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Veröffentlicht am 30.12.2024

Family - but not too much

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Wie immer kam ich schnell in die Geschichte hinein. Der Familie Adair zu folgen, ist wie nach Hause kommen. Und da man schon fast alle Paare sehr gut kennt, ist man auch gleich an allen Figuren interessiert ...

Wie immer kam ich schnell in die Geschichte hinein. Der Familie Adair zu folgen, ist wie nach Hause kommen. Und da man schon fast alle Paare sehr gut kennt, ist man auch gleich an allen Figuren interessiert und freut sich über ihr Glück.
Dieses Mal geht es um Arran, einen der Adair-Jungs. Bisher hat man von ihm nicht ganz so viel mitbekommen und auch in diesem Buch fand ich ihn nicht ganz so zugänglich. Man erfährt zwar etwas über seine Vergangenheit, aber irgendwie fehlte mir bei ihm noch die gewisse Tiefe im Charakter. Denn sobald diese eine vergangene Thematik behandelt worden ist, konzentrierte sich sein ganzes Sein auf Eredine. Das ist zwar ganz süß, hat aber bei mir keine Spannung an ihm als Figur entstehen lassen.

Eredine dagegen war spannender. Sie hat schon immer ihre Geheimnisse eher für sich behalten und jetzt konnte ich endlich in ihren Kopf hineingucken. Dennoch hat es ganz schön gedauert, bis alles ans Licht kam. Bis dahin: Spannung pur, was ihren Charakter anging! Und auch, wenn es mich manchmal etwas verstimmt hat, dass es mit der Lovestory nicht so reibungslos voranging, so hatte es doch alles immer Hand und Fuß und Eredine hat sich super entwickelt. Noch dazu in einem Tempo das gleichzeitig authentisch war und den Lesefluss aufrecht erhielt. Perfekt also, um mit ihren Geheimnissen und ihrer Beziehung zu Arran mitzufiebern.

Die Grundidee ihrer Beziehung fand ich anfangs ziemlich klischeebehaftet. Es ist eine Friends-to-Lovers-Romance, die dann aber eine ungeahnte Wendung nimmt. Zu ihrem Glück, denn alles davor fand ich schon etwas sehr vorhersehbar. Ab diesem Wendepunkt ist es dann ganz süß. Jedes Mal, wenn es brenzlig wird, bekommen die beiden die Kurve und reden miteinander. Es ist geradezu idealtypisch, wie die beiden sich immer näher kommen. Kein Wunder, denn die anderen Pärchen sind stets da, um sie vor den von ihnen gemachten Fehler zu bewahren. Und ich denke, genau das ist auch ein Problem der Autorin: die Figuren können keine Fehler mehr machen, bzw. werden diese zu schnell aufgelöst. Was klischeebehaftete Wendungen angeht ist das natürlich super gut, aber die Irren des Menschen sind meiner Meinung nach unendlich und so gibt es bestimmt noch etwas, was die neuen Figuren machen könnten. Soweit kommt es hier aber nicht.
So sind die beiden für mich zwar ein sehr süßes Paar und man spürt definitiv tiefe, familiäre Emotionen, aber die beiden konnten mich dennoch nicht richtig catchen.

Das lag wohl vor allem daran, dass sich das Buch ein wenig wie eine mehrteilige Miniserie las. Es kam so viel von den anderen Figuren drin vor, dass ich manchmal das Gefühl hatte, der Fokus läge gar nicht mehr auf Eredine und Arran. Einerseits ist das natürlich schön, weil man ihre Geschichten kennt und ihr Glück miterleben will, andererseits nimmt es dem Pärchen dieses Buches aber auch „Screentime“.

Auch ansonsten hielt sich das Buch an das, was ich schon aus den anderen Büchern gewohnt war: es gab ein Problem (oder mehrere) und diese führen nach und nach zu Gefahrensituationen, die die Familie dann zusammen bewältigt. Zwar irgendwo spannend, mir lief es aber teilweise schon zu chronologisch und vorausahnend ab. Ich wusste ja quasi schon, dass es kommt und was es ungefähr sein würde. So hat man teilweise das Gefühl, die Geschichte würde nicht zu einem Ende finden.

