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Veröffentlicht am 30.12.2023

Selbstfindung zwischen zwei Welten

Eine Blume ohne Wurzeln
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Bis zur Veröffentlichung von "Eine Blume ohne Wurzeln" kannte ich Nada Chekh nicht. Sie erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, den ersten Jahren des Erwachsenwerdens und ihrer Studienzeit. Dabei wird schnell ...

Bis zur Veröffentlichung von "Eine Blume ohne Wurzeln" kannte ich Nada Chekh nicht. Sie erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, den ersten Jahren des Erwachsenwerdens und ihrer Studienzeit. Dabei wird schnell deutlich, dass sie als Tochter eingewanderter arabisch-muslimischer Eltern in Wien immer zwischen den Werten und Erwartungen ihrer Eltern und der Wiener Konventionen sowie der Lebensweise ihrer Mitschülerinnen und Kommilitoninnen lebt. Für Nada ist jeder Tag ein kleiner Kampf, eine Rebellion gegen ihre Eltern, die mit jedem Jahr stärker wird. Nada erzählt von Enttäuschungen ihrer Eltern, Konflikten mit und der Abgrenzung von ihren Freund*innen und dem Selbst- und Fremdbild der arabischen Community in Wien.

Nada Chekh erzählt recht flapsig, unbedarft und humorvoll, wobei sie auch scharf kritisiert, negative Ansichten mitteilt und Misstände und Diskrepanzen aus ihrer Sicht benennt. Lange Zeit hat sie das Gefühl, nirgends richtig zuzugehören und immer ankämpfen zu müssen gegen Rollenbilder und Erwartungen. Sie erzählt von Selbstbestimmung, Selbstbehauptung und dem Weg zu einem bedürfnisorientierten Leben. Dabei erzählt sie sprunghaft, vieles bleibt offen und einige Entwicklungen waren mir beim Lesen nicht klar - beispielsweise, wie ihr Auszug von zuhause oder auch ihre Beziehung dann offenbar akzeptiert wurden. Sehr anschaulich wird jedoch das Gefühl der Beobachtung, der Kontrolle und der Überwachung geschildert, das Nada fühlt(e).

Ein lesenswertes Buch im anekdotischen Stil über das Erwachsenwerden in mehreren Kulturen, Hürden, Probleme und Wünsche - sowohl auf struktureller als auch auf persönlicher Ebene.

Veröffentlicht am 27.12.2023

Humorvolle Beispiele

Shitmoves
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Das Paar Iris Gavric und Matthias Renger haben sich sowohl beruflich als auch privat intensiv mit Kommunikation(stechniken) auseinandergesetzt und erläutern in diesem Buch sogenannte Shitmoves. Unter Shitmoves ...

Das Paar Iris Gavric und Matthias Renger haben sich sowohl beruflich als auch privat intensiv mit Kommunikation(stechniken) auseinandergesetzt und erläutern in diesem Buch sogenannte Shitmoves. Unter Shitmoves verstehen sie manipulaitve Gesprächstechniken, bei denen es nicht um Sachlichkeit geht, sondern darum, das Gespräch als Gewinnerin zu verlassen - und das um jeden Preis.
In sehr mündlicher, flapsiger Sprache schildern sie die Beweggründe und einzelne Beispiele, die verschiedene Shitmoves darstellen. Außerdem geben sie Alternativen mit auf den Weg. Tatsächlich habe ich die sowohl in der Öffentlichkeit als auch in privaten Erfahrungen dargestellten Shitmoves selbst schon beobachtet und konnte daher eigene Beispiele hinzufügen. Teilweise ähnelten sich die aufgeführten Beispiele und ich empfand einige Stellen als sehr lang und fast schon wiederholend.
Dennoch denke ich, gerade für Einsteiger
innen von manipulativen Konversationstechniken, ist "Shitmoves" ein leicht verständliches, humorvolles Buch, aus dem jede*r etwas mitnehmen kann.

Veröffentlicht am 16.12.2023

Kein cosy Crime

Mord im Christmas Express
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Am Abend vor Weihnachten macht sich die pensionierte Polizistin Roz im Nachtzug auf den Weg nach London, wo ihre Tochter in den Wehen liegt. Außer ihr befinden sich nur 17 andere Fahrgästinnen im Zug, ...

Am Abend vor Weihnachten macht sich die pensionierte Polizistin Roz im Nachtzug auf den Weg nach London, wo ihre Tochter in den Wehen liegt. Außer ihr befinden sich nur 17 andere Fahrgästinnen im Zug, weshalb das Kennenlernen untereinander fast schon selbstverständlich ist. Spätestens als der Zug entgleist und im Schneechaos der schottischen Highlands stehen bleibt, kommen sie ins Gespräch. Doch es ist nicht nur der entgleiste Zug, der Sorgen bereitet: Eine Person im Zug wird tot aufgefunden und es ist klar, dass eine Mörderin unter ihnen ist. Und dieser Person scheint ein Mordopfer nicht genug zu sein. Um die Sachlage schnell zu klären, beginnt Roz, die Gästinnen zu befragen und zu ermitteln. Dabei hat sie ganz andere Sorgen im Kopf: Die Geburt ihrer Enkelin gestaltet sich als sehr kompliziert, weshalb sie um ihre Tochter bangt und ein Trauma aus ihrer Vergangenheit hochholt.

