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Veröffentlicht am 23.09.2017

Toni und Moni

Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman
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Die ländliche Idylle wird von Petra Piuk nicht nur durch den Kakao gezogen, sondern auch in diversen Nebensätzen kritisch betrachtet. Der Heimatroman zeigt nicht nur die vermeintliche heile Welt der typischen ...

Die ländliche Idylle wird von Petra Piuk nicht nur durch den Kakao gezogen, sondern auch in diversen Nebensätzen kritisch betrachtet. Der Heimatroman zeigt nicht nur die vermeintliche heile Welt der typischen Dorfbewohner auf. Hier wird hinter die Kulissen geschaut und die bittere Wahrheit ans Tageslicht befördert, denn um bestimmte Dorfklischees zu kennen muss man nicht in einer dörflichen Gegend gewohnt haben.Bestimmte Bilder von dieser Kulisse und dem Leben der Dorfmenschen haben wir alle im Kopf und genau diese werden in dem Roman behandelt.

Der Roman sprudelt förmlich vor bitterbösen Anspielungen und Tatsachen. Auf nahezu liebevolle Art und Weise wird manchmal bis ins kleinste Detail der Alltag mit Sexismus, hier und da einer Watschen, typischen Saufgelagen und der Abwehr gegen jegliche Modernisierung thematisiert. Schonungslos schildert die Autorin das ländliche Leben und als Leser ist man zum Teil amüsiert und zum Teil geschockt über die ehrlichen und vor allem bissigen Sätze.

Der Humor kommt in diesem Buch definitiv nicht zu kurz. Viele Passagen bringen den Leser zum Schmunzeln, doch auch die Fußnoten, in denen ein reger Austausch zwischen der Autorin, ihrem Verlag und ihrer Lektorin stattfindet, haben es in sich und sind gelegentlich noch witziger als der eigentliche Romantext. An diesem Buch sind nicht nur die Fußnoten ungewöhnlich, sondern der gesamte Aufbau des Romans. Die Kapitel sind in diverse Unterkapitel unterteilt, die verhältnismäßig kurz sind. Zudem werden u.a. Geburtstagsanzeigen, Leserbriefe, Zeitungsausschnitte und Rätsel in den Text eingebaut. Am Ende des Buches findet man ein Personenverzeichnis und hat sogar Platz für eigene Notizen.

Im Großen und Ganzen ist der Leser bei der Lektüre live dabei während der außergewöhnliche Roman entsteht. Dieser ist in jedem Fall lesenswert, doch auch gewöhnungsbedürftig und ich kann gut nachvollziehen, wenn der ein oder andere Leser mit dem Aufbau des Buches oder dem sarkastischen Inhalt nicht zurecht kommt. Für Leser, die eine Herausforderung suchen, ist dieses Buch genau das richtige.

Veröffentlicht am 09.04.2017

Weit weg ist anders

Weit weg ist anders
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Edith Scholz und Christel Jacobi, zwei 70-Jährige Damen, treffen zum ersten Mal in einer Rehaklinik aufeinander. Beide versuchen mit ihren Wehwehchen zurecht zu kommen und die Zeit in der Klinik zu überstehen. ...

Edith Scholz und Christel Jacobi, zwei 70-Jährige Damen, treffen zum ersten Mal in einer Rehaklinik aufeinander. Beide versuchen mit ihren Wehwehchen zurecht zu kommen und die Zeit in der Klinik zu überstehen. Edith, eine Einzelgängerin mit einer Berliner Schnauze, findet ihren Aufenthalt dort alles andere als angenehm, motzt ordentlich herum und will eigentlich nur wieder nach Hause und in ihre geliebte Großstadt zurück. Christel hingehen arrangiert sich besser mit der Situation und ist sehr ruhig. Sie kommt aus Husum, einem kleinen Städtchen an der Nordsee und möchte eigentlich nicht wieder dorthin zurück, denn dort erwartet sie ihre Tochter und diese möchte Christel am liebsten in ein Seniorenheim stecken. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Abneigungen treffen sich die beiden Damen aus Notsituationen heraus nach einiger Zeit wieder und beschließen gemeinsam zu verreisen. Die abenteuerliche Reise führt sie quer durch Deutschland und hat so einige Überraschungen für die beiden parat.

