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Veröffentlicht am 27.06.2018

Ergreifend, bewegend und wunderschön erzählt!

Der englische Liebhaber
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[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir im Vorfeld der Veröffentlichung, via der Vorablesen-website, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Ich bin mir absolut sicher, dass „Der englische Liebhaber“ ...

[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir im Vorfeld der Veröffentlichung, via der Vorablesen-website, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Ich bin mir absolut sicher, dass „Der englische Liebhaber“ es letztlich in die Top 5 meiner diesjährigen Lese-Highlights schaffen wird; gegenwärtig liegt dieser Roman da noch (oder schon?) auf Platz 1 und meine weiteren Lektüre werden an diesem Thron schon sehr hart rütteln müssen, um ihn noch erobern zu können.
Ein klitzekleines bisschen bin ich hier aber sicher auch vorurteilsbelastet hier ans Lesen herangegangen, denn „Der englische Liebhaber“ gehörte speziell zur Besatzungs Münster, die Geliebte Anna wohnte zeitweilig mit ihrer Familie in Telgte: Das ist genau die Gegend, in der ich aufgewachsen bin und somit war die Lektüre bei mir von einem konstanten Heimatgefühl begleitet. Dazu wohne ich inzwischen in der Schweiz und vor Allem hierzulanden ist „Federica De Cesco“ ein sehr großer Name; ich fand es einfach schön, von einer Schriftstellerin hier etwas von meiner Heimat dort zu lesen – und auch wenn Federica de Cesco hier zu den A-Promis zählt, war „Der englische Liebhaber“ nun der erste Roman, den ich überhaupt von ihr gelesen habe: Am Abend, nachdem ich das Hardcover erhalten hatte, habe ich die ersten zwei Drittel gelesen, solange gelesen, bis mir die Augen zufielen, und nach dem Aufwachen gleich weitergeschmökert, so dass mir am nächsten Mittag nur noch die letzten 50 Seiten geblieben waren. Nach jenen habe ich erstmal still auf dem Balkon gesessen, mein Gesicht in die Sonne gehalten und meinen Gedanken nachgehangen, die Erzählung langsam in meinem Kopf ausklingen lassen.

Ich mochte die ab und an wechselnde Erzählart: Mal schwenkte man eben zu Charlotte, die Ende der 80er, noch vor dem Fall der Mauer sozusagen das Erbe der Mutter durchsah und in jenen Aufzeichnungen, Briefen, Aufnahmen regelrecht versank, so dass man grad noch Charlotte sah, die einen Brief in die Hand nahm und im nächsten Moment schon quasi Anna lauschte, wie sie ihre Aufzeichnungen vorlas. Ich fand die Zeiten- und Perspektivenwechsel, obschon nur selten klar voneinander abgegrenzt, auch in diesem „Erzählfluss“ dabei immer sehr deutlich unterscheidbar: Dass ich da durcheinander gekommen wäre, ist nie passiert.
Annas Biografie, wohl ohnehin auf der wahren Geschichte einer Tante der Autorin basierend, ist absolut authentisch, sehr ehrlich und absolut nachvollziehbar. Man könnte sagen, dass Anna immer sehr selbstbewusst auftrat und selbstbestimmt agierte; man könnte aber auch sagen, dass sie einfach einer der westfälischen Sturköpfe war, die konsequent ihren eigenen Weg gingen und sich nicht vom erzkonservativen Lebensverständnis, das in der Region vorherrschte; mir war sie sehr sympathisch. Ich mochte auch die Darstellung des Nachkriegselends, das in Annas Erinnerungen nicht beschönigt, sondern klar gezeichnet wurde, wobei ihre Beschreibungen immer hoffnungs- und liebevoll blieben; auch während der schlimmsten Zeit schien sie von einem ziemlichen Optimismus geprägt zu sein; umso trauriger fand ich es, wie sie Jahrzehnte später doch von einem Moment zum Nächsten noch zusammengebrochen war, aber sie war eben zuvor immer sehr bemüht gewesen, nur Stärke nach außen zu zeigen. Ihre Liebesgeschichte war tragisch, wobei die ganz besonders große Tragik hier wohl auch darin begründet liegt, dass diese Liebesgeschichte so oder nur wenig anders wohl auch von anderen Paaren erlebt worden war und man die gesamte Szenerie auch in die heutige Zeitgeschichte übertragen könnte. Ich fand es erschreckend, wie sehr manche Beschreibungen aus dem (Nach)Kriegsmünsterland mich an heutige Beschreibungen aus aller Welt erinnerte. „Der englische Liebhaber“ war ein Roman, der mich sehr tief berührt hat, und der in seinen Ausführungen mir auch ein wenig Angst machte… Ich halte diese Geschichte für einen sehr wichtigen Inhalt, der von der Autorin hier auf ganz wundervolle Weise zum Leser hin transportiert wird.
Dieser Roman ist mir eine klare Leseempfehlung wert und wäre es das bestimmt auch, würde sich die Geschichte von Anna und Jeremy in einer Region zugetragen haben, zu der ich gar keinen Bezug hätte.

Veröffentlicht am 13.10.2017

Definitiv nicht ernstzunehmen, aber gemeinhin zum Lachen!

Mordsmäuschenstill
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Würde man „Mordsmäuschenstill“ ausschließlich aus dem Blickwinkel der kriminalistischen Belletristik heraus betrachten, müsste man den Roman bestimmt als „lächerlichen Klamauk“ abtun. Die Geschichte ist ...

Würde man „Mordsmäuschenstill“ ausschließlich aus dem Blickwinkel der kriminalistischen Belletristik heraus betrachten, müsste man den Roman bestimmt als „lächerlichen Klamauk“ abtun. Die Geschichte ist definitiv eher albern und völlig surreal; die Skurrilität der Geschichte schwingt bereits in der Beschreibung der Schlafstörung Neles wider, die vielmehr sex- als schlafwandelt. Humor ist hier eigentlich fast immer gleichbedeutend mit Situationskomik; an anderer Stelle las ich, dass dieser Roman auch Lesern von beispielsweise Ellen Berg nahegelegt wird, aber die Berg-Romane finde ich da doch „seriöser“, weil weniger überzogen. „Mordsmäuschenstill“ ist da viel mehr kalauernd und die Figuren, nicht zuletzt auch ihre jeweiligen Biografien, sind auch allesamt völlig überzeichnet dargestellt.

Nachdem der Roman als Rezensionsexemplar seinen Weg auf meinen Kindle gefunden hatte, erschrak ich zunächst angesichts des Inhaltsverzeichnisses, was in der von mir zuvor gelesenen Leseprobe nicht enthalten war: Die Perspektive wechselt zwischen so vielen Figuren hin und her, dass ich gleich befürchtete, alsbald völlig den Überblick zu verlieren. Aber diese Kapitelnamen waren letztlich eher Buch-Kosmetik; die Erzählstimme gibt prinzipiell nur eine Geschichte mit diversen Personen wieder. Als rein personale Ich-Erzählerin fungiert eigentlich nur die zunächst zwar schon hirntote, aber noch komatöse Hanna, welche die ganze Szenerie und all die Ermittlungen geisterhaft verfolgt. Dabei hat ihre Figur wohl nur den Sinn, den Lesern die Schlafstörungen der hier involvierten Patienten näherzubringen; ansonsten tragen ihre Ausführungen rein gar nichts zur Aufklärung bei.

Persönlich gestehe ich „Mordsmäuschenstill“ vor Allem deswegen fünf Sterne zu, weil es mir einfach sehr viel Spaß gemacht hat, diesen Roman zu lesen und weniger deswegen, weil ich die Geschichte grundsätzlich so überzeugend gefunden hätte. Der Fall klärt sich letztlich sehr authentisch, diese Lösung könnte auch in einem „seriösen“ Krimi geboten werden, aber: irgendwie passte der schließliche Ernst, das finale Drama, für mich nicht so recht zu „Mordsmäuschenstill“. Das entsprach sehr viel mehr einem Psychothriller als einer Krimikomödie, wie sie „Mordsmäuschenstill“ bis dahin gewesen war. Mir war die Auflösung viel zu wenig schräg für all die vorherigen Merkwürdigkeiten; da flachte für mich die Unterhaltung zum Ende hin doch ein wenig ab, aber der Roman endete da just in dem Moment, in dem ich ansonsten die Freude am Lesen des Romans völlig verloren hätte, so dass das zeitlich doch exakt passend getimed war.
Empfehlen würde ich diese Lektüre aber allen, die Lust haben, mal wieder was eigentlich völlig Lächerliches zu lesen; „so bescheuert, dass es schon wieder gut ist“ ist meiner Meinung nach eine Aussage, die im Falle „Mordsmäuschenstill“ auch auf diesen Roman zutrifft.

