Profilbild von Esme--

Esme--

Lesejury Star
offline

Esme-- ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Esme-- über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2024

Alles eine Frage der Dosis?

Honesty. Was die Wahrheit verbirgt
0

Inhalt:


Nach einer großen Panedemie und einem darauf folgenden Krieg hat sich in Sestiby einiges verändert. Die Menschen stehen unter dem Einfluss eines Medikaments namens Veritas, das dafür sorgt, dass ...

Inhalt:


Nach einer großen Panedemie und einem darauf folgenden Krieg hat sich in Sestiby einiges verändert. Die Menschen stehen unter dem Einfluss eines Medikaments namens Veritas, das dafür sorgt, dass Gefühle wie Missgunst, Eifersucht, Wut, Neid, Panik, Hass und Trauer nicht mehr empfunden werden können. Auch sorgt Veritas dafür, dass es dem Anwender nicht mehr möglich ist, Lügen auszusprechen.

Mae lebt mit ihrer Familie in Sestiby. Schon seit Jahren ist sie in ihren Kindheitsfreund Aiden verliebt. Doch seit geraumer Zeit datet dieser ein Mädchen namens Ann.

Dass bei Mae Veritas nicht richtig anzuschlagen scheint, stellt schon alleine aus diesem Grund ein großes Problem dar. Denn ein Gefühlsausbruch, der von den falschen Menschen gesehen und gemeldet werden würde, würde sie als Liar entlarven und schlimmstenfalls eine Abschiebung nach Ring 8 und somit den Ausschluss aus der Gesellschaft nach sich ziehen.

Als Aiden eines Tages seine Verlobung mit Ann verkündet, bricht für Mae eine Welt zusammen. Es sind nicht nur die Gefühle, die sie zu kontrollieren versucht, auch das Ehegesetz, dass von allen Bewohnern Sestibys verlangt, dass diese bis zum 21. Lebensjahr verheiratet sein sollen, schürt zusätzlichen Druck. Auch, wenn Mae noch drei Jahre Zeit hat, so weiß sie, was ihr bevorsteht, sollte sie bis dahin keinen passenden Partner finden: Sie würde das Recht auf freie Berufswahl verlieren und dort eingesetzt werden, wo ihre Kraft am dringendsten benötigt wird. Sie würde nicht in die höheren Ringe aufsteigen, sondern in Ring 7 landen.

Mae unterdrückt also ihren Widerwillen und lässt sich von ihren Dads und ihrer kleinen Schwester sowie ihrem großen Bruder Nick, der als Aufsehender für die Regierung arbeitet, überreden, sich bei der Dating-App Eternity anzumelden. Doch gerade, als sie ihr Profil abschicken möchte, bekommt sie eine Fehlermeldung.

Kurz darauf erfahren Mae und ihre Familie von einer kürzlich eingeführten Neuerung der Regierung: Es soll fortan ein Programm namens PEP geben. Eines, dass für eine glücklichere Zukunft sorgen soll. Hierzu werden alle Personen, die sich im entsprechenden Alter befinden und noch keinen Partner gefunden haben, in ein Camp eingeladen. Diverse Tests und Veranstaltungen sollen dafür sorgen, dass jeder letztlich sein perfektes Gegenstück finden wird. All das wird von der KI zusätzlich unterstützt.
Am PEP-Programm soll jeder teilnehmen. Für alle sollen gleiche Voraussetzungen geschaffen werden.

Alle bereits bestehenden Verlobungen werden mit Einführung des Programms aufgelöst. Das Programm bietet zwar allerhand Möglichkeiten, doch Mae erkennt darin auch ein großes Problem. Denn mit der Teilnahme an PEP wird sie die schützende Unterstützung ihrer Familie verlieren. Lediglich ihr Bruder könnte, sofern er mit ihr einer Gruppe zugeordnet werden sollte, an ihrer Seite sein. Die Gefühle, die sie immer wieder übermannen, die Panikattacken würden mit Sicherheit dafür sorgen, dass Mae auffliegt.

Als wüsste Mae nicht schon gut genug, wie schnell ein unliebsames Gefühl bei ihr hervorbrechen kann, sorgen kleine Geschehnisse im Alltag immer wieder für eine unliebsame Erinnerung an ihr allgegenwärtiges Problem. So begegnet sie in einer Bahn einem jungen Mann, der sie nicht nur ungeschickt anrempelt, so dass ihr ihre geliebten EarPods auf den Boden fallen. Er zerstört einen der Pods auch noch, indem er drauf tritt. Anstatt sich zu entschuldigen, grinst der Unbekannte Mae dreist an und ergreift die Flucht. Die frostblauen Augen des unverschämten Kerls bleiben Mae genauso im Gedächtnis, wie die Tatsache, dass er in ihrem Gesicht mit Sicherheit das Aufkeimen des tückischen Gefühls der Wut erkannt hat.

Als Mae also im Camp eintrifft, muss sie nicht nur fürchten, dass ihr die vielen angekündigten Tests zum Verhängnis werden, sondern auch, dass sie mit Aiden oder gar Ann in einer Gruppe landen könnte. Dass jedoch „Mr. Frost“, der Mann aus der S-Bahn, in ihrem Team sein könnte, damit hat Mae so gar nicht gerechnet ...



Meinung:


Nach „Gameshow“, ein Fall von früher Meisterschaft, wusste ich sofort, dass ich das nächste Buch von Franzi Kopka unbedingt würde lesen müssen.

