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Veröffentlicht am 28.02.2024

Toller Auftakt einer spannenden Trilogie

Sepia 1: Sepia und das Erwachen der Tintenmagie
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Schon das liebevoll gestaltete Cover vermittelt einen ersten Eindruck von der wundervollen Welt und den zahlreichen liebevollen Details, welche die Autorin rund um Sepia und die phantastische Stadt Flohall ...

Schon das liebevoll gestaltete Cover vermittelt einen ersten Eindruck von der wundervollen Welt und den zahlreichen liebevollen Details, welche die Autorin rund um Sepia und die phantastische Stadt Flohall geschaffen hat. Eine Welt der Geschichten, Bücher und Buchkunst, in der Tinte magische Dinge vollbringen kann.

Die zwölfjährige Sepia hat ihr ganzes bisheriges Leben in einem Waisenhaus verbracht, als sie von Meister Silbersilbe als Lehrling in seiner Buchdruckerei aufgenommen und in dieser schönen Kunst unterrichtet wird. Schon bald merkt Sepia, dass sie Dinge wahrnimmt, die andere nicht sehen oder spüren können. Und es kommt wie es kommen muss, die heile Welt von Flohall wird schon bald bedroht und Sepia und ihre Freunde müssen über sich hinauswachsen, um das Schlimmste zu verhindern.

Mich hat die Geschichte von den ersten Sätzen an gepackt und bis zum Schluss nicht losgelassen. Zu Beginn des Buches lernt man Flohall und die verschiedenen Charaktere kennen. Dabei spielt die Autorin mit allen Sinnen. Während man gedanklich mit Sepia über den Sonnenmarkt schlendert oder das Funkelfest besucht, wird die Stadt anhand der beschriebenen Gerüche, Lichter und Geschmäcker lebendig. Dabei lässt die Autorin wahnsinnig viele schöne und magische Ideen rund um die Welt der Bücher einfließen - von phantastischen Wesen über spezielle Getränke/Essen dreht sich alles um die literarische Welt.

Sepia ist eine tolle Protagonistin. Man lernt sie als stilles, unsicheres und eher vorsichtiges Mädchen kennen. Ich empfand es nicht nur als erfrischend, nicht gleich mit der starken und unabhängigen Protagonistin konfrontiert zu sein sondern schätze auch sehr, dass dadurch viel Raum für die Charakterentwicklung geschaffen wurde. Im Verlaufe des Buches vertraut Sepia immer mehr auf sich und ihre Fähigkeiten - auch unterstützt durch ihre beiden absolut verlässlichen und starken Freunde. So schafft sie es, über sich hinaus zu wachsen, behält aber die elementaren Merkmale ihre Charakters bei und lernt dabei auch viel über sich selbst. Das Buch baut nach hinten hin immer mehr Spannung auf und wartet dabei auch durchaus mit absolut überraschenden Wendungen auf.

Betont werden sollte auch, dass dieses Hörbuch von dem Leser Uve Teschner wundervoll zum Leben erweckt wird. Mit seiner ruhigen, angenehmen Stimme versteht er es, die verschiedenen Charaktere vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Mit verschiedenen Lesetempi und Stimmlagen nimmt er einen mit auf eine Abenteuerreise. Dabei gelingt es ihm auch, die jeweilige Atmosphäre bestens zu vermitteln und durchaus auch einmal etwas Unbehaglichkeit auszulösen.

Ein tolles Hörbucherlebnis - voller Phantasie und einer starken Heldin. Absolute Hör- oder Leseempfehlung. Freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 17.02.2024

Charles Darwin für Kinder

Kackadiesisch! Darwins großes Regenwurm-Spektakel
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Bei diesem Buch handelt es sich um ein bunt und humorvoll gestaltetes Bilderbuch.

Anhand der wahren Geschichte seiner Forschungen zum Regenwurm, wird Kindern der Naturforscher Charles Darwin näher gebracht. ...

Bei diesem Buch handelt es sich um ein bunt und humorvoll gestaltetes Bilderbuch.

Anhand der wahren Geschichte seiner Forschungen zum Regenwurm, wird Kindern der Naturforscher Charles Darwin näher gebracht. Dass der große Wissenschaftler, der durch seine Beiträge zur Evolutionstheorie bekannt ist, auch zu den „Superkräften“ der Regenwürmer geforscht hat, war tatsächlich auch mir neu.