Veröffentlicht am 02.10.2017

Geister der Vergangenheit

Nacht über Frost Hollow Hall
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[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Gleich zu Anfang hat es mich sehr positiv überrascht, dass die Illustrationen, die oberhalb jeder Kapitelüberschrift ...

[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Gleich zu Anfang hat es mich sehr positiv überrascht, dass die Illustrationen, die oberhalb jeder Kapitelüberschrift zu sehen sind, auch in der eBook-Ausgabe klar ersichtlich aufbereitet sind: Sie sind deutlich zu erkennen und weder verzerrt noch verschwommen. Auch der digitale Satz ist sehr lesefreundlich gestaltet, mit den üblichen Abständen, die es insbesondere Kindern zunächst erleichtern soll, beim Lesen nicht innert der Zeilen zu verrutschen. Da kann man hier definitiv nicht behaupten, das Layout der digitalen Version sei vernachlässigt worden.
Angesichts der Tatsache, dass das eBook aktuell ebenso viel wie die gebundene Ausgabe kostet, würde ich, selbst vor die Wahl gestellt, derzeit aber doch zur Druckausgabe greifen, nur schon aufgrund der Tatsache, dass ein junger Leser das Buch so auch noch frank und frei im Freundeskreis kursieren lassen kann. Denn ich erinnere mich noch daran, wie wir als Kinder/Jugendliche unsere Bücher untereinander immer verliehen und ausgetauscht haben; da ist „ Frost Hollow Hall“ für mich nun definitiv eines der Bücher gewesen, das wir anno dazumal gerne die Runde machen lassen hätten.

„Ab 10 Jahren“ soll der Roman sein, und das würde ich im Großen und Ganzen auch so bestätigen: In der Geschichte kommt es zunächst zu einem Nahtoderlebnis inklusive Geisterkontakt und auch fortan wird relativ stark gespukt. Dabei ist der Spuk zunächst sehr unklar, teils auch leicht aggressiv, und da könnte die Geschichte bei empfindsamen Seelen doch noch für etwas unruhigen Schlaf sorgen, auch wenn das Geistertreiben nie von Grund auf böse oder gar dämonisch wirkt.
Jüngeren Kindern würde ich dieses Buch aber auch aus dem Grund nicht unbedingt überlassen, da die Geschichte letztlich von einem ungeklärten, sich aufgestaut habenden Konflikt erzählt, also nicht oberflächlich bleibt, sondern emotional schon angreift. Klar wird es Kinder geben, die den Inhalt auch schon mit acht Jahren verarbeiten/verkraften können, aber ich meine, für das Gros der jüngeren Leser würde die Erzählung hier einfach noch „zuviel“ sein.

Die Handlung ist klar nachvollziehbar; die Ich-Erzählerin Tilly ein ziemlich kesser Wirbelwind, der aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammt und da dieser Roman im Jahre 1881 spielt, mag die 12jährige Protagonistin mitunter für heutige Verhältnisse viel zu erwachsen erscheinen, aber in der damaligen Zeit war es für ein Kind ihres Standes sicher unabdingbar, bereits eine Arbeitsstelle zu haben. Generell bietet „Frost Hollow Hall“ da auch einen direkten, authentischen kleinen Einblick in die Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts, ohne ein besonders großes Abbild zu bieten: Die Geschichte spielt fast ausschließlich im und am abseits gelegten Frost-Hollow-Hall-Anwesen; nur wenige Szenen ereignen sich innert der Grenzen des nächstgelegenen kleinen Dorfes, aus dem auch Tilly stammt. Die Szenerie ist generell also ausschließlich ländlich.

Ich bin der Zielgruppe auch längst klar entwachsen, fand die Lektüre von „Frost Hollow Hall“ in meinem höheren Alter nun aber ebenfalls noch sehr fesselnd und mitreißend; für mich hat dieser Roman da durchaus das Potential, sich zu einem Kinder-Gruselklassiker zu entwickeln. Toll fand ich auch, dass der Roman nie ins allzu Kitschige und stereotyp Mädchenhafte abdriftete (ich würde dieses Buch definitiv auch nicht klar als Mädchenbuch abgrenzen; mit Tillys „Sidekick“ Will werden sich Jungs da wohl auch nur zu gerne identifizieren wollen), sondern den reiferen Grundtenor beibehielt und auch an keiner Stelle etwas von „das ist ja bloß ein Geisterbuch für Babys!“ hatte. Da wird sich auch der kindliche Leser sehr ernstgenommen fühlen. Insgesamt ein fantastisches Buch vor Geister-Hintergrund und sicherlich (nicht nur) nun zu Halloween eine tolle Lektüre (ebenfalls nicht nur) für den Nachwuchs!