Meine großen Erwartungen, die ich an „Honesty“ hatte, wurden, soviel sei an dieser Stelle gerne schon vorweg gesagt, nicht enttäuscht. Auch „Honesty“ ist sehr gelungen.

In Sestiby sorgen eine KI namens AISS und eine Rundumüberwachung für die Sicherheit der Bewohner. Ein Medikament namens Veritas, das in der Lage ist, jegliche Emotionen zu unterdrücken, für Ordnung und Frieden.

Die Wirkung von Veritas empfand ich als sehr interessant. Denn sobald eine Frage gestellt wird, ist das Gegenüber verpflichtet, eine Antwort zu geben. Tut es das binnen weniger Sekunden nicht, durchströmt es eine unangenehme Hitze, die bald zu einem starken Brennen im Mundraum wird und letztlich Herzprobleme hervorruft. Final setzt im schlimmsten Fall das Herz aus. Die gleiche Symptomatik wird durch eine ausgesprochene Lüge verursacht.

Sestiby ist in 8 Ringe aufgeteilt. Die Wohlhabendsten leben in Ring 1 und schwelgen im Luxus. In Ring 2 finden sich Firmen, in denen nur tagsüber gearbeitet wird, wie Werbeagenturen, Architekturbüros und Forschungszentren. Ab Ring 3 abwärts wird auch nachts gearbeitet. Eine ständige Geräuschkulisse durch die Fabriken sorgt zum Teil für schlaflose Nächte. Umso höher die Ringzahl, umso prekärer die Lebensverhältnisse. In Ring 7 leben die Menschen, die keinen Partner gefunden haben und müssen sich der Arbeit fügen, die ihnen vom System zugewiesen wird. Schlimmer ergeht es nur noch jenen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen und in den Ring 8 verstoßen werden.

Regelmäßige Gefährdungsanalysen, bei denen die Bewohner mit Fragen konfrontiert werden, sorgen dafür, dass subversive Elemente definiert werden.

Der Autorin gelingt es, Mae – die Protagonistin des Romans - schnell ins Herz des Lesers hineinzuschreiben. Denn Maes größter Traum besteht darin, im Zentralarchiv des Centers zu arbeiten und ihre große Liebe Aiden zu ehelichen. Sie scheitert lediglich daran, dass sie nicht so ist, wie das System es gerne hätte.

Mit dem Beginn des Partnerschaftsprogramms entwickelt sich neben der allgegenwärtigen Spannung, die stets präsent ist, weil Maes Gefühlsausbrüche dazu führen könnten, dass diese aussortiert und abgeladen werden könnte, noch ein zusätzlicher interessanter Part für den Leser. Denn an dem neuen Programm nehmen auch die amtierenden Regierenden teil. Mae und somit der Leser erhalten – ungewollt – Einblick in eine Welt, die ihnen zuvor verborgen war. Nebenher entwickelt sich zudem eine sehr interessante Liebesgeschichte. Eine, die natürlich nicht sein darf.



Fazit:


Grandios! Das ist das erste Wort, das mir nach dem Lesen von „Honesty“ in den Sinn kam. Franzi Kopka stellt ein totalitäres System zur Schau und es gelingt ihr diesem einen unglaublichen Spannungsbogen abzugewinnen.

Das Heilsziel eines „Neuen Menschen“ hat Kopkas Welt mit den Diktaturen des 20. Jahrhunderts gemein. Das größte Problem ist, dass sich die Institutionen in ihrer Welt vordergründig tolerant zeigen. Der Unzufriedenheit mit den realen biologischen, intellektuellen und moralischen Eigenheiten der Bewohner begegnet die herrschende Klasse aber mit KI und Medikamenten.

Anpassung oder Widerstand: Das sind die beiden Pole, zwischen denen sich in totalitären Regimen Menschen vermeintlich entscheiden können. Widerstand wurzelt hier allerdings in Emotionalität und nicht in einer autonomen Entscheidung. Das macht das Buch so interessant.

Das Buch lässt einen allerdings mit einem fiesen Cliffhanger zurück, der sich gewaschen hat.

Alles in allem kann ich sagen, dass der neueste Roman von Franzi Kopka für mich erneut Potenzial zum Jahreshighlight zeigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2024

Der Sandbär ist da!

Einschlafen ist schwer, denkt der Bär
0

Inhalt:


Die Luft ist allmählich kühler geworden. Die ersten Blätter sind von den Bäumen gefallen. Bald wird es Winter. Bär hat schon alles vorbereitet: Er hat genügend gegessen, die dicke Decke liegt ...

Inhalt:


Die Luft ist allmählich kühler geworden. Die ersten Blätter sind von den Bäumen gefallen. Bald wird es Winter. Bär hat schon alles vorbereitet: Er hat genügend gegessen, die dicke Decke liegt bereits parat, die Höhle ist gemütlich hergerichtet. Nichts steht einem langen Winterschlaf mehr entgegen.

Bär kuschelt sich also ein, schließt die Augen und … wartet … und wartet … und wartet. Nichts passiert. Das kann doch jetzt nicht wahr sein!, denkt Bär. Es ist fast Winter und die Zeit schreitet unaufhaltsam voran.

Doch umso mehr Bär versucht einzuschlafen, umso lebendiger wird er. Es hilft alles nichts. Einschlafhilfen müssen her.

Bär macht sich auf den Weg und schaut sich von den anderen Tieren die verschiedensten Techniken ab: Der Vogel sitzt im Baum und versucht sich in den Schlaf zu singen. Bär macht es ihm nach. Der Dachs verkriecht sich in eine ruhige Höhle unter der Erde. Bär versucht es. Wie die Fledermaus gemütlich an der Decke baumeln und sich dort in den Schlaf schaukeln? Vielleicht eine gute Idee? Bär muss bald feststellen, dass all die Einschlafrituale, die bei anderen Tieren funktionieren, bei ihm keinen Erfolg zeitigen.

Frustriert begibt sich Bär auf einen Spaziergang durch den Wald. Er wandert so lange, bis er an einen Tümpel gelangt und dort auf einen Frosch trifft. Auch dem Amphibium klagt Bär sein Leid. Und endlich bekommt er einen Ratschlag, der ihm weiterhilft. Einen Tipp, den die anderen Tiere bereits unbewusst beherzigt haben. Denn letztlich ist nur eines wichtig, um Schlaf zu finden: Entspannung. Bär muss seine Gedanken loslassen. Er muss sich Ruhe gönnen.

Bär schaut sich die Technik des Frosches ab. Er konzentriert sich auf die Stille um sich herum. Er beobachtet die Glühwürmchen dabei, wie sie gemächlich ihre Kreise durch die Dunkelheit fliegen. Er lauscht dem regelmäßigen Geräusch des Wassers, das ans Ufer des Teiches schwappt. Allmählich wird Bärs Atmung ruhiger und plötzlich schläft er ein.



Meinung:


„Einschlafen fällt schwer, denkt der Bär“ ist ein großformatiges, bunt illustriertes Kinderbuch, das die Geschichte eines Bären mit Einschlafproblem erzählt.

Wer kennt das nicht? Ein aufregender Tag geht zu Ende. Eine wichtige Aufgabe erwartet einen am nächsten Tag und schon beginnt sich das Gedankenkarussell unablässig im Kreis zu drehen.
Strategien, die einem helfen können, Stress so zu bewältigen, dass er den Schlaf nicht beeinträchtigt, gibt es viele. Insbesondere in herausfordernden Lebensphasen brauchen wir Schlaf, um neue Energie zu tanken, um außerordentliche Herausforderungen in Job und Familie zu bestehen. Doch gerade in diesen Zeiten ist der gedankliche Druck dafür verantwortlich, dass man letztlich wach im Bett liegt und sich hin- und herwälzt.

Eine funktionierende Einschlaftechnik, das zeigt dieses Buch auf sehr humorvolle Weise, ist sehr individuell. Jeder muss sein eigenes Abendritual finden, das ihm guttut und dazu führt, dass der Körper zur Ruhe kommt.

Doch letztendlich läuft alles auf eine Erkenntnis hinaus: Unter Zwang funktioniert nichts. Man muss die Gedanken loslassen und sich gedulden.

Neben einem Thema, dass vermutlich alle Leser/innen, ob jung, ob alt, ansprechen sollte, beinhaltet dieses Buch einige witzige Stellen, die größtenteils durch die niedlichen Illustrationen zur Geltung kommen.
Ein Bär, der sich, hoch oben auf einem kahlen Baum mit weit aufgerissenen Augen an einen Ast klammert, ein Dachs, der genervt vom Gesang des Bärs, eben diesen mit Sand aus seinem Hügel bewerfen möchte. Die Tiere, die mit Pyjama, Schnuffeltuch und Kuscheltier umherlaufen oder die Marienkäfer und der Bücherwurm, die man schon genau auf den Bildern suchen muss. All diese kleinen süßen Details laden zum Schmunzeln, Entdecken und zum gemeinsamen Diskutieren mit dem Kind ein.



Fazit:


Das Bücherregal ist voll von Dichtern, die dem Schlaf einen prominenten Platz in ihrem Werk eingeräumt haben. Man denke nur an Marcel Proust mit seinen vielen verschlafenen Passagen in "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Einfach ins Bett gehen und dann direkt einschlafen ist hier immer mehr Wunsch als Wirklichkeit. Nachts rächt sich oft die Verdrängung des Tages, und die Auseinandersetzung mit den ungelösten Problemen nimmt sich Platz.

Eine kindgerechte Referenzstelle zu diesem Problem findet sich im vorliegenden Buch.

„Einschlafen ist schwer, denkt der Bär“ ist ein tolles Bilderbuch, das von der ersten bis zur letzten Seite Spaß macht. Eine kurzweilige Erzählung, ein handwerklich besonders gekonntes, zuckersüßes Feuerwerk auf dreiunddreißig Seiten

Dieses Bilderbuch ist die perfekte Empfehlung für Jung und Alt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.01.2024

So viele Fragen - so wenig Seiten

Never a Hero
0

Achtung – Spoilergefahr. Es handelt sich um den 2. Band einer Buchreihe




Inhalt:

Nachdem Joan die Zeitlinie geändert, und damit den Mord an ihrer Familie verhindert hatte, schien ihre Welt für eine ...

Achtung – Spoilergefahr. Es handelt sich um den 2. Band einer Buchreihe




Inhalt:

Nachdem Joan die Zeitlinie geändert, und damit den Mord an ihrer Familie verhindert hatte, schien ihre Welt für eine Weile in Ordnung. Sicherlich, es gab immer noch ein paar Schwierigkeiten innerhalb der Familie, auch hatten sich Kleinigkeiten verändert. Das Holland House war beispielsweise kein prachtvolles Gebäude, kein Touristenmagnet mehr, sondern lediglich eine Ruine. Auch gab es diesen Lehrer, der in der anderen Zeitlinie noch lebte und der nun bereits verstorben war. Aber dafür war der Monsterjäger, der zahlreiche Monster, ohne mit der Wimper zu zucken, getötet hatte, nun ein ganz normaler Junge mit einer Leidenschaft fürs Fußballspiel. Einer, der nun Joans Schule besuchte.

Joan wusste, dass sie sich in der neuen Zeitlinie von Nick würde fernhalten müssen. Auch hallten Aarons Worte, der ihr einst gesagt hatte, dass auch sie sich nie mehr wiedertreffen dürften, wenn sie das Massaker von einst rückgängig machen wollten, in ihr nach. All die wohlfeilen Vorsätze wollte Joan wirklich beherzigen. Und während sie Aaron auch wirklich nicht mehr gesehen hatte, schien Nick sie magisch anzuziehen. Immer wieder kreuzte der damalige Held, der Monsterjäger, ihren Weg. Wenn sich Joan und Nick trafen, dann freute sich Joan, dass Nick nun so glücklich war.

Und eines Tages in der Bäckerei, in der Joan und ihre beste Freundin Margie arbeiteten, passierte dann das, was Joans Leben in ein neues Desaster stürzen sollte. Ein Mann, gekleidet wie von einem Foto aus den 1920ern, erschien in der Tür. Hinter ihm lag eine Leiche. Die von Margie, die eigentlich nur mal kurz vor die Tür gehen wollte, um Nick, der als Kunde aufgetaucht war, und Joan ein wenig exklusive Zeit zu gönnen.

Das war der Moment, als Joan wusste, dass Nick und sie würden gemeinsam fliehen müssen. Denn dieser Fremde war ein Monster, ein Zeitreisender. Einer, der Nick und sie ohne mit der Wimper zu zucken, töten würde. Und Nick war nun auch noch ein ganz gewöhnlicher Mensch. Einer, der sich mit verlorenen Erinnerungen nicht zur Wehr würde setzen können, wenn ihm mit einer flüchtigen Berührung von einer Sekunde auf die andere alle verbleibende Lebenszeit entzogen werden würde.



Meinung:


Mit der Veränderung der Zeitlinie hatte Joan gehofft, eine grundlegende Veränderung in ihrem Leben herbeizuführen. Sie erinnerte sich an die Worte von Aaron, der in der damaligen Zeitlinie zwar einerseits ihr Gegner war, der sich aber dann doch gegen seine Familie und auf Joans Seite gestellt und zu dem Joan schon bald ein sehr großes Vertrauen aufgebaut hatte. Sie erinnerte sich an seine Warnung, wie sie in dieser neuen Zeitlinie vorgehen müsse. Dass sie zwei Menschen auf jeden Fall meiden müsste.

Das waren sowohl Aaron selbst, dessen Familie sie einst gejagt hatte, und dann eben auch Nick: den skrupellosen Killer.

Joan muss in diesem zweiten Teil einige Lektionen lernen. Zum einen, dass man sich an Regeln halten sollte, zum anderen aber auch, dass all unsere Handlungen und Entscheidungen mehr oder weniger in Verbindung zueinanderstehen, sich die Zukunft daher nicht so einfach verändern lässt.

Zugegeben, Nick macht es einem in „Never a Hero“ nicht leicht, ihn nicht zu mögen. Nicht nur, dass er immer wieder Joans Nähe sucht, auch ist er ein durch und durch liebenswerter Geselle. Er verhält sich unaufgeregt und geht mit einer Ruhe an Konflikte heran, auf die jeder Mentaltrainer wohl neidisch wäre.

Allerdings ist Skepsis angebracht: Nick stellt zwar Fragen, doch nimmt er alle Antworten, die Joan ihm gibt, mit einer Gelassenheit entgegen, die einfach nicht zu passen scheint. Er wundert sich scheinbar kaum darüber, dass es Leute gibt, die Monster genannt werden. Die Zeitreise, auf die Joan und er sich gezwungener Maßen begeben müssen, wirft weitere Fragen auf, doch auch hier findet sich Nick sehr schnell mit der Situation ab.

Nick ist nicht nur die Ruhe in Person, er tut alles, um Joan und die Menschen, die ihr am Herzen liegen, zu schützen. Er akzeptiert, wenn sie ihm die Wahrheit nur in Bruchstücken präsentiert, obwohl die Welt doch so inkongruent daherkommt.

Joan hingegen macht sich in diesem zweiten Band allerhand Vorwürfe. Allerdings schaffen sie es nicht, daraus Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Sie nimmt Nick mit an Orte, an denen es vor Monstern nur so wimmelt. Obwohl sie weiß, wie leicht es wäre, Nick mit nur einer kleinen Berührung zu töten. Kurz darauf ergeht sie sich in Vorwürfen und einem schlechten Gewissen, ihre Taten betreffend.

Es gibt im Buch stellen, da erschien Joan fast schon hilflos, verloren in ihren Gedanken, Ängsten und Selbstzweifeln. Doch dann setzt die Handlung wieder ein.

Bildhaft, spannend, rasant und kantig, mit wenigen Reflexionsoasen, beschreibt Vanessa Len in der Fortsetzung von „Only a Monster“ wieder die Welt, in der die „Monster“ sich herumtreiben.

Joan trifft auf alte Bekannte wie Jamie und Tom. Sie begegnet aber auch Menschen, die ihr einst böses wollten. In der „neuen“ Zeitlinie haben einige von ihnen andere Lebenswege eingeschlagen.

In „Never a Hero“ erfährt man mehr über die anderen Monsterfamilien und ihre Fähigkeiten einerseits, andererseits erhält auch Joans Charakter weiter Tiefe.

Und dann gibt es hier natürlich auch noch Aaron, auf den Joan ungewollt trifft und an den sie sich natürlich auch erinnert. So sehr Joan ihn auch meiden möchte, das Schicksal hat natürlich etwas anderes vorhergesehen. Als Leserin habe ich einerseits gehofft, dass beide ihre einstige Beziehung wieder aufleben lassen können. Andererseits war die Gefahr, die damit einhergehen könnte, stets präsent.

Das Buch bringt stets neue kreative Ideen und Fragen hervor: Was hat es mit den Löchern in der Zeit zu tun, von denen sich plötzlich eines auftut und in dessen Nähe die Charaktere Übelkeit überkommt? Und was ist eigentlich mit dem Monsterhof, der im ersten Band erwähnt wurde, und doch irgendwie fast noch ein wenig zu blass blieb? Gab es da nicht auch diesen Leibwächter des Königs, der so voller Gefahren steckte? Und was hat es jetzt mit der Fähigkeit von Joan auf sich? Sowohl Joan, als auch Nick stecken dauerhaft in größten Gefahren. Werden sie gegen die vielen Gegner bestehen können?



Fazit:


„Never a Hero“ von Vanessa Len illustriert erneut auf eindrucksvolle Weise, wie sich einzelne Entscheidungen und Handlungen auf ein ganzes System auswirken, beziehungsweise maßgebliche Auswirkungen auf das ganze Leben von Menschen haben können. Ihre Protagonisten treffen Entscheidungen und werden sodann mit den (bisweilen schockierenden) Auswirkungen in der Zukunft konfrontiert.

Ihre Figuren sind Menschen mit den uns allen bekannten emotionalen und rationalen Widersprüchen. Vanessa Len versteht es meisterhaft, diese in Handlungen zu kleiden und ihren Helden so Leben einzuhauchen.

Was ist der Ursprung der Dinge? Was ist Gut und Böse? Die Dinge sind in „Never a Hero“ nicht einfach so binär wie in einer Superheldenwelt.

Alles in allem kann ich „Never a Hero“ vollumfänglich weiterempfehlen. Mit dem Ende wird die Wartezeit bis zur Fortsetzung aber zur Qual. Darüber kann dieses geniale Buch nicht hinwegtäuschen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2023

Kleine und auch größere Auszeiten

Selfcare Watercolor – Kreative Momente für mich
0

Inhalt:

Mit „Selfcare Watercolor – Kreative Momente für mich“ präsentiert Carina Morawetz ein Buch, das, wie der Titel schon sagt, Selfcare mit Watercolorpainting verknüpft.

Bereits im Vorwort berichtet ...

Inhalt:

Mit „Selfcare Watercolor – Kreative Momente für mich“ präsentiert Carina Morawetz ein Buch, das, wie der Titel schon sagt, Selfcare mit Watercolorpainting verknüpft.

Bereits im Vorwort berichtet die Autorin davon, dass das Hobby Malen erdet. Denn Malen zeigt neue Wege auf, die man gehen kann. Malen kann Genuss sein, der Raum und Zeit vergessen lässt.

Auf den folgenden Seiten findet sich ein kurzer Überblick über Grundlagen und Materialtipps. Es folgen sechzehn blumige Motive mit Step-to-Step-Anleitungen nebst Morgen- und Abendritualen zum Thema Achtsamkeit.



Eigene Meinung:

In unser schnelllebigen Zeit versuchen wir, immer mehr Dinge in kürzerer Zeit zu erledigen. Es ist daher wichtig auf sich zu achten und Auszeiten für Erholung und Erbauung zu schaffen.

Watercolorpainting ist ein Hobby, dass sich perfekt eignet, um Selfcare, Kreativität und Produktivität miteinander zu verknüpfen. Das beweist Carina Morawetz mit ihrem Buch, „Selfcare Watercolor“.

Schon am Inhaltsverzeichnis lässt sich erkennen, worauf die Autorin in ihrem Werk besonderen Fokus legt. Hier finden sich unter der Unterschrift „Motivwelt“ Unterüberschriften wie „In Ruhe blühen“, „In Balance“, Entspannungsflow Malmeditation“, „Wachsen und Blühen“, „Locker werden“. Bei allen Motiven handelt es sich um Blumen, die in schönen Farben und unterschiedlichen Facetten und Varianten daherkommen.

Bevor es jedoch mit den Übungen losgehen kann, vermittelt die Autorin erst einmal ein paar Grundlagen. In diese fließen, wie auch im Praxisteil, immer wieder Erläuterungen ein, wie man das Malen bestmöglich mit Ruhemomenten, Aufmerksamkeitsübungen – ja Selfcare – verbinden kann. So lautet die erste Überschrift unter den Grundlagen „Me-Time“. Warum ist diese Zeit, die man sich bewusst nur für sich selbst nimmt, so wichtig? Wie kann man diese Zeit gewinnbringend für sich nutzen?

