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Veröffentlicht am 05.02.2024

Toxische Freundschaften

Dunkelgrün fast schwarz
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Dieses Debüt der österreichischen Autorin Mareike Fallwickl lag schon viel zu lange ungelesen im Regal, und ich bin froh es jetzt endlich gelesen zu haben.

Es handelt sich grob gesagt um eine toxische ...


Dieses Debüt der österreichischen Autorin Mareike Fallwickl lag schon viel zu lange ungelesen im Regal, und ich bin froh es jetzt endlich gelesen zu haben.

Es handelt sich grob gesagt um eine toxische Freundschaftsgeschichte. Moritz und Raffael lernen sich schon mit drei Jahren kennen, als sich ihre Mütter zufällig auf dem Spielplatz des Dorfes begegnen. Charakterlich könnten die beiden Jungen unterschiedlicher nicht sein, aber das ist es wahrscheinlich auch, was sie vom Beginn ihrer Freundschaft an zueinander zieht. Moritz ist der liebe, freundliche und schüchterne Junge, der sich von dem eher draufgängerischen Raffael , der gerne bestimmt, was gemacht wird, mitziehen lässt. Als im Teenageralter Johanna noch dazustößt , sind weitere Konflikte vorprogrammiert.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt, der von Moritz, der von Johanna und zusätzlich noch aus der Sicht von Marie, der Mutter von Moritz.

Der Roman beginnt im Jahr 2017, in dem Moritz kurz davor ist selber Vater zu werden und sein Kindheitsfreund ,zu dem er seit 16 Jahren keinen Kontakt mehr hat, plötzlich und unerwartet auf der Matte steht. Moritz‘s Frau ist nur mäßig begeistert und regelrecht sauer, als Raffael gar nicht wieder gehen will.

Stück für Stück dröselt Mareike Fallwickl ein kompliziertes Beziehungsgeflecht aus Manipulation und Machtspielchen auseinander, dem Moritz schon als kleiner Junge nicht entkommen konnte. Wir springen zwischen den Jahren und den Protagonisten hin und her und nach und nach wird das Bild wie ein Puzzle vervollständigt.

Das macht die Autorin wirklich toll. Sie benutzt eine sehr bildhafte, flüssige Sprache. Manchmal wird es auch etwas derb, was an den Stellen aber auch passt. Die Spannung hält sie konstant hoch.

Moritz ist ein sehr feinfühliger und sensibler Mensch, der eine außergewöhnliche Begabung hat. Er kann nicht nur wunderbar zeichnen und mit wenigen Pinselstrichen die Gefühle von Menschen auf das Papier bringen, er erfasst sein Gegenüber auch in Farbtönen. Diese Idee der Autorin fand ich klasse und diese farbliche Wahrnehmung fließt dann auch immer bei dem Erzählstrang von Moritz mit ein. Das erklärt im Übrigen auch den Buchtitel.

Das Buch lässt die eigenen Gefühle hochkochen. Ich war empört und wütend, traurig und fassungslos. Ich konnte als Mutter so gut Marie‘s Ohnmacht nachfühlen, die merkt, dass diese Freundschaft nicht gut ist für ihren Sohn und doch machtlos dagegen ist.

Mich konnte das Buch wirklich begeistern. Ich fand es spannend, sehr emotional und die Figuren absolut authentisch. Es war ein literarischer Pageturner mit Psychthrillerflair ohne ein Thriller zu sein. Ganz toll! Ich habe es supergern gelesen und frage mich, warum ich solange damit gewartet habe.

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Veröffentlicht am 28.01.2024

Mochte es so gerne

Kein guter Mann
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Walter scheint auf den ersten Blick ein desillusionierter, griesgrämiger Zeitgenosse zu sein. Er ist nicht besonders beliebt, weil er sagt, was er denkt und in seinem Alter auch nicht mehr gewillt ist ...

Walter scheint auf den ersten Blick ein desillusionierter, griesgrämiger Zeitgenosse zu sein. Er ist nicht besonders beliebt, weil er sagt, was er denkt und in seinem Alter auch nicht mehr gewillt ist es jedem recht zu machen. Sein Standardspruch wenn man ihm etwas vorwerfen möchte ist „ Nicht meine Schuld“, was seine Beliebtheitswerte nicht gerade nach oben treibt.

Walter lebt alleine ein recht einsames Leben, nachdem er sich mit seiner Familie entzweit hat. Alleine zu seiner Tochter Sandra hat er noch hin und wieder Kontakt. Da er aber ihren Freund Uwe absolut nicht billigt, ist auch dieses Verhältnis schwierig.

Als Briefträger arbeitet er zuverlässig und korrekt aber wenn man ihn ärgert und das passiert gleich zu Beginn des Buches, dann wehrt er sich auch, was wieder neuen Ärger heraufbeschwört.