In dem Bilderbuch wird für Kinder sehr anschaulich illustriert, wie Wissenschaftler sich der Beantwortung ihrer Forschungsfragen nähern. Und dass dabei auch ein hohes Maß an Neugier und Durchhaltevermögen benötigt wird.

Die einzelnen Experimente und auch Darwins Versuche, die Gesellschaft für seine Erkenntnisse zu begeistern, werden dabei sehr witzig dargestellt.

Dennoch hat das Bilderbuch den Anspruch eines Sachbuches und es werden durchaus Fakten transportiert und auch mal fachliche Begriffe eingebracht (z.B. Fotorezeptoren). Daher denke ich, dass die Alterseinstufung ab 5 durchaus gut gewählt ist.

Meiner Meinung nach ein tolles Bilderbuch, dass Kindern den Wert wissenschaftlicher Forschung und die Bedeutung von Regenwürmern für unsere Umwelt auf sehr unterhaltsame und anschauliche Weise näher bringt.

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Veröffentlicht am 13.02.2024

Starker und ergreifender Roman

Demon Copperhead
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Das Cover von „Demon Copperhead“ hat mich gar nicht angesprochen. Es gibt überhaupt keine Bezugnahme auf den Inhalt des Buches und im Laden hätte ich vermutlich nicht danach gegriffen. Umso glücklicher ...

Das Cover von „Demon Copperhead“ hat mich gar nicht angesprochen. Es gibt überhaupt keine Bezugnahme auf den Inhalt des Buches und im Laden hätte ich vermutlich nicht danach gegriffen. Umso glücklicher bin ich, dass das Buch zu mir gekommen ist, denn eines kann ich sagen: Es ist ein sehr ergreifendes und überzeugendes Werk, das noch lange nachwirkt.

Inspiriert von Charles Dickens‘ „David Copperfield“ hat die Autorin eine eindrückliche Gesellschaftskritik für die abgehängten und ungesehenen Kinder der US amerikanischen Appalachen geschrieben. Wir begleiten einen jungen Ich-Erzähler, der in ein Leben gepresst wurde, das es von Anfang an nicht wirklich gut mit ihm gemeint hat, von seiner Geburt bis ins junge Erwachsenenalter.

Dabei schafft die Autorin ein Porträt der Landbevölkerung der Appalachen, der so genannten Hinterwäldler oder „Hillbillys“. Anhand des fiktiven Schicksals von Demon Copperhead erfahren wir viel über das Schicksal und die Lebensumstände einer früheren Bergbauregion und die Minderheit der Melungeon. Dabei werden eine Menge Themen angeschnitten, wie die Bedeutung von Football an amerikanischen Schulen, die Rekrutierung hoffnungsloser Menschen für die Militärmaschinerie, das marode Jugendschutz-System, dass die Schwächsten der Gesellschaft im Stich lässt, Armut und - im Zentrum des Romans - die gravierenden Auswirkungen der großen Opioidkrise seit dem Ende der 1990er Jahre.

Es ist ein Buch, das keine Luftschlösser baut, sondern nah an einer möglichen Realität bleibt. Es ist authentisch, brutal ehrlich und hält einem die ernüchternde Realität stets vor Augen. Dabei zieht es einen schnell in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los. Es tut weh, Demon auf seinem Lebensweg zu begleiten und ich habe mich als Leser dabei ertappt, dass ich die Position des Ich-Erzählers so stark eingenommen habe, dass ich selbst das Vertrauen in die handelnden Personen verloren und hinter jeder guten Wendung gleich die nächste Katastrophe erwartet habe.

Sowohl Demon als auch die weiteren Charaktere in dem Buch sind sehr gut ausgearbeitet. Jede Figur hat ihre ganz individuellen Abgründe und Methoden damit umzugehen. Die Interaktion der Personen untereinander hat eine hohe Dynamik. Sie sind es, welche die Geschichte so vielseitig und so spannend machen, die den Leser aufrütteln und teils erschüttert, teils hoffnungsvoll zurück lassen.