Es folgt eine kurze Erläuterung zum Thema Rituale. Warum ist es wichtig sich feste Rituale zu schaffen? Wie gestalte ich Rituale? Warum sollte ich gerade abends kleine Rituale schaffen?

Unter der Überschrift Gefühle berichtet die Autorin darüber, dass man Gefühle steuern kann. Erschaffe Stimmung, arbeite mit Affirmationen. Farben und Formen können anregend wirken und uns helfen unseren Gefühlen Ausdruck zu verschaffen.

Da insbesondere Farben eine wichtige Bedeutung beim Watercolor zukommt, wird in einem zweiseitigen Kapitel noch einmal gesondert hierauf eingegangen. Die Auswahl der Farben stellt bereits ein erstes Ritual dar, das du für dich nutzen kannst. Farben bieten einen Raum, um mutig sein zu dürfen. Warum - die Antwort findet sich im Buch - sind gerade Aquarellfarben die perfekten Begleiter für Achtsamkeitsübungen?

Unter der Überschrift, „Benötigtes Material“, verrät die Autorin, welche Materialien es benötigt, um mit den ersten Übungen zu starten. Carina Morawetz legt hierbei viel wert auf hochwertige Produkte. Sie nennt konkrete Markennamen, Websites und unter anderem Produkte aus dem eigenen Shop.

Gefallen hat mir, dass es hier auch einen kleinen Abschnitt zu persönliche Favoriten für dein Drumherum gibt. Eine Kerze. Ein Heißgetränk, das von innen wärmt. Sanfte Musik im Hintergrund. Ein Notizbuch für persönliche Gedanken. All das sind auf den ersten Blick Kleinigkeiten, die jedoch eine große Wirkung auf das seelische Wohlbefinden und die Stimmung haben können.

Watercolorpainting bietet allerhand Mehrwert, was Techniken betrifft. Gerade die Nass-in-Nass-Technik lässt sich auf den ersten Blick vielleicht schwer kontrollieren. Gerade diese unkontrollierten Verläufe, die auf dem Papier entstehen, lassen sich aber gut mit achtsamen Beobachten verknüpfen. Carina Morawetz erklärt die wichtigsten Techniken und zeigt anhand von Übungen, wie man lernt, sie zu beherrschen und bestmöglich zu nutzen.

Es folgen einige Pinselübungen. Etwas Druck auf die Pinselspitze und schon kann man schöne Blätter für Blüten mit nur einem Strich aufs Papier zaubern. Die Übungen helfen zu verstehen, was alles mit dem Pinsel möglich ist. Sie lehren, den Pinsel bestmöglich zu beherrschen und zu nutzen.

Gerade zu Anfang benötigt es oft noch Skizzen. Im Wesentlichen sind es drei Formen (Donut, Kidneybohne und Spiegelei), die die Autorin für das Zeichen von Blumenköpfen verwendet. Auf zwei Seiten wird anhand eines Beispiels erläutert, wie es gelingt, von einer einfachen Form zu einer perfekten Blütenzeichnung zu gelangen.

Und dann kann es auch schon mit den einzelnen Motiven losgehen. Vorab erläutert die Autorin noch einmal, dass es nicht wichtig ist, die Vorlage bestmöglich nachzuzeichnen. Vielmehr ist es wichtig, seinen eigenen Weg zu finden. Ergänze die Motive, lass Bilder neu entstehen.

Jede Übung im Buch ist wie folgt aufgebaut:
Auf der linken Seite befindet sich unter Überschrift zum Motiv eine kurze Erläuterung, für welches Lebensgefühl dieses steht. Am Beispiel „Mohn voller Lebensfreude“ (erste Übung im Buch), findet sich hier z.B. eine Erklärung, dass die hellen Farben lebensbejahend wirken. Die unterschiedliche Form der Blüten, ihre unregelmäßige und doch harmonische Anordnung sollen hier ebenfalls Beachtung finden.

Unter der Überschrift „Selfcare-Watercolor-Moment“ erläutert Carina Morawetz in einem Satz, welche Stimmung das Malen des Bildes bei dir induziert. Beispiel: Meditativer Zustand durch wiederkehrende Maltechnik.

Es folgt eine kurze Auflistung der benötigten Materialien (Art des Pinsels, des Papiers) sowie eine Farbpalette.

Auf der rechten Seite findet sich ein Bild vom fertigen Motiv.

Nach diesen zwei ersten Seiten folgen zwei weitere mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Nach und nach kannst du an den verschiedenen Bildern erkennen, wie sich das Motiv aufbaut. Ein nebenstehender Text verrät, wie die Ausführung gelingt. Immer wieder fließen in den Text Tipps und Tricks ein.

Nach jeder Übung folgen zwei weitere Seiten mit einem Morgenritual und einem Abendritual. Unter der Überschrift, „Kennst du das?“, wird hier ein Gefühlszustand beschrieben, den die meisten von uns kennen sollten.

Beispiel für ein Morgenritual: Begegnungen im Leben können die Gefühle durcheinanderwirbeln. Sie können anregen oder inspirieren. Sie können aber auch ein negatives Gefühl auslösen. Es folgt eine Idee für ein Ritual. Zu dem Beispiel Begegnungen könnte dieses lauten: Schreibe dir schon morgens auf, wie du dich abends fühlen möchtest. Fokussiere dich darauf, wie dein Tag auf Gefühlsebene sein wird. Entscheide dich während des Tages bewusst dafür, worauf du dich einlässt und erinnere dich den Tag über immer wieder an den Satz, den du dir am Morgen notiert hast.