Seine Chefin möchte ihn nur zu gerne in den Vorruhestand schicken. Doch das kann Walter sich nicht leisten und so findet man einen halbherzigen Kompromiss. Walter wird in die Christkindfiliale der Post nach Engelskirchen versetzt und soll dort die Post der Kinder, die dort zur Weihnachtszeit gleich waschkörbeweise eintrifft empathisch und freundlich beantworten. Wenn es für diesen Job eine Fehlbesetzung gibt , dann ist es Walter, aber zum Glück gibt es ja auch Vordrucke. Daran hält sich der strafversetzte Postler auch, bis ihm der Brief von Ben erreicht, der ihn anrührt , weil er erstens an Gott persönlich gerichtet ist und zweitens keine ellenlange Einkaufsliste enthält. Ben wünscht sich, dass bei ihm zu Hause mal ein Klempner vorbeischaut. An dieser Stelle widersetzt sich Walter seiner Dienstanweisung und beginnt mit dem kleinen Ben eine Korrespondenz, die auch ihn verändert.



Dieses Buch wollte ich eigentlich in der Weihnachtszeit gelesen haben und da passt es auch wunderbar. Jetzt im Januar habe ich es geschafft und in Rekordzeit weggelesen. Was für eine tolle Geschichte! Am Ende gab es sogar ein paar Tränchen. Damit hatte ich nicht gerechnet.



Natürlich erfährt man nach und nach, wie Walter zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist. Das ist sehr erschütternd und keineswegs kitschig, wie man glauben könnte. Walter’s Schicksal hat mich ganz schön mitgenommen, weil er natürlich gar kein so übler Typ ist, ganz im Gegenteil. Man schließt ihn als Leser*in schnell in sein Herz.

Der Schreibstil des Autors hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Geschichte ist sehr feinfühlig geschrieben und Immer fließt auch ein kleines bisschen schwarzer Humor mit ein.



Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 25.01.2024

Unterwerfung

Die ungeduldigen Frauen
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Djaïli Amadou Amal verarbeitet in ihrem Roman „Die ungeduldigen Frauen“ teils Selbsterlebtes aus ihrem Heimatvolk der Fulbe im Norden Kameruns.

Bei den Fulbe gibt es große Familienclans, ein ausgeprägtes ...

Djaïli Amadou Amal verarbeitet in ihrem Roman „Die ungeduldigen Frauen“ teils Selbsterlebtes aus ihrem Heimatvolk der Fulbe im Norden Kameruns.

Bei den Fulbe gibt es große Familienclans, ein ausgeprägtes Patriarchat, in dem die Frauen gnadenlos unterdrückt werden. Wie dieses perfide System funktionieren kann, ohne dass sich die Frauen solidarisieren, zeigt dieses Buch an Hand des Schicksals dreier Frauen auf, die in dem Roman jeweils eine eigene Stimme bekommen haben.

Ramla ist zunächst glücklich, weil sie zu den wenigen Mädchen gehört, die die Schule beenden darf, bevor der Vater sie verheiratet. Sie träumt davon Apothekerin werden zu können und den Mann zu heiraten, den sie liebt. Diesem Mann ist Ramla schon versprochen, als ein Onkel sich einmischt und ihren Vater überzeugt seine Tochter einem wesentlich älteren Geschäftspartner als Zweitfrau zu überlassen. Ihr Vater stimmt zu und Ramla hat sich zu fügen.

Von Kindesbeinen an hören die Mädchen von ihren Müttern und männlichen Verwandten, dass sie sich den Männern unterwerfen müssen, die sie versorgen und beschützen. Fügen sich die Mädchen nicht in ihr Schicksal und sind ungehorsam werden nicht nur die Mädchen bestraft sondern auch ihre Mütter, die sie nicht ordentlich erzogen haben.

Das Buch weckt vielerlei Emotionen und macht vor allem wütend.

Neben der Geschichte von Ramla erfahren wir noch von dem Leidensweg ihrer Schwester Hindou, die mit ihrem gewalttätigen Cousin verheiratet wird. Die Hoffnung der Großfamilie, dass sich der nichtsnutzige zum Drogenkonsum neigende Schläger in der Ehe bessert, erfüllt sich natürlich nicht.

Die dritte Frau, die porträtiert wird ist die Hauptfrau von Ramla‘s Ehemann, die ihre Rivalin missgünstig beobachtet und sie so schnell wie möglich wieder aus dem Haus jagen möchte.



Das Buch hat nur 172 Seiten , die es wirklich in sich haben. Der recht sachliche und manchmal auch poetische Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen. Der Roman ist keine leichte Kost und gibt den Frauen Kameruns, deren Schicksal sonst ungehört bliebe endlich eine Stimme.

Er ist bewegend, erschütternd und macht wütend.