Fazit:
Ein solides Buch, das sich wie ein Wiedersehen mit alten Freunden anfühlt – warmherzig, vertraut, aber stellenweise auch vorhersehbar. Während Eredine mich mit ihrer Entwicklung und ihren Geheimnissen gefesselt hat, blieb Arran für mich eher blass. Die Lovestory war süß, aber der Fokus auf die Nebenfiguren hat manchmal den Zauber der Hauptgeschichte geschmälert. Ein schönes Leseerlebnis, auch wenn der große Funke nicht übergesprungen ist.

3 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 22.10.2024

Spannende Thematik, okaye Storyline

Words unspoken
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Zum Schreibstil:
Ich muss zugeben, ich brauchte einen Moment, um in meinem Kopf die richtige Betonung für die Wörter und Sätze zu finden. Denn Kathinka Engel schreibt nicht klassisch locker leicht, wie ...

Zum Schreibstil:
Ich muss zugeben, ich brauchte einen Moment, um in meinem Kopf die richtige Betonung für die Wörter und Sätze zu finden. Denn Kathinka Engel schreibt nicht klassisch locker leicht, wie man es von New Adult usw. gewöhnt ist. Stattdessen schreibt sie etwas verspielter, setzt auf Betonungen, halbe Sätze und zum Teil auch stilistische Mittel, die das Ganze etwas aufpäppeln, im ersten Moment aber auch weniger flüssig machen. Nachdem ich mich aber daran gewöhnt hatte, fand ich es super, denn es ist die Art zu schreiben, die ich auch in meinen Kursen an der Uni gelernt habe und die Art zu schreiben, die gut zu dem Thema des Verlags und Jethro passen.

Zur Geschichte allgemein:
Es ist immer schwierig, wenn man Protagonisten nicht gleich greifen kann. Und ein bisschen war das bei mir hier der Fall. Bash wirkte sehr geformt von der Gesellschaft. Er begründete seine Angepasstheit recht schnell, aber nur mit Ängsten, nicht mit wirklichen Situationen oder Geschehnissen. So war es für mich zwar nachvollziehbar und durchaus denkbar (ich bin froh, dass ich das Privileg habe, niemals so denken zu müssen), aber es fühlte sich auch nach einem gewissen Maß an Leere an. Er steckte in einer eigentlich unbegründeten Angst, die ihm nur zu Teil im Leben weitergeholfen hat. So war er für mich einfach schwer greifbar und auch nicht gleich so interessant.
Als er dann ausbrach, war es für mich wie die Darstellung einer Traumversion oder ähnlichem. Ich konnte es ihm gar nicht richtig abkaufen bzw. hatte Schwierigkeiten, seine Beweggründe für den plötzlichen Umschwung nachzuvollziehen. Das hat natürlich nicht unbedingt dazu beigetragen, ihm sich näher zu fühlen.
So kann ich zu Bash sagen, dass ich ihn ganz süß fand, er wirklich toll die feinen Nuancen an Camille wahrnimmt und sehr einfühlsam zu sein scheint, aber ich hatte keine Chance, mich selbst in ihn zu verlieben. Dafür fehlte mir da etwas.

