Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
offline

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2023

Sehr schräger Humor

Ewig währt am längsten – Der Pastor und das letzte Hemd
0

"Der Pastor und das letzte Hemd" ist nach "Tante Ernas letzter Tanz" der zweite Band aus Markus Orths' Reihe "Ewig währt am längsten". 

Ich kenne Band 1 bisher nicht und brauchte ein bisschen, bis ich ...

"Der Pastor und das letzte Hemd" ist nach "Tante Ernas letzter Tanz" der zweite Band aus Markus Orths' Reihe "Ewig währt am längsten". 

Ich kenne Band 1 bisher nicht und brauchte ein bisschen, bis ich mich in der Geschichte zurechtgefunden hatte. Das lag sicher zu einen daran, dass mir die Beziehungen der Personen untereinander umd das Setting noch unbekannt waren, zum anderen habe ich leider in diesem Hörbuch einen roten Faden vermisst. Für einen Krimi war der Fall zu einfach, für eine bissige kirchenkritische Satire der Humor zu klamaukhaft-albern, und die Geschichte um Benno, Sibylle und Co. plätscherte eher so dahin. Ich liebe eher subtilen, hintergründigen Humor, der sich bei Orth durchaus auch zwischen den Zeilen verbirgt, wenn man genau hinhört, doch seine Verquickung etwa von Bibel und Winnetou ist mir dann doch viel zu übertrieben. Sehr gut gefiel mir hingegen wie immer der Sprecher Bjarne Mädel, der den Ton des Buches und seiner Figuren perfekt trifft und den ich beim Hören stets lebendig vor Augen hatte. 

Insgesamt hatte ich mir unter diesem Hörbuch etwas anderes erwartet, und ich würde es vor allem jenen Lesern und Hörern weiterempfehlen, die Spass an sehr schrägen Charakteren und absurdem Humor haben.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.12.2023

Durchschnittlicher Thriller

Schneesturm
0



Triona Walsh setzt in ihrem Thriller auf altbewährte Muster - eine abgeschiedene Insel, die bei unwirtlichem Wetter von der Aussenwelt abgeschnitten ist, ein lange zurückliegender Todesfall und eine ...



Triona Walsh setzt in ihrem Thriller auf altbewährte Muster - eine abgeschiedene Insel, die bei unwirtlichem Wetter von der Aussenwelt abgeschnitten ist, ein lange zurückliegender Todesfall und eine Gruppe alter Freunde, die sich seit Jahren erstmals wieder trifft. Da geschieht ein Mord, und Cara, einzige Polizistin der Insel und Teil der Gruppe, ist bei den Ermittlungen ganz auf sich allein gestellt. Der Mörder muss noch auf der Insel sein, und dann fällt auch noch der Strom aus....


Der Thriller liest sich flüssig und kurzweilig,  echte Spannung kam bei mir allerdings nicht auf. Die Auflösung habe ich bereits sehr schnell vorausgeahnt, überraschende Wendungen gab es für mich keine. Die Figuren blieben recht farblos und eindimensional, und an einigen Stellen merkte man allzu deutlich, dass manche Details und einige Handlungen der Figuren weniger zwingend logisch, sondern eher dem dramaturgischen Aufbau geschuldet waren. Auch fragte ich mich, wie ein Buch, das erst nach einem Todesfall vor 10 Jahren geschrieben, gedruckt und veröffentlicht worden war, in einem Bücherregal eines Hauses stehen kann, das seit 10 Jahren niemand mehr betreten hat (Kapitel 4). 


Insgesamt ein unterhaltsamer Thriller für zwischendurch, aber richtig begeistern konnte er mich nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.12.2023

Muss man nicht gelesen haben

Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen?
0

ALs regelmäßige SZ-Leserin schätze ich Till Raethers Artikel, und so war ich gespannt auf sein Buch. Die Leseprobe klang sehr vielversprechend und interessant, auch wenn ich einige Jahre jünger bin und ...

ALs regelmäßige SZ-Leserin schätze ich Till Raethers Artikel, und so war ich gespannt auf sein Buch. Die Leseprobe klang sehr vielversprechend und interessant, auch wenn ich einige Jahre jünger bin und die von ihm beschriebenen Krisen in den 80er Jahren noch nicht bewusst miterlebt habe. Leider konnten mich die folgenden Kapitel nicht überzeugen. Auch wenn ich Till Raether inhaltlich in wesentlichen zustimme, kann ich aus dem Buch keinen Erkenntnisgewinn ziehen und auch keine Lösungsansätze erkennen. Vielmehr ist es eine Aneinanderreihung von Gedanken, die eher banal wirken und die die meisten von uns wohl auch schon so oder so ähnlich gedacht und mit Freunden, Kollegen oder Familie diskutiert haben. Dank Till Raethers pointiertem Schreibstil, seinem hintergründigen Humor und einer großen Portion Selbstironie lässt sich dieses - relativ dünne - Buch zumindest ganz unterhaltsam lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2023

Erwartungen nicht erfüllt

Eine halbe Ewigkeit
1

Ich hatte zuvor noch kein Buch von Ildiko von Kürthy gelesen und die Leseprobe klang humorvoll und interessant. Leider hat sich dieser anfangs sehr gute Eindruck nicht fortgesetzt. Das liegt zum einen ...

