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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2024

Lektüre mit Mehrwert

Good Inside - Das Gute sehen
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Grob gesagt gliedert sich dieser Ratgeber in zwei Teile. Im ersten erläutert Dr. Kennedy zunächst die Prinzipien, die ihren Ansätzen zugrunde liegen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Betrachtung ...

Grob gesagt gliedert sich dieser Ratgeber in zwei Teile. Im ersten erläutert Dr. Kennedy zunächst die Prinzipien, die ihren Ansätzen zugrunde liegen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Betrachtung aller Beteiligten als grundsätzlich gut, die Akzeptanz, dass mehrere unterschiedliche Wahrheiten nebeneinander bestehen können und das Verständnis von Verhaltensweisen als Symptome der zugrundeliegenden Gefühle.

Im zweiten Teil werden diverse Situationen aus dem Erziehungsalltag anhand dieser Prinzipien betrachtet und Handlungsmöglichkeiten unterbreitet.

Auch wenn für mich viele der hier als innovativ angepriesenen Ansätze nicht grundlegend neu waren, empfand ich es doch als hilfreich, sie mir in kompakter Form ins Gedächtnis rufen zu lassen. Manchmal profitiert man eben auch davon, an Dinge erinnert zu werden, die man eigentlich schon weiß. Und gerade die Sichtweise, dass es nicht primär um das Verhalten, sondern die dahinterstehenden Gefühle geht, ist in meinen Augen gesamtgesellschaftlich betrachtet durchaus noch nicht der Regelfall.

Die Beschäftigung mit verschiedenen Situationen im zweiten Teil ist klar und übersichtlich strukturiert. Es werden jeweils unterschiedliche Vorschläge gemacht, von denen ich den ein oder anderen sicher ausprobieren werde für die Bereiche, die unsere Familie betreffen. Hier habe ich die Reaktionen der Kinder in den Fallbeispielen aber doch einige Male als zu einfach empfunden.

Insgesamt sind die Werbeversprechen, dass hier etwas völlig Neues präsentiert würde, in meinen Augen ziemlich dick aufgetragen. Dennoch finde ich die Kombination aus Vermittlung der Grundlagen und einem „Katalog“ von Handlungsvorschlägen durchaus gelungen und denke, dass viele Erziehende von der Lektüre profitieren können.

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Veröffentlicht am 18.12.2023

Lohnt sich

Der Achte Tag
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Rund um seinen 13. Geburtstag wird Jax' Leben völlig auf den Kopf gestellt. Gerade erst hat er seinen Vater verloren und musste gegen seinen Willen zu dem nur wenige Jahre älteren Riley ziehen, der ein ...

Rund um seinen 13. Geburtstag wird Jax' Leben völlig auf den Kopf gestellt. Gerade erst hat er seinen Vater verloren und musste gegen seinen Willen zu dem nur wenige Jahre älteren Riley ziehen, der ein Fremder für ihn ist, und nun erfährt er auch noch, dass er ein „Wechsler“ ist, ein Mensch, der einen zusätzlichen achten Tag erlebt. Außerdem gibt es neben den „Normalen“, die in der bekannten Sieben-Tage-Woche leben, auch noch Personen, die nur am achten Tag existieren. Eine solche ist Evangeline, das Mädchen im Nachbarhaus. Zusätzliche Details und Informationen bekommt Jax erst nach und nach, und schon bald steckt er mitten in einem gefährlichen Abenteuer, das er nur bruchstückhaft überblickt …

Ich bin erstaunt, dass die englische Originalversion dieses Romans bereits seit fast 10 Jahren existiert und die Geschichte erst jetzt für den deutschsprachigen Markt entdeckt wurde. Umso besser, dass es endlich dazu gekommen ist.

Es wird überwiegend aus der Sicht von Jax erzählt, zum Teil aber auch aus der von Evangeline. Dadurch tappt man als Leser*in die meiste Zeit mit Jax im Dunkeln, lernt gemeinam mit ihm dazu und sieht auch die anderen Charaktere überwiegend aus seiner Perspektive. Er ist eine liebenswerte Figur, manchmal sehr reif für sein Alter, manchmal erstaunlich naiv.