Bei Camille war es so ähnlich. Gleichzeitig aber war sie auch so komplex, dass ich der Autorin meinen vollen Respekt aussprechen möchte. Das Thema Identität spielte hier eine große Rolle und man merkte in Camille, wie sehr man sich davon gespalten fühlen kann, wenn man erst zum Zweifeln gelangt ist. Ich bin froh, dass es zum Ende hin nochmal eine ausführliche Erklärung seitens Camille gab, sodass sich dann alle Puzzleteile an ihren Platz begaben, die ich vorher gesammelt hatte. Denn die Puzzleteile waren da und auch oft sehr prägnant. Man merkte, dass etwas in Camille vorging. Konnte an ihren Reaktionen spürbar nachvollziehen, wie verquer sie denkt, weil in der Vergangenheit passiert ist, was passiert ist. Das fand ich wirklich gut gemacht, denn es ist schon rein erzählerisch nicht leicht, über ein Ich zu schreiben. dass sich selbst nicht als Ich begreift. Ein unzuverlässiges Ich, das uns Leser:innen zwar mitnimmt, aber eigentlich nicht so richtig da ist.
Etwas, dass ich noch nie zuvor in einem Buch dieses Genres gelesen habe und das definitiv neu und beachtenswert ist. Einzig schade fand ich, dass Camille die Geschichte mit dieser Problematik natürlich nicht beschleunigt (das wäre auch irgendwie gegensätzlich) und es mir einfach etwas zu lange dauerte, bis ich als Leserin ein Gefühl für diese innere Zerrissenheit bekam. Dadurch blieb die erste Hälfte des Buches bezogen auf Camille für mich sehr vage, wenig greifbar und ich musste quasi ins Blaue hinein mitfiebern und wusste gar nicht so genau, was ich erwarten konnte.

Es gibt noch eine dritte Erzählperspektive in diesem Buch, zu der ich aber nicht allzu viel sagen möchte, weil ich dann zu viel vorweg nähme. Nur so viel: Die Auflösung kam mir fast ein wenig zu früh, ich fand es aber sehr gut, dass diese Perspektive so in das Buch eingebunden wurde, weil es endlich mal etwas sehr Greifbares war und auch in Bezug auf Bash so die Problematik deutlicher wurde.

So richtig Spannung bot das Buch für mich also erst ab circa der Hälfte. Den Handlungsort fand ich total spannend, allerdings hat man davon hier gar nicht soo viel mitbekommen (also von der tatsächlichen Arbeit), weil Bash da einfach zu involviert war. Ich denke aber, dass die nächsten Bände nochmal mehr darauf eingehen werden.
Ansonsten habe ich die Nebenprotagonisten sehr geliebt. Die kleine Gruppe ist wirklich liebenswert. Vielleicht wird Daniel ja auch noch aufgenommen:) Schade nur, dass ich auf die Geschichte von Evie und Coulter wohl noch einen Band mehr warten werde müssen. Enemies to Lovers bleibt anscheinend mein Lieblingstrope.

Alles in allem war Bash’s und Camilles Liebe in diesem Buch für mich zwar deutlich da, aber irgendwie konnte sie mich emotional nicht so richtig abholen. Es war fast zu leicht, wie Bash sie verstand. Beide sind sehr leise verliebt, lassen sich viel Zeit und der Fokus liegt einfach sehr auf Camille und ihren Ängsten. Dadurch blieb nicht so viel Zeit für irgendwelche Alltagssituationen, in denen man sich konkret einmal mit den Protagonisten hätte verlieben können. Es ist sehr schnell einfach gegeben, dass es Liebe zwischen ihnen ist. So war die Geschichte zwar angenehm zu lesen und definitiv interessant, aber ich habe nur so halb mitgefiebert.

Fazit:
Eine Geschichte, die mich besonders mit Hinblick auf Camilles Charakter sehr überrascht hat. Da wird echt ein komplexes Thema aufgenommen und auch ziemlich gut umgesetzt. Mir blieben bei dem Ganzen ein wenig die romantischen Gefühle auf der Strecke. Gerade auf der emotionalen Ebene, die uns Leser:innen anspricht. Zudem brauchte ich sehr lange, um in einen richtigen Lesefluss zu kommen, weil die Geschichte eher semi spannend und sehr ruhig beginnt. Slow Burn wie es sich gehört würde man sagen. Da die Protas für mich aber lange Zeit nicht so ganz greifbar waren, vielleicht auch etwas anderes.

Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 14.07.2024

Konnte mich nicht ganz überzeugen

Corrupt – Dunkle Versuchung
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Zum Schreibstil:

Dies ist jetzt mein zweites Buch der Autorin und ich war mir beim ersten noch nicht ganz sicher, ob es nun die Übersetzung ist oder der Schreibstil an sich. Jetzt bin ich mir jedoch einigermaßen ...

Zum Schreibstil:

Dies ist jetzt mein zweites Buch der Autorin und ich war mir beim ersten noch nicht ganz sicher, ob es nun die Übersetzung ist oder der Schreibstil an sich. Jetzt bin ich mir jedoch einigermaßen sicher. Also: Ich finde, dass die Autorin relativ einfach schreibt. Die Sprache ist nicht sehr verdichtet, es wird oft das Offensichtliche erwähnt, als würde uns nicht zugetraut, dass wir es uns vorstellen könnten. Gleichzeitig wird etwas beschrieben, was gar nicht handlungstragend ist. Also vielleicht etwas unausgewogen und einfach, aber dennoch hat der Schreibstil in Verbindung mit dem Genre seinen Reiz. Durch die Einfachheit der Worte wird das Rohe der Dark Romance meiner Meinung nach noch betont. Große literarische Kunst bekommen wir hier aber natürlich trotzdem nicht gezeigt.

Zur Geschichte allgemein:
Das Besondere an diesem Buch: Es gibt gleich drei POVs. Einmal Erika, dann Michael und dann noch die Vergangenheit, die ungefähr bis zur Hälfte des Buches abwechselnd Kapitel bildet.
Fangen wir bei Erika an: Ehrlich gesagt habe ich etwas Zeit gebraucht, um sie so richtig zu durchschauen. Wie sagt man heute? Sie hat einen Crush auf Michael. Und zwar einen ziemlich heftigen seit der Kindheit. Deshalb konzentriert sie sich in ihren Gedanken tatsächlich oft sehr stark auf ihn und richtet ihr Leben und ihr Tun teilweise auf ihn aus. Anfangs besteht dies vor allem daraus, dass sie eben nichts mit ihm zu tun haben möchte. Für uns Leser:innen ein rätselhaftes Verhalten, denn was ist denn da nun zwischen den beiden?

Michael verrät leider auch nicht mehr. In seiner POV geht es hauptsächlich um düstere Themen. Es geht darum, Rache an Erika zu nehmen und um seine Freunde glücklich zu stimmen. Ihm scheint alles andere egal zu sein. Seine Gefühle bezüglich Erika? Anfangs noch unergründlich. Er bringt also sogleich diese Dark Romance Atmosphäre in die Geschichte und die darf auch etwas verwirrend sein. Ich weiß, dass einige hier schon argumentieren werden, dass Michaels Handlungen und sein Denken nicht logisch scheinen. Er wirkt kalt und herzlos, beinahe unmenschlich und seine Motive bleiben im Dunklen. Aber genau das ist so ungefähr die Definition von Dark Romance. Er macht also quasi alles richtig und erzeugt natürlich Spannung, denn wir wollen wissen: Was ist sein Problem? Wie findet er Erika? Was ist der große Plan? Und so weiter.

Etwas anstrengend geradezu war dann, dass die Gegenwart immer wieder von der Vergangenheit ausgebremst wurde, aus der wir gelesen haben. Das Thema dort: die Devil’s Night. Eine Nacht, in der Micheal und seine Freunde machen, worauf auch immer sie Lust haben, ohne die Gesetze zu achten. Und anscheinend gab es eine Nacht, in der Erika mit von der Partie war…. Diese wird über mehrere Kapitel hinweg erzählt. Es ist also ein extrem zeitdehnendes Erzählen, dass zwar vieles erklärt, was wir für die Gegenwart brauchen, gleichzeitig aber auch so einen kleinen Ausschnitt fokussiert, dass uns einiges entgeht. Das fiel mir vor allem gegen Ende der Geschichte auf, wo die Nacht immer wichtiger wird und es um verletzte Gefühle usw. geht. Diese Gefühle haben wir Leser:innen aber gar nicht richtig spüren können. Das fand ich dann ein wenig schade.