Das Buch hat völlig zu Recht den Prix Goncourt des Lycéens 2020 gewonnen und war 2023 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

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Veröffentlicht am 21.01.2024

Überzeugend

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Auf die neue Thrillerreihe von Marc Raabe war ich sehr gespannt.

Es geht auch gleich spektakulär los. Schauplatz ist Berlin im Winter, und im Kreisverkehr an der Siegessäule verursacht ein Kleintransporter ...

Auf die neue Thrillerreihe von Marc Raabe war ich sehr gespannt.

Es geht auch gleich spektakulär los. Schauplatz ist Berlin im Winter, und im Kreisverkehr an der Siegessäule verursacht ein Kleintransporter einen Auffahrunfall bei Schneeglätte. Der Fahrer flieht und wenig später wird auf der Ladefläche unter einer Plane eine weibliche, nackte Leiche gefunden. Es ist die Frau des Gesundheitsministers auf deren Körper jemand mit Blut die Privatadresse des Bundeskanzlers geschrieben hat.



Für diesen Fall wird der ehemalige BKA Ermittler Artur Mayer zurückbeordert. Die junge Kommissar Anwärterin Nele Tschaikowski wird ihm zur Seite gestellt. Mit Art Mayer hat sie es nicht leicht. Er ist stur und verhält sich alles andere als regelkonform. Doch die junge Frau lässt sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen. Sie ist ehrgeizig und clever und lässt sich von Autoritäten nicht einschüchtern. Ich mochte es, wie die beiden nach und nach zu einem guten Team zusammengewachsen sind.



Eine zweite Zeitebene führt weit zurück in die Vergangenheit von Art Mayer, wo er als Jugendlicher eine Situation erlebt hat, die ihm jetzt als Erwachsener wieder einholt. Aber auch Nele hat ein Geheimnis, dass sie nur zu gerne für sich behalten möchte.



Auch wenn der Fall ganz offensichtlich mit dem Bundeskanzler zu tun hat und dieser auch Druck macht, da ein G8 Gipfel ansteht, bei dem er Gastgeber ist, spielt die Politik nur am Rande eine Rolle. Die Geschichte ist temporeich, spannend und sehr bildhaft erzählt. Die Auflösung hat mich sehr überrascht, und es blieb wirklich spannend bis zum Schluss.

Marc Raabe hat es einfach drauf. Auch diese neue Reihe hat mich mit diesem 1.Teil vollkommen überzeugt und ich freue mich auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 16.01.2024

Ein Upgrade für die Ehe

The Marriage Act - Bis der Tod euch scheidet
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Ein weiterer dystopischer Roman aus der Feder von John Marrs ist erschienen und ist genau wie seine Vorgänger wieder ein Pageturner.
In einer nicht allzu fernen Zukunft möchte die amtierende britische ...

Ein weiterer dystopischer Roman aus der Feder von John Marrs ist erschienen und ist genau wie seine Vorgänger wieder ein Pageturner.
In einer nicht allzu fernen Zukunft möchte die amtierende britische Regierung seine Bürger davon überzeugen, dass die Ehe nicht nur der Schlüssel zum Glück ist, sondern auch ein Garant für ein längeres und gesünderes Leben. Belohnt wird der, der seiner Ehe ein Upgrade verpasst und einen Vertrag für eine Smart Ehe unterzeichnet mit finanzielle Vorteilen, wie z.B günstigeren Kreditzinsen, Steuererleichterungen und einer wesentlich besseren Krankenversorgung.
Man gibt dem Staat mit seiner Unterschrift allerdings auch das Recht jederzeit private Gespräche aufzuzeichnen,natürlich „nur“ um bei Eheproblemen frühzeitig Hilfe anbieten zu können.
Da der Staat die Ehe und insbesondere die smarte Ehe als die beste aller Lebensformen propagiert und massiv fördert, geht dies natürlich zu Lasten von Singles, Geschiedenen und Verwitweten.

Der neue Roman von John Marrs nimmt auch Bezug auf das bekanntestes Werk des Autors „ The One“, wo die Partnersuche durch DNA Abgleich revolutioniert wurde. Natürlich gibt es eine Menge Paare, die ihren Perfect Match auf diese Weise gefunden haben. Das Buch ist ohne Vorkenntnis der vorherigen Bücher gut verständlich.
Auch in diesem Roman wird die Geschichte aus der Perspektive verschiedener Personen, meist Ehepartnern erzählt. Eine besondere Perspektive ist die von Jeffrey. Er ist Beziehungsberater und nutzt seine Stellung aber auf besonders perfide Art aus.

Das 553 Seiten starke Buch liest sich super schnell weg und hat mich wieder richtig gut unterhalten. Es hält so manche Überraschung bereit und hat ein schlüssiges Finale.

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