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Veröffentlicht am 25.01.2024

Hoch hinaus

Was die Dünen verheißen. Die St.-Peter-Ording-Saga
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Hoch hinaus möchte Julia Hansen, noch bevor sie das Gymnasium abschließen wird, denn zu verlockend ist ihr Traum, als Stewardess rund um die Welt zu fliegen. Mit ihr und ihrem Zwillingsbruder Achim, der ...

Hoch hinaus möchte Julia Hansen, noch bevor sie das Gymnasium abschließen wird, denn zu verlockend ist ihr Traum, als Stewardess rund um die Welt zu fliegen. Mit ihr und ihrem Zwillingsbruder Achim, der ganz selbstverständlich gemeinsam mit dem Vater das Hotel leitet, geht die St. Peter-Ording – Saga im Jahre 1978 weiter, nachdem wir bereits in Band Eins deren Eltern Sabine und Tom, sowie Rita und Fiete kennengelernt haben.

Beschaulich geht es zu in St. Peter-Ording, so lange keine Saison ist, aber dann ist das Hotel voller Gäste, die Terrasse im Strandcafe bis auf den letzten Platz besetzt. So quirlig wie die Urlauber im Sommer ist Julia, wenn sie daran denkt, was sie alles in London, Paris und rund um den Erdball noch erleben möchte. Als sie den Fotografen Björn kennenlernt, kommen auch noch Schmetterlinge im Bauch dazu. Was das Leben alles zu bieten hat, zeigt sich in diesem kurzen Sommer, den Julia teils am Strand, teils in Gelsenkirchen im Ruhrgebiet bei ihrer Tante verbringt.

In eher einfach und flott zu lesendem Schreibstil ist dieser Sommerroman gehalten, der auf anschauliche Weise das Flair der 1970er-Jahre wieder zum Leben erweckt. ABBA und Suzi Quatro, Rollschuhbahn und Wählscheibentelefon sind nur einige wenige Details, welche an die damalige Zeit erinnern und ein wenig Sentimentalität aufkommen lassen, speziell dann, wenn man selbst während dieser Zeit groß geworden ist. Dazu kommt das Bild mit einem Ehemann als Ernährer der Familie und einer Frau bei Haushalt und Kind, Träume von beruflichem Erfolg als Stewardess lassen Julia dadurch ganz schön „anders“ aussehen, als es den Erwartungen entspricht. Ein paar Höhen und Tiefen gibt es wohl in diesem Roman, allerdings wäre da mehr an Gefühl der einzelnen Figuren wünschenswert gewesen, so ist es doch eher ein sanftes Dahinplätschern mit (zu) schnellem Ende, das aber immerhin gut zur Geschichte passt.

Band Zwei kommt nicht ganz an seinen Vorgänger heran, punktet aber doch mit einer süßen, naiven Handlung vor der entzückenden Kulisse St. Peter-Ordings und beschert einem einige nette Lesestunden mit sympathischen Charakteren. Neugierig bin ich jedenfalls, wie es weitergeht.

Veröffentlicht am 22.01.2024

Serienstart

Kaltblütige Lügen
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Aus gutem Grunde ist Kit McKittrick Detective im San Diego Police Department geworden. Als sie einen anonymen Hinweis auf eine vergrabene Leiche bekommt, geht sie der Sache selbstverständlich nach und ...

Aus gutem Grunde ist Kit McKittrick Detective im San Diego Police Department geworden. Als sie einen anonymen Hinweis auf eine vergrabene Leiche bekommt, geht sie der Sache selbstverständlich nach und findet tatsächlich eine ermordete junge Frau mit glitzerrosa Handschellen in einem Stadtpark. Eine neue Spur zu einem Serienkiller tut sich auf, allerdings kommen viele Informationen von einem undurchschaubaren Psychologen, der selbst verdächtig ist.

Ein interessanter und durchaus spannender Reihenstart, bei dem insbesondere Kit McKittrick aufgrund ihrer Kindheit als sehr verletzlich dargestellt wird und genau dadurch Gerechtigkeit für die zahlreichen Opfer dieses Serienmörders fordert. Dass sie dabei selber zur Zielscheibe des Täters wird, ahnt sie natürlich nicht. Mit ihrem fesselnden, einnehmenden Schreibstil punktet Karen Rose jedenfalls, auf grausame und brutale Details verzichtet sie aber größtenteils. Als Leser kann man sich anhand der beschriebenen Szenen genug selbst ausmalen. Der Fokus liegt zum Glück auf anderen Dingen, sehr genau geht die Autorin auf die zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer Figuren ein, beschreibt Kit, deren Familie und Arbeitskollegen recht lebendig und glaubhaft. Da und dort wirkt die Handlung ein wenig ausufernd, ob wirklich 544 Seiten für diese Geschichte nötig sind, ist natürlich Geschmacksache. Ein bisschen mehr Aufregung hätte gut getan, der Täter wiederum hat sich gekonnt bis zum Ende hin verborgen und für eine Überraschung gesorgt.