Ansonsten aber war diese Nacht eine tolle Idee und ich mochte es erzähltechnisch, dass sie so ausgedehnt wurde, denn natürlich wollte man wissen, wie es weitergeht und zu welchem Ende sie letztlich kommt. Denn dieses Ende ist schließlich entscheidend für das, was in der Gegenwart zwischen allen steht. Also Spannung pur, die man deutlich an meinem Lesetempo merken konnte.
In der Gegenwart passiert dagegen eher klassischer Kram. Denkt man, denn Michael und seine Freunde mischen sich sehr schnell in Erikas Leben ein. Natürlich rätselt man dann mit, woher das plötzliche Interesse kommt und was ihr Ziel ist. Und man zittert auch mit Erika, denn einerseits will sie nur weg von ihnen und andererseits wird sie von ihnen angezogen wie die Motten vom Licht (wie man so schön sagt). Es ist also fast ein Tauziehen, das dort stattfindet.

Mir hat die Handlung so bis zu Dreiviertel des Buches ganz gut gefallen. Es war spannend, hatte Dark Romance-Elemente und hat uns immer wieder mit Fragezeichen dastehen lassen. Etwas, was dieses Genre auch sehr gut kann und was für mich ein wenig der Reiz daran ist. Das letzte Viertel des Buches war dann für mich allerdings etwas langgezogen und mir fehlte da die Raffinesse, auch das Bildgewandte (man merkte doch nochmal, dass der Schreibstil es hier nicht leisten konnte) und die Nachvollziehbarkeit. Denn auch zum Ende hin fällt nochmal auf, dass ein wenig Vergangenheit fehlt, um die Geschichte und ihre Protagonist:innen so richtig zu verstehen. Das war etwas schade.

Genauso schade fand ich die Lovestory. Denn entgegen meiner sonstigen Dark Romance-Erfahrungen, waren Erika und Michael zwar verliebt und hatten einen großen Besitzanspruch, aber mir fehlte das „Darke“ in ihrer Beziehung ein wenig. Stattdessen wurde wenig galant immer wieder darauf hingewiesen, dass Erika lernen müsse, sie zu wehren und Michael ihr es beibränge. Das geschah aber immer mit Vorankündigung und so offensiv, dass es wenig authentisch wirkte und ihrer Geschichte irgendwie den Love Flow nahm. Schade, denn eigentlich hätte es durchaus was werden können, denn am Ende nimmt die Autorin sogar explizit nochmal Bezug darauf und vervollständigt den Kreis. Die Handlungsstränge kommen also alle zusammen. Allerdings nicht alle ausführlich und erklärend genug, wie ich fand. Auch auf Michael bezogen blieb da einiges einfach gehalten. Das hätte noch besser gemacht werden können.

Fazit:
Erstaunlicherweise hätte ich mir hier mehr Dark Romance gewünscht. Zwar ist hier definitiv was vorhanden und einige von euch werden es schon zu viel finden, aber ich fand es an einigen Stellen einfach etwas unauthentisch und dadurch zählte es dort einfach nicht für mich. Die Handlung war bis fast zum Ende spannend, irgendwann wurde es etwas lang und das Ende dann recht schnell abgehandelt. Die Idee mit der Devil’s Night fand ich super und auch ansonsten gab es viele schöne Momente. Die Lovestory war süß, die Tiefe fehlte eher in den Nebensträngen, was man positiv wie auch negativ werten kann. Einzig der Schreibstil konnte mich hier nicht so ganz überzeugen.

3,5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 18.02.2024

Mir fehlte Spannung und Tiefe

Oracle
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Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich schon immer super, besonders in Bezug auf Jugendromane. Sie hält sich an eine eher einfache Sprache, nutzt aber an bestimmten Stellen auch verworrenere, ...

