Selbstfindung zwischen zwei Welten
Eine Blume ohne WurzelnBis zur Veröffentlichung von "Eine Blume ohne Wurzeln" kannte ich Nada Chekh nicht. Sie erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, den ersten Jahren des Erwachsenwerdens und ihrer Studienzeit. Dabei wird schnell ...
Bis zur Veröffentlichung von "Eine Blume ohne Wurzeln" kannte ich Nada Chekh nicht. Sie erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, den ersten Jahren des Erwachsenwerdens und ihrer Studienzeit. Dabei wird schnell deutlich, dass sie als Tochter eingewanderter arabisch-muslimischer Eltern in Wien immer zwischen den Werten und Erwartungen ihrer Eltern und der Wiener Konventionen sowie der Lebensweise ihrer Mitschülerinnen und Kommilitoninnen lebt. Für Nada ist jeder Tag ein kleiner Kampf, eine Rebellion gegen ihre Eltern, die mit jedem Jahr stärker wird. Nada erzählt von Enttäuschungen ihrer Eltern, Konflikten mit und der Abgrenzung von ihren Freund*innen und dem Selbst- und Fremdbild der arabischen Community in Wien.
Nada Chekh erzählt recht flapsig, unbedarft und humorvoll, wobei sie auch scharf kritisiert, negative Ansichten mitteilt und Misstände und Diskrepanzen aus ihrer Sicht benennt. Lange Zeit hat sie das Gefühl, nirgends richtig zuzugehören und immer ankämpfen zu müssen gegen Rollenbilder und Erwartungen. Sie erzählt von Selbstbestimmung, Selbstbehauptung und dem Weg zu einem bedürfnisorientierten Leben. Dabei erzählt sie sprunghaft, vieles bleibt offen und einige Entwicklungen waren mir beim Lesen nicht klar - beispielsweise, wie ihr Auszug von zuhause oder auch ihre Beziehung dann offenbar akzeptiert wurden. Sehr anschaulich wird jedoch das Gefühl der Beobachtung, der Kontrolle und der Überwachung geschildert, das Nada fühlt(e).
Ein lesenswertes Buch im anekdotischen Stil über das Erwachsenwerden in mehreren Kulturen, Hürden, Probleme und Wünsche - sowohl auf struktureller als auch auf persönlicher Ebene.