Also ja, es gibt sie, die leisen Hoffnungsschimmer, die „Guten“, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten tun, was möglich ist. Aber es ist vor allem der Protagonist, der einen staunen lässt. Er macht Unerhörtes durch und besitzt dennoch eine innere Stärke und eine Resilienz, die ihn durch die Geschichte tragen.

Das Buch macht was mit einem, es berührt, es fesselt, es erschreckt. Mein erstes großes Highlight in diesem Jahr - absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.02.2024

Düsterer Auftakt einer Trilogie

Die Bürde-Reihe / Die Bürde der Zukunft
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„Die Bürde der Zukunft“ bildet den Auftakt einer Trilogie. Nach der Verbreitung eines gefährlichen Bakteriums sind fast alle Erwachsenen auf der Erde tot und die Kinder und Jugendlichen sind auf sich alleine ...

„Die Bürde der Zukunft“ bildet den Auftakt einer Trilogie. Nach der Verbreitung eines gefährlichen Bakteriums sind fast alle Erwachsenen auf der Erde tot und die Kinder und Jugendlichen sind auf sich alleine gestellt. In einer Welt der Gewalt und Gesetzlosigkeit, kämpfen Livia und ihre Familie ums Überleben. Dann erkrankt Livias geliebte Schwester und sie machen sich auf den Weg nach Irland, auf die gefährliche Such nach einem Heilmittel.

Das Buch beschreibt eine düstere Welt voller Gewalt und Brutalität. Der stetige Kampf ums Überleben hat die Charaktere hart gemacht. Mir hat das Zusammenspiel der verschiedenen Handelnden sehr gut gefallen. Die Charaktere sind sehr vielschichtig und verschieden, so dass man sich gut zurecht findet und das weitere Geschehen auch immer etwas unvorhersehbar bleibt. Brutales agieren ist im Kontext nachvollziehbar und doch schimmert auch immer wieder Menschlichkeit durch. Und wenn ich jetzt auch nicht unbedingt bei allen Personen von Sympathie sprechen kann, so interessiert mich ihre Geschichte und ihre weitere Entwicklung doch sehr.

Die Handlung selbst ist sehr spannend und es werden schon genug Hinweise gesät, dass es auch für die nächsten Teile einiges an spannendem Konfliktpotential geben wird.

Die Geschichte nimmt einen sehr schnell gefangen - eine spannende und düstere Dystopie, schöner, flüssiger Schreibstil und ein stimmiger Abschluss - Empfehlung von mir für alle, die mit Endzeitstimmung und Brutalität umgehen können. Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 30.01.2024

Gelungenes Zeitzeugnis

Nachbarn
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Mit seinem Titel in grellem Neongrün schreit das Buch geradezu nach Aufmerksamkeit - und die hat es auch verdient! Das Bild auf dem Cover katapultiert uns gleich in das Setting der Sammlung fiktiver Kurzgeschichten.

Die ...

Mit seinem Titel in grellem Neongrün schreit das Buch geradezu nach Aufmerksamkeit - und die hat es auch verdient! Das Bild auf dem Cover katapultiert uns gleich in das Setting der Sammlung fiktiver Kurzgeschichten.

Die viel zu jung verstorbene, schwarze Autorin verarbeitet darin Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Sie ist zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er Jahre im Süden der USA aufgewachsenen und zeigt anhand verschiedener fiktiver Schicksale, wie sehr Rassisimus und Ungleichheit an der Tagesordnung waren.

Ob Freiheitskämpfer, Liebende, Dienstmädchen oder einziges schwarzes Kind in einer Schule der Weißen - in jeder ihrer Kurzgeschichten stellt die Autorin den Menschen, das Individuum in seiner einzigartigen Lebenssituation in den Mittelpunkt. Und dennoch gelingt es ihr, anhand der Vielzahl der Geschichten das Bild einer Gesellschaft zu zeichnen, in der Gleichberechtigung noch lange nicht angekommen ist.

Geschrieben wurden die Texte in den 1960er Jahren. Damit hat die Autorin ein beeindruckendes Zeitzeugnis geschaffen, das bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Denken wir nur daran, dass Bewegungen wie „Black lives matter“ auch heute noch nötig sind, um auf Missstände aufmerksam zu machen und für Recht und Gerechtigkeit zu streiten.

Ein wichtiges Buch, das aufrüttelt, berührt und einen nachdenklich zurück lässt.

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