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich schon immer super, besonders in Bezug auf Jugendromane. Sie hält sich an eine eher einfache Sprache, nutzt aber an bestimmten Stellen auch verworrenere, metaphorisch angehauchte Sätze, die der Geschichte dann meist noch den letzten Schliff verleihen. Auch hier war es wieder so, dass man allem super gut folgen konnte und keine höheren Denkprozesse anstoßen musste, um der doch recht komplexen Thematik folgen zu können. Das erste Mal aber ist mir auch in Bezug auf den Schreibstil hier vermehrt aufgefallen, dass die Tiefe der Geschichte so wenig Platz zur Entfaltung bekommt. Da muss man also bei diesem Buch Abstriche machen.



Zur Geschichte allgemein:
Mit Julian präsentiert uns die Autorin eine Hauptfigur, die psychisch nicht ganz zuverlässig wirkt. Zumindest anfangs. Als Psychose-Patient kommen wir Leser:innen in den Zwiespalt: Ist es real oder nur Einbildung? Diese Problematik wird aber relativ schnell aufgelöst, denn Julian selbst stellt sich diese Frage und wird durch seine Bedenken und sein logisches Vorgehen für uns immer zuverlässiger. Es ist also schnell klar: Es passieren unerklärliche Dinge in einer ansonsten real wirkenden Welt. Was bei mir dann immer gleich im Kopf auftaucht ist: Wie sind die Grenzen dieser Welt definiert? Ist es ein einmaliges Phänomen? Lässt die Welt dieses Phänomen zu oder nicht? Als Leser:in braucht man immer einen ungefähren Rahmen, finde ich, in dem man Sachen hinnimmt oder nicht. Ist es in dieser Welt nun wirklich möglich, in die Zukunft zu sehen oder müsste ich an Übernatürliches glauben, um dem zu folgen, wie ich es auch in der Realität tue? Denn das ist meine Vorstellung der Realität: Übernatürliches gibt es nicht. Aber müssten sich Julians Kräfte dann nicht anders erklären lassen, wenn die Welt, in der die Geschichte spielt und uns als unsere Realität erklärt wird?
Tatsächlich konnte ich darüber während des Handlungsverlaufes ganz gut hinwegsehen, zum Ende hin hätte ich mir aber leider noch irgendeine Art von Erklärung gewünscht, weil das in meinem Kopf einfach so nicht zusammenpassen wollte. Auch, wenn in Büchern natürlich theoretisch alles möglich ist.

Die Thematik an sich war aber super spannend. Julian sieht Marker. Doch was bedeuten sie? Wann tauchen sie auf? Wann gehen sie weg? Inwieweit ist die Zukunft beeinflussbar? Julian versucht all das herauszufinden und muss dabei immer wieder in Bezug auf sich selbst zurückstecken, denn er ist bestätigt psychisch krank und erzählt jetzt etwas von Vorzeichen? Er stößt auf Ablehnung, Unglaube und auch einige böse Zungen. Dennoch bleibt er stark. Das hat für mich gut zusammengepasst, weil Julian erst im Laufe der Handlung zu jemandem wird, dem soziale Kontakte wichtig sind. Zu Anfang ist er ein Einsiedler, der in dem Sinne gar nicht so viel zu verlieren hat und dann einfach selbstlos agiert.
Interessant war, wie die anderen Figuren auf ihn reagiert haben. Tatsächlich passiert das positiver, als ich es erwartet hätte. Vielleicht manchmal positiver als es vermutlich real gewesen wäre. Allerdings löst die Autorin dies, indem sie einen weiteren Handlungsstrang einflicht: die kriminellen Machenschaften eines Mannes, der Julians Kräfte nur allzu ernst nimmt. Dadurch bekommt die Geschichte zwischendurch immer mal wieder eine ganz andere Dynamik, denn es geht raus aus Julians Gefühlswelt und die Dinge, die ihn direkt betreffen zu einer weiteren Ebene, an der Julian nur indirekt beteiligt ist.
Manchmal wirkte es durch diese explizite Aufteilung auf zwei Ebenen aber auch etwas fernab der Handlung und hat mich verwirrt zurückgelassen. Denn beide Ebenen bekommen nur wenig Tiefe und haben kein so richtiges Ende, aber auch keinen richtigen Anfang. Man fühlt sich, als werde man ein Stück auf Julians Lebenspfad mitgenommen und erlebe nur eine Momentaufnahme. Das wird dann noch dadurch bestärkt, dass das Ende einem keine wirkliche Erklärung für alles liefert. Zwar werden die Handlungsfäden alle verknüpft und in der Geschichte auch aufgeklärt, aber das Übernatürliche dieser Geschichte bleibt unerklärt und damit eher unzufriedenstellend für mich als Leserin.



Wirklich positiv empfand ich das Buch, wenn man es als reines Jugendbuch ohne Thrillerelement betrachtet. Julian ist am Anfang unsicher, was Gleichaltrige angeht, hat keine Freunde, traut sich nicht so richtig rein in die Welt und traut sich selbst auch nichts zu. Nach und nach ändert sich das und zwar ganz zart und von ihm auch gar nicht groß zur Kenntnis genommen. Das war für mich die Kunst. Dass alles so natürlich und kleinschrittig passiert, dass es einfach nur authentisch wirkte. Am Ende ist Julian ein ganz anderer und wenn ich auf Metaebenen denken würde, dann würde ich sagen, der ganze übernatürliche Teil dieser Geschichte hat einzig dazu gedient, Julian einen Anstoß zur Veränderung und zum Mutigwerden zu geben. Dahingehend macht die Geschichte und das Ende aber keine expliziten Andeutungen, sodass man es sich schon selbst hineindeuten muss.

Weiter positiv war zudem die ganze Idee der Marker und Zeichen. Die Autorin hat es super gut verbildlicht und eine wirklich ausgeklüngelte Logik präsentiert. Das war auf jeden Fall spannend.

Fazit:
Die Geschichte dieses Buches konnte mich nicht so ganz überzeugen. Zwar kommt man in einen guten Lesefluss, aber die Tiefe und auch die thrillermäßige Spannung fehlt. Es wirkt wie eine Momentaufnahme, nicht wie eine ganze Geschichte. Die Entwicklung des Protagonisten fand ich super und auch, wie mit der Thematik umgegangen wurde, aber irgendwo hat es nicht gereicht, mich zu richtig zu flashen.

3 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 12.06.2022

Süße Lovestory für Zwischendurch

True North - Wo auch immer du bist
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Zur Info: Dies ist der erste Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Die Reihenfolge ist also nicht unbedingt einzuhalten, wie immer macht es aber mehr Spaß, wenn man sie nacheinander liest.

Klappentext:
Als ...

Zur Info: Dies ist der erste Band einer lose zusammenhängenden Reihe. Die Reihenfolge ist also nicht unbedingt einzuhalten, wie immer macht es aber mehr Spaß, wenn man sie nacheinander liest.

Klappentext:
Als Audrey Kidder der finstere Blick von Griffin Shipley trifft, weiß sie sofort, dass ihr Auftrag in Vermont schwieriger wird als gedacht. Doch sie hat keine Wahl: Wenn sie ihren Job behalten will, muss sie Griff davon überzeugen, seinen preisgekrönten Cider zum halben Preis zu verkaufen. Eine harte Nuss, denn der Bio-Farmer ist nicht nur ausgesprochen stur – und unheimlich attraktiv -, sondern seit ihrer heißen Affäre am College auch nicht besonders gut auf Audrey zu sprechen. Und dass sich Audrey in Griffs Nähe augenblicklich so zu Hause fühlt wie nirgends sonst auf der Welt, macht die Sache alles andere als einfach –

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin empfand ich als ganz okay. Die Geschichte ließ sich alles in allem ganz flüssig und locker lesen, ich hatte aber manchmal das Gefühl, dass Emotionen und Gedanken nicht ganz mittelbar für den Leser waren. Das lag vor allem daran, dass die Sätze teilweise komisch gestellt waren, sodass die eigentliche Aussage an falscher Stelle stand. Nach und nach gab sich das aber und hat mich dann nicht mehr gestört.

