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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2023

Pentester

Zero Days
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Jacintha, genannt Jack, Cross und ihr Ehemann Gabriel Medway arbeiten gemeinsam als sogenannte Pentester. Während sich Jack um die physischen Belange kümmert, kontrolliert Gabe die digitale Seite. Eines ...

Jacintha, genannt Jack, Cross und ihr Ehemann Gabriel Medway arbeiten gemeinsam als sogenannte Pentester. Während sich Jack um die physischen Belange kümmert, kontrolliert Gabe die digitale Seite. Eines Abends läuft der Test aus dem Ruder, Jack wird verhaftet und als sie mitten in der Nacht heimkommt, findet sie ihren Mann über seinen Computer gebeugt vor – mit durchtrennter Kehle. Kaum meldet Jack den Mord unter 999, wird sie auch schon als Täterin verdächtigt. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt sie eine gefährliche Suche nach dem wahren Mörder.

Eine aufregende Reise in die Welt der Technik bietet Ruth Ware mit diesem spannenden Thriller. Ein Mord, dessen Motiv nicht klar ist und bei dem die Polizei aufgrund von Indizien die Ehefrau festsetzen möchte, sorgt bei ebendieser für einen Adrenalinschub. Jack verschwindet von der Bildfläche und unternimmt einen waghalsigen Trip im Alleingang, denn schon bald muss sie feststellen, dass sie kaum jemandem trauen kann. Mit interessanten Details zum Thema Internet und Sicherheit kann Ruth Ware hier ebenso punkten wie mit einem flotten Schreibstil. Auch wenn das Katz- und Mausspiel zwischen Polizei und Jack sich mehrfach wiederholt, so bleibt die Sache doch spannend und überrascht am Ende mit einer Neuigkeit, die auch Jack verblüfft. Nicht immer zu hundert Prozent glaubwürdig, aber doch fesselnd und inhaltlich interessant, was die Kontrolle über das weltweite Netz betrifft.

Dies ist mein erstes Buch von Ruth Ware und es hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich gerne fünf Sterne vergebe und eine Leseempfehlung ausspreche.

Veröffentlicht am 28.12.2023

Niemals aufgeben

Die Brotbäckerin
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„Niemals aufgeben“, das ist das Motto der beiden Schwestern Elisabeth und Anna, als sie nach dem Tod der Mutter auch noch den Vater infolge eines Unfalles verlieren und als Frauen im Jahre 1810 die Bäckerei ...

„Niemals aufgeben“, das ist das Motto der beiden Schwestern Elisabeth und Anna, als sie nach dem Tod der Mutter auch noch den Vater infolge eines Unfalles verlieren und als Frauen im Jahre 1810 die Bäckerei aus dem Familienbesitz nicht behalten dürfen. Ein berechnender, schleimiger Konkurrent kauft den jungen Damen das Geschäft ab, indem er mit einem hinterhältigen Angebot lockt. Anna scheint sich anfangs in ihr Schicksal zu fügen, aber Liesi setzt von Beginn an alles daran, auch weiterhin Brot backen zu dürfen, denn das Handwerk hat sie von Grund auf von ihrem Vater erlernt.

Einem Märchen gleich mutet diese bewegende Erzählung an, es gibt Fortschritte und Rückschläge, Bedingungen, die kaum erfüllbar scheinen. Warmherzig und mit Liebe zum Detail erweckt Nadja Raiser eine glaubwürdige Geschichte zum Leben, welche neben erfundenen Elementen auch historische Begebenheiten und Persönlichkeiten beinhaltet und beides geschickt verwebt. Liesi und Anna, sowie sämtliche andere Figuren hat man schnell ganz plastisch vor Augen, die Tätigkeiten in der Backstube kennt man am Ende des Buches fast so gut wie die passionierte Bäckerin selbst. Mehlstaub und der Duft knusprigen Brotes sind zwischen den Zeilen merkbar, die Angst um den Betrieb und die Zukunft für die Schwestern sowieso. Gesellschaftliche Zwänge der Zeit hemmen heimliche Träume und ersticken jede neue Idee sogleich im Keim. Gibt es gute Feen nur im Märchen oder hält das Schicksal auch für Liesi und Anna ein Quäntchen Glück bereit?

Obgleich sich manches wiederholt und einzelne Figuren sich selbst allzu lange im Wege stehen, so ist die Handlung durchaus realistisch angesiedelt und sorgt für gute Unterhaltung. Für mich ist es ein neues Märchen, das gut zur besinnlichen Weihnachtszeit passt und welches ich daher gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 27.12.2023

Erste Einblicke

Töchter des Aufbruchs
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Elsaß-Lothringen, 1910: Pauline übernimmt das Mädchenpensionat in Diedenhofen an der Mosel und damit die schwierige Aufgabe, die jungen Damen nach einem strikten Lehrplan zu unterrichten und sie dennoch ...