Veröffentlicht am 24.09.2017

Der Dino im Hamsterkäfig (und noch woanders)

Hamstersaurus Rex
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[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Auch wenn zeitgleich der zweite Band „Hamstersaurus Rex gegen Eichhörnchen Kong“ veröffentlicht wurde, so ist „Hamstersaurus ...

[Vorab: Ein Rezensionsexemplar war mir unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Auch wenn zeitgleich der zweite Band „Hamstersaurus Rex gegen Eichhörnchen Kong“ veröffentlicht wurde, so ist „Hamstersaurus Rex“ doch in sich geschlossen; aber dass man nicht auf den Nachfolger warten muss, ist meines Erachtens ein sehr geschickter Schachzug des Verlags: Denn „Hamstersaurus Rex“ ist ein so erfrischendes Kinderbuch, das es zweifelsohne gleich Lust auf weitere Geschichten des Hamsters mit dem Dino-Potential macht.
Vielfach wird dies als „Lektüre für Jungs“ beworben, aber diese Geschlechtsspezifität erschließt sich mir absolut nicht: Ich sehe dieses Buch eher für alle (haustier- und) dinobegeisterten Kinder an, die gerne tierische Abenteuergeschichten lesen. Klar, Sam, der Erzähler des Romans, ist männlich und eine weitere zentrale Figur ist der Schulrowdy; die Klassenstreberin ist eher ärgerlich bis nervig und Sams beste Freundin wird von diesem schließlich weitgehend außen vor gelassen, wodurch das Thema „Vertrauen/Loyalität“ thematisiert wird, aber auch junge Leserinnen dürften sich hier durchaus angesprochen fühlen.

Die gebundene Ausgabe des Romans ist sehr kindgerecht gestaltet: Die komplette Geschichte wird immer wieder durch kleine Skizzen aufgelockert, die auch zur Erzählung Sams passen, der selbst leidenschaftlich gerne zeichnet und Karikaturen anfertigt. Zudem ist der Schriftgrad ebenso wie der Zeilenabstand etwas höher angesetzt als im durchschnittlichen „Erwachsenenroman“, so dass Erstleser beispielsweise auch keine Schwierigkeiten haben sollten, plötzlich in den Zeilen zu verrutschen.

Die Leseempfehlung „ab 9“ sehe ich zudem als Selbstleseempfehlung an: Ich meine, dass man dieses Buch getrost auch schon Erstklässlern kapitelweise als Gute-Nacht-Geschichte vorlesen könnte; inhaltsmäßig hätte ich da gar keine Bedenken.
Für mich spielt „Hamstersaurus Rex“ in nahezu der gleichen Liga wie Rob Dews „A Mammoth Problem“, was mich dereinst schon schwer begeistert hatte (und was bisher aber doch noch sehr unbekannt und auch noch nicht übersetzt worden ist): „Hamstersaurus Rex“ würde ich allerdings etwas vor jener Geschichte, sowohl vom Anspruch als auch von der Zielgruppe her, setzen, sozusagen als „Vorstufe“ bezeichnen, da „Hamstersaurux Rex“ doch auch noch mehr in dieser, unseren realen Welt spielt und „A Mammoth Problem“ mit der außerirdischen Thematik noch mit deutlich mehr surrealer Skurrilität daherkommt.
Empfehlen würde ich definitiv beide Werke und auch, nachdem ich bislang nun nur „Hamstersaurus Rex“ kenne, würde ich ebenso dazu tendieren, gleich den zweiten Band „Hamstersaurus Rex gegen Eichhörnchen Kong“ anzuschaffen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Kind den Hamstersaurus so blöd finden könnte, dass es dieses Buch weder überhaupt auslesen noch eine weitere Geschichte um den eigenwilligen Dino-Hamster prinzipiell ablehnen würde. (Angesichts der nun bald anbrechenden Zeit: „Hamstersaurus Rex“ kann ich mir auch ganz gut im Nikolausstiefel steckend vorstellen und bis auch ein eher langsam lesendes Kind die Geschichte zu Ende gelesen hätte, käme es wohl zeitlich recht passend hin, den zweiten Band dann unter den Weihnachtsbaum zu legen.)