„Weit weg ist anders“ habe ich sehr gerne gelesen, denn die arg unterschiedlichen Damen haben mir unglaublich gut gefallen. Die Dialoge waren bissig, sarkastisch und humorvoll. Edith und Christel haben mich mit ihren Lebensgeschichten berührt und den Umschwung von einem anfänglich netten und leichten Roman zu einer Story mit viel Tiefgang fand ich gut gelungen. Die Mischung zwischen ernsten Themen, die aber durch einige amüsanten Dialoge aufgelockert wurden und der für beide Damen aufregenden Reise, wurde toll umgesetzt. Man kann nicht anders, als die beiden in Herz zu schließen.

Die Themen Alter und Krankheit ziehen sich durch das Buch wie ein roter Faden. Es sind Themen, die uns alle betreffen und hier fand ich es sehr interessant die Gedanken und Gefühle von Edith und Christel zu lesen. Aus der Perspektive der viel älteren Damen erhält man noch einmal einen ganz anderen Blick auf diese Themen. Man fängt an sich selber Gedanken darüber zu machen, wie man in hohen Alter leben möchte und ob man irgendwann stark auf die Hilfe anderer angewiesen sein wird. Werden sich die eigenen Kinder um einen kümmern oder muss man in ein Seniorenheim ziehen und sein geliebtes Haus verkaufen? Was mache ich und wer hilft mir, wenn ich schwer krank werde? Was habe ich im Leben verpasst und was möchte ich noch unbedingt erleben? Es sind alles sehr emotionale Gedanken und Entscheidungen, die nicht nur die beiden Protagonistinnen aufwühlen.

Sarah Schmidt hat hier einen tollen, kurzweiligen, gefühlvollen und abwechslungsreichen Roman geschaffen, der durch einen angenehmen Schreibstil und tolle Charaktere besticht.

Veröffentlicht am 05.03.2017

Betrunkene Bäume

Betrunkene Bäume
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Erich, ein Wissenschaftler im hohen Alter, lebt alleine in einer Wohnung und hat mit allerlei körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Seine Tochter versucht unentwegt ihn zu einem Umzug in ein betreutes Heim ...

Erich, ein Wissenschaftler im hohen Alter, lebt alleine in einer Wohnung und hat mit allerlei körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Seine Tochter versucht unentwegt ihn zu einem Umzug in ein betreutes Heim zu überreden, doch Erich möchte seine Selbstständigkeit nicht aufgeben. Er will nicht wie all die anderen Senioren in einem Heim auf den Tod warten, sondern so gut es geht sich selber in der Wohnung zurecht finden und an seinen Forschungen arbeiten. Vor sehr langer Zeit hat er die Liebe zu den Bäumen entdeckt und sich mit einer Reise nach Sibirien einen Traum erfüllt. Dort konnte er diverse Bodenproben nehmen und seine Untersuchungen u.a. an den betrunkenen Bäumen intensivieren. Glücklicherweise zieht nebenan ein junges Mädchen namens Katharina ein, welches von zu Hause weggelaufen und notdürftig in dieser Wohnung untergekommen ist. Sie freunden sich langsam an und entwickeln eine Zuneigung zu einander. Sie erledigt fortan seine Einkäufe, putzt die Wohnung und zeigt sogar Interesse an seinen Forschungsarbeiten. Ihr Vater ist vor einiger Zeit beruflich in Richtung Sibirien aufgebrochen und deshalb empfindet sie eine gewisse Verbundenheit mit diesem Land und erfährt von Erich viele interessante Details zu der Landschaft und dem Leben in dem fernen Land. Die Freundschaft tut beiden gut, die Gespräche beflügeln sie und beide Außenseiter ziehen für sich einen adäquaten Nutzen daraus.

Ada Dorian hat hier ein Buch mit unglaublicher Tiefe geschrieben. Hinter den Protagonisten verbergen sich beeindruckende Lebensgeschichten, die im Leser Mitgefühl, eine gewisse Wärme und Zuneigung hervorrufen. Die Zeitsprünge und die Verknüpfung der Geschichten zwischen Erich und Katharina sind toll ausgearbeitet worden. Durch Rückblenden erfährt der Leser wie Erichs Reise nach Sibirien verlaufen ist, wie er seine Liebe zu den Bäumen entwickelt hat und wie intensiv ihn diese all die Jahre über begleitet hat. In dem anderen Erzählstrang erfährt man mehr über Katharina und ihre schwierige Familiensituation, welche sie nicht nur traurig, sondern auch in ein gewisses Milieu hat abstürzen lassen. Zwei Leben, die vom Schicksal gebeutelt sind finden zu einander und haben definitiv mein Herz als Leserin berührt.

Veröffentlicht am 02.03.2017

Fliegenpilze aus Kork

Fliegenpilze aus Kork
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In dem Buch „Fliegenpilze aus Kork“ erzählt die Hauptprotagonistin stückchenweise aus ihrem Leben. Es beginnt mit ihrer Geburt und Kindheit, die in kurzen Kapiteln abgehandelt werden und mündet in ihrer ...

In dem Buch „Fliegenpilze aus Kork“ erzählt die Hauptprotagonistin stückchenweise aus ihrem Leben. Es beginnt mit ihrer Geburt und Kindheit, die in kurzen Kapiteln abgehandelt werden und mündet in ihrer Jugend- und Erwachsenenzeit, deren Kapitel sich über mehrere Seiten erstrecken. Erlebt hat sie allerdings in all den Jahren eine Menge, ob in positiver oder negativer Hinsicht sollte hier jeder Leser für sich entscheiden.
Die meiste Zeit verbringt sie mit ihrem Vater. Zwar wird die Mutter auch am Rande erwähnt, doch der Fokus der Geschichte liegt auf der Beziehung zu ihrem Vater. Die Eltern haben sich getrennt, scheinen sich aber das Sorgerecht zu teilen. Zumindest darf sie die Wochenenden und auch Tage unter der Woche bei ihm wohnen und diverse Aktivitäten mitmachen und Erfahrungen sammeln. Schon früh legt sie erwachsene Züge an den Tag und des Öfteren hat man das Gefühl, dass eher sie die Erwachsene und der Vater derjenige ist, der Hilfe, Unterstützung und Geborgenheit benötigt.
Ihr Vater ist anders als die anderen Väter. Er wechselt andauernd den Job, hat kaum Geld und erscheint wie ein Überlebenskünstler, der nicht weiß wohin es ihn letztendlich zieht. Dies wird ihr im fortgeschrittenen Alter immer deutlicher und manchmal ist er ihr auch peinlich, weil er Dinge tut, die ihn im Mittelpunkt stehen lassen oder die man einfach nicht tut, doch sie hält zu ihm und bricht den Kontakt nicht ab. Als würde sie schon in jungen Jahren merken, dass sie eine Art Stütze für ihren Vater ist, begleitet sie ihn ins Theater oder streift in den Nächten mit ihm durch Wien, immer auf der Suche nach Gebrauchsgegenständen, die noch verwertet werden können. Mangelnde Hygiene und das wenige Essen an diesen Tagen scheinen der Kleinen nichts auszumachen. Als Leser ist man aber an der einen oder anderen Stelle regelrecht entsetzt über die Lebenshaltung und die vorherrschende Verwahrlosung. Will die Autorin hier vielleicht aufzeigen wie einfach solch fragwürdigen „Fälle“ den Jugendämtern nicht gemeldet oder nie von diesen entdeckt werden?
Trotz all der misslichen Lagen und den ständigen Abweichungen von der Norm liest man durch die Zeilen von einer starken Verbindung und Liebe zwischen den Protagonisten. Beide sind in ihren Handlungen bemüht, ihnen scheint eigentlich nichts wirklich zu fehlen und beide versuchen sich gegenseitig durch den Alltag zu helfen. Hier schwingt eine gewisse positive Stimmung mit, doch für mich persönlich überwogen bei der Lektüre eher die negativen Aspekte des Zusammenlebens und der Handlungen der beiden, die mich nun doch etwas betreten und ungläubig zurücklassen. Als spannend hingegen empfand ich die Begleitung der Tochter durch ihre Lebensphasen bis zur Erwachsenen. Es war interessant von ihren Sichtweisen und Eindrücken zu lesen, um dann zu erfahren wie sich diese im Erwachsenenalter ändern.
„Fliegenpilze aus Kork“ ist ein anspruchsvolles und nicht einfaches Buch mit einem ganz besonderen und außergewöhnlichen Inhalt.