Die Handlung verbindet unsere realistische Gegenwart mit fantastischen Elementen, die von der Artussage inspiriert sind. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass ich der Geschichte besser folgen könnte, wenn ich vertrauter mit der Sage wäre, wirklich notwendig war das aber nicht. Einige altmodische Komponenten fand ich im modernen Kontext nur bedingt plausibel und gerade zum Höhepunkt hin waren die fantastischen Elemente für meinen Geschmack etwas dick aufgetragen. Insgesamt hat das dem Lesegenuss jedoch nicht geschadet.

Es ist keine fröhliche Geschichte, was angesichts des Settings nicht weiter überrascht. Während es anfangs jedoch durchaus humorvolle Passagen gibt, wird die Stimmung im weiteren Verlauf immer ernster und bedrohlicher. Da es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt, bleiben am Ende natürlich Fragen offen, es gibt aber erfreulicherweise keinen klassischen Cliffhanger. Ich freue mich auf die nächsten Bände im kommenden Jahr.

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Veröffentlicht am 05.12.2023

Die Schuldfrage

Kein guter Mann
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Ich hätte es ahnen können … Schon nach der Leseprobe war ich überrascht, da ich die gelesenen Seiten nicht recht mit dem Klappentext in Verbindung hatte bringen können. Da hatte ich aber noch die Möglichkeit ...

Ich hätte es ahnen können … Schon nach der Leseprobe war ich überrascht, da ich die gelesenen Seiten nicht recht mit dem Klappentext in Verbindung hatte bringen können. Da hatte ich aber noch die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass das Gelesene nur eine lange Einleitung zur tatsächlichen Erzählung war. Außerdem hatte mich der unterhaltsame Stil überzeugt, das Buch lesen zu wollen.

Das habe ich auch keineswegs bereut, ganz im Gegenteil, aber ich habe etwas völlig anderes erwartet. Versprochen hatte ich mir eine Geschichte, die sich vor allem um Ben und Walter und ihren Austausch dreht. Tatsächlich ist dieser Teil eher eine Art Rahmenhandlung, innerhalb der sich nach und nach Walters Vergangenheit entfaltet und Stück für Stück berichtet wird, wie er an den Punkt gekommen ist, an dem er heute ist. Auch seine gegenwärtige Situation nimmt mindestens ebenso viel Raum ein wie Bens.

Das alles liest sich leicht und flüssig, der humorvolle Unterton, der sich in der Absurdität der ersten Seiten noch findet, tritt jedoch mehr und mehr in den Hintergrund. Es geht um die Frage nach der Schuld, darum, was einen „guten Mann“ ausmacht, um gute Absichten, die nicht immer das gewünschte Ergebnis erzielen, um die zerstörerische Kraft von Gerüchten und davon, dass diesen oft vorschnell Glauben geschenkt wird, ...

Walter ist ein facettenreicher Protagonist, und durch die schrittweise Enthüllung seiner Geschichte hat sich mein Blick auf ihn immer mal wieder ein wenig verändert, auch wenn ich einzelne Verhaltensweisen bis zum Schluss nicht recht nachvollziehen konnte. Andere hingegen, die im ersten Moment vielleicht merkwürdig anmuteten, waren im Licht neuer Kenntnisse dann durchaus schlüssig.

Am Ende bleibe ich mit reichlich Stoff zum Nachdenken zurück und kann sagen: Wer einfach nur leichte Unterhaltung möchte, macht um dieses Buch besser einen Bogen. Auf der Suche nach einer guten Geschichte, die nachklingt, wird man hier jedoch fündig.

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Veröffentlicht am 04.12.2023

Ein modernes Märchen

Alice in La La Land
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In der Absicht, ihren Vater kennen zu lernen, versucht Alice sich in eine Filmpremiere zu schleichen. Dabei wird sie von Schauspieler und Teenieschwarm Dylan Reese erwischt, der ihr seine Hilfe anbietet, ...

In der Absicht, ihren Vater kennen zu lernen, versucht Alice sich in eine Filmpremiere zu schleichen. Dabei wird sie von Schauspieler und Teenieschwarm Dylan Reese erwischt, der ihr seine Hilfe anbietet, wenn sie ihn im Gegenzug offiziell auf die Premiere begleitet. Damit nimmt das Drama seinen Lauf ...

Die Geschichte wird sowohl aus Alices als auch aus Dylans Perspektive erzählt, wobei Alices Anteil jedoch deutlich überwiegt, was stellenweise ein wenig schade ist. Der Erzählstil ist locker und wunderbar leicht zu lesen, die Autorin lässt viele sympathische, manchmal etwas verrückte Charakter lebendig werden und auch einige äußerst unsympathische. Allzu viele Nuancen dazwischen finden sich nicht, so dass es als Leser*in leicht fällt zu entscheiden, mit wem mitgefiebert und wer abgelehnt wird.

Die Handlung bietet eine gelungene Mischung: Szenen zum Schmunzeln und Lachen kommen ebenso wenig zu kurz wie gefühlvolle Momenten mit kribbelnder Romantik und Herzklopfen. Auch dramatischere Situationen zum Mitfühlen oder -leiden, in denen es ein wenig mehr in die Tiefe geht, kommen vor. Das alles wird unterhaltsam eingebunden in die Welt des Showbusiness, des Glamours und der Klatschpresse. Präsentiert in einem flotten Erzähltempo hat mir das eine ausgesprochen kurzweilige Lektüre beschert, die lediglich im hinteren Teil ein paar Schwächen aufweist. Dort erscheint die Schilderung der Ereignisse teilweise etwas gehetzt, ein paar Seiten mehr hätten hier der Atmosphäre gut getan. Das Ende schließlich schießt ein wenig über das Ziel hinaus und wirkt, als müsse es der Tatsache gerecht werden, dass das Buch einen Märchentitel trägt.

Für mich war es das erste Buch der Autorin; wer „Cinder&Ella“ gelesen hat (was ich sicher demnächst nachholen werde), trifft aber wohl auf einige Bekannte und erlebt somit eine weitere Nuance. Ich kann die Lektüre allen empfehlen, die romantische Geschichten mögen und sich nicht daran stören, wenn hier und da eine Spur zu dick aufgetragen wird.

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Veröffentlicht am 30.11.2023

Gelungene "Fanficton"

Alte Bekannte – neue Liebschaften
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Wer hätte gedacht, dass auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits „Fanfiction“ geschrieben wurde? In diesem wohl ersten Fortsetzungsroman, der je zu den Werken von Jane Austen erschienen ist, treffen ...

Wer hätte gedacht, dass auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits „Fanfiction“ geschrieben wurde? In diesem wohl ersten Fortsetzungsroman, der je zu den Werken von Jane Austen erschienen ist, treffen Figuren aus all ihren Romanen zusammen, wobei der Schwerpunkt auf Charakteren aus „Stolz und Vorurteil“ und „Mansfield Park“ liegt. Es ist beim Lesen also definitiv hilfreich, wenn zumindest die Handlung dieser beiden Romane bekannt ist, und je vertrauter einem auch die anderen sind, desto größer ist hier vermutlich der Lesegenuss. Für den Fall, dass man sich an eine Person einmal doch nicht mehr erinnern kann, gibt es aber auch eine Übersicht auf den ersten Seiten des Buches.

Sprachlich ist zu erkennen, dass Brinton versucht hat, sich an Austens Stil anzupassen, und soweit sich das anhand der deutschen Übersetzung beurteilen lässt, ist ihr das auch recht gut gelungen. Für die Handlung hat sie sich ebenfalls teilweise an Elementen aus Austens Romanen bedient, aber ausreichend eigene Ideen eingeflochten, so dass nicht das Gefühl aufkommt, eine Kopie zu lesen. Und selbstverständlich ist sie dem Grundsatz treu geblieben, dass sich nach ein wenig Drama alles zum Guten fügt.

Ich hatte große Freude an der Geschichte. Zu Beginn hatte ich ein bisschen das Gefühl erschlagen zu werden, weil schon auf den ersten Seiten enorm viele Personen zumindest erwähnt werden, aber das legte sich bald. Hier und da haben Aussagen oder Handlungen einer Figur nicht ganz zu dem Bild gepasst, das ich von ihr habe, aber jeder liest eben doch auch ein wenig aus einer eigenen Perspektive. Im Allgemeinen hat Brinton die Charaktere meiner Ansicht nach sehr gut getroffen, und ich kann das Buch guten Gewissens allen empfehlen, die Austens Romane mögen.

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