhandlung über einzelne Familienmitglieder. Alle Kapitel zusammen genommen reihten sich lose aneinander, ohne dass sie von einem Band zusammengehalten wurden. Aufgrund des Buchtitels habe ich zudem erwartet, etwas über die Stadt Shanghai zu lesen, was auch nicht der Fall war. Als merkwürdig habe ich schließlich empfunden, Ereignisse aus dem Jahr 2040 zu lesen, ohne dass mir diese Zeit als futuristisch dargestellt wurde. Die Romanfiguren empfand ich als unsympathisch, vermisst habe ich, in folgenden Kapiteln Fortsetzungen über bereits eingeführte Randfiguren zu lesen.

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