Ich bin vermutlich eine der wenigen, die Agatha Christies Vorlage nicht gelesen und daher keinen Vergleich zum Original hat.
Zuerst möchte ich sagen, dass es sich hier keinesfalls um einen gemütlichen, weihnachtlichen Krimi handelt, sondern sehr ernste und potentiell triggernde Inhalte behandelt werden, die retraumatisieren könnten. Dazu zählt vor allem sexualisierte Gewalt mit expliziten Beschreibungen.

Der Schreibstil ist flüssig, es wird aus Roz' Sicht erzählt, die zunächst sehr viel beobachtet, die Mitreisenden analysiert und einordnet. Zwischenzeitlich gab es einige Längen, da die Leiche erst etwa in der Buchmitte gefunden wird und für mich erst dann Spannung entstand.
Das Mordmotiv und die Involviertheit waren recht schnell abzusehen, dennoch mochte ich zu lesen, wie Roz die Wahrheit und die Verwicklung aufdeckt. Auch die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit mochte ich. Allerdings finde ich es schwierig, all das in einem vermeintlichen cosy Weihnachtskrimi zu verpacken.
Die Figuren blieben für mich recht oberflächlich und ich habe keine richtige Bindung zu ihnen aufgebaut, mochte jedoch die Konstellation sehr.

Ein spannender Krimi, von dem ich jedoch nicht sagen kann, ob er als moderner Agatha-Christie-Krimi durchgehen würde.

Veröffentlicht am 11.12.2023

Guter Abschluss

Vega 2 – Der Sturm in meinem Herzen
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"Vega. Der Sturm in meinem Herzen" ist der zweite Teil der Dilogie und der erste Teil, "Vega. Der Wind in meinen Händen", sollte auf jeden Fall gelesen werden, da die Handlung direkt bei dessen Ende einsetzt. ...

"Vega. Der Sturm in meinem Herzen" ist der zweite Teil der Dilogie und der erste Teil, "Vega. Der Wind in meinen Händen", sollte auf jeden Fall gelesen werden, da die Handlung direkt bei dessen Ende einsetzt. Auch wenn ich den ersten Teil schon vor einer ganzen Weile gelesen habe, war ich direkt wieder in Vegas Welt und konnte mit ihr mitfiebern.
Denn Vega wurde von Nathalie, der Chefin des Wetterkonzerns Bioverse, entführt. Sie will Vegas Fähigkeit, das Wetter aufgrund ihrer Gedanken zu beeinflussen, für ihre Zwecke einsetzen und kennt Vegas Schwachstellen.
Auch Leo ist wieder an Vegas Seite, um für die Welt einzustehen und den Kampf gegen den Wetterkonzern gemeinsam anzugehen.

Auch im zweiten Teil ist der Schreibstil flüssig, die einzelnen Entwicklungen werden nachvollziehbar erklärt und die Auswirkungen von Vegas Gabe sowie Nathalies Handlungen sind sehr anschaulich.
Der Spannungsbogen war straff, die Liebesgeschichte lief sehr im Hintergrund und Längen habe ich nur ganz vereinzelt wahrgenommen. Es steht die Frage im Mittelpunkt, wie das Klima beeinflusst werden kann, inwiefern die Klimaaktivist*innen Recht haben und wem Vega vertrauen kann. Denn die Zeit rennt und das wird deutlich.

Das Ende war spannend, ich hätte mir jedoch noch die eine oder andere Auflösung bzw. Beantwortung von Fragen gewünscht.
Dennoch ein gelungener Abschluss der Dilogie!

Veröffentlicht am 10.12.2023

Vorweihnachtsfeeling

24 Wege nach Hause
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Petras Leben erfährt einen starken Bruch: Ihre Schwester kommt ums Leben und Petra muss sich plötzlich um ihre elfjährige Nichte Charlie kümmern. Außerdem kann sie ihren Friseursalon nicht halten und kann ...

Petras Leben erfährt einen starken Bruch: Ihre Schwester kommt ums Leben und Petra muss sich plötzlich um ihre elfjährige Nichte Charlie kümmern. Außerdem kann sie ihren Friseursalon nicht halten und kann sich ein Leben in Stockholm nicht mehr so eben leisten. In einem Schneesturm landen Petra und Charlie in Nyponviken, einem kleinen Dorf im Süden Schwedens und wagen dort einen Neuanfang. Viveca, die Eigentümerin einer Gärtnerei empfängt sie sehr herzlich und Petra bekommt die Möglichkeit, in der Gärtnerei zu arbeiten. Als sie dann einen mysteriösen Adventskalender der Künstlerin Lilly vor der Tür findet, lernt sie die Geschichten der Dorfbewohner*innen kennen und lernt auch immer mehr über sich.

Die Idee, ein Buch als Adventskalender aufzuziehen, das selbst von einem Adventskalender handelt, reizte mich sehr. Das Cover ist wunderschön, wirkt gemütlich und weckte in mir bereits adventliche Stimmung.

Jenny Fagerlund schreibt flüssig, sehr anschaulich und warf mich direkt zu Beginn mitten ins Geschehen. Ich brauchte eine Weile, um mich in Nyponviken zurechtzufinden und mochte die Geschichten und die Erkenntnisse über das Dorf und die Menschen dort. Zwischeinzeitlich gab es einige Längen und leider konnte ich zu Petra keinen Draht finden - bis zum Schluss war da eine Distanz.

Dennoch habe ich das Buch sehr gern gelesen und hatte gemütliche Lesestunden!