Ich hatte zuvor noch kein Buch von Ildiko von Kürthy gelesen und die Leseprobe klang humorvoll und interessant. Leider hat sich dieser anfangs sehr gute Eindruck nicht fortgesetzt. Das liegt zum einen sicher daran, dass ich mich mit der Protagonistin Cora Hübsch überhaupt nicht identifizieren konnte, da ich ein völlig anderer Typ bin. Zum anderen blieb die Geschichte doch sehr oberflächlich, inhaltlich wiederholte sich Vieles. So ging es immer wieder darum, dass wir Frauen uns angeblich unser Leben lang mit den eingebildeten Unzulänglichkeiten unseres Körpers herumschlagen, mit unserem Gewicht hadern uns ins schicke, aber unbequeme Kleidung zwängen, um zu gefallen, als aufopferungsvolle Mütter unser Leben nach dem Stundenplan der Kinder ausrichten und in eine Krise geraten, wenn die Kinder aus dem Nest sind. Das war mir zu platt und trivial. Auch die queeren Protagonisten wirkten recht klischeehaft, allen voran Erdal und Wanda. Je weiter das Buch fortschritt, desto genervter wurde ich, und ich war froh, als ich es beendet hatte. Vieles hätte man deutlich kürzer ausdrücken können, und die langatmig aufgebaute Spannung um die Figuren Daniel und Johanna wirkte doch recht künstlich  aufgebauscht. Gleichzeitig blieb Daniel seltsam blass. Schade, denn die Thematik hat durchaus Potenzial, und Doris Knecht hat in "Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe" die Sinnkrise um die Lebensmitte für meine Begriffe sehr gelungen verarbeitet. 


Ich könnte mir vorstellen, dass Fans von Ellen Berg auch Freude an "Eine halbe Ewigkeit" haben, mich konnte es leider nicht überzeugen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2023

Mehr Stimmungsbild der DDR 1961 als Krimi

Die rote Jawa
0

"Die rote Jawa" von Matthias Wittekind ist der dritte Fall von Kriminaldirektor a.D. Manz, blickt jedoch auf die Jugend von Manz im Jahr 1961 zurück und schildert gewissermaßen den Anfang seiner kriminalistischen ...

"Die rote Jawa" von Matthias Wittekind ist der dritte Fall von Kriminaldirektor a.D. Manz, blickt jedoch auf die Jugend von Manz im Jahr 1961 zurück und schildert gewissermaßen den Anfang seiner kriminalistischen Laufbahn. Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Die  Rahmenhandlung spielt an Heiligabend 2019, die zweite Ebene im Sommer 1961 in Mecklenburg. Manz, damals 16 Jahre alt, verbringt im Juli 1961 einige Wochen in einem Dorf bei Waren an der Müritz als Praktikant bei der Feuerwehr. Ein Einsatz mit zwei Toten lässt ihn nicht mehr los, die Ermittlungsmethoden des Inspektors befremden ihn und er stellt eigene Überlegungen an. 


Wittekinds Buch ist kein klassischer Kriminalroman, bei dem die Lösung des Falles im Vordergrund steht, und wer einen spannenden Krimi sucht, wird hier nicht fündig werden. Viel eher erfasst Wittekind fein beobachtet und mit leisen Zwischentönen die Stimmung in der DDR im ländlichen Raum kurz vor dem Mauerbau, das Wesen der Bewohner und die Auswirkungen des sozialistischen Umbruchs durch Enteignungen und die Kollektivierung der Landwirtschaft. Auch die Schilderungen der Landschaft und Manz Gefühlslage nehmen viel Raum ein. 


Für mich war es das erste Buch der Manz-Reihe, und es ist sehr gut ohne Vorkenntnisse lesbar. Der markante Schreibstil war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, und es dauerte etwas, bis ich mich eingelesen hatte und mit dem Protagonisten warm wurde. Insbesondere in der Rahmenhandlung hat die Geschichte auch ihre Längen. Insgesamt ein interessanter, ungewöhnlicher Kriminalroman, der mich aber nicht vollständig begeistern konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere