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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2017

Amüsant, außergewöhnlich und gewöhnungsbedürftig

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam
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Die Leseprobe versprach ein amüsantes Buch über die arbeitslose und am Hungertuch nagende Journalistin Sophie. Vor allem die Wortneuschöpfungen, die Sophie ihrer Mutter in den Mund legt, fand ich höchst ...

Die Leseprobe versprach ein amüsantes Buch über die arbeitslose und am Hungertuch nagende Journalistin Sophie. Vor allem die Wortneuschöpfungen, die Sophie ihrer Mutter in den Mund legt, fand ich höchst gelungen: kraquäken, widernörgeln, unkzürnen, bellschnauzen, anfeuermutigen... Der Übersetzerin ist hier ebenfalls ein großes Lob zu zollen.
Wir erfahren, wie es ist, wenn man mit ein paar Euro den Rest des Monats über die Runden kommen muss. Diesen Teil der Geschichte fand ich interessant. Auch Sophies sexbesessener Freund, mit dem sie selbst allerdings eine platonische Beziehung unterhält, ist amüsant, will er doch unbedingt in Sophies Roman vorkommen. Sehr lustig: die Beschreibung seiner Zufallsbekanntschaft mit der lustgesteuerten Sirine, die er später unter ganz anderen Vorzeichen wiedertrifft.
Allerdings konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln. Immer wieder kamen Passagen, mit denen ich so gar nichts anfangen konnte, zum Beispiel, als Sophie über zwei Seiten hinweg aufzählt, mit was für Männern sie keine Beziehung eingehen kann oder die Passage, der das Buch seinen Titel verdankt. Ich bin wirklich sehr gespalten, was dieses Buch anbelangt. Denn das Buch enthält auch geniale Beschreibungen, beispielsweise eine Anleitung für eine effektive Andiedeckestarrung.
Was mir dann jedoch gar nicht gefallen hat, ist der Schluss, bei dem ich den Eindruck hatte, die Autorin wusste ganz einfach nicht, wie sie dieses Buch zu Ende bringen soll.
"Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" ist ein sehr ungewöhnliches Buch, das wohl vor allem Literaturkritikern, nicht aber der breiten Masse gefallen wird.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Das Echo der Zeit

In einem anderen Licht
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Die Journalistin Miriam hat bei einem Angriff im Nordirak ihren Mann, der ebenfalls als Journalist arbeitete, verloren. Da sie in ihrer alten Redaktion alles an ihn erinnert, wechselt sie das Ressort und ...

Die Journalistin Miriam hat bei einem Angriff im Nordirak ihren Mann, der ebenfalls als Journalist arbeitete, verloren. Da sie in ihrer alten Redaktion alles an ihn erinnert, wechselt sie das Ressort und arbeitet nun in der Redaktion einer Frauenzeitschrift. Dort ist sie verantwortlich für die Berichterstattung und Vorbereitung für eine Preisverleihung. Stifterin ist die zurückgezogen lebende Hamburger Senatorswitwe Dorothea Sartorius. Während Miriam versucht, ein Interview mit Frau Sartorius zu bekommen, erhält sie Briefe, in denen sie aufgefordert wird, Dorothea Sartorius nach einer gewissen Marguerite zu fragen.
Als sie es tatsächlich schafft, Frau Sartorius zu einem Interview zu treffen, ist sie äußerst angetan von ihr. Auf die kryptischen Briefe angesprochen, verrät Dorothea Sartorius ihr den Nachnamen der Frau, die die Briefe mit Elisabeth unterzeichnet hat.
Um ihrem 5-jährigen Sohn Max, der ebenfalls unter dem Verlust des Vaters leidet, eine Freude zu machen, meldet Miriam sich zusammen mit ihm zu einem Drachenbaukurs an. Dort lernt sie den charismatischen Bo kennen, der sie wiederum mit der Bewohnerin eines nahegelegenen Klosters bekanntmacht, die ihr einiges über Dorothea Sartorius’ Vergangenheit erzählt. Miriam ist schockiert, denn plötzlich erscheint deren Lebensgeschichte in einem ganz anderen Licht. Welches Bild der Senatorswitwe soll sie ihren Leserinnen präsentieren? Miriam befindet sich in einem Gewissenskonflikt...
Die Leseprobe und die Idee des Buchs fand ich zunächst sehr ansprechend, allerdings konnte mich die Umsetzung nicht so richtig überzeugen. Zu Anfang verliert sich die Autorin zu sehr in Details und wortreichen Beschreibungen. Die Trauer Miriams wird als Rabe, der in ihrer Brust lebt, beschrieben, ein für meine Begriffe treffendes Bild. Allerdings wird dieses Bild im Lauf des Buchs so überstrapaziert, dass es irgendwann nur noch nervt.
Die vielen Zufälle oder schicksalshaften Fügungen waren auch zuviel des Guten und daher wenig glaubhaft. Es war allerdings interessant, über die 1970er Jahre in Deutschland und die damalige politische Stimmung im Land zu lesen.
Mein Fazit ist, dass dieses Buch nicht schlecht ist, man muss es allerdings nicht unbedingt gelesen haben.