Mit Karen Rose habe ich eine mir bislang unbekannte Autorin entdeckt, trotz kleiner Kritikpunkte werde ich die nächste Folge der San-Diego-Reihe auf jeden Fall lesen.

Veröffentlicht am 18.01.2024

Eine befremdliche Insel

Bermuda
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Ein stattliches Kreuzfahrtschiff gerät im bekannten Bermuda-Dreieck in einen gewaltigen Sturm. Den Untergang der Sea Quest überleben nur wenige Mannschaftsmitglieder und Passagiere. Eine bunt zusammengewürfelte ...

Ein stattliches Kreuzfahrtschiff gerät im bekannten Bermuda-Dreieck in einen gewaltigen Sturm. Den Untergang der Sea Quest überleben nur wenige Mannschaftsmitglieder und Passagiere. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen aus verschiedensten Herkunftsländern findet sich auf einer unbewohnten Insel wieder und muss überlegen, wie sie bis zur erhofften Rettung überleben kann. Sonderbare Phänomene wie wild kreiselnde Kompassnadeln oder unheimliche Lichterscheinungen und grauenvolle Geräusche bei Einbruch der Nacht lassen Angst unter den Überlebenden aufkommen.

Mit einer Episode aus dem Jahre 1533 beginnt dieser spannende Mystery-Thriller, bevor wir an Bord des Kreuzfahrtschiffes Sea Quest gehen. Recht flott schreitet die Handlung voran und beschreibt die unglaublichen Ereignisse, welche während des tosenden Sturmes die Reisenden erschüttern. Und schon erwachen ein paar Überlebende am Strand einer Vulkaninsel. Fesselnd und spannend verlaufen die folgenden Tage, Thomas Finn vermag den Leser in einem steten Sog gefangen zu nehmen mit wissenschaftlichen Fakten und fantasiehaften Elementen. Detailgenaue Beschreibungen der unglaublichen Umgebung lassen alles sehr lebendig werden und das Geschehen wie einen schillernden Film vor den Augen des Lesers ablaufen. So ist es kein Wunder, wenn man Kapitel um Kapitel verschlingt und die Neugierde wächst, wie die Gruppe sich entwickelt, welche Überlebensstrategien entwickelt werden und welche Möglichkeiten es gibt, der Insel zu entkommen oder die Außenwelt zu kontaktieren. Der Schreibstil ist flüssig, auch wenn man etliche „eh“ durch „ohnehin“ oder „mit was“ durch „womit“ ersetzen könnte. Lange hält sich die Spannung auf konstantem Niveau, lediglich gegen Ende des Buches wird es etwas langatmig, aber das ist natürlich Ansichtssache.

Ein empfehlenswerter Schmöker für jene Leser, welche einsame Inseln, Gruppendynamik, ein wenig Physik und Maya-Kultur mögen, gekonnt verquickt mit mysteriösen, fantastischen Elementen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.01.2024

Nordische Mythen und Mysterien

Im Eis
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Amelie Fischer schreibt eine Arbeit über die Polarexpedition 1878 und stößt dabei auf Informationen, dass nicht nur zwei, sondern drei Schiffe daran beteiligt waren. Alsbald ist ihre eigene Expedition ...

Amelie Fischer schreibt eine Arbeit über die Polarexpedition 1878 und stößt dabei auf Informationen, dass nicht nur zwei, sondern drei Schiffe daran beteiligt waren. Alsbald ist ihre eigene Expedition geplant, um den verschollenen Handelsfahrer „Sirene“ aufzuspüren. Als sie eindringlich davor gewarnt wird, die Reise anzutreten, wird Amelie nur noch neugieriger, was es mit den unheimlichen Beschreibungen voller Mythen und Mysterien aus Kapitän Werkmeisters Tagebuch auf sich hat.