Elsaß-Lothringen, 1910: Pauline übernimmt das Mädchenpensionat in Diedenhofen an der Mosel und damit die schwierige Aufgabe, die jungen Damen nach einem strikten Lehrplan zu unterrichten und sie dennoch zu selbständigen Frauen mit eigenem Gedankengut zu erziehen. Keinesfalls sollen aus ihren Schützlingen unterwürfige Anhängsel ihrer späteren Ehemänner werden. Zudem zwar dezent, aber stets modisch gekleidet, ist Pauline so manchem Einwohner hier im deutsch-französischen Grenzgebiet ein Dorn im Auge, die Gerüchte werden ordentlich befeuert, als ein Fremder als Gärtner eingestellt wird und Suzette, eine neue Schülerin im Institut, plötzlich verschwindet.

Voller Charme mit einigen Einsprengseln in Französisch und fränkischem Platt (Erklärungen ergeben sich direkt aus dem Text bzw. am Ende des Buches im Glossar) erzählt Marie Pierre diese erste Geschichte rund um das Pensionat an der Mosel, intensive Recherche begründet interessante Informationen zu politischen und gesellschaftlichen Hintergründen. Und natürlich steckt viel Liebe im Detail, wie man an den Figuren, deren Kleidung oder den typischen Gerichten erkennen kann, welche nicht nur Köchin Lisbeth stets auf den Tisch zaubert. Neben gesellschaftlichen Konventionen und den damals üblichen Vorstellungen des Frauenbildes kommt auch das Militär nicht zu kurz und wird akkurat beschrieben. Der preußische Hauptmann Erich von Pliesnitz ist ein würdiger Vertreter seines Standes und sorgt für Unterstützung, wo man sie von ihm im ersten Moment gar nicht erwartet. Hinreißende Beschreibungen der Gegend mit Mirabellenbäumen und kühler, würziger Nachtluft, kulinarische Besonderheiten wie Bergamottes de Nancy, hochrädrige Kinderwagen und Pferdefuhrwerke, Kopfsteinpflaster und rauchende Lokomotiven versetzen den Leser mit all seinen Sinnen zurück in diese längst vergangene Zeit, welche so lebendig und realistisch dargestellt wird, als würde gerade alles direkt rund um uns passieren. So fällt es von den ersten Worten an leicht, mit Pauline und ihren Zöglingen, Hauptmann Pliesnitz und einem undurchschaubaren Gärtner mitzufiebern, als Suzette verschwindet. Bestens charakterisiert und vorstellbar ist jede einzelne Figur, mit Akribie und Leichtigkeit gleichermaßen entwirft Marie Pierre ihre Szenen, die den Leser berühren und anhalten mitzurätseln. Gedanken und Gefühle aller Personen kann man richtiggehend spüren, wenn man den Zeilen folgt, sodass jeder Blickwinkel authentisch und nachvollziehbar ist.

Es ist nicht einfach, Worte zu finden für ein Buch, welches von der anfänglichen Figurenübersicht über die Handlung selbst bis hin zum reichhaltigen Glossar und Nachwort vollends überzeugt und einen hervorragenden Einblick gewährt in die geschichtsbehaftete Zerrissenheit der Gegend an der Mosel. Kurzum: ich bin begeistert und empfehle diesen Reihenauftakt sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 17.12.2023

Karneval in Köln

Tödlicher Aschermittwoch (Gustav Zabel ermittelt 2)
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1820, als Köln noch Coeln hieß: Ausgelassen und fröhlich feiert man den Karneval, auch am Aschermittwoch gibt es noch Grund für ein Fest, nämlich das traditionelle Fischessen. Üblicherweise wird in der ...

1820, als Köln noch Coeln hieß: Ausgelassen und fröhlich feiert man den Karneval, auch am Aschermittwoch gibt es noch Grund für ein Fest, nämlich das traditionelle Fischessen. Üblicherweise wird in der letzten Nacht eine Strohpuppe verbrannt, diesmal aber liegen die verkohlten Überreste eines Menschen in der Asche. Kommissar Gustav Zabel stehen schwierige Ermittlungen bevor, denn kaum jemand spricht die ganze Wahrheit, nicht einmal seinen Freunden kann er noch trauen.