Veröffentlicht am 21.07.2017

Drei Frauen auf den Spuren ihrer Jugend

Sommer unseres Lebens
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Die Leseprobe fand ich richtig gut, und auch das Cover hat mich sehr angesprochen: drei junge Frauen, die – mit einem Glas Wein in der Hand – in der Abendsonne am Strand sitzen.
Es geht um die drei Freundinnen ...

Die Leseprobe fand ich richtig gut, und auch das Cover hat mich sehr angesprochen: drei junge Frauen, die – mit einem Glas Wein in der Hand – in der Abendsonne am Strand sitzen.
Es geht um die drei Freundinnen Hanne, Claude und Miriam, die sich vor 25 Jahren zufällig trafen und einen Sommer – den Sommer ihres Lebens – zusammen in Portugal verbrachten. Damals schworen sie sich, zu ihrem 50. Geburtstag wieder zusammen nach Portugal zu fahren. Jetzt ist es soweit: alle drei werden 50. Sie hatten zwar jahrelang keinen Kontakt zueinander und haben sich vollkommen unterschiedlich entwickelt, doch ein Versprechen muss man halten. Nach anfänglichem Zögern lassen sich auch alle drei darauf ein.
Wie nicht anders zu erwarten, bringt jede einzelne von ihnen ihre Probleme und Sorgen mit: Gesundheit, Finanzen, Kinder, Beziehung...
Zunächst ist das Buch noch ganz spannend, denn man möchte als Leser wissen, was im Sommer vor 25 Jahren passierte und wie sich das Leben der drei Frauen seitdem entwickelt hat. Was dann den Lesegenuss allerdings erheblich schmälert, sind die vollkommen überzogenen Dramen, die zu Spannungen zwischen den dreien führen. Beispielsweise stellt sich heraus, dass Hanne gut Portugiesisch spricht. Dies hat sie den anderen verheimlicht. Große Empörung – wie konnte sie das für sich behalten?! Und so geht es weiter. Kleinigkeiten werden aufgeblasen, die Mücke wird zum Elefanten, um künstlich Spannung zu erzeugen. Mehr als einmal sieht es so aus, als ob die Gruppe auseinanderbricht.
Gegen Ende des Buchs musste ich mich regelrecht zwingen, die Sinnfindung der drei weiter zu verfolgen. Wie nicht anders zu erwarten, löst sich alles in Wohlgefallen auf, wobei die Lösung von Hannes finanziellen (und sonstigen) Problemen mehr als unglaubwürdig erscheint. Es ist ein Buch, das ich mit viel Vorfreude begonnen und mit einem schalen Gefühl und enttäuscht beendet habe.

Veröffentlicht am 26.05.2026

Wer war Nikolas?

Eine Liebe ohne Sommer
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Rosa und Nikolas lernen sich zufällig im Treppenhaus kennen. Rosa bekommt sofort weiche Knie angesichts dieses ausgesprochen gutaussehenden Manns und kann es gar nicht glauben, dass er auch an ihr Interesse ...