Nach dem Prolog lernt man sogleich Amelie kennen, mit ihrem fast starren Ehrgeiz und der akribischen Durchsicht alter Tagebücher, welche die schwierige und mit dem zusätzlichen Schiff "Sirene" fast unheimliche Lage im Jahre 1878 verdeutlichen. Über längere Strecken übernehmen die Zeilen aus Werkmeisters Aufzeichnungen die Handlung und versetzen den Leser um 150 Jahre zurück, lassen Packeis drohend auf einen zukommen, Nebel und steifgefrorene Glieder den Alltag am Schiff wie am eigenen Leib spüren. Nicht zuletzt sorgen sorgfältig recherchierte Seemannsausdrücke für die passende Atmosphäre an Bord. Allerdings hat Amelie nur Teile dieser Schriften zur Hand, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie höchstselbst herausfinden möchte, was sich im hohen Norden Grönlands damals tatsächlich abgespielt hat. Damit wechselt die Handlung ins Jetzt, Amelie besteigt mit einer klug ausgewählten Mannschaft die „Frost“, um auf den Spuren Kapitän Werkmeisters gen Norden zu steuern. Während die frühere Zeitebene den Leser fesselt, wird es hier ein wenig verworren und ist die Handlung nicht immer gut nachvollziehbar, samt dem nicht ganz überzeugenden Ende. Leider finden sich auch einige Logikfehler im Text: so werden die Eskimos bereits im Jahre 1878 manchmal als Inuit bezeichnet in Werkmeisters Tagebuch oder fährt die „Frost“ erst mit Schweröl, später mit Diesel. Dennoch ist das Thema im Buch durchaus spannend, sodass ein großteils stimmiges Ganzes daraus entstanden ist und – wie man den letzten Zeilen entnehmen kann, Amelie durchaus noch in einem anderen Buch eine Rolle spielen wird. Auch das könnte noch interessant werden, hoffentlich ohne QR-Codes mitten im Text, welche auf weitere Informationen bezüglich Klimawandel & Co. hinweisen.

Fazit: gut recherchierte Details, nordische Mythen und eine ehrgeizige Frau, welche mehr Nachforschungen anstellt, als anderen lieb ist. Trotz einiger Makel gerne vier Sterne!

Veröffentlicht am 25.12.2023

Ankommen

We Are Like the Wind
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Kitesurf-Legende Ethan braucht kurz vor der nächsten WM eine Auszeit. Obwohl ihm der Sport Spaß macht, setzen ihm gerade das harte Training, der strikte Ernährungsplan, der Erfolgsdruck und seine Instagram-Follower ...

Kitesurf-Legende Ethan braucht kurz vor der nächsten WM eine Auszeit. Obwohl ihm der Sport Spaß macht, setzen ihm gerade das harte Training, der strikte Ernährungsplan, der Erfolgsdruck und seine Instagram-Follower ordentlich zu. Auf Malcolm Island sucht er Zuflucht und Ruhe, niemand weiß, wo er steckt und warum. Aber seine Gedanken können nicht abschalten - sein Trainer ruft Ethan wiederholt zur Raison. Lediglich bei Ausflügen mit der scheuen, zurückhaltenden Bibliotheksleiterin Laiana kann er zu sich selbst finden. Wird Ethan dadurch genug Energie tanken, um seinen Weg als Leistungssportler fortzusetzen?

Nach den beiden ersten Bänden der „Like us“-Trilogie war ich schon gespannt auf diesen dritten Teil. Auch hier wieder ist Malcolm Island die schöne Kulisse, wobei ich das gewohnte freundliche Miteinander der Einwohner im Fischerdorf Sointula ein wenig vermisse und auch den Zauber der Liebesgeschichte zwischen Ethan und Laina erst spät spüre. Die wechselweise Sicht aus den Blickwinkeln der beiden Hauptfiguren hat sich auch diesmal bewährt, insbesondere, wenn ein und dieselbe Szene von Laina und Ethan erzählt wird. So wird ganz deutlich, wie unterschiedlich Situationen wahrgenommen werden, wie wichtig es ist, dem anderen zuzuhören und sich in ihn hineinzuversetzen. Sowohl Laina, die meint, ihre Mutter erwarte eine bestimme berufliche Ausrichtung von ihr, als auch Ethan, der aus ärmlichen Verhältnissen kommend, nun mit seinen Erfolgen auch die Familie unterstützen kann, sind wunderbar und sehr glaubhaft charakterisiert. Man spürt beim Lesen ihre Schwierigkeiten, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen und den Weg zu gehen, den ihr Innerstes vorgibt. Ob sie einander Stütze sein können und ankommen können? Lest selbst, welche Hürden sich vor den beiden aufbauen und wie sie damit umgehen.

Leider kommt Numero Drei nicht ganz an seine Vorgänger heran, dennoch ist es ein schöner Abschluss dieser Trilogie.