Veröffentlicht am 25.02.2017

Das Geheimnis jener Tage

Das Geheimnis jener Tage
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1980: Eine junge Frau begibt sich, wie jeden späten Nachmittag, an den Strand von Cork. In den Dünen lässt sie sich nieder und versucht ihre Gedanken zu ordnen, sie sucht Ruhe und inneren Frieden, denn ...

1980: Eine junge Frau begibt sich, wie jeden späten Nachmittag, an den Strand von Cork. In den Dünen lässt sie sich nieder und versucht ihre Gedanken zu ordnen, sie sucht Ruhe und inneren Frieden, denn das, was sie in den letzten Wochen durchmachen musste, liegt ihr schwer auf der Seele. An diesem Tag entdeckt sie jedoch ein paar Schuhe samt einem Brief am Ufer und kurz darauf einen Mann im Wasser. Schnell erfasst sie die Lage und rennt förmlich ins Wasser, um den Mann vor einem großen Fehler zu bewahren. Noch ahnen beide nicht, welch schicksalhafte Wendung ihr Leben fortan nehmen wird.

Gegenwart: Carrie ist eine junge Frau Anfang 30 und hat schon viele Schicksalsschläge erleben müssen. Ihre Eltern sind vor 5 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, sie hangelt sich von einem Job zum nächsten und erledigt diese mit wenig Leidenschaft und ihre Beziehung zu Mark, ihrem Verlobten, ist in die Brüche gegangen. Sie ich ein psychisches Wrack, kann sich nicht aufraffen und das Leben genießen, sie lebt nur für den Tag, kann sich anderen gegenüber nicht öffnen und frisst all ihren Kummer in sich hinein. Glücklicherweise hat sie eine tolle Familie, die sich liebevoll um sie sorgt und ihr oftmals zur Hand geht. Als Carrie überraschenderweise von einer älteren Dame aufgesucht wird, die sie bittet sie in die Schweiz zu begleiten um dort jemanden kennenzulernen, ist Carrie verunsichert und blockt zunächst ab. Die Neugier ist jedoch stärker als die Angst vor dem Flug und so macht sich Carrie auf dem Weg zu einem Treffen mit einem Mann, der ihr künftiges Leben ungeheuer beeinflussen und bereichern wird.

Von der ersten Seite an hatte mich das Buch regelrecht gepackt und in eine andere Welt katapultiert. In dem Buch wechseln sich die beiden Zeitstränge ab, so dass man nach und nach alle Charaktere kennenlernt und sich die Ereignisse langsam zu einem Gesamtbild zusammenfügen. So wird ein immenser Spannungsbogen aufgebaut, es werden viele Geheimnisse angedeutet und zum Ende hin gelüftet, aber auch falsche Fährten für den Leser gelegt, so dass man nicht so schnell der Auflösung auf die Schliche kommt.

Mir hat der klare Schreibstil gefallen, jedoch sind mir die doch zahlreichen Wiederholungen über Carries Gemütszustand und die Wiederholung dessen in manchen Dialogen ein wenig negativ aufgestoßen. Insgesamt betrachtet ist es aber ein tolles und emotionales Buch mit vielen überraschenden Wendungen, Drama, Spannung, Liebe und zumeist netten und interessanten Charakteren.