Veröffentlicht am 01.09.2017

Herzerwärmend, herzerfrischend und doch mit noch etwas mehr Schrullen als Schmalz!

Herzmuscheln
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Es ist schade, dass „Herzmuscheln“ erst heute, zum September hin, erscheint, wird der Roman doch als „romantischer, sommerlicher Liebesroman“ und „perfekte Urlaubslektüre für Irlandfans“ beworben: Tatsächlich ...

Es ist schade, dass „Herzmuscheln“ erst heute, zum September hin, erscheint, wird der Roman doch als „romantischer, sommerlicher Liebesroman“ und „perfekte Urlaubslektüre für Irlandfans“ beworben: Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen schönen Sommerschmachtfetzen, den ich vorab schon Mitte August lesen konnte (ein Rezensionsexemplar war mir unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden), und es ist einfach eine schöne Geschichte, um sie draußen in der Sonne sitzend zu lesen, so dass man nur auf ähnlich schöne, sonnige Herbsttage hoffen kann.
Ist es auch perfekte Urlaubslektüre für Irlandfans? Sicher, vor Allem, wenn man die Connemara-Gegend schätzt; man darf allerdings nicht erwarten, nun einen belletristischen Reiseführer in den Händen zu halten: Die „Herzmuscheln“-Handlung spielt sich doch sehr stationär im/am „Mermaid Cottage“ ab, macht aber dennoch Lust auf einen Irland-Urlaub. Zumindest hatte ich nach dem Lesen nicht geringe Lust, mich auf eine spontane Rucksackwanderung entlang der irischen Küste zu begeben.

Ich mochte die Figuren sehr gerne und all diese Skurrilitäten, wie zum Beispiel den reichlich schrulligen alten Rupert, den Kyla nach ihrer Ankunft in ihrem frischerworbenen Guesthouse vorfindet und der nur lapidar verkündet, er wohne halt da. Auch Ryan sorgt eingangs für einige Momente großen Amüsements, wenn er beispielsweise das Mermaid Cottage nachts durch ein Fenster betritt; ich mochte die "Wohngemeinschaft", die sich hier zusammengefunden hat, sehr gerne und die Romanze oder Nicht-Romanze zwischen Kyla und Ryan wurde auf ebenso angenehme wie unterhaltsame Weise auch nicht völlig fokussiert. Weithin erzählte „Herzmuscheln“ halt doch davon, wie sich Kyla mit der Pension einen langgehegten Herzenswunsch erfüllte und nun begann, sich in ihrem neuen Zuhause einzufinden und ihr Guesthouse in Schwung zu bringen: Da fand ich es allerdings ein bisschen merkwürdig, dass sich bereits während der noch laufenden Renovierungsarbeiten einige Langzeiturlauber, wie u.A. auch Ryan, einfanden und Kyla später doch befürchtete, der offizielle Betrieb würde eventuell doch eher nur schleppend anlaufen. Irgendwie passte für mich das Thema der „ausbleibenden Buchungen“ nicht so ganz zu den eingangs fleißig über das Guesthouse gestolperten Gäste. Ich war auch froh, als mal Gäste auf der Durchreise für nur eine Übernachtung anklopften, denn die Langzeitgäste kamen alle mit Sorgen und Problemen – und fanden im „Mermaid Cottage“ dann wieder zu sich selbst, was in der Masse schon an den typischen Sonntagabend-Schmonzettenfilm erinnerte. Aber dieser Roman war dann halt auch ebenso schön und anrührend wie jene Verfilmungen. Positiv fand ich aber vor Allem auch, dass Kyla und Ryan bis zuletzt als eigenständige Personen dargestellt wurden und dass sie nie auf die „diese Zwei sind einfach nur Eins“-Schiene gedrängt werden, auf welcher sich einer über den Anderen definiert hätte.
Klar, „Herzmuscheln“ ist reine Unterhaltungslektüre und der literarische Anspruch ist dementsprechend nur geringfügig; innert seines Genres ist „Herzmuscheln“ meiner Meinung nach aber nicht zu beanstanden. Ich habe den Roman jedenfalls sehr gerne gelesen und jede Minute davon genossen!