Rosa und Nikolas lernen sich zufällig im Treppenhaus kennen. Rosa bekommt sofort weiche Knie angesichts dieses ausgesprochen gutaussehenden Manns und kann es gar nicht glauben, dass er auch an ihr Interesse zeigt. Schnell entwickelt sich mehr daraus, wobei auf intensive Phasen oft Tage folgen, in denen Nikolas von der Bildfläche verschwindet. Rosa weiß nicht so recht, wie sie damit umgehen soll. Während er ihre Freundinnen bald kennenlernt, weiß sie so gut wie nichts über ihn und seinen Freundeskreis. Auch was seine Vergangenheit angeht, hält er sich bedeckt. Vor allem dem Thema frühere Beziehungen weicht er aus. Nur durch Recherche im Internet erfährt Rosa, dass Nikolas früher gemodelt hat und auch heute noch manchmal als Aktmodell arbeitet.
Die einzige Person aus Nikolas‘ Umfeld, die Rosa kennenlernt, ist seine dominante Mutter Ellen, die Rosa anscheinend am liebsten als Schwiegertochter sehen würde. Nikolas ist einerseits ein ziemliches Muttersöhnchen, andererseits begibt er sich immer wieder in gefährliche Situationen. Als Rosa und er sich drei Monate kennen, kommt er bei einer solch gewagten Aktion ums Leben und Rosa stellt fest, dass sie noch immer sehr wenig über ihn weiß. Sie beginnt zu überlegen, was Nikolas für sie war. Die große Liebe oder doch nicht? Was hat den Menschen Nikolas ausgemacht, wenn er nicht mit ihr zusammen war? Und warum hat seine Mutter Ellen so wenige Menschen zu Nikolas‘ Trauerfeier eingeladen? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, nimmt Rosa Kontakt zu Menschen aus Nikolas‘ Vergangenheit auf.
Die Grundidee dieses Buchs hat mich angesprochen, die Umsetzung weniger. Der betont coole und flapsige Ton und die vielen englischen Begriffe wie Random Dude, Lovebirds, Inner Circle usw. waren mir, um in der Sprache des Romans zu bleiben, too much. Einige Handlungsstränge sind für meine Begriffe nicht sehr glaubhaft und zu ausführlich beschrieben. So lernt Rosa zum Beispiel „Dickeskind“ kennen, die ein großer Fan von Nikolas war. Da Nikolas nicht mehr lebt, verbringt Rosa stellvertretend für ihn Zeit mit ihr. Würde ein zehnjähriges hyperaktives Kind tatsächlich freiwillig einen ganzen Tag mit einer wildfremden Frau verbringen und ihr nebenbei kluge Lebensratschläge geben?! Auch die Geschichte rund um Nikolas‘ Vater und das Treffen mit der überdrehten Influencerin Jasmin („Hey, ihr Beauty-Mäuse!“), mit der Nikolas längere Zeit zusammen war, erschienen mir sehr konstruiert. Für mich ist „Eine Liebe ohne Sommer“ eine leichte Sommerlektüre, die viele Themen anreißt, aber doch an der Oberfläche bleibt. Ich hatte ein bisschen mehr Tiefgang erwartet.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Mosaik der Abschweifungen

Das Mosaik der Frauen
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Der Einstieg in das Buch erzählt von dem Syrer Said Nardini, der 1971 gegen den Willen seiner Familie nach Deutschland flieht. In der Heimat war der Student der Philosophie und Literatur damals nur knapp ...

Der Einstieg in das Buch erzählt von dem Syrer Said Nardini, der 1971 gegen den Willen seiner Familie nach Deutschland flieht. In der Heimat war der Student der Philosophie und Literatur damals nur knapp seiner Verhaftung entkommen. Zunächst schlägt sich Nardini mit Aushilfsjobs durch, doch lernt er in kürzester Zeit so gut Deutsch, dass er als Simultandolmetscher arbeiten kann. Er ist gut integriert und heiratet eine Deutsche. Nach Jahren meldet sich ein alter Freund aus Studientagen bei ihm, der inzwischen Leiter einer großen Klinik ist. Einer seiner Patienten, der schwerkranke Syrer Nadim Suri, möchte vor seinem Tod dem Landsmann von seinem bewegten Leben berichten, das vor allem von Frauen geprägt wurde. Nardini, der inzwischen Autor etlicher Bücher ist, soll Suris Lebensgeschichte niederschreiben. Nardini findet in Suri einen charismatischen Erzähler vor, der ihm nicht nur eine Fülle an persönlichen Anekdoten, sondern auch viel über die politischen Entwicklungen in Syrien und anderen arabischen Ländern berichtet. Dabei kommt Suri vom Hundertsten ins Tausendste, man hat den Eindruck, die halbe Bevölkerung von Damaskus kennenzulernen. Suris Bemerkung „Aber ich schweife wieder ab“ ist das Leitmotiv seiner Erzählungen. Obwohl vieles interessant ist, machten diese Ausschweifungen für mich das Erzählte sehr ermüdend, zumal kein roter Faden ersichtlich ist. Auch die blumige, poetische Sprache hat mich nicht erreicht, beispielsweise, wenn der Tomatenverkäufer auf dem Markt in Damaskus seine Ware mit den Worten anpreist „Meine Tomaten haben ihre Wangen geschminkt und gehen mit mir spazieren“ oder der Aprikosenverkäufer nebenan seine Kunden mit „Oh, Aprikose! Der Wind hat dich und die Gier hat mich tief fallen lassen.“
Die persönlichen Schicksale der Frauen in Suris Leben sind durchaus bewegend, so wird zum Beispiel seine erste Liebe, Samira, von einem eifersüchtigen Cousin ermordet, weil der nicht ertragen kann, dass sie seine Liebe verschmäht. Ab der Mitte des Buchs habe ich die Seiten nur noch quergelesen. Ich weiß jetzt wieder, warum ich vor ein paar Jahren aufgehört habe, die Bücher von Rafik Schami zu lesen. Für mich leider eine eher enttäuschende Leseerfahrung.

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