Beispiel für ein Abendritual: Lege dir bereits am Abend Materialien für den nächsten Tag zurecht. Sehe darin nicht nur den Vorteil, dass du am nächsten Morgen Aufbauarbeiten sparst. Genieße die Vorfreude, mit der du in die Zukunft fliegst.

Fazit:

Um- und getrieben von Fragen der Alltagsbewältigung und einer inneren Ruhelosigkeit stolpern die meisten Menschen duch den Alltag.

Es ist wichtig rechtzeitig gegenzusteuern, sich bewusst kleine und auch größere Auszeiten zu schaffen. „Selfcare Watercolor – Kreative Momente für mich“ setzt hier an.

In ihrem Buch zeigt Carina Morawetz, wie sich das wundervolle Hobby Watercolorpainting dafür eignet Achtsamkeit zu schüren, sich zu entspannen und zu Ruhe und neuer Kraft zu finden. Carina Morawetz tiefsinnige und lebenskluge Beobachtungen zeugen von ihrer Belesenheit in Kunst und Psychologie. Man nimmt ihr ab, dass sie lebt und fühlt, was sie schreibt.

Menschen, die das Zeichnen lieben, oder ihre Liebe für das Zeichnen entdecken wollen, erhalten mit „Selfcare Watercolor“ ein Geschenk für die Seele, ein Geschenk, das hilft, Kreativität zu entwickeln.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 31.10.2023

Absolutes Mustread!

Die Sonnenfeuer-Ballade 1: A Song to Raise a Storm
0

Inhalt:


Auch, wenn Sintha Städte hasste, musste sie doch gelegentlich nach Valbeth reisen. Nur hier bekam sie die Medizin, die ihr Vater so dringend benötigte. Ihre starke Angst vor großen Orten oder ...

Inhalt:


Auch, wenn Sintha Städte hasste, musste sie doch gelegentlich nach Valbeth reisen. Nur hier bekam sie die Medizin, die ihr Vater so dringend benötigte. Ihre starke Angst vor großen Orten oder Reisen hat einen realen Hintergrund. Bergen diese für sie doch objektiv eine über das normale Lebensrisiko hinausgehende Gefahr. Grundsätzlich war sie als Bhix einer ständigen Gefahr ausgesetzt. Sowohl die Menschen, die über die Straßen und Städte herrschten, als auch die Qidhe, magischen Wesen, denen die Wälder gehörten, brachten Mischwesen, wie sie eines war, eine starke Missbilligung entgegen.

Das Schlimmste, was Sintha passieren könnte, wäre einem der Vakár, den mächtigsten der magischen Völker, die als Wächter in den Städten arbeiteten, in die Hände zu fallen. Und genau das war ihr am heutigen Tag in Valbeth fast passiert.

Als Sintha also die Stadt hinter sich lassen und durch die Wälder streifen kann, ist sie einerseits erleichtert. Doch zugleich muss sie noch mit ihrer Wut kämpfen. Das Schicksal ist ihr nicht wohlgesonnen. Nach all der Aufregung in Valbeth, zog nun auch noch ein Sturm auf. Einer dieser, die Unheil verkündeten.

In Ravenach, einem winzigen Dörfchen, das mit dem letzten Gasthaus auf der Südroute nach Valbeth aufwartet, scheitert Sintha bereits mit ihrer Anfrage bei einem der Holzfäller. „Du kannst hier nicht schlafen“, verkündet dieser. Denn am Morgen wurde der Weber tot in seiner Werkstatt aufgefunden. Sintha muss, wohl oder übel, im Gasthaus unterkommen. Dort, wo sie den Blicken von Fremden ausgesetzt ist. Und das mindestens für eine Nacht lang.

Was Sintha in diesem Moment noch nicht weiß, ist, dass ihr Tag noch längst nicht seinen Tiefpunkt erreicht hat. Denn nicht nur, dass in der Gaststätte kein Zimmer mehr frei ist, dort haben sich zudem zwielichtige Gruppen einquartiert und letztlich erscheint auch noch der Syr der Syrs, der Anführer der Vakár, mit seinem Gefolge höchstpersönlich in der Gaststube.

Schnell stellt sich heraus, dass der Vakár Arezander auch einen guten Grund hat, um hier zu sein. Denn er ist im Auftrag der Monarchin angereist und möchte den Mord aufklären, der sich in Ravenach erst vor kurzem ereignet hat. Ein Mord, hinter dem viel mehr zu stecken scheint, als der Syr im ersten Moment durchblicken lässt.

Sintha gibt ihr Bestes, um unerkannt zu bleiben. Das Gasthaus verlassen, kommt jedoch nicht in Betracht. Denn draußen hat das Unwetter seinen Höhepunkt erreicht. Eine Nacht im Freien würde Sintha nicht überleben.

Sintha hofft auf ihr Glück, irgendwie diese Situation zu überleben. Doch scheint ihr das Schicksal nicht gewogen. Der Vakar scheint ihr wahres Wesen zu erkennen. Er müsste sie ausliefern. Doch Arezander tut nichts. Er hat einen Nutzen für die Fähigkeiten, die man den Bhix nachsagt. Sintha soll ihm bei den Ermittlungen helfen. Im Gegenzug würde er ihr zu einer Amnestie verhelfen.