Eine interessante Krimihandlung vor realem Hintergrund mit historisch belegten Figuren präsentiert Lorenz Stassen mit seinem tödlichen Aschermittwoch. Ein deftiger Prolog bildet den Auftakt zum Buch, die wenig ergiebige Polizeiarbeit kann sehr glaubwürdig dargestellt werden, der Preuße Zabel in Coeln hat es nicht leicht. Hier gilt nämlich der Kölsche Klüngel „Man kennt sich, man mag sich, man hilft sich.“ Damit hat der Mann aus Berlin aber noch so seine Probleme. Ruhig, ohne große Dramatik, fließt dieser Kriminalroman dahin, der Mix aus historischen Daten und frei erfundener Geschichte sorgt für beste Unterhaltung. Nicht nur die wichtigste Person, Zabel, ist eindrücklich beschrieben, auch andere kann man sich gut vorstellen, sodass glaubwürdige Szenen vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen. Menschen mit Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen sorgen für Lebendigkeit und ein Gefühl dafür, wie es damals war, anno 1825.

Viel zum Überlegen und Kombinieren gibt es hier für Kommissar Zabel, ihm dabei gedanklich zuzuhören hat mir gut gefallen, sodass ich mir gleich den Vorgängerband „Rosenmontag“ bestellen werde.

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Veröffentlicht am 07.12.2023

Todesurteil

VITA
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Gegen die Todesstrafe setzt sich Staatsanwältin Justine Callaghan (welch bezeichnender Name!) in jungen Jahren ein. In einer Phase persönlicher Belastung spricht sie allerdings später selbst ein einziges ...

Gegen die Todesstrafe setzt sich Staatsanwältin Justine Callaghan (welch bezeichnender Name!) in jungen Jahren ein. In einer Phase persönlicher Belastung spricht sie allerdings später selbst ein einziges Mal ein Todesurteil aus, obwohl sie weiß, dass sie persönlich mit ihrem Tod bezahlen muss, sollte sich das Urteil als falsch herausstellen. Und tatsächlich taucht Jahre später ein Beweismittel auf, das die Unschuld des Getöteten beweisen könnte. Justine steckt in einer Zwickmühle.

Vom Schreibstil eher nüchtern gehalten, präsentiert sich dieser Roman rund um das Thema Justiz und Bestrafung von Schwerverbrechern, Justine berichtet aus ihrer Sicht der Dinge in der Ich-Form, dazwischen spricht Insasse 39384 aus dem Todestrakt zum Leser. Einige Rückblenden und Gedanken an Justines Studentenzeit erklären, warum diese zu ihrer Überzeugung gelangt ist, dass die Todesstrafe, wenn schon nicht verboten, dann zumindest so selten wie möglich verhängt werden soll, der Rest der Handlung spielt in der Gegenwart und wird entsprechend in der Zeitform der Präsens geschildert. Trotz der sachlichen Erzählweise kann Christina Dalcher den Leser fesseln und dessen Gefühlsebene gut erreichen, bei manchen Szenen spürt man die sprichwörtliche Gänsehaut über den Körper laufen.

Auf faszinierende Weise entwickelt die Autorin ein juristisches Szenario vor dem Hintergrund der Rechtsprechung im US-Bundesstaat Virginia, wo die Todesstrafe zwar sehr selten, aber dennoch bisweilen ausgesprochen wird, allerdings unter dem Aspekt, dass derjenige selbst auf dem elektrischen Stuhl landet, der ein Fehlurteil verkündet hat. Nun könnte unsere Hauptfigur genau in dieses Dilemma schlittern, das sie selbst einige Jahre zuvor noch mitentwickelt hat. Großartig zeigt Dalcher, wie die erfahrene Staatsanwältin mit diesem Fall umgeht, wie sie dieses Problem lösen möchte. Auch wenn dem Leser vielleicht nicht jeder einzelne Handlungsschritt logisch erscheint, so muss man sich doch diese ganz spezielle Situation vor Augen halten, ich jedenfalls wüsste nicht, wie mit solch einer Zwangslage umzugehen wäre. In diesem Sinne kann ich Justines Vorgehensweise voll und ganz verstehen, das Ende, das nicht jede einzelne Frage abschließend beantwortet, passt perfekt zu diesem wunderbaren Gedankenspiel.

Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit - beste Unterhaltung mit einem eher ungewöhnlichen Thema bietet dieser Roman, berührende und erschütternde Szenen bleiben nicht aus, sodass man schnell mit verschiedenen Figuren mitfiebern muss. Ich spreche jedenfalls eine Leseempfehlung aus, insbesondere für jene, die sich für Rechtsprechung und deren Tücken interessieren.

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