Zur Geschichte allgemein:
Den Anfang der Geschichte bildet eine ganz typische Situation: Audrey steht alles andere als fest verwurzelt im Leben und kommt durch ihren mehr als schlechten Job in ein total neues Umfeld. Dort trifft sie auf ihre alte College-Flamme Griffin. Ganz cool fand ich daran trotzdem, dass die beiden das ganze Herumgedruckse lassen und sich gleich darauf besinnen, was sie damals zueinander hingezogen hat. Dadurch nimmt die Geschichte überraschend schnell Fahrt auf.

Audrey ist dabei die inkonstante Figur dieses Paars. Sie will ihn eigentlich kennenlernen, lässt es dann aber doch, möchte bei ihm bleiben, geht dann aber doch und so weiter. Teilweise hat mich das ziemlich genervt, weil sie sowohl den anderen Figuren als auch den Leser:innen gegenüber keine richtige Erklärung liefert bzw. überhaupt eine Sekunde Zeit lässt, dies zu verarbeiten.
Dabei mochte ich ihren Charakter eigentlich. Sie liebt es zu kochen, was auch sehr gut zu spüren war, und sehnt sich nach einer Familie, wie ihre Hintergrundgeschichte (Vergleich Griffins und ihrer Familie) zeigt. Dennoch erschien sie mir auch auf dieser Ebene unentschlossen. Da hätten einfach noch mehr Gedanken, Gefühle und Hintergründe eingearbeitet werden müssen, um ihre Figur komplexer und verständlicher zu machen.

Griffin blieben ebenso schwammig. Man lernt ihn als Familienmensch kennen, der für seinen Job, seine Leidenschaft brennt, aber auch eine Vergangenheit hat. In erster Linie ist er aber attraktiv, was so ziemlich das Wichtigste an ihm zu sein schien. Auch ihn mochte ich total gerne, aber es war einfach schwierig, ihn richtig kennenzulernen. Meistens tat er mir einfach nur leid, weil Audrey kommt und geht, wie sie will und ihn immer wieder ohne Erklärung zurücklässt.

Der Handlungsverlauf blieb so natürlich spannend, denn man wusste ja nie, was Audrey so macht. Ansonsten waren die Grundelemente aber sehr vorhersehbar, was natürlich besonders dadurch auffiel, dass so wenig Tiefe in der Geschichte liegt. Ich sage immer, dass eine Liebesgeschichte nicht komplett neu erfunden werden muss. Es gibt nunmal immer die gleichen Elemente. Aber das ist an sich nicht schlimm. Es kommt einfach darauf an, dass die Figuren berühren, dass Tiefe und Emotionen oder auch, je nach Genre, die Erotik anders gelagert wird. So wird dann doch jede Geschichte einzigartig.
Hier hat mir diese Einzigartigkeit etwas gefehlt. Man merkte, dass es ein Wohlfühlroman werden sollte. Das war auch so. Ich mochte alle Figuren, das Thema „Cidre“ ist schön, weil man es noch nicht so oft gelesen hat und es echt interessant ist, und auch die Leidenschaften der beiden Protagonisten kam gut durch. Zwischen ihnen direkt, schien es aber irgendwie nur sexuell. Es fehlten einfach die Kniffe, die es zu einer Geschichte gemacht hätten, die man nicht mehr vergisst und die einen wirklich berührt.

Das Ende belegt dies. Es war vorhersehbar happy. Alle Probleme wurden im Nu gelöst. Klar, so endet eine Geschichte schön und alle losen Fäden finden zusammen. Aber auch hier fehlt letztlich der bleibende Eindruck.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

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