Und während Sintha um ihr Leben bangt und sich Fluchtwege ausmalt, wird das Unwetter immer schlimmer. Das Gasthaus ist schon bald im Schneesturm versunken. Ein Fluchtweg steht nicht mehr offen.

Es gilt, einen Ausweg zu finden, um das eigene Überleben zu sichern.



Meinung:


„A Song to Raise a Storm“ war mein erstes und mit Sicherheit nicht letztes Buch von Julia Dippel. Warum mir „Cassadrim“ schon mehrfach empfohlen wurde und warum diese Reihe mit so vielen positiven Rezensionen auf Plattformen belohnt wurde, das wurde mir klar, als ich die ersten Zeilen dieses neuen Reihenauftakts der Autorin gelesen habe.

Julia Dippel kann schreiben. Doch serviert sie die Geschichte nicht gleichsam auf dem literarischen Silbertablett. Der Leser muss schon Interesse mitbringen, um ihre Welt zu verstehen.

So steht man als Leser plötzlich einem Vakár gegenüber, von dem man erfährt, dass er zwar offiziell als Wachköter und Handlanger der menschlichen Monarchin gilt, letztlich aber niemandem, außer sich selbst – und dem Tod – dient. Einem Wesen, dem man nachsagt, dass es tötete, um zu töten, weil seine Rasse den Tod braucht, der sie nährt.

Man streift durch die Straßen, Gassen und Wälder und erfährt von gefährlichen Nachthexen und Irrlichtern, die mit Worten betören, um einen letztlich ins todbringende Moor zu geleiten. Von griesgrämigen Wassermännern und Hausgeistern, die im Kaminfeuer wohnen.

Der Leser spürt eine unglaubliche Kreativität, die die Seiten des Buches durchweht. Ich wollte stets mehr erfahren über die Welt, die Julia Dippel einem hier präsentiert.

Als Sintha auf den Syr der Syrs, Arezander, trifft, muss sie der tödlichen Gefahr direkt ins Auge blicken. Denn Arezander kennt keine Gnade und er würde Sintha auch mit Sicherheit keinen schnellen Tod schenken. Mit jeder Faser seines Seins strahlt er Gefahr, Qual und Verderben aus. Arezanders Geduld sollte man nicht auf die Probe stellen. Das wird eigentlich vom ersten Moment an klar. Doch genau das tut Sintha immer wieder. Eine hochbrisante Kombination, die zwischen den Buchseiten nicht nur einmal für explosive Dialoge und extrem gefahrvolle Situationen sorgt.

Das Einzige, was Sinthas Überleben für eine kleine Weile sichert, ist die Tatsache, dass der Syr ihre wahre Identität erkannt hat. Denn Sintha ist als Bhix in der Lage, ihrem Gegenüber ein Lied einzuflüstern - einen Wunsch zu äußern, den der andere bedingungslos ausführen möchte. Der Preis?! Der Angesprochene verliert sich in Gefühle für die Bhix. Und das wird von Wunsch zu Wunsch nicht besser. Bereits beim dritten Wunsch ist das Gegenüber nicht mehr Herr seiner Sinne und dem Irrsinn verfallen. Einem Irrsinn, der sich gegen die Bhix richtet, die den Wunsch von ihm eingefordert hat.

Für Sintha ist dieses Verlangen etwas, was sie auf keinen Fall hervorrufen möchte. Für Arezander ist diese Fähigkeit ein Geschenk, um seinem Ziel näher zu kommen.

Sowohl Sintha als auch Arenzander versuchen vor dem jeweils anderen Geheimnisse zu wahren. Da man als Leser die Geschichte aus Sinthas Perspektive verfolgt, gestaltet es sich umso spannender, den geheimnisvollen Vakár besser kennenzulernen. Etwas, was einem Julia Dippel nicht einfach macht.

Ich habe mich während des Lesens nicht nur in die Figuren verliebt (und das nicht nur in die sympathischen, sondern auch in solche, wie den nervigen Barden Tillard von Kronsee), ich war ihnen zum Teil hoffnungslos verfallen! Ich habe während des Lesens gekichert, mich gefürchtet, ich wollte so schnell lesen wie nur möglich, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Zugleich hatte ich Angst vor jeder Seite, die dahinflog, weil ich wusste, dass ich die Geschichte dann bis zur Fortsetzung hinter mir würde lassen müssen. Etwas, was ich um alles in der Welt vermeiden wollte.

Für mich ist dieses Buch nichts weniger, als ein Jahreshighlight. Vielmehr noch: ein All-Time-Favorit. Ein Mustread, das ich von ganzem Herzen weiterempfehlen muss.



Fazit:


Nach „A Song to Raise a Storm“ bin ich in ein riesiges “Leseloch“ gefallen. In der Hitparade meiner Lieblingsbücher, diese Prognose ist eine Bank, wird „A Song to Raise a Storm“ immer weit oben auftauchen.

Figuren, die einem ans Herz wachsen. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Geheimnisse rund um die Charaktere. Eine explosive Dynamik zwischen den Protagonisten. Emotionen, die hochkochen.

All diese Facetten lohnen die Lektüre. Doch die Fantasywelt, bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, ist ein Highlight, aufgrund dessen das Werk in keiner Heimbibliothek fehlen sollte.

Dieses Leseloch muss gestopft werden: Bringt mir die Fortsetzung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere