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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2023

Hat mir gut gefallen

Café Größenwahn
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Dieses Buch führt uns an die Wende zum 20. Jahrhundert nach Wien, München und Berlin in jeweils, stellvertretend für den Aufbruch in neue Zeiten, ein Kaffeehaus: In Wien ist es das bekannte Café Griensteidl, ...

Dieses Buch führt uns an die Wende zum 20. Jahrhundert nach Wien, München und Berlin in jeweils, stellvertretend für den Aufbruch in neue Zeiten, ein Kaffeehaus: In Wien ist es das bekannte Café Griensteidl, in München das Café Stephanie und in Berlin das Café des Westen.

Wer sich dort trifft? Junge, noch unbekannte Literaten, Revoluzzer sowie Frauen aus großbürgerlichem Hause, die sich gegen das Establishment auflehnen.

Allen ist gemeinsam, dass sie sich in den Kaffeehäusern Gedanken um die Zukunft machen. Vieles davon grenzt an Größenwahn - daher auch der (Zusatz)Name der Institutionen. Interessanterweise besuchen einige der Protagonisten die Kaffeehäuser aller drei Städte.

Man diskutiert, streitet, manchmal prügeln sich die Herrschaften und versöhnt sich wieder. Es fließt neben Kaffee auch Alkohol in Strömen. Die meisten der Besucher sind nahezu mittellos und schnorren sich durchs Leben. Doch wenn sie, z. B. durch die Publikation eines Artikels in einer Zeitung, kurzfristig zu Geld kommen, wird das sofort wieder ausgegeben.

Die Liste der Namen, die in den drei Kaffeehäusern quasi lebten, liest sich wie das Who-is-Who der Literatenszene. Von Peter Altenberg bis Arthur Schnitzler, Else Lasker-Schüler und der recht umtriebigen Franziska von Reventlow reicht die Aufzählung. Auch Adolf Loos, der mit seinen schnörkellosen Fassaden auf Missfallen trifft, ist Teil der Kaffeehausgesellschaft.

Dirk Liesemer gelingt es vorzüglich, diese Jahre des Umbruchs auferstehen zu lassen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird dem Café Größenwahn in den drei Großstädten vorerst ein Ende bereiten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Rückblick in die angeblich „gute alte Zeit“, die so gut gar nicht war, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.10.2023

Eine Liebeserklärung an den WInter

Lieber Winter!
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Der Winter lässt keinen kalt! Ein Paradoxon? Nicht wirklich.

Dieses in silbergraues Leinen gebundene Buch aus dem Verlag Anton Pustet, betrachtet den Winter aus verschiedenen Perspektiven. In fünf Kapiteln ...

Der Winter lässt keinen kalt! Ein Paradoxon? Nicht wirklich.

Dieses in silbergraues Leinen gebundene Buch aus dem Verlag Anton Pustet, betrachtet den Winter aus verschiedenen Perspektiven. In fünf Kapiteln zeigt uns Autorin Franziska Lipp, mit welchen Schönheiten der Winter aufwarten kann:

Spätherbst - Heimkehr
Advent - Erwartung
Weihnachten - Festlichkeit
Raunächte - Zwischenwelten
Hochwinter - Rückkehr des Lichts

Von Allerheiligen (1. 11.) bis Maria Lichtmess (2.2.) spannt sich der Bogen der kalten Jahreszeit. Zahlreiche Festtage, Bräuche und Rituale begleiten uns durch diese Zeit.

Das Buch lädt uns ein, ein wenig innezuhalten, und der hektischen Welt für ein paar Minuten oder Stunden zu entsagen. Was spricht dagegen, einen Spaziergang über Friedhöfe, Parkanlagen oder durch den Wald zu wagen? Die Hagebutten oder Schlehen bewusst anzusehen? Oder, falls doch Schnee fallen sollte, eine kleine Schneeballschlacht zu wagen? Für Meisen Futterknödel aufzuhängen und anschließen die Vögel beim Fressen beobachten, kann uns der Natur wieder näher bringen.

Franziska Lipp lädt uns ein, das Buch mehrmals in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit der Familie Kraft zu tanken.

Kommt gut durch den Winter!

Fazit:

Dieses Buch ist ein schönes (Weihnachts)Geschenk in hochwertiger Aufmachung. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.10.2023

Herrlicher Dialog zwischen Hund und Mensch

Der Hund hat Recht
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Elfriede Hammerls Kolumnen im österreichischen Magazin „Profil“ sind pointiert und treffen fast immer ins Schwarze.

Das lässt sich von diesem satirischen Dialog zwischen einer Frau und ihrem Hund auch ...

Elfriede Hammerls Kolumnen im österreichischen Magazin „Profil“ sind pointiert und treffen fast immer ins Schwarze.

Das lässt sich von diesem satirischen Dialog zwischen einer Frau und ihrem Hund auch sagen. Der aus dem Tierheim, Pardon, Boarding House, stammende Hund verwickelt seine Besitzerin in zahlreiche Diskussionen, aus denen es kein Entrinnen gibt.

So stellt er mehrmals die Frage, was denn der Unterschied zwischen ihm und Michael, dem Liebhaber sei, beide fressen den Kühlschrank leer, liegen auf der Couch. Und, ob er, Michael, denn der Richtige wäre.
Gleichzeitig bekommt allerdings ER die Frage nach seinem Beitrag zur Haushaltskasse gestellt. Die Antwort fällt entsprechend ernüchternd aus.

Diesen gewitzten Dialog, der teilweise eine bissige Gesellschaftskritik enthält, habe ich sehr gerne gelesen. Manchmal musste ich ob der hündischen Besserwisserei herzlich lachen. Besonders die Szene im Supermarkt mit der quengelnden Tochter, die das Kleinkindalter schon längst überschritten hat, hat mir gut gefallen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem satirischen Dialog 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.10.2023

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Gottes Plagen
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Mit diesem historischen Roman entführt uns Robert Preis in das Spätmittelalter, genauer gesagt in die Zeit Kaiser Friedrichs III. (1415-1493). Diese Epoche ist geprägt von Aberglauben, Hexenwahn, Türkeneinfällen, ...

Mit diesem historischen Roman entführt uns Robert Preis in das Spätmittelalter, genauer gesagt in die Zeit Kaiser Friedrichs III. (1415-1493). Diese Epoche ist geprägt von Aberglauben, Hexenwahn, Türkeneinfällen, Feudalherrschaft sowie von Wetterkapriolen und dem Kampf um die Vormachtstellung der Kirche. Der wortkarge und menschenscheue Kaiser in seinen Residenzen in Graz und Wiener Neustadt trägt sein eigenes Scherflein zu diesem düsteren Umfeld bei. Menschen zählen für ihn nicht, sondern sind häufig Figuren auf dem Schachbrett der Politik. Dazu tragen auch zahlreiche Günstlinge wie der Münzmeister von Graz, Balthasar von Eckenperg bei.

Über den Inhalt des Romans will ich nur so viel sagen:

Das Buch beginnt und endet mit der Enthüllung eines Freskos mit dem Titel „Gottesplagen“, das an der Außenseite des Grazer Doms gemalt worden ist. Schöpfer, des von den Grazer Bürgern gestifteten Bildes ist Thomas von Villach, ein bekannter Maler dieser Epoche.

Dazwischen liegen fesselnde Seiten von Krieg, Brandschatzung, Mord und Totschlag, eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, zwischen einem Georgsritter und einer entmachteten Königin sowie die Sicht auf eine politisch höchst instabile Zeit und einen zaudernden Kaiser.

Robert Preis ist für seine peniblen Recherchen und seine opulente Erzählweise bekannt. Seine Leidenschaft gilt den Sagen und Mythen seiner Heimat Steiermark. Mit diesem historischen Roman, der uns in das Spätmittelalter führt, hat er sich einen großen persönlichen Wunsch erfüllt.

Geschickt verknüpft Robert Preis Fakten mit Fiktion. Dazu gibt es ein Personenverzeichnis, das die historischen Personen als solche kennzeichnet. Im Nachwort erklärt der Autor wo er die (Welt)Geschichte der Dramaturgie des Buches wegen ein wenig geglättet hat. Ein Verzeichnis der wichtigsten Begriffe ergänzt diesen historischen Roman.

Fazit:

Ein historischer Roman, der das Hochmittelalter in der Steiermark höchst lebendig auferstehen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.10.2023

Ein gelungener hist. Roman

Der Flakon
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Man schreibt das Jahr 1756, Friedrich II. der Große, überfällt Sachsen ohne die sonst übliche Kriegserklärung. (Friedrich) August II. Kurfürst von Sachsen und König Polen (1696-1763) und sein erster Minister ...

Man schreibt das Jahr 1756, Friedrich II. der Große, überfällt Sachsen ohne die sonst übliche Kriegserklärung. (Friedrich) August II. Kurfürst von Sachsen und König Polen (1696-1763) und sein erster Minister Heinrich von Brühl (1700-1763) setzen sich nach Warschau ab, um dort militärische Hilfe von ihren Verbündeten zu erbitten.

Beider Ehefrauen bleiben in Dresden, die Gemahlin des Königs, Maria Josepha von Habsburg (1699-1757), aus Krankheitsgründen, Maria Anna Franziska Reichsgräfin von Brühl aus Staatsräson.

Während die geschlagene Armee Sachsen kapituliert und der König in der Ferne versucht, zu retten, was noch zu retten sein könnte (wie man aus der Geschichte weiß eher weniger, denn mehr), schmiedet die Reichsgräfin einen Plan. Man müsste doch, ....

Kurzerhand setzt sie sich mit ihrer Kammerzofe Luisa von Barnhelm in die ordinäre Postkutsche und reist nach Leipzig, wo der Preußenkönig Hof hält. In Leipzig trifft die Reichsgräfin auf Friedrichs schwer verschuldeten Kammerdiener Glasow. Kann die resolute Reichsgräfin den Kammerdiener für ihre Pläne gewinnen?

Meine Meinung:

Hans Pleschinski ist ein überaus farbiger Roman gelungen, der gut unterhält und der Sachsen im 18. Jahrhundert zeigt. Neben dem unvermeidlichen Kriegsgeschehen erzählt der Autor einiges über Dresden und seine Bewohner. Es kommt allerdings nicht nur die High Society, sondern auch das Volk, das wie immer das Leid tragen muss, zu Wort. So wird die Misswirtschaft des Kurfürsten August II. und des Reichsgrafen von Brühl angeprangert. Während das Volk unter der ihm auferlegten Steuerlast leidet, nach Missernten hungert und die ohnehin kleine Armee kaputt gespart wird, frönen die beiden mächtigen Männer ihrer Leidenschaft für opulente Bauten und Kunstschätzen. Die Brühlschen Gärten und Brühlsche Terrasse geben beredtes Zeugnis für die teuren Hobbys des Ministers.

Wie dem Epilog zu entnehmen ist, hat Pleschinski eine kleine und zudem unklare Notiz entdeckt, die als „Glasowsche Angelegenheit“ in die Hofchronik des Grafen Lehndorff eingeht. Diese diffuse Randbemerkung, der Glasow sei ein Spion der Reichsgräfin, reicht, um Pleschinskis Fantasie zu entfachen. Hat sie oder hat sie nicht? Die Antwort bleibt es offen. Zuzutrauen wäre es der Anna Maria Franziska Reichsgräfin von Brühl sehr wohl, spricht sie doch ihre Gedanken zum Tyrannenmord offen aus. .

Ich habe diesen historischen Roman mit großem Interesse gelesen, da ich im Herbst 2022 eine Woche in Dresden verbringen durfte und mich vorab in die Geschichte Sachsens eingelesen habe. Natürlich bin ich auf der Brühlschen Terrasse spaziert.

Hans Pleschinski hat mit diesem Roman vergnügliche Lesestunden beschert, treten doch zahlreiche bekannte Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts auf. Gut gelungen ist die Darstellung der Lebensumstände des einfachen Volkes, abseits von Zobelpelze und Juwelen